Mercedes Lackey: The Last Herald-Mage <3

Für wenige Lesetipps danke ich Patrick Rothfuss so sehr wie für den Hinweis auf diese Trilogie der amerikanischen Autorin Mercedes Lackey. Ich habe einen neuen Liebling für mein Fantasy-Regal entdeckt! Diesem fulminanten, queer-romantischen Spektakel in einem Blogpost gerecht zu werden, ist mir vollkommen unmöglich, darum lasst einfach erst mal diese fabelhaften Coverdesigns auf euch wirken:

Grandiose Cover für die Last Herald-Mage Bücher
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Ich liebe die ganzen Details, die auf Figuren und Ereignisse hinweisen ohne zu viel zu verraten und die mit viel Liebe gezeichnet sind. Das Gesamtbild ist dabei so übertrieben, dass ich mich damit nur ungern in der Bahn sehen ließ. Ist mir so auch noch nicht untergekommen. Aber zum Inhalt!

In Last Herald-Mage folgt man Vanyels Lebensweg vom vernachlässigten Jungen zum Retter Valdemars. Der sanftmütige Sohn eines Edelmannes wird den gängigen Vorstellungen von Männlichkeit nicht gerecht und daher vom Vater und den Geschwistern nicht geachtet. Die Mutter verzieht ihn dafür nur allzu gern zu einem stolzen Pfau, der sich für einen der großen Barden von morgen hält.
Als der Vater ihn an den Hof von Haven sendet, wo er zum Mann erzogen werden soll, entdeckt er eine ganz neue Welt: Seine Tante Savil ist die erste, die sich seiner Erziehung und Förderung annimmt. Er trifft auf Schüler, die weitaus begabter sind als er. Und er verliebt sich in den magisch begabten Tylendel.

Was diese Fantasywelt so besonders macht, ist nicht nur die queere Hauptfigur (sowie viele im Verlauf auftauchende weitere Figuren). Wer meinem Getwitter in den letzten Wochen gefolgt ist, hat vielleicht schon ein paar andere Themen aufgeschnappt, die außergewöhnlich sind, wie Leihvaterschaft, männliche Verwundbarkeit und eine extrem hohe psychologische Nachvollziehbarkeit. Denn vor allem im ersten Band erscheint Vanyel zunächst als verzogener, sich selbst bemitleidender Teenager – also per se eines der entnervendsten Wesen überhaupt. Aber genervt hat es mich kein Stück, weil ich immer nachvollziehen konnte, woher sein Verhalten kommt, ohne dass die Autorin zu viele Worte darüber verliert. Natürlich wäre ein Junge unter diesem Umständen erst mal unerträglich. Doch mit der Entwicklung der Geschichte legt Vanyel immer mehr die alten Eigenschaften ab und lernt neue Verhaltensweisen, er wächst als Person und als Leser kann man das wunderbar miterleben.

Gerade die kleinen Szenen, die Familientreffen, sind die gelungensten, mit denen ich besonderen Spaß hatte. Der Stress, als junger Erwachsener zu seiner weniger weltoffenen Familie zurückzukehren, sich mit den alten Vorwürfen wieder und wieder auseinanderzusetzen, das alles ist so gut geschildert! Dass der Vater mit Vans Lebensstil nicht klarkommt, steht den beiden lange im Weg. In einem (so alten) Fantasy-Roman finde ich es beachtlich, dass diese Themen Platz finden und ganz selbstverständlich zu den Ereignissen gehören, nicht nur im Nebensatz Eingang finden.

Doch auch die große „Action“, die eher einen geringen Anteil ausmacht, wird dem Genre gerecht, mit mächtigen Blitzen, Schutzzaubern und magischen Formen des Reisens. Im Verlauf der Trilogie wächst der politische Druck auf Valdemar: Der König ist zunehmend schwach und die umliegenden Länder liegen im Krieg. Es ist immer mehr an den Magiern des Reichs, die Grenzen zu schützen. Auch Politik und strategische Überlegungen im Hintergrund kommen nicht zu knapp. Und Feminismus, mal ganz nebenbei eingestreut:

I think she’s startin‘ to look at being something other than ‚Somebody’s lady‘ or ‚Somebody’s momma.‘ I think maybe she wants to take a shot at being Somebody, herself.

Mercedes Lackey, Magic’s Promise

Und dann ist da der Weltenbau: Telepathische Pferde (na ja, keine Pferde, sondern Companions!), sagenumwobene Völker die immer noch den „Müll“ von den Magierkriegen aufräumen ohne dass es ihnen jemand dankt, fleischfressende Dämonen aus anderen Dimensionen, … Ich fand es großartig! Die geballte Klischeekeule der Achtzigerjahre-Fantasy wird noch mal auf die Spitze getrieben, und irgendwie funktioniert es einfach.

Klar, an der ein oder anderen Stelle hätte ich auch kleine Kritikpunkte: Warum gibt es keine lesbischen Frauen in Valdemar? Warum wird das Gating zuerst als Reiseart für den Notfall geschildert, wird dann aber ständig verwendet, ohne dass großer Schaden entsteht? Aber die Pluspunkte sind so vielfach, dass das Jammern auf höchstem Niveau wäre.

Last Herald-Mage Bücherstapel

Die tragisch-schöne Geschichte des Meistermagiers und Barden Vanyel ist – zum Glück – nur ein kleiner Teil in einem riesigen Zyklus über Valdemar, den Mercedes Lackey in Jahrzehnten geschaffen hat. Ich habe nicht mal mit den ältesten Bänden begonnen und es werden auch Geschehnisse aus der vorangegangenen Trilogie über die Magierkriege referenziert. Das war zum Glück kein Problem. Ich hoffe, in Zukunft zu weiteren von Lackeys Büchern zu kommen.

Handsome Devil (2016)

Ned ist ein Außenseiter: An seinem Jungeninternat ist Rugby praktisch die Ersatzreligion, und Ned steht nicht auf Rugby. Er steht auf Punkrock und obskure New Wave Bands, in seiner Freizeit bringt er sich selbst Gitarre bei – und außerdem ist Ned offen schwul. Als zum neuen Schuljahr der neue Schüler und Rugby-Spieler Conor sein Zimmerkamerad wird, glaubt Ned, es kann nicht schlimmer werden.

Kennt ihr das, wenn ihr einen Film ohne große Erwartungen anseht und dann ist alles auf unaufgeregte Weise perfekt daran? Handsome Devil war für mich so ein Film.

Am Anfang des Films sehen wir Ned mit seinem Vater und der neuen Stiefmutter im Auto auf dem Weg zum Internat. Es ist klar, dass die Erwachsenen kein Interesse an den Nöten ihres Sprösslings haben. Sie leben – möglichst weit weg – in Dubai ihren zweiten Frühling oder so was. Ned bleibt ohne Unterstützung und Halt zurück. Die Torturen durch seine Mitschüler kennt er bereits. Ned glaubt, den Jackpot getroffen zu haben, da es zuerst so aussieht, als habe er ein Zimmer für sich allein. Als später Conor ihm zugeteilt wird, scheint es erstmal, als würden hier Welten kollidieren.
Mit der Zeit fassen die beiden allerdings Vertrauen zueinander: Eine ungewöhnliche Freundschaft entsteht.

Das hat auch der neue Englischlehrer mitzuverantworten. Dieser bringt deutlich frischen Wind mit in die verstaubten Internatshallen und versucht, interessierte Schüler auch abseits des Rugbyfelds zu fördern. Da kommen einem schon kurzzeitig Vibes aus Richtung „Der Club der toten Dichter“, aber so ist es glücklicherweise nicht, denn die Geschichte kennen wir ja schon.

Mit der Zeit lernt man nicht nur Ned und Conor besser kennen, auch der neue Lehrer Dan Sherry, der Rugby-Trainer Pascal und einige andere Figuren tauchen immer wieder auf und machen die Story realistisch und rund.

Andrew Scott (Sherlock, Pride) in der Rolle des Englischlehrers ist ein echtes Highlight des Films. Dan Sherry macht von Anfang an klar, wer in der Klasse das Sagen hat, doch er ist dennoch unkonventionell und verletzlicher, als es zunächst den Anschein hat. Wer den Iren vor allem als durchgeknallten Moriarty kennt, kann ihn hier noch mal ganz andere Saiten aufziehen sehen.

An Ned mochte ich seine Schlagfertigkeit: Er ist die Außenseiterrolle gewöhnt und kann sich durchaus wehren. Aus seinen Eigenheiten macht er kein Geheimnis und wird so zum Vorbild für so manch anderen um ihn.

Ich mag die reiche Welt, die der Film ohne großes Tamtam aufbaut; man könnte das auch Liebe zum Detail nennen. Das einfachste Beispiel ist wohl Neds Gitarre, auf der „This machine kills fascists“ steht. Es wird nie zum Thema, aber Kleinigkeiten wie diese Bob Dylan Referenz geben Handsome Devil mehr Atmosphäre und Tiefe.

Gleichzeitig ist die Geschichte denkbar übersichtlich und nicht sehr ausgefallen. Da der Film aber mit anderen Aspekten punktet, nenne ich das mal „unaufgeregt“. Innerhalb einer scheinbar ausgetretenen Geschichte zeigt Handsome Devil neue Aspekte.

Einigen Zuschauern ist Handsome Devil „nicht schwul genug“. Ich verstehe das als einen Mangel an Enthusiasmus darüber, dass die Figuren des Films zwar homosexuell sind, aber eben nicht darüber definiert werden. Was doch eigentlich ein Gewinn ist! Es geht eben um die vermeintlich kleinen Dinge, die man für selbstverständlich nimmt. Es geht um Freundschaft, die ungeschönten Erfahrungen des Erwachsenwerdens und die Frage, wer man im Leben sein will: Man selbst oder jemand, den andere unkompliziert und nett finden können.