Neues im Bücherregal. Die England-Ausgabe

Einen besonderen Buchbummel, auf den ich mich schon lange gefreut hatte, war mein Englandurlaub mit Abstecher nach Hay-on-Wye, der Bücherstadt. Da ich den Rummel vor Ort schon kannte, war ich vorbereitet: Eine wohlorganisierte Wunschliste im Schlepp zog ich los, sie alle zu fangen 🙂

Meine Liste enthielt ausschließlich Bücher, die nie oder noch nicht übersetzt wurden oder solche, die ich einfach lieber auf Englisch lesen möchte. Einige Bücher waren auch dabei, die ich erst einmal in der Hand halten wollte, bevor ich sie bestelle und es vielleicht bereue.Bücherstapel Science Fiction Fantasy

Spider Robinson: Callahan’s Crosstime Saloon
Kurt Vonnegut: Cat’s Cradle
Richard Matheson: I Am Legend
Joe Haldeman: The Forever War
Ray Bradbury: Something Wicked This Way Comes
Guy Kavriel Kay: A Song For Arbonne
Steven Erikson: Gardens of the Moon
Joanne M. Harris: The Gospel of Loki

Von Callahan’s Crosstime Saloon habe ich ja bereits berichtet. Andere Bücher, die ich auf Empfehlungen hin gekauft habe, waren A Song for Arbonne (Neyashas Tipp als Alternative zu Tigana vom selben Autor) und I Am Legend (was von Ariana kam).

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Ann Patchett: Bel Canto
Caitlin Moran: How To Build A Girl
Ann Carol Duffy: The World’s Wife

Bel Canto habe ich gar nicht gekauft, sondern in einer wunderschönen Kirche am Meer in einem Tauschregal entdeckt! Ich musste einfach ein Buch mitnehmen und von Ann Patchett schwärmen ja viele. The World’s Wife wiederum war auf meiner Wunschliste: Ein Gedichtband über die Frauen hinter den „großen Männern“. Die Gedichte scheinen auf den ersten Blick witzig und clever.

Ich fühlte mich sehr erfolgreich nach dem Bummel in Hay-on-Wye: Ich hatte wenig ausgegeben, fast nur die geplanten Bücher gekauft und auch einige Wünsche von der Liste gestrichen, weil mir die Bücher doch nicht gefallen haben. Und dann kam Oxford.nf-quantum-subliminal-victorians-british-history

Brian Cox / Jeff Forshaw: The Quantum Universe
Leonard Mlodinow: Subliminal
Caroline Rochford: Great Victorian Discoveries
John O’Farrell: An Utterly Impartial History Of Britain

Ich habe einen neuen Grund gefunden, dankbar für die Buchpreisbindung in Deutschland zu sein. Ein halbe Stunde in Blackwell (einem renommierten und sehr großen Buchladen) und nur ein klarer Moment rettete mich vor dem Bankrott. In der wissenschaftlichen Abteilung bemerkte ich die Aufkleber auf den Taschenbüchern „3 for 2“. Darum die 3 Sachbücher im Einkauf. Befriedigt stieg ich in den dritten Stock, um die Second Hand Abteilung zu erkunden. Viele Studenten verringern durch den Wiederverkauf ihrer Bücher ihre Studienkosten. Dort fand ich etwas, das ich schon lange suchte: Eine humorvolle, leichte Geschichte Großbritanniens. Ich bin keine Historikerin und brauche es nicht allzu genau, daher habe ich gerne ein paar Pfund in ein sehr gut erhaltenes Hardback investiert. Als ich wieder runterkam sah ich, dass die fatalen „3 for 2“-Aufkleber auch auf Belletristik-Bänden, ja, eigentlich auf allen möglichen Büchern klebten! Nach einem kurzen Aussetzer (so viele Möglichkeiten!) verließ ich schnurstracks das Geschäft. Aus Sicherheitsgründen.

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Zwei Bücher, die ich inspiriert durch Leonard Mlodinows Das Fenster zum Universum (eine Geschichte der Geometrie) haben wollte. Dieses Buch hatte ich auf Englisch gelesen und dadurch jegliche Angst vor der englischen Sprache verloren und wollte nun mehr über Stringtheorie und die Beschaffenheit der Welt erfahren. Darum war The Quantum Universe auf meiner Liste gelandet. Subliminal habe ich dann wegen dem Autor, Mlodiow selbst, eingesackt. Das Unbewusste und der Zusammenhang mit unserem mehr oder weniger freien Willen interessiert mich natürlich auch.

