Von Rotsichtigen, Immigranten und anderen Menschen auf der Suche

Zukunftsvisionen und Bebildertes sind der rote Faden dieser Rückschau. So richtig in Leselaune bin ich nicht gewesen, daher habe ich einige Bücher aus der Comicabteilung geliehen.
Leider kann ich im Moment keine Fotos machen, weil meine Kamera nicht zuhause ist 🙂 Nächstes Mal dann wieder mit Bild.

Jasper Fforde: Grau

„Grau“ ist der erste Band in der Eddie Russett-Reihe von Jasper Fforde. Seine verrückten Ideen kannte ich bereits aus „Der Fall Jane Eyre“, doch in dieser Science Fiction hat er sich selbst übertroffen. In der Zukunft ordnet sich die Gesellschaft in Kasten, die auf Farbsicht basieren. Eddie, nicht besonders intelligent, führungstreu und mit exzellenter Rotsicht, kommt in die Randgebiete als Strafe für ein minderes Vergehen. Und von da an entfaltet sich das Chaos. Genial. Leider existiert bis heute keine Fortsetzung, die weitere Fragen des Romans aufklären könnte. Es sind aber weitere Bände in Planung.

Shaun Tan: Ein neues Land

Dieses wortlose Comic von Shaun Tan schafft es in wundervollen Bildern, einem die Hilfosigkeit zu vermitteln, die Immigranten empfinden, wenn sie ein neues Land zu ihrem Zuhause machen. Die Hauptfigur lässt Frau und Kind zurück und reist in ein fernes, seltsames Land, wo er versucht, sich den Gegebenheiten anzupassen und Arbeit zu finden. Er begegnet anderen Einwanderern, die von ihren Erlebnissen berichten. Eine wunderbare Geschichte, die mich zu Tränen gerührt und mein Verständnis für Exilanten vermehrt hat.

Marjane Satrapi: Huhn mit Pflaumen

Nachdem ich Persepolis so toll fand, wollte ich unbedingt mehr von Marjane Satrapi lesen. „Huhn mit Pflaumen“ ist ebenfalls autobiographisch angehaucht: Erzählt wird die Geschichte von Nasser Ali, einem entfernten Verwandten Marjanes, der eines Tages beschließt, zu sterben. Die Gründe dafür scheinen auf der Hand zu liegen, doch die Wahrheit erfährt man erst ganz am Ende. Der Aufbau der Geschichte und die Dramatik haben für mich leider nicht wirklich funktioniert, unter anderem weil ich Nasser Ali von Anfang an nicht ausstehen konnte und die Auflösung der Geschichte zu konventionell fand. Nur ein Aspekt ging mir wirklich nahe: Dass Nasser Ali die Liebe seines ihm so unähnlichen Sohnes zu ihm ganz falsch einschätzt (mehr zu sagen wäre ein Spoiler).

Emily St. John Mandel: Das Licht der letzten Tage

Ich denke, ich bin mal wieder die letzte, die dieses Buch noch nicht kannte. Wirklich schönes, eher ruhiges Buch über das Leben nach dem Ende der Zivilisation. Es geht um die Sehnsucht nach dem Unwiederbringlichen und um versteckte Verbindungen zwischen Menschen. Und lasst euch nicht in die Irre führen, weil der Roman von vielen als SciFi beschrieben wird: Das ist er nicht. Und auch ohne umfangreiche Shakespeare-Kenntnisse kommt man auf seine Kosten.

Brian Selznick: Die Entdeckung des Hugo Cabret

In diesem Fall ist die Wirklichkeit magischer als die Fiktion. Die schönsten Dinge an diesem Roman sind die, die tatsächlich existieren: Georges Méliès, das Wunder des Films und der Maillard-Automat (der Schreibautomat). Die Zeichnungen und Figuren dagegen fand ich nicht so ansprechend.

Neuzugänge: Neue Bücher braucht der SuB

Normalerweise gibt es bei mir keine Posts über neue Bücher im Regal. Normalerweise ziehen bei mir auch nur ein oder zwei Bücher im Monat ein. Ihr ahnt schon, warum dieser Post erscheint: Viele neue Bücher.

Ich habe mir ein bisschen was gegönnt 🙂

neue Bücher April 2016Über das Bilderbuch Interstellar Cinderella habe ich bereits geschwärmt.
Fannie Flaggs Grüne Tomaten habe ich vor einiger Zeit bereits mit großer Freude gehört und mir jetzt mein eigenes Exemplar zugelegt.
Der Fluss der Seelen habe ich in einem öffentlichen Bücherregal (in Form einer britischen Telefonzelle) gesehen. Da ich mehr von Dianna Wynne Jones lesen will, habe ich es mitgenommen.
Sturmnacht war ein vielverpsrechender Auftakt, da habe ich mit Wolfsjagd direkt Teil 2 der Harry Dresden Reihe von Jim Butcher gekauft.
Wo ich von Pierre Pevel gehört habe, weiß ich leider nicht mehr, aber Drachenklingen habe ich nun auf Tauschticket ausfindig gemacht.
Da Barry Hugharts Die Brücke der Vögel Teil meines Fantasy-Leseprojekts und davon abgesehen praktisch nicht mehr zu bekommen ist, habe ich mich sehr gefreut, dieses Buch in bereits erwähntem Bücherregal zu finden.
Der gute RoM hat es auch in diesem Jahr nicht unterlassen, mir zum Welttag des Buches einen Roman zukommen zu lassen! Ich bedanke mich herzlich für Sina Beerwalds Heringsmord!
Auch ein Roman, der in meiner Sammlung fehlte, ist Der Besuch des Leibarztes von Per Olov Enquist, den ich unbedingt noch einmal lesen will.
Zuguterletzt noch ein Buch aus dem öffentlichen Regal: Celia Rees‘ Piraten!


Wie immer freuen mich eure Meinungen zu den erwähnten Büchern oder zu euren neuesten Errungenschaften!

Was vom Lesen übrig blieb

Es gibt immer wieder Bücher und Hörbücher (oder auch andere Dinge), über die ich nicht genug zu sagen hätte, um einen eigenen Beitrag zusammenzubekommen, die aber unter den Tisch fallen zu lassen auch schade wäre. Oder Sachen, die nicht unbedingt ins Blog passen. Manchmal denke ich, ein Leseupdate oder so was in der Art wäre gut. Eben ein Blubberpost, nur nicht jede Woche, denn das wäre doch zu viel.
Mal sehen, was ich daraus mache – wollt ihr so was überhaupt? – hier erst mal meine aktuell liegengebliebenen Gedanken.

 

Raum von Emma Donoghue (Hörbuch Hamburg, 385 Minuten)

RaumIn Raum erzählt der fünfjährige Jack von seinem Leben. Seine Welt ist „Raum“ und 16 Quadratmeter groß, denn er ist der Sohn einer als Sexsklavin gehaltenen jungen Frau. In einem Gartenschuppen wächst er auf, ohne die Außenwelt zu kennen und ohne Kontakt zu anderen Menschen als Ma. Seine Freunde heißen Lampe, Tisch und Teppich oder sind Cartoonfiguren im Fernsehen. Matthias Brandt liest mit großem Einfühlungsvermögen und kann von einer Sekunde auf die andere ernst sein oder in Kichern ausbrechen. Die Geschichte, über die ich nicht mehr verraten will, bekommt auf der Hälfte eine ganz andere Richtung und hatte für mich ab da nicht mehr dieselbe Faszination wie am Anfang. Denn die kam von meinem linguistischen Blickwinkel. Jack spricht etwas speziell und versteht die Welt anders. Seine Ma sagt ihm, dass die Dinge im Fernseher nicht echt sind, also spricht er von Träumen oder anderen Phantasien auch als „nur Fernsehen“. Emma Donoghue hat mit großem Feingefühl diesen Charakter durch seine Sprache real werden lassen. Ein Experiment, das selten so gut gelingt wie hier. Übrigens kann man als Leser die schaurigen Details nur ahnen, da man alles durch Jacks Augen sieht, der sich im Schrank versteckt, wenn „der alte Nick“ seine Mutter besucht.

 

Die Muskeltiere von Ute Krause (cbj audio, ca. 240 Minuten)

Die Muskeltiere: Einer für alle - alle für einenViel Hamburger Schnack und liebenswürdige Fellknäuel als Hauptfiguren gibt es in diesem Kinderbuch, das ich auch unbedingt als Hörbuch empfehle (Andreas Fröhlich liest). Nach und nach finden eine Reihe Mäuseriche zusammen (und ein Dumas lesender Hamster!), werden Freunde und bestehen Abenteuer. Hauptanliegen ist die Amnesie von Gruyère (ja, die Mäuse geben sich französische Käsenamen), der nicht mehr weiß, wie er als Häufchen Elend in der Gosse gelandet ist. Mit viel und Action und Herz erzählt Ute Krause eine Geschichte, die innerhalb ihrer Möglichkeiten sehr stimmig und logisch schlüssig bleibt. Hörempfehlung für alle Altersklassen.

 

Der dunkle Spiegel von Andrea Schacht (Audiobuch Verlag, 402 Minuten)

Der dunkle Spiegel (Begine Almut, #1)Die Hörbuchfassung des ersten Teils eines Romanzyklus im historischen Köln erweckte meine Aufmerksamkeit. In diesem unterhaltsamen Roman gerät die Begine Almut (eine ganz tolle Frauenfigur!) durch ihre aufmüpfige Art gegen die Predigten der männlichen Geistlichen ins Visier der Inquisition. Gleichzeitig bringen sich ihre Schwestern in Gefahr, weil ein junger Weinbauer stirbt, nachdem er ihre Medizin schluckt. Wer steckt wirklich dahinter und wem kann Almut trauen? Ich hatte meinen Spaß mit der fluchenden, tatkräftigen Almut, die hier eine richtige Detektivin wird. Ein spannendes Umfeld hat sich Andrea Schacht ausgesucht, denn Almut eckt mit ihren Ansichten oft an –  und der örtliche Inquisitor ist eine ganz miese Type…

 

The Catcher in the Rye von J. D. Salinger (Penguin, 220 Seiten)

The Catcher in the RyeDas ist eines dieser Bücher, über die man mehr Vorurteile und Meinungen gehört hat, als vor der Lektüre gut sein kann. Aber sei’s drum: Den Hype um diesen kurzen Roman kann ich nicht ganz nachvollziehen, noch weniger aber die weit verbreitete Kritik, es handele sich um jugendliches Gewäsch in Form einer Anreihung von Schimpfwörtern. Für mich war es eine kurzweilige Geschichte, die vieles zwischen den Zeilen sagt. Eine lebensverändernde Wirkung habe ich allerdings nicht an mir festgestellt. Bin ich vielleicht zu alt? Denn ich habe auch mehrmals gehört, wenn man es nicht als Teenie gelesen hat, ist es zu spät für den Fänger im Roggen. Aber ich sage: Hört nicht auf den Quatsch, den andere von sich geben, auch wenn sie es gut meinen, und probiert es selbst aus.

 

Pilgrim – Die unglaublichen Abenteuer des William Palmer. Hörspielserie (SRF, 145 Minuten)

Schöne Miniserie über den vom König des Grauen Volkes zur Unsterblichkeit verdammten William Palmer aka Pilgim. Während er auf der Suche ist nach dem ebenfalls unsterblichen Joseph von Arimathäa, der ihn endlich erlösen soll, hilft er anderen in Not, die in Berührung mit dem Übernatürlichen gekommen sind. Dabei lernt immer mehr über den 900 Jahre alten „Wanderer zwischen den Welten“. Die Serie ist in ihrer jetzigen Fassung sehr hörenswert, wenn auch etwas ungeschliffen. Man merkt einfach, da ist noch viel mehr, was es zu erzählen gibt. Sehr aufwändig inszeniert vom SRF mit Rufus Beck als Pilgrim, lief die Reihe im Original in der BBC und umfasst inzwischen mindestens fünf Staffeln (genaueres konnte ich nicht herausfinden). Die Geschichten stammen vor allem aus dem britischen Sagenfundus. Ich würde mich freuen, demnächst mehr von Pilgrim zu hören. (Hörproben, mehr Info)

Update 101 Fantasy Projekt: 30/101

101 fantasy leseprojekt Banner

Vor gerade mal einem Jahr beschloss ich, wieder mehr Fantasy zu lesen. Von meiner Liste 101 Titel umfassenden Leseliste habe ich seitdem 30 Titel beendet und einige schöne Entdeckungen gemacht. Leider muss ich gestehen, das ich auch von den letzten zehn Bücher nur zwei hier vorgestellt habe. Auch dieses Mal waren mehrere Fortsetzungen dabei, die ich weiterhin ungerne einzeln bespreche, doch habe ich auch den Eindruck, ein wenig zu faul mit dem Gelesenen umgegangen zu sein. Wie dem auch sei, kommen hier kurze Rekapitulationen zu den neuesten zehn Titeln des 101 Fantasy Projekts.

WILLIAMS, Tad: Der Engelsturm ☆ 4/5
Der vierte und letzte Teil des Geheimnis‘ der Großen Schwerter war fulminant und hat großen Spaß gemacht. Die Figuren haben sich noch mal ein gutes Stück weiterentwickelt. Gerade Simon legt hier endgültig sein jammerndes Selbstmitleid, seine Teenage Angst, ab und findet den Mut, erwachsen zu werden. Es gibt viel Action, viel Gefühl und sprachlich hatte mich Tad Williams ja seit Band 1. Nach gebührender Pause will ich nun auch seine anderen Bücher lesen.

Beowulf ★ 3/5
Zu dem altenglischen Versepos habe ich tatsächlich eine Rezension geschrieben. Mich überrascht immer wieder, wie unterhaltsam diese uralten Texte bei aller Fremdheit sind.

EDDINGS, David: Enchanter’s End Game, Belgariad #5 ★ 4/5
Mein englisch-sprachiger Re-read setzt sich gemächlich fort. Mit Enchanter’s End Game kommt die Belgariad zu ihrem Ende. Viel geschieht, doch anders als bei Tad Williams fügen sich die Einzelteile nicht organisch, sondern sehr mechanisch ineinander. Eddings Prosa ist sehr einfach, wenn auch die Dialoge gewitzt daherkommen. Als Erwachsene erwarte ich allerdings auch Charaktertiefe und -entwicklung und eine etwas komplexere Welt, als sie Eddings zu bieten hat. Trotzdem macht es auch einfach Spaß, wieder in die alten Geschichten einzutauchen.

EDDINGS, David: Guardians of the West, Malloreon #1★ 3/5
Direkt im Anschluss habe ich die Malloreon-Saga begonnen, was vielleicht einfach zu viel des Guten war. Der Auftakt der Fortsetzungsreihe zur Belgariad beginnt mit vielen langwierigen Gesprächen zu Hofe, los geht es eigentlich erst sehr spät und viel erklärt wird auch nicht. Ich brauchte erst mal eine Pause und lese den nächsten Band in naher Zukunft, aber nicht sofort.

WECKER, Helene: Golem und Dschinn ♥ 3/5
Auch Golem und Dschinn habe ich bereits vorgestellt. Das wuchtige Werk hat mich mehr durch seine Athmosphäre und die schönen Nebengeschichten überzeugt als durch die Haupthandlung.

MARTIN, George RR: A Feast for Crows #4 ★ 3/5
Die beiden Bände Die dunkle Königin und Zeit der Krähen waren wieder sehr durchwachsen für mich. Für diese Reihe muss ich echt in der Stimmung sein und kann sie nicht einfach ohne Pause lesen. Einige Entwicklungen finde ich eher fade, andere ganz interessant – gerade die kamen aber in diesem Teil eher zu kurz. Müsste ich mich selbst durch die Unmengen an Seiten ackern und hätte nicht die Hörbücher zur Verfügung, ich hätte das Lesen bereits lange aufgegeben (und endlich einfach die Serie geschaut wie alle anderen auch).

VALENTE, Catherynne: Die wundersame Geschichte von September, die sich ein Schiff baute und das Feenland umsegelte ♥ 4/5
Bei diesem Buch konnte ich mich nicht zu einer Besprechung durchringen, weil ich mir selbst nicht ganz klar bin, was ich denke. Eine Frage, die ich mir immer wieder stellte beim Lesen war: Für welche Altersgruppe hat Valente hier geschrieben? Einige Sachen sind unbeschreiblich kindsich und waren für mich nervig. Zum Beispiel Septembers störrisches Verhalten, das gepaart mit dem Erzählton auf mich den Eindruck eines Kinderbuchs gemacht hat. Im krassen Gegensatz dazu stehen einige sehr verstörende Szenen, die selbst ich wirklich gruselig fand. Dank des Ideenreichtums und der Originalität der Autorin habe ich das Buch dennoch vor allem in guter Erinnerung, wenn ich ich auch nicht so verliebt bin, wie ich gehofft hatte.

GAIMAN, Neil: American Gods ★ 4/5
American Gods unterscheidet sich von allen anderen Büchern des Autors, die ich bisher kenne. Vielleicht vor allem durch den Schauplatz USA, der hier selbst den Status einer Figur innehat. Ein Buch voller typisch amerikanischer Szenen: Diners, absurde Weltrekorde, Taxifahrten, ewig lange Straßen fernab der Zivilisation. Und wer ein bisschen Mythologiewissen mitbringt, hat hier richtig Spaß. Auf jeden Fall will ich dieses Buch noch mal lesen, denn beim ersten Mal war es an einigen Stellen einfach zu verwirrend. Aber bevor ich hierhin zurückkehre, will ich unbedingt die Edda (auch in der 101 Fantasy Liste) lesen.

MORGENSTERN, Erin: Der Nachtzirkus ♥ 3/5
Viel hat man über dieses Buch gehört, sehr viel. Ich wusste, dass hier eine Romanze im Vordergrund stehen würde und war darauf gefasst. Worauf ich nicht gefasst war, waren die komplexen Zeitsprünge in der Erzählung, die es teils ermöglichten, clevere geheime Verknüpfungen unterzubringen, die sich nur dem aufmerksamen Leser erschließen, die aber andererseits sehr verwirrend waren. In den kühlen Erzählton musste ich mich erst mal einfühlen. Die vermeintlich romantischen Szenen fand ich grauenhaft abgedroschen, voller Phrasen und Seufzern. Allerdings hat mir das Konzept des Nachtzirkus und auch trotz allem die Zeitsprünge gefallen (einem guten Easter Egg kann ich einfach nicht widerstehen). Und die Charaktere, wenn auch nicht die beiden Magier im Zentrum der Geschichte, fand ich interessant und liebenswert, vor allem der junge Bailey ist mir direkt ans Herz gewachsen.

ATWOOD, Margaret: Die Geschichte von Zeb ♥ 4/5
Der Abschluss der MaddAddams-Trilogie ist weit schwächer ausgefallen als seine beiden Vorgänger und doch kommen die losen Fäden perfekt zusammen und das Buch endet genauso wie es enden musste. Das Problem in diesem Band lag für mich in den wechselnden Perspektiven, die mir immer wieder in die gerade in Fahrt kommende Erzählung funkten. Eine stärkere Aufteilung andererseits hätte den Eindruck der sich einenden Parteien gestört und die Bewertung derselben Situation durch unterschiedliche Augen im Vergleich unmöglich gemacht. Atwood konnte ihre Leser hier nur enttäuschen, eine Falle, die sie sich selbst gestellt hat mit dieser komplexen Dystopie. Nichtsdestotrotz steht die Trilogie, sollte es mal eine schöne Gesamtausgabe geben, auf meinem Wunschzettel. Insgesamt ein außergewöhnliches Leseerlebnis.


In dieser Zehnerrunde kamen immerhin vier neue Autoren zum Zug, wenn auch einer davon anonym ist. Mein Ziel vom letzten Update, die MaddAddams-Trilogie zu beenden, konnte ich mit Mühe und Not schaffen. Erst war das Buch ständig entliehen, dann verschwand es während des Umzugs. Neuzugänge aus der Liste kann ich dieses Mal nicht vermelden, ich hoffe auch, dass ich in der neuen, großen Stadtbibliothek Köln die meisten von mir geplanten Bücher bekommen kann. Immer noch macht das Projekt viel Spaß, inzwischen bin ich mir aber auch der engen Grenzen bewusst, die ich mir selbst auferlegt habe. Eine ganz freie Wahl an Autoren und Büchern wäre mir jetzt lieber, wo ich ein wenig Überblick über das Feld gewonnen habe. Mal sehen, wie sich die Dinge entwickeln. Solange ich nicht mehr allzu viele Bücher austauschen muss, bleibe ich bei dem aktuellen Stand der Dinge und lese munter weiter.

Bilderbuchrunde

Ja, auch das kommt vor: In diesem Monat konnte ich einige Bilderbücher lesen/anschauen, da die gut in die kleinen Pausen in der Buchhandlung gepasst haben, wo ich mein Praktikum gemacht habe. Diese Bilderbücher waren so schön und außergewöhnlich, dass ich sie kurz vorstellen will. Ich wünschte, in meiner Umgebung gäbe es ein Kleinkind, dem ich mit diesen tollen Geschichten eine Freude machen könnte.

Der faule Freund von Ronan Badel (Peter Hammer Verlag)

Der faule FreundOhne Worte und doch so lustig und herzergreifend ist dieses kleine Büchlein. Am Anfang sitzen Papagei, Schlange, Frosch und Faultier beim Kartenspielen im Baum. Der wird aber gefällt – und das Faultier mit abtransportiert. Die Schlange macht sich auf, den über das ganze Buch unbeweglichen Freund zu retten. Eine echte Empfehlung! (Verlagsseite | Leseprobe)

Vorsicht, hier sind Katzen drin! von Viviane Schwarz (Knesebeck)

Vorsicht, hier sind Katzen drin! Ein herrliches interaktives Vorlesebuch, in dem man den Katzen Wollknäuel zuwerfen und sie aus einem Wasserstrom retten muss, um sie dann trocken zu pusten. Durch die vielen eingeklebten Miniseiten passiert auf jeder Seite viel und die drei Katzen sind sehr sympathisch und lustig. (Verlagsseite)

Helmut, der Hund, der Äpfel zählt von Claudia Boldt (NordSüd Verlag)

Helmut, der Hund, der Äpfel zählt Helmut (schon dieser Name!) steht nicht so auf Knochen, seine Leidenschaft sind Äpfel. Wenn nur sein geliebter Apfelbaum nicht in Nachbars Garten ragen würde, wo Hund Igor haust. Und bestimmt schon seinen Raubzug auf Helmuts Äpfel plant! Eine niedliche Geschichte über Toleranz und Freundschaft (Verlagsseite | Leseprobe)

Nur noch kurz die Ohren kraulen? von Jörg Mühle (Moritz Verlag)

Nur noch kurz die Ohren kraulen? Noch ein interaktives Bilderbuch, in dem der kleine Hase ins Bett muss. Aber sein Kissen ist ganz zerknautscht, und Hasenkind hat auch noch nicht den Schlafanzug an. Doch mit einem Klatschen oder einem Simsalabim kommt alles in Ordnung. Licht aus – und Hasenkind kann schlafen. Ein Buch für die ganz Kleinen, die vielleicht ein Ritual fürs Insbettgehen gebrauchen können. (Verlagsseite mit Voransicht)

Heule Eule von Paul Friester und Philippe Groossens (NordSüd Verlag)

Heule Eule Ein bekannteres Bilderbuch ist dieses, in dem eine kleine weinende Eule im Wald für Aufruhr sorgt. Die Tiere versuchen ,sie aufzumuntern, doch nur Mamaeule kann sie trösten. Die Schlusspointe hat mich dazu gebracht, dieses Büchlein auch hier zu erwähnen. (Verlagsseite | Leseprobe)