Sarah Kuttner: Mängelexemplar

Sarah Kuttner: MängelexemplarMeine beste Freundin hat mir dieses Buch mit unerwarteter Begeisterung in die Hand gedrückt. Ich: Kurzer Blick auf die Dicke des Buchs, Größe der Schrift – keine allzu großer Zeitfresser. „Na gut, ich werde es lesen.“ – Ich habe nicht gerade Luftsprünge gemacht. Üüberraschend habe ich das Buch dann in einem Rutsch gelesen.

Die Hauptfigur und Erzählerin in diesem Roman ist Karo, die mir nichts, dir nichts in eine Depression schlittert. Sie schildert, was die Depression ausgelöst hat und ihren Kampf mit Panikattacken, Suizidgedanken und Antriebslosigkeit. Karo ist eine bissige Type mit großer Klappe und liefert so den Humor, der das Thema Depression nicht nur erträglich macht, sondern in einen unterhaltsamen Ton wickelt. Zum Glück macht Kuttner aus der Kombination Krankheit und Humor keine Depri-Comedy (wie die Verfilmung andeutet).

Allerdings hat mich die zweite Hälfte dann etwas enttäuscht: denn da fällt der Roman leider ins typische Frauenroman-Schema, das im Buch selbst in seiner besseren Hälfte veräppelt wird – Eigentor, Frau Kuttner. Plötzlich geht es viel mehr darum, Karo an den Mann zu bringen, da Frau scheinbar ohne Mann nicht glücklich sein kann. Ah ja.

Also, vielleicht bin ich da überkritisch, aber die Moral „Frau ohne Mann = komplettes Chaos. Frau mit Mann = Erfolg“ gefällt mir so überhaupt nicht.

Insgesamt hat mir das Buch trotzdem gefallen. Karo war als Figur schwierig, aber trotzdem liebenswert und damit gerade komplex genug für die rund 260 Seiten. Und das Thema Depression wird einfach viel zu selten aufgegriffen, wenn man mal bedenkt, wie viele Menschen an verschiedenen Varianten leiden. Da ich selbst nicht unter einer Depression leide, aber liebe Menschen in meinem Umfeld, finde ich jeden Annäherungsversuch an das Thema wertvoll. Auch wenn Sarah Kuttner die Depression nur aus Beobachtungen an anderen schildert. Und wenn das dann auch noch nicht in diesem pseudoverständnisvollen Mitleidston geschieht, sondern als unterhaltsame, kurzweilige Geschichte, dann ist das wenigstens nicht verkehrt.

Fazit: Ich spreche eine halbe Leseempfehlung aus, für die erste Hälfte. Den Umbruch merkt man deutlich; mir scheint es fast, als hätte Kuttner ursprünglich diesen Text eingereicht und hat diesen dann um die zweite Hälfte ergänzen müssen, weil sich Novellen so schlecht verkaufen ….

Gelesen im Mai Teil 2

Schon wieder ein Monat um 😯

Gelesen im Mai Teil 2

Marcel Proust: Der Weg nach Guermantes

Der dritte Teil Auf der Suche nach der verlorenen Zeit hatte viel Salon-Konversation und Bebachtungen über diese Abendgesellschaften zu bieten. Das war einerseits amüsant, weil viele soziale Ungereimtheiten bloßgestellt wurden, andererseits war es auch verwirrend, mit all den Charakteren Schritt zu halten. Vor allem, weil Proust immer mehr anzudeuten beginnt. Zum Beispiel berichtet er von einer Begebenheit und kündigt dann an, man würde diese erst im Folgeband verstehen, wenn die Gründe für das Ereignis enthüllt werden.

Rebecca Gablé: Der König der purpurnen Stadt

Jubel! Endlich kann ich diesen Wälzer von meiner Liste streichen. Nicht, dass mich die Gablé gelangweilt hätte. Ihren Schreibstil und die Gablé-typischen Kniffe und Plots finde ich einfach „gemütlich“, weil sie mir inzwischen so vertraut sind. Zwar finde ich dieses Buch weniger gelungen als die ersten beiden Warringham-Bände, aber meinen Spaß hatte ich trotzdem. Hauptfigur Jonah war mir leider nicht wirklich sympathisch, was meine gemütliche Leserei etwas störte (sonst habe ich ja nichts gegen schwierige Charaktere). Ein teils knallharter Geschäftsmann und oft rücksichtslos als Mann, eine Figur, die ich bei der Autorin nicht erwartet hatte. Das älteste Buch auf meinem SuB, endlich steht es bei den anderen Gablés!

Sarah Kuttner: Mängelexemplar

Dass Mngelexemplar gerade (?) im Kino läuft, ist totaler Zufall, denn dieses Buch hat mir eine Freundin in die Hand gedrückt. Trotz einiger Schwächen hat mir das Buch ganz gut gefallen, sodass eine Vollwert-Rezension folgt.

Ransom Riggs: Die Insel der besonderen Kinder

Nachdem so langsam die ersten Trailer für den Film auftauchen, habe ich das Buch schnell noch gelesen, bevor meine Vorstellung von Eva Green und Konsorten blockiert wird. Der 16-jährige Erzähler der Geschichte sorgte allerdings für einen Erzählton, der nicht wirklich zu der nebligen walisischen Insel passen wollte. Auch einige Aspekte der Geschichte haben absolut keinen Sinn ergeben, sodass ich am Ende nicht überzeugt war.

Der Seidenspinner

Der zweite Teil der Cormoran Strike Krimis hat meine Erwartungen voll erfüllt. Die Hauptcharaktere, die mir ans Herz gewachsen waren, haben auch diesmal nicht enttäuscht. Die Handlung war deutlich direkter als im ersten Band (sowohl die Tat ist blutrünstiger als auch die satirische Darstellung der Schriftstellerszene bissiger) und genauso spannend. Auch in Teil zwei wartet Galbraith/Rowling wieder mit ihr typischen Klischees und Genderrollen auf, nimmt diese aber auch zum Teil aufs Korn. Wie gesagt, ich bekam was ich wollte, und freue mich, irgendwann auch Band drei zu lesen.

Und jetzt?

Ich höre als nächstes Grau von Jasper Fforde, von dem unter anderem Pat Rothfuss seit Jahren schwärmt. Außerdem lese ich (Trommelwirbel) den finalen Band der Malloreon-Saga von David Eddings, die ich 2011 in Großbritannien gekauft habe. Gerade rechtzeitig, den dieses Jahr geht es wieder auf die Insel und ich werde Bücher kaufen, so viel steht fest. Aber das ist ein anderes Thema …