Lesepersönlichkeit: Wie ich zur Leserin wurde, die ich heute bin

Am 3.1. erinnere ich mich unwillkürlich an die Ursprünge meiner Lesepersönlichkeit. Es ist der Geburtstag von J. R. R. Tolkien. An diesem Tag schmökere ich in einem meiner Herr der Ringe-Exemplare, sortiere mein Regal um oder tue ähnlich bibliophile Dinge, bevor ich um 21 Uhr wie viele Menschen auf der Welt einen bescheidenen Toast auf Tolkien ausspreche.Tolkien Toast 2016

Der Herr der Ringe hat mir gemeinsam mit einigen anderen Büchern durch schwere Zeiten geholfen. Da war natürlich Harry Potter (mit den beiden Sachbüchern über Quidditsch und fabelhafte Zauberwesen), aber auch Anne auf Green Gables, Krabat, Der geheime Garten, Der Brief für den König, Wie ein Wolf und meine ersten anderen Fantasybücher, die Elenium-Saga von David Eddings. Sie alle haben gemeinsam, dass sie mir bis heute besonders lieb sind, dass ich sie immer wieder lese und sie in meiner Erinnerung hervorstechen. Aber alle haben auch ihre besonderen Qualitäten und ich kann sogar heute noch sagen, dass es sich um wirklich gute Bücher handelt. (Bis vielleicht auf die Eddings-Reihe, deren Qualität ihr Humor allein ist.)

Bis heute frage ich mich, wie es zu einer derartigen Anhäufung guter Literatur kommen konnte. Ich hatte so ein Glück. Sie kam zur rechten Zeit und hat mich gerettet. Viele Bücher habe ich von meinem Großvater geschenkt bekommen, der sich über Klassiker für Kinder gut informierte, andere lernte ich durch die Schule kennen oder über Freunde. Weitere habe ich selbst gesammelt. Durch diese Bücher wurde ich erst richtig zum Bücherwurm und begann, eine Lesepersönlichkeit zu entwickeln. Vorher las ich einfach alles, was mir in die Quere kam. Durch diese Bücher wandte ich mich dem Fantastischen und manchmal Düsterem zu und den klassischen Kinderbüchern für Mädchen. Nur, dass ich das damals nicht bewusst getan habe.

Meine Lesepersönlichkeit in einem Bild
Weggefährten

Besonders aus Tolkiens Büchern kann ich heute noch lernen. Aus den Kinderbüchern bin ich einfach rausgewachsen, auch wenn ich sie wie gesagt immer noch lese und liebe. Aber in Tolkiens Mittelerde musste ich erst mal überhaupt reinwachsen.

Seitdem ich damals die ersten Seiten las, bin ich ein Tolkien scholar und lese alles, was ich von und über ihn in die Finger kriege. Seine Welt wuchs mit mir mit. Darum macht es mir Freude, diesen einen Moment im Jahr mit Lesern auf der ganzen Welt zu teilen, die wie ich eine starke Verbindung zu Tolkiens Werk haben. Ob das nun besonders nerdig ist, weiß ich nicht. Ich bin einfach nur dankbar für diese Entdeckung, die mich nicht nur durch die Teenagerjahre getragen hat, sondern von der ich mein Leben lang zehren kann.

Heute lese ich zwar auch vieles andere, es sind weitere Interessen hinzugekommen. Meine Identität als Leserin ist gewachsen und komplexer geworden wie ich selbst als Person. Doch meine alten Lieblinge bilden den Kern meines Bücherlebens. – Haben mir die Bücher dieser Zeit mir ihren Stempel aufgedrückt oder sind automatisch die Bücher bei mir geblieben, die sowieso am besten zu mir passten?

Gibt es Bücher, die eure Lesepersönlichkeit besonders geprägt haben? Die euch getragen haben und von denen ihr euch nicht trennen könnt?

…worin ich Challenges entsage. Und auf Projekte umsteige

Meine Lieben! Ich hatte zwar schon in einigen Kommentaren durchblicken lassen, dass ich mich aus weiteren Challenges heraushalten würde, und nun ist der Entschluss gefasst.

Adieu, Challenges

Mein SuB - Stapel der ungelesenen BücherDurch die vielen Challenges, an denen ich teilgenommen habe, konnte ich viele neue Autoren entdecken, mich mit Lesern austauschen und ferne Länder erkunden. Das war großartig. Noch besser war, dass ich durch die oft vorgeschriebene Lektüre meine eigenen Leseziele und Ideen zu Projekten entwickeln konnte. Der fehlende Freiraum hat mich immer wieder damit konfrontiert, was ich eigentlich wollte, und es mir so zum ersten Mal bewusst gemacht.

Der eigentliche Auslöser ist wohl aber mein heftiger Winterblues dieses Jahr. Der kam für mich vollkommen unerwartet. Darum kann ich mich nicht durch schwere Lektüre quälen, die ich zu einem anderen Zeitpunkt genießen könnte, mir fehlt dazu gerade der Nerv. Es wäre ungerecht mir gegenüber und den Autoren, die ich dann gar nicht wertschätzen könnte. Und euch gegenüber, weil ich dann schlechte Meinungen über womöglich gute Bücher verbreiten würde. Darum weiß ich auch nicht, ob ich meine begonnenen Challenges beenden kann. Aber so direkt per sé aufgeben will ich auch nicht. Wer weiß, was sich noch in den letzten Wochen erreichen lässt, an einem guten Tag. Ich will auch nicht Challenges im Allgemeinen oder die, an denen ich teilnehme, verdammen! Ganz im Gegenteil, sie bieten viele Möglichkeiten zum Entdecken und zum Austausch. Nur ich habe für’s Erste andere Pläne.

Teil 2, in dem ich neue Pläne fasse

Ambitionen beim Lesen habe ich natürlich trotzdem und weiterhin. Also: Leseprojekte. Wo ist denn jetzt der Unterschied zu den Challenges?, mag man sich fragen. In einer Challenge gibt mir eine andere Person eine Anzahl an Büchern vor, die ich lesen soll, meist zu einem Thema. Oder es gibt Aufgaben, zu denen ich passende Lektüre finden soll. Bei einem Leseprojekt kann ich mich zu einem Thema frei austoben. Oder aus einer selbsterstellten Leseliste lesen. Nichts grundlegend anderes, klar. Aber selbstbestimmt, nach eigenen Vorgaben und Ideen.

Banner Weltenbummler Challenge 2016Das ist übrigens ein Unterschied, den ich in der Weltenbummler-Challenge sehe: Man liest eigentlich was man will. Wie viel man will. Manches gibt Punkte, anderes passt nicht. Solange man nicht einen Highscore aufstellen will, kommt einem die Challenge nicht in den Weg. Bei mir war das so und sie hat mich an neue Orte geführt, ohne mir Vorschriften zu machen. Darum darf sie bleiben 🙂

Was mir beim Lesen wichtig ist

Die Einzelheiten wären hier zu viel, die findet ihr auf meiner Leseprojekte-Seite. Aber ich habe lange nachgedacht, worauf es mir beim Lesen eigentlich ankommt. Was ich lernen und erreichen will. Die Kernideen sind diese:

  • Mehr Autorinnen entdecken: Immer noch zu viele Kerle im Lesestapel.
  • Den Bücherstapel klein kriegen: Das Problem kennt hier jeder, oder?
  • Lernen, leben, lesen: Das heißt, fremde Leben leben und ungewohnte Perspektiven einnehmen. Einfach Neues lernen, durch ein lehrreiches Sachbuch oder ein Buch aus fernen Zeiten oder Ländern. Das treibt mich beim Lesen an. Meistens.
  • In Erinnerungen schwelgen: Wieder öfters alte Lieblinge lesen.

Leseprojekte 2016

Bücherstapel - Leseprojekte bei buchflimmern

  • Weltenbummler 2016: Reisen durch Bücher.
  • 101 Fantasy Projekt: Auch in Zukunft will ich mein altes Lieblingsgenre weiter erkunden.
  • Projekt Bücherstapel: Ob ich wieder eine Halbierung schaffe wie in den letzten 2 Jahren?
  • #readwomen: Mehr Frauen lesen, bewusster Frauen lesen.

Und, ja, ich gebe es zu, eine richtige Challenge wird sich wohl doch einschleichen: In diesem Jahr habe ich in einer meiner Goodreadsgruppen an einer Marvel vs DC Challenge teilgenommen. Es gab zwei Teams (Marvel und DC) und jede Gruppe hatte 36 Aufgaben zu erfüllen, die meist so weit gefasst waren, dass ich gerne wieder dabei bin. Mehr dazu und zu meinen Plänen und Ideen im Einzelnen später.

Was gefällt euch an Challenges? Habt ihr auch eine Veränderung in eurer Einstellung dazu bemerkt? Gibt es auch Arten von Challenges, die euch besonders reizen? Oder gar nicht?