Tag. Mein Leben in Büchern

Diesen Tag habe ich vor kurzem bei der BücherFähe gesehen und hatte große Lust, ihn selbst auszuprobieren. Also rein ins Vergnügen!

1. Suche dir je eins deiner gelesenen Bücher für deine Initialen heraus.

leben-tag1Die souveräne Leserin und Die Vermessung der Welt

Beides Bücher, die mir viel Freude bereitet haben. Über Daniel Kehlmanns Roman habe ich wohl bereits genug gesagt. Die souveräne Leserin dagegen habe ich noch nie erwähnt. Es ist ein kleines, feines Gedankenexperiment über die Macht des Lesens. Sehr amüsant und wirklich fix weggelesen. Ich erinnere mich, wie ich es meinem Freund vorlas und fast bestürzt war, wie schnell es vorbei war. Drei Stunden nachdem ich es gekauft hatte, hatte ich seine Geheimnisse bereits ergründet.

2. Stell dich vor dein Bücherregal und zähle dein Alter entlang die Bücher ab – bei welchem Buch landest du?

leben-tag2Viskovitz, du bist ein Tier

…das ironischerweise nicht aus meinem Bestand kommt. Ihr wisst ja, dass ich seit kurzem alphabetisch organisiert bin. Aber dieses Buch! Es hat mir Bauchmuskelkater verursacht, vom Lachen. In diesem leider nur noch antiquarisch erhältlichen Kurzgeschichtenband geht es in immer neuen animalischen Perspektiven um Liebe, Familie und auch ein wenig Erotik. Ich erinnere mich an eine besonders absurde Geschichte über die Familienverhältnisse eines Schwamms. Ein Buch, das ich nur so weggesaugt habe. Würde ich jedem empfehlen.

3. Suche dir eines deiner Bücher aus, das in deiner Stadt, deinem Bundesland oder in deinem Land spielt.

leben-tag3Der Hals der Giraffe

Weder Stadt noch Bundesland war bei mir zu finden, wenigstens nicht unter den gelesenen Büchern. Sonst wäre es Das siebte Kreuz geworden, das ja in der Gegend um Mainz spielt. Als gebürtige Koblenzerin gibt es höchstens mal eine Erwähnung von Goethe oder Sophie von La Roche. Stattdessen nehme ich also dieses Schätzlein. Die Geschichte dreht sich um eine Biolehrerin, die kurz nach der Wende die größten Probleme hat, sich an westliche Denke anzupassen. Phantastisch, wenn man gerne nach Motiven sucht und auch ein bisschen meta denken mag.

4. Jetzt suche ein Buch heraus, das einen Ort repräsentiert, an den du gerne reisen würdest. & 5. Was ist deine Lieblingsfarbe? Fällt dir ein gelesenes Buch ein, dessen Cover in dieser Farbe gehalten ist?leben-tag45

Verlockung und Der Elefant verschwindet

Hier wollte ich zu The Bone People von Keri Hulme greifen, aber meine Ausgabe ist entweder verschenkt oder in einer Kiste. Also ist es nun Verlockung, das in Budapest spielt und die Stadt fast schon zur Figur erhebt. Einfach faszinierend, gerade die Zeit zwischen den Weltkriegen, die hier aus der Perspektive eines Hotelpages erzählt wird, der Pomp und das Elend.

Der Elefant verschwindet ist ein Sammelband mit Geschichten von Haruki Murakami und das knalligste Grün in meinem Regal. Am liebsten mag ich es aber in Kombination mit Himmelblau oder Zitronengelb, dann wird es erst richtig schön.

6. An welches Buch hast du die schönsten Erinnerungen? & 7. Bei welchem Buch hattest du die größten Schwierigkeiten, es zu lesen?
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Anne auf Green Gables und Der Friedhof in Prag

Schwere Frage. Eigentlich verbinde ich selten Erinnerungen außerhalb der Leseerfahrung selbst mit einem Buch. Aber seit ich elf bin, lese ich immer wieder Bücher aus der Anne-Reihe. Da stellt sich bei mir direkt ein Zuhause-Gefühl ein. Obwohl ich als erstes Anne in Windy Willows gelesen habe, wähle ich repräsentativ Anne auf Green Gables, ein Klassiker, der noch viel mehr Leser braucht!

Auch das finde ich schwierig zu beantworten. Sicher wäre Ulysses die richtige Antwort, aber das Buch besitze ich nicht. Mit Der Friedhof von Prag hatte ich Probleme in mehrfacher Hinsicht: Ich musste es in kurzer Zeit für die Uni vorbereiten, es ist sehr langsam zu lesen und es hat mir nicht wirklich gefallen. Ein echter Reinfall, nach Der Name der Rose war ich auf einen Schmöker eingestellt, aber das hier ist eher ein politischer Essay.

8. Welches Buch auf deinem SuB wird dir das größte Gefühl verschaffen, etwas geleistet zu haben, wenn du es gelesen hast?
leben-tag8Der lachende Mann

Nach einigem Suchen habe ich mich für Der lachende Mann von Victor Hugo entschieden. Ein echter Trümmer von Buch, und auch noch hässlich. Aber nach Der Glöckner von Notre-Dame wusste ich: Ich brauche mehr Hugo in meinem Leben. Leider ist das schon ewig her, seitdem wartet dieses Buch auf meine Aurmerksamkeit.

Top 10 des Jahres bis jetzt

2015 ist schon beinahe halb vorbei. Ein Blick in meine Leseliste hat unter den 21 Hörbüchern und 32 Büchern zehn besonders schöne und lehrreiche Leseerlebnisse zum Vorschein gebracht, die ich mit euch teilen möchte. In keiner besonderen Reihenfolge, das wäre doch zu schwer und auch gar nicht nötig.

Der Drachenbeinthron (Das Geheimnis der Großen Schwerter, #1)Der Drachenbeinthron von Tad Williams, gelesen von Andreas Fröhlich
Ein vielversprechender Auftakt zu einem großen Fantasyspektakel. Simon, der als Küchenjunge auf einer königlichen Burg lebt und ein Tagträumer sondergleichen ist, gerät in die politischen Verwicklungen des Königshauses und muss bald sein altes Leben hinter sich lassen, während das Reich über einem Brüderstreit zerrissen wird. Ganz nebenbei auch eine Coming-of-Age-Story, die ich bisher gelungen finde (ich höre gerade den letzten Teil). ie Charakter sind vielfältig und die Lesung von Andreas Fröhlich (die deutsche Stimme von Edward Norton und John Cusack) einfach große Klasse. (Kurzeindruck)

Beerholms VorstellungBeerholms Vorstellung von Daniel Kehlmann
Ein Zauberer, der immer mehr zu der Überzeugung kommt, dass er tatsächlich die Realität manipulieren kann, und an dieser Macht zerschellt. Kehlmanns Gedankenexperimente sind immer großartig, aber sein Erstling hat mir, neben Die Vermessung der Welt natürlich, am besten gefallen und ist auch noch viel lesbarer als seine späteren Romane, in denen die Konstruktion manchmal Überhand nimmt und es so dem Leser ein wenig schwer macht.

Das Jahr der Flut von Margaret Atwood
Die Fortsetzung von Oryx und Crake hat mir genauso gut gefallen wie der erste Band. Hier wird die Geschichte von Oryx und Crake aus Sicht der Ökoterroristen/-aktivisten erzählt und gibt so neue Einblicke und Zusammenhänge auf die Geschichte frei und wirft neue Rätsel auf. Meisterhaft erdacht. (Rezension im alten Blog)

Euclid’s Window von Leonard Mlodinow
Die Geschichte der Geometrie wurde vielleicht noch nie so unterhaltsam rekapituliert. Und dabei habe ich wirklich viel gelernt. Infotainment vom Feinsten. Allerdings war die zweite Hälfte über aktuellere Theorien schwieriger zu begreifen und noch ein wenig ‚unaufgeräumt‘. Trotzdem lohnenswert. (Rezension im alten Blog)

RebeccaRebecca von Daphne du Maurier
Ein psychologischer Thriller, in dem man nie genau weiß, was die Figuren denken. So vielschichtig, dass die Atmosphäre greifbar ist. Und mit Charakteren, die man mal im Arm halten, mal backpfeifen will. Mitreißend. (Rezension im alten Blog)

 

Der SternwandererDer Sternwanderer von Neil Gaiman
Als ein Stern vom Himmel fällt, sieht Tristran seine Chance, der Geliebten einen Liebesbeweis zu bringen, und macht sich auf die Suche nach dem gefallenen Stern. Der ist aber im Feenland gelandet. Ein Märchen für Erwachsene mit Bildern, die verzaubern. In kleinen Häppchen habe ich dieses Buch genossen, um etwas mehr Zeit damit verbringen zu können.

Wie ein Roman von Daniel Pennac
Eine aufbauende, bestätigende Lektüre für alle, die gerne lesen. Aber auch neue Einsichten und Gedanken habe ich in dem schmalen Band gefunden. (Rezension im alten Blog)

 

The Sweetness at the Bottom of the Pie (Flavia de Luce, #1)The Sweetness at the Bottom of the Pie von Alan Bradley
Ein Krimi mit der großartigsten Amateurermittlerin aller Zeiten. Sie ist elf Jahre alt und liebt die Chemie. Ihr Name ist Flavia, und Verbrecher sollten sich nicht mit ihr anlegen. Bradleys Geschichte war genauso ideenreich und originell wie seine Charaktere. Ein großes Lesevergnügen. (Rezension)

 

Jules und JimJules und Jim von Henri-Pierre Roché
Eine große Überraschung für mich war die Poesie von Jules und Jim. Die Geschichte um zwei Freunde auf der Suche nach Liebe war weit von meinen Lebenserfahrungen entfernt, doch Rochés psychologisches Feingefühl und seine Ausdrucksstärke haben mir seine Figuren nahe gebracht. (Rezension)

Das Schloss in den WolkenDas Schloss in den Wolken von Lucy Maud Montgomery
Montgomerys Charme hat mich auch diesmal wieder gefangen. Die 28-jährige Valancy wird von ihrer sehr auf das Ansehen bedachten Familie jeden Tag daran erinnert, dass sie eine alte Jungfer zu werden droht. Erst, als eine schlimme Nachricht in ihr  den Mut der Verzweflung weckt, krempelt sie ihr Leben um und erlebt in kurzer Zeit mehr, als in ihrem ganzen tristen Leben zuvor. Ein bisschen Drama, ein bisschen Kitsch, aber Valancy war mir ans Herz gewachsen, sobald sie ihr braves und trostloses Dasein hinter sich gelassen hatte.