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Great Victorian Discoveries war das dritte Buch meines „3 for 2“-Bundles. Nachdem mich die Dokumentarserie What the Victorians did for us von der BBC vor Jahren auf diese Periode gestoßen hat, nahm ich ohne groß zu überlegen dieses Sammelsurium an Fakten und Anekdoten mit. John O’Farrells Buch hat mich zwischen Bänden über verschiedene Kriege und wichtige Männer der Geschichte besonders angesprochen. Es sieht mächtig aus, enthält aber vergleichsweise leichte Kost. Die ersten Seiten waren schon sehr lustig und lassen auf mehr hoffen.

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Zwei dicke Bücher! Warum hat mich niemand gewarnt, wie viele Malazan-Bücher es gibt?!

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Fast unsere Welt: Eine Bar, ein Zirkus. Aber etwas ist entschieden anders.

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Ein paar Klassiker verschiedener Subgenres.

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Trotz gemischter Bewertungen mitgenommen. Das Cover ist aber auch schön.

Mit dieser kleinen Orgie habe ich meine SuB-Abbaupläne natürlich zurückgeworfen. Ich hoffe, den Rest des Jahres deutlich kürzer zu treten und mich ganz besonders auf mein eigenes Regal zu konzentrieren. Die Shoppingtour hatte ich mir aber redlich verdient und ich bereue nichts 🙂

Bye, bye, Sommer

Vor zweieinhalb Monaten, am 9.7., habe ich hier eine Top 10 der Dinge gepostet, die ich im Sommer machen wollte. Nun ist es offiziell vorbei mit den heißen Tagen, die Nächte werden zusehends länger und die Natur bereitet sich auf den Winter vor. Weil es irgendwie unvollständig wäre, zwar von den Top 10, nicht aber dem Ergebnis meines Sommers zu berichten, kommt hier die teils abgehakte Liste, ein paar Erlebnisse und lockeres Geblubber über einen Sommer, der zu Ende ist.sommer-roma

Ich wollte…
mindestens einmal ins Freibad gehen: Es ist bei dem einen Mal geblieben; dafür war ich aber häufiger in Parks und an der Mosel, halt nur, ohne ins Wasser zu gehen. Und von Rom aus bin ich einen Nachmittag ans Meer gefahren (war aber zu kalt zum Schwimmen). Ist doch auch was.

ein Familienwochenende erleben: Das haben wir sogar zweimal hinbekommen. Ich bin stolz auf uns 😉

eine Radtour an der Mosel machen: Zeitlich war eine mehrtagige Tour nicht mehr unterzukriegen, aber mehrere Tagestouren, auch mal mit Freunden, haben einen schönen Ausgleich dafür geschaffen. Das waren meine letzten Tage als Moselaner, bald bin ich endlich wieder am Rhein heimisch und ich freue mich schon, die Kölner Bucht zu erkunden!

rudern: Das hat gar nicht funktioniert. Um ein Boot aufs Wasser zu bekommen, ist aber schließlich die Terminabsprache aller Beteiligten nötig. Daher ist der Schwierigkeitsgrad hier hoch. Ich freue mich aber darauf, hoffentlich ab diesem Winter wieder regelmäßig auf dem Rhein zu rudern und im KCFW eine neue Rudererhomebase zu finden.

alte Freunde besuchen: Ich kann mich nicht beklagen. Bei ganz vielen Leutchen bin ich untergekommen, wir haben gefeiert, gegessen und auch mal geschwiegen. Außerdem durfte ich eine Hochzeit im Freundeskreis miterleben. So schön. Eine zweite steht auch noch bevor 😀

abends lange draußen sein (ohne zu frieren!): Hatte ich zur Genüge (falls das möglich ist!). In Köln war ich Cocktails schlürfen, an der Mosel spazieren, in Rom Pasta und Eis futtern, und auch den Balkon meiner Ma darf ich zu den besten Schauplätzen der diesjährigen Sommernächte zählen. Da kann man nämlich die Schiffe auf dem Rhein beobachten, was erstaunlich interessant ist. Auch die Yogagruppe am gegenüberliegenden Flussufer sorgte für Unterhaltung.

Geschichte für einen Augenblick lesen: Ein wunderbares Buch! Es hat mich förmlich mit Denkanstößen erschlagen und ich werde es sicher irgendwann wieder lesen.

das nächste Kinosemester mitplanen: Zum Glück kann ich neben der Planung der kommenden Filme sogar noch zum Markt der Möglichkeiten und der O-Woche im Oktober kommen. Das sind Events vor Veranstaltungsbeginn, wo sich das Kino vorstellen und neue Mitglieder erreichen kann. Ein letztes Mal Kasse machen und nachher aufräumen, das wird schon schwer fallen.

die Bib nutzen, solange es geht: Die Unibib kam durch die größere Enfernung etwas kurz. Das macht aber nichts, schließlich habe ich hier große Teile meines Studiums gerne verbracht. Und in der Stadtbibliothek habe ich entliehen, was das Zeug hält.

mal wieder Naturkundeposts schreiben: Geschafft! Um wieder öfter Naturkundliches posten zu können, habe ich auf meinem Laptop einen Ordner angelegt, wo ich alle passenden Fotos direkt reinwerfe. Warum bin ich nicht direkt auf diese Idee gekommen?

 

Ich hoffe, euer Sommer war mindestens genauso bunt und ereignisreich! Jetzt bräuchte es eigentlich eine Top 10 für den Herbst, aber es reicht für heute, denke ich. Außerdem bin ich noch gar nicht in Herbststimmung, auch wenn das Wetter sich sehr ins Zeug gelegt hat, diese heraufzubeschwören. Ihr etwa?

Stefan Zweig und ich: Die Leseliste wächst

Stefan ZweigSeit ich das erste Mal von Stefan Zweigs Exil und Selbstmord, von seinem unbezwingbaren Pazifismus gehört habe (lange lange ist es her), bin ich Zweig-Fan. Nur, dass ich die längste Zeit nicht einen einzigen Text von ihm kannte.
Es ist mehr eine Art Verehrung unbekannterweise. Jemand, der gegen alle Widerstände eine eigene Meinung hat und diese vor anderen verteidigt, ist nicht so oft zu finden, wie ich mir das wünschen würde; ich bin nicht mal sicher, ob ich in seiner Situation den Mumm gehabt hätte, so zu handeln.

Nach langer Zeit habe ich nun eines seiner Bücher gelesen und stecke gerade im zweiten. Beides sind Sachbücher. Zweig ist vor allem bekannt für die Schachnovelle oder Ungeduld des Herzens, und beide stehen bei mir im Regal. Trotzdem zieht es mich zu seinen Essays und Meinungstexten, durch die ich seine Welt direkt erlesen kann.

Meine Erstberührung mit Zweig war mit der Originalausgabe von Sternstunden der Menschheit. Die OA erwähne ich, weil in späteren Ausgaben weitere Texte angefügt wurden. In meiner alten Insel-Ausgabe sind 12 Miniaturen versammelt, die von historischen Begebenheiten berichten. Waterloo und der Wettstreit zum Nordpol sind mir in Erinnerung geblieben. Letzterer ist der letzte Text in dem Bändchen und hat mich fast zum Weinen gebracht.

Zweig ist ein Mann der großen Worte, seine Texte strotzen vor Pathos. Seltsam, dass ich ihn dennoch mag. Er brüstet sich nicht mit den großen Worten, sondern zeigt durch sie Ehrerbietung und großes Interesse für seine Umwelt.

Momentan lese ich Begegnungen, eine Sammlung von verschiedenen Texten über Menschen, Städte, Bücher und Zeiten. Darin fasziniert mich am meisten der letztgenannte Teil über Zeiten. Der startete mit einem Essay über Die Monotonisierung der Welt.

Stärkster geistiger Eindruck von jeder Reise in den letzten Jahre, trotz aller einzelnen Beglückungen: ein leises Grauen vor der Monotonisierung der Welt. Alles wird gleichförmiger in  den äusseren Lebensformen, alles nivelliert sich auf ein einheitliches kulturelles Schema.

Mich hat sehr überrascht, wie aktuell der Text (geschrieben 1925) ist und wie hellseherisch Zweig erkannt hat, wie lokale Eigenheiten verschwinden – heute nennt man dieses Phänomen Globalisierung. Ich stimme Zweig zwar nicht in jedem Punkt zu, weil aus dem Zusammenrücken der Länder auch Gutes gewonnen werden kann und ja durchaus nicht einfach alles Eigene verschwindet, sondern teilweise erst richtig gepflegt und erkannt wird. Aber ich bewundere seine Beobachtungsgabe. Man kann aber auch die leise Verzweiflung über die Welt herauslesen, die Überzeugung, dass es der Mensch selbst ist, der den eigenen Untergang heraufbeschwört.

Nach wie vor bin ich fasziniert von Zweig und freue mich auf den Rest des Buchs. Eine Beschreibung New Yorks von 1912 ist dabei, die genauso aktuell wirkt. Danach wäre es wohl mal endlich Zeit für eine anständige Biographie (Empfehlungen?). Und die Autobiographie Die Welt von Gestern will ich auch lesen; dieses Buch hat übrigens Wes Anderson zu Grand Budapest Hotel inspiriert, ein Film, bei dem ich letztes Jahr viel Spaß hatte.

Bei cicero kann man Die Monotonisierung der Welt online lesen. Empfehlenswert.
Aktualisierung: Hier ist ein Interview mit Wes Anderson, in dem er über Zweigs Einfluss auf Grand Budapest Hotel spricht (englisch).