Bilderbuchrunde

Ja, auch das kommt vor: In diesem Monat konnte ich einige Bilderbücher lesen/anschauen, da die gut in die kleinen Pausen in der Buchhandlung gepasst haben, wo ich mein Praktikum gemacht habe. Diese Bilderbücher waren so schön und außergewöhnlich, dass ich sie kurz vorstellen will. Ich wünschte, in meiner Umgebung gäbe es ein Kleinkind, dem ich mit diesen tollen Geschichten eine Freude machen könnte.

Der faule Freund von Ronan Badel (Peter Hammer Verlag)

Der faule FreundOhne Worte und doch so lustig und herzergreifend ist dieses kleine Büchlein. Am Anfang sitzen Papagei, Schlange, Frosch und Faultier beim Kartenspielen im Baum. Der wird aber gefällt – und das Faultier mit abtransportiert. Die Schlange macht sich auf, den über das ganze Buch unbeweglichen Freund zu retten. Eine echte Empfehlung! (Verlagsseite | Leseprobe)

Vorsicht, hier sind Katzen drin! von Viviane Schwarz (Knesebeck)

Vorsicht, hier sind Katzen drin! Ein herrliches interaktives Vorlesebuch, in dem man den Katzen Wollknäuel zuwerfen und sie aus einem Wasserstrom retten muss, um sie dann trocken zu pusten. Durch die vielen eingeklebten Miniseiten passiert auf jeder Seite viel und die drei Katzen sind sehr sympathisch und lustig. (Verlagsseite)

Helmut, der Hund, der Äpfel zählt von Claudia Boldt (NordSüd Verlag)

Helmut, der Hund, der Äpfel zählt Helmut (schon dieser Name!) steht nicht so auf Knochen, seine Leidenschaft sind Äpfel. Wenn nur sein geliebter Apfelbaum nicht in Nachbars Garten ragen würde, wo Hund Igor haust. Und bestimmt schon seinen Raubzug auf Helmuts Äpfel plant! Eine niedliche Geschichte über Toleranz und Freundschaft (Verlagsseite | Leseprobe)

Nur noch kurz die Ohren kraulen? von Jörg Mühle (Moritz Verlag)

Nur noch kurz die Ohren kraulen? Noch ein interaktives Bilderbuch, in dem der kleine Hase ins Bett muss. Aber sein Kissen ist ganz zerknautscht, und Hasenkind hat auch noch nicht den Schlafanzug an. Doch mit einem Klatschen oder einem Simsalabim kommt alles in Ordnung. Licht aus – und Hasenkind kann schlafen. Ein Buch für die ganz Kleinen, die vielleicht ein Ritual fürs Insbettgehen gebrauchen können. (Verlagsseite mit Voransicht)

Heule Eule von Paul Friester und Philippe Groossens (NordSüd Verlag)

Heule Eule Ein bekannteres Bilderbuch ist dieses, in dem eine kleine weinende Eule im Wald für Aufruhr sