Der Horror. Gelesenes im August, Teil 1

Charlotte Perkins Gilman: Die gelbe Tapete

Brillante Kurzgeschichte mit einer Spur Gothic. Hier die Rezension für alle, die es gerne etwas genauer hätten.

Kenneth Grahame: The Wind in the Willows

Mit diesem Klassiker bin ich nicht richtig warm geworden. Toad, reich, egozentrisch, adrenalinversessen, war einfach nicht auszuhalten. Die kurzen Episoden über Badger, Ratty und Mole waren dagegen einfach zu kurz. Insgesamt wird hier ein etwas zu behäbiges Leben angepriesen, das doch ganz schön angestaubt ist.

Suzanne Collins: Flammender Zorn (Die Tribute von Panem 3)

Wie die anderen beiden Bände der Tribute von Panem war ich auch hiermit innerhalb zweier Tage durch. Ich hatte mich gewundert, warum so viele Leser dieses Buch am schwächsten bewerten. Während mir das Ende eigentlich nicht so verkehrt vorkam, hat mich etwas anderes zunehmend gestört: Katniss war über die anderen Bände eine erstaunlich starke Protagonistin. Leider verfällt Collins auf den letzten Meilen in typische Muster und stellt Katniss als kaltblütige Opportunistin und als Vamp dar. Und mehr kann ich nicht sagen wegen Spoilern für die Reihe. Insgesamt also ein zwiegespaltenes Leseerlebnis.

Gender Trouble: Gelesenes im Juli (Teil 2)

Meine Leseflaute hält weiter an, immer noch bin ich vollkommen im Witch please Fieber. Dazu kommen ausführliche Planungsorgien für den bevorstehenden Englandurlaub.

Irmgard Keun: Das Mädchen mit dem die Kinder nicht verkehren durften

irmgard-keunKurzweilige Story um ein ungezogenes Mädchen aus dem Köln während und kurz nach dem Ersten Weltkrieg. Da wir die Geschichte aus der Perspektive des Kindes lesen, sehen wir die eindeutig guten Absichten der Kleinen: Sie missversteht die Welt der Eltern und umgekehrt.

Sie essen die Schnecken, sie essen immerzu alles und erzählen Kindern, daß man Schnecken ansingen soll und Osterhasen lieben muß. Ich weiß wirklich nicht, warum sie nicht lieber böse dicke Männer essen, die sie nicht leiden können und die nicht niedlich sind und an denen auch mehr dran ist.  — S. 133

Irmgard Keuns Stil ist unverkennbar, unter der flatterhaften Oberfläche gibt es viel zu entdecken. Die eigentliche Geschichte ist eher episodenhaft und das Ende sehr abrupt.

Marcel Proust: Sodom und Gomorra (Auf der Suche nach der verlorenen Zeit #4)

So langsam entwickelt sich ein Problem mit diesen Büchern: Proust liebt Rück- und Vorverweise, die sich bei der Buchlänge natürlich kein Normalsterblicher merken kann.

Noch eine zweite Anmerkung: Soo viele versteckte Petting-Szenen!

Ich lehnte die Decke ab, die ich an den folgenden Abenden, bei denen Albertine dabei war, annehmen sollte, freilich weniger wegen der Gefahr einer Erkältung, als um der Geheimhaltung unserer Vergnügungen willen.

In diesem Buch geht es hauptsächlich um Sexualität, vor allem um homoerotische. Die dabei vertretene Meinung, Homosexuelle seien „eigentlich“ des jeweils anderen Geschlechts (also ein schwuler Mann sei eigentlich eine Frau und umgekehrt) war dabei dermaßen präsent, dass mir das Lesen teilweise schwer fiel. So viel als Warnung an Interessierte.

Carlos Ruiz Zafón: Der Fürst des Parnass

Mein Lückenbüßer des Monats ist diese wenig erfreuliche Prequel zu der beliebten Buchreihe um den Friedhof der vergessenen Bücher. Vieles erinnert an Don Quijote (Cervantes ist die Hauptfigur, aber es wird doch mehr „geliehen“, als mir gerechtfertigt erschien) und vor allem an bereits Dagewesenes in Zafóns eigenen Romanen. Und feministisch gelesen ist das Buch eine Katastrophe. Dabei bleibt die Textqualität weit hinter den „richtigen“ Friedhofsbüchern zurück, Zafóns Charme verkommt hier zu überdrehtem Pathos.

Suzanne Collins: Gefährliche Liebe (Die Tribute von Panem #2)

Meine Frustleihe, nachdem ich zwei andere Bücher in der Bibliothek nicht finden konnte, obwohl der Katalog sagte, sie seien vor Ort. Gut, dass es so kam, denn ich habe den Roman an einem Tag gelesen. Katniss ist immer noch eine komplexe, starke Figur, und dass die Spiele nur ein Drittel des Buches einnehmen war mir nur recht.