Der Horror. Gelesenes im August, Teil 1

Charlotte Perkins Gilman: Die gelbe Tapete

Brillante Kurzgeschichte mit einer Spur Gothic. Hier die Rezension für alle, die es gerne etwas genauer hätten.

Kenneth Grahame: The Wind in the Willows

Mit diesem Klassiker bin ich nicht richtig warm geworden. Toad, reich, egozentrisch, adrenalinversessen, war einfach nicht auszuhalten. Die kurzen Episoden über Badger, Ratty und Mole waren dagegen einfach zu kurz. Insgesamt wird hier ein etwas zu behäbiges Leben angepriesen, das doch ganz schön angestaubt ist.

Suzanne Collins: Flammender Zorn (Die Tribute von Panem 3)

Wie die anderen beiden Bände der Tribute von Panem war ich auch hiermit innerhalb zweier Tage durch. Ich hatte mich gewundert, warum so viele Leser dieses Buch am schwächsten bewerten. Während mir das Ende eigentlich nicht so verkehrt vorkam, hat mich etwas anderes zunehmend gestört: Katniss war über die anderen Bände eine erstaunlich starke Protagonistin. Leider verfällt Collins auf den letzten Meilen in typische Muster und stellt Katniss als kaltblütige Opportunistin und als Vamp dar. Und mehr kann ich nicht sagen wegen Spoilern für die Reihe. Insgesamt also ein zwiegespaltenes Leseerlebnis.

Gelesen im Mai Teil 1

Es ist mal wieder Zeit für eine Veränderung, wenn auch eine kleine: Ich komme ja viel zu selten dazu, Rezensionen zu schreiben. Und dann denke ich noch monatelang: „Aber wenigstens kurz erwähnen hättest du das Buch doch können.“ Wie ärgerlich.

Also werde ich kurzerhand meine Leselisten durch Gelesenlisten ersetzen. In den  Leseliste-Posts nehme ich mir eh meist zuviel vor, da ist es doch besser, einfach zu zeigen, was ich tatsächlich gelesen habe. Da ich für einen Post zuviel lese, teile ich die Gelesen-Beiträge auf zwei Posts auf, alle 2 Wochen einen.

Hier also meine Leserei im Mai, Teil 1:Gelesen im Mai, Teil 1

Corporate Language: Wie Sprache über Erfolg oder Misserfolg von Marken und Unternehmen entscheidet (Armin Reins)

Corporate Language ist wirklich faszienierend für Sprachbegeisterte wie mich: Dabei geht es um das Prägen einer markeneigenen Sprache. Im besten Fall erkennt man die Marke dann an ihrer Wortwahl, dem Tonfall. Da das Thema aber noch relativ frisch ist, gibt es in dem dicken Buch noch nicht soviel Bahnbrechendes zu berichten. Interessant ist es allemal und viel viel Bildmaterial verdeutlicht die angesprochenen Punkte.

Ein Mann in einer fremden Welt (Robert A. Heinlein)

Wie versprochen habe ich diesen Klassiker ausprobiert – und bin wie erwartet ein wenig enttäuscht. In dem Roman (den ich nicht so sehr als SF, sondern mehr als zeitgenössischen Roman bezeichnen würde) geht es um die Verwicklungen die entstehen, nachdem ein Mensch auf dem Mars geboren wurde und dort unter Marsianern aufwuchs. Zurück auf der Erde, wird er von einer Kuriosität zu einem Propheten. Die Prämisse bleibt dabei im Grunde austauschbar; der Protagonist hätte genausogut aus dem Urwald oder einer Höhle kommen können, denn die Marsianer selbst spielen im Buch keine Rolle.

Drifter Volume 1: Crash (Ivan Brandon & Nic Klein)

Vollkommen spontan und unter Zeitdruck habe ich den Comicband Drifter aus der Bib ausgeliehen. Die farbenfrphen Panels und die SciFi-Story haben mich dazu verleitet, s einfach zu probieren. Leider habe ich auch nach Beenden des ersten Bandes in der Reihe keinen Schimmer, worum es überhaupt geht. Ein Kerl namens Abram Pollux stürzt mit seinem Schiff auf einem Planeten ab. Es gibt eine seltsame Zeitverschiebung, die niemand erklären kann und nur Pollux wahrnimmt. Es gibt seltsame Charaktere und Monster, aber nichts davon ergibt einen Sinn. Dazu kommt noch der poeske Erzählton, vollkommen kryptisch und finster. Unnötig zu erwähnen, dass für mich nach Band 1 Schluss ist mit Drifter.

Sorceress of Darshiva (David Eddings)

Der vorletzte Band der Malloreonsaga hielt wieder mehr Action bereit. Allerdings haben mich auch ein paar neue Enthüllungen etwas genervt, da sie eigentlich das gesamte Romankonzept durcheinander werfen. An diesen Stellen spürt man deutlich die „Faulheit“ des Autors. Dennoch freue ich mich auf den finalen Band der Reihe – ich kann mic hnämlich an nichts mehr davon erinnern.

Warren the 13th & the All-Seeing Eye (Tania del Rio, Will Staehle)

Wundervoll illustriertes Kinderbuch um die Geheimnisse eines alten Anwesens. Die kleine Mystery-Geschichte mit ihren komischen bis bizarren Figuren lässt dem Leser keine Verschnaufpausen, ständig passiert noch mehr. Das Buch hat mir Spaß gemacht; als Kind hätte ich die stellenweise etwas gruselige Story geliebt!

Was vom Lesen übrig blieb

Es gibt immer wieder Bücher und Hörbücher (oder auch andere Dinge), über die ich nicht genug zu sagen hätte, um einen eigenen Beitrag zusammenzubekommen, die aber unter den Tisch fallen zu lassen auch schade wäre. Oder Sachen, die nicht unbedingt ins Blog passen. Manchmal denke ich, ein Leseupdate oder so was in der Art wäre gut. Eben ein Blubberpost, nur nicht jede Woche, denn das wäre doch zu viel.
Mal sehen, was ich daraus mache – wollt ihr so was überhaupt? – hier erst mal meine aktuell liegengebliebenen Gedanken.

 

Raum von Emma Donoghue (Hörbuch Hamburg, 385 Minuten)

RaumIn Raum erzählt der fünfjährige Jack von seinem Leben. Seine Welt ist „Raum“ und 16 Quadratmeter groß, denn er ist der Sohn einer als Sexsklavin gehaltenen jungen Frau. In einem Gartenschuppen wächst er auf, ohne die Außenwelt zu kennen und ohne Kontakt zu anderen Menschen als Ma. Seine Freunde heißen Lampe, Tisch und Teppich oder sind Cartoonfiguren im Fernsehen. Matthias Brandt liest mit großem Einfühlungsvermögen und kann von einer Sekunde auf die andere ernst sein oder in Kichern ausbrechen. Die Geschichte, über die ich nicht mehr verraten will, bekommt auf der Hälfte eine ganz andere Richtung und hatte für mich ab da nicht mehr dieselbe Faszination wie am Anfang. Denn die kam von meinem linguistischen Blickwinkel. Jack spricht etwas speziell und versteht die Welt anders. Seine Ma sagt ihm, dass die Dinge im Fernseher nicht echt sind, also spricht er von Träumen oder anderen Phantasien auch als „nur Fernsehen“. Emma Donoghue hat mit großem Feingefühl diesen Charakter durch seine Sprache real werden lassen. Ein Experiment, das selten so gut gelingt wie hier. Übrigens kann man als Leser die schaurigen Details nur ahnen, da man alles durch Jacks Augen sieht, der sich im Schrank versteckt, wenn „der alte Nick“ seine Mutter besucht.

 

Die Muskeltiere von Ute Krause (cbj audio, ca. 240 Minuten)

Die Muskeltiere: Einer für alle - alle für einenViel Hamburger Schnack und liebenswürdige Fellknäuel als Hauptfiguren gibt es in diesem Kinderbuch, das ich auch unbedingt als Hörbuch empfehle (Andreas Fröhlich liest). Nach und nach finden eine Reihe Mäuseriche zusammen (und ein Dumas lesender Hamster!), werden Freunde und bestehen Abenteuer. Hauptanliegen ist die Amnesie von Gruyère (ja, die Mäuse geben sich französische Käsenamen), der nicht mehr weiß, wie er als Häufchen Elend in der Gosse gelandet ist. Mit viel und Action und Herz erzählt Ute Krause eine Geschichte, die innerhalb ihrer Möglichkeiten sehr stimmig und logisch schlüssig bleibt. Hörempfehlung für alle Altersklassen.

 

Der dunkle Spiegel von Andrea Schacht (Audiobuch Verlag, 402 Minuten)

Der dunkle Spiegel (Begine Almut, #1)Die Hörbuchfassung des ersten Teils eines Romanzyklus im historischen Köln erweckte meine Aufmerksamkeit. In diesem unterhaltsamen Roman gerät die Begine Almut (eine ganz tolle Frauenfigur!) durch ihre aufmüpfige Art gegen die Predigten der männlichen Geistlichen ins Visier der Inquisition. Gleichzeitig bringen sich ihre Schwestern in Gefahr, weil ein junger Weinbauer stirbt, nachdem er ihre Medizin schluckt. Wer steckt wirklich dahinter und wem kann Almut trauen? Ich hatte meinen Spaß mit der fluchenden, tatkräftigen Almut, die hier eine richtige Detektivin wird. Ein spannendes Umfeld hat sich Andrea Schacht ausgesucht, denn Almut eckt mit ihren Ansichten oft an –  und der örtliche Inquisitor ist eine ganz miese Type…

 

The Catcher in the Rye von J. D. Salinger (Penguin, 220 Seiten)

The Catcher in the RyeDas ist eines dieser Bücher, über die man mehr Vorurteile und Meinungen gehört hat, als vor der Lektüre gut sein kann. Aber sei’s drum: Den Hype um diesen kurzen Roman kann ich nicht ganz nachvollziehen, noch weniger aber die weit verbreitete Kritik, es handele sich um jugendliches Gewäsch in Form einer Anreihung von Schimpfwörtern. Für mich war es eine kurzweilige Geschichte, die vieles zwischen den Zeilen sagt. Eine lebensverändernde Wirkung habe ich allerdings nicht an mir festgestellt. Bin ich vielleicht zu alt? Denn ich habe auch mehrmals gehört, wenn man es nicht als Teenie gelesen hat, ist es zu spät für den Fänger im Roggen. Aber ich sage: Hört nicht auf den Quatsch, den andere von sich geben, auch wenn sie es gut meinen, und probiert es selbst aus.

 

Pilgrim – Die unglaublichen Abenteuer des William Palmer. Hörspielserie (SRF, 145 Minuten)

Schöne Miniserie über den vom König des Grauen Volkes zur Unsterblichkeit verdammten William Palmer aka Pilgim. Während er auf der Suche ist nach dem ebenfalls unsterblichen Joseph von Arimathäa, der ihn endlich erlösen soll, hilft er anderen in Not, die in Berührung mit dem Übernatürlichen gekommen sind. Dabei lernt immer mehr über den 900 Jahre alten „Wanderer zwischen den Welten“. Die Serie ist in ihrer jetzigen Fassung sehr hörenswert, wenn auch etwas ungeschliffen. Man merkt einfach, da ist noch viel mehr, was es zu erzählen gibt. Sehr aufwändig inszeniert vom SRF mit Rufus Beck als Pilgrim, lief die Reihe im Original in der BBC und umfasst inzwischen mindestens fünf Staffeln (genaueres konnte ich nicht herausfinden). Die Geschichten stammen vor allem aus dem britischen Sagenfundus. Ich würde mich freuen, demnächst mehr von Pilgrim zu hören. (Hörproben, mehr Info)

P. L. Travers: Mary Poppins

Mary Poppins (Mary Poppins, #1)Das zauberhafte Kindermädchen, das mit dem Ostwind in den Kirschbaumweg 17 geweht wird, ist heute den meisten aus dem Disney-Film von 1964 bekannt. Aber schon lange davor gab es mehrere Bücher über Mary Poppins, die sich großer Beliebtheit erfreuten.

Der erste Band, der 1934 erschien, versammelt zwölf Kurzgeschichten, in denen die Banks-Sprösslinge mit ihrem neuen Kindermädchen Abenteuer erleben. Aber es gibt auch Geschichten über andere Personen, die im Kirschbaumweg leben oder die Mary Poppins zu kennen scheint. Da gibt es eine Kuh, die nicht aufhören kann, zu tanzen, und einen Hund, der sich nichts sehnlicher wünscht, als dass sein Freund nicht mehr wie ein Straßenköter behandelt wird. Auf dem Weihnachtsbummel begegnet man dem Stern Maia und mit einem Kompass umreist man die Welt in wenigen Minuten.

Wer die gewitzte Julie Andrews-Version der Mary Poppins erwartet und die unverkennbare Magie eines Walt Disney, der wird hier aber enttäuscht. P. L. Travers‘ Buch ist ganz anders, viel mehr in seiner Zeit verhaftet (einige Szenen mussten wegen rassistischer Beschreibungen sogar in späteren Ausgaben umgeschrieben werden). Mary Poppins ist nicht schön, aber eitel. Sie ist störrisch und beharrt auf ihrem guten Ruf. Es steht außer Frage, dass sie eine hohe Stellung in der Schöpfung einnimmt. Da kommt es schon vor, dass ihr zu Ehren nachts im Zoo von den Tieren ein Geburtstagsfest veranstaltet wird. Es ist eine ganz andere Art der Magie, die in diesem Buch steckt.

Die Familie Banks lebt keinesfalls in einem pompösen Haushalt mit mehreren Angestellten. Mrs. Banks musste sich entscheiden: Entweder ein schönes Haus oder vier Kinder. Denn es sind vier: Jane und Michael und die Zwillinge, Barbara und John, um die sich ein besonders schönes Kapitel rankt.

P. L. Travers‘ Buch steckt voller spiritueller Anklänge, ohne für eine bestimmte Richtung zu stehen. Die Schöpfung erscheint als großes Ganzes und in vielen der Kapitel spielen Sterne eine große Rolle. In dem Büchlein, dass man ganz schnell durchgelesen hat, scheint mehr zu stecken, als es den Anschein hat. Das empfindet man, nach den Leserstimmen im Internet zu schließen, entweder als magisch oder als wahlloses Chaos ohne Charme. Da ich mit dem Disney-Film aufgewachsen bin und das Buch zuerst 2009 las, steht für mich der Favorit für immer fest. Nichtsdestotrotz glaube ich, dass man Kinder auch heute noch mit Mary Poppins begeistern kann (in der politisch korrekten Version). Die kleinen Geschichten sind vielfältig und einfallsreich. Ich glaube, ich bin da einfach zu parteiisch.

Den Film habe ich mir übrigens auch noch mal angesehen. Der Vergleich folgt morgen.