Erzählungen von Gabriel García Márquez

marquezDer Erzählungsband Das Leichenbegängnis der Großen Mama lag schon lange bei mir herum. Vermutlich auch wegen des Covers war ich nicht gerade gespannt auf die vermeintlich schwierigen Texte des kolumbianischen Nobelpreisträgers. Doch habe ich mich nun aufgerafft und bereue es nicht.

In dem Erzählungsband versammeln sich verschiedene, oft humorvolle Geschichten über meist sehr arme Leute, die oft in dem fiktiven Ort Macondo wohnen. Da ist zum Beispiel der Bürgermeister, den Zahnschmerzen plagen. Sein Barbier kann die momentane Abhängigkeit des Politikers ausnutzen und zieht den Zahn ohne Betäubung. Dabei entspinnt sich auf wenigen Seiten ein Dialog mit psychologischer Finesse.

García Márquez galt als die Stimme des einfachen Volks. Viele seiner Figuren sind bettelarm, ungebildet, leben von Tag zu Tag. Aber dabei wird er nicht melancholisch, sondern erzählt abgeklärt und pointiert. In In diesem Dorf gibt es keine Diebe gerät ein fehlgeschlagener Diebeszug völlig aus dem Ruder und verursacht mehr Stress und moralische Zwickmühlen, als dem auf voller Linie gescheitertem Dieb lieb wäre. Solche Geschichten hatte ich gar nicht erwartet und sie haben mir sehr gut gefallen. Was eindeutig zu kurz kam, war das magische Element, mit dem ich gerechnet hatte. Soviel also als „Warnung“.

Die Titelgeschichte konnte mich übrigens gar nicht vom Hocker reißen, da die Pointe schon lange vor Ende der Story klar ist, weshalb der Rest sich ganz schön zieht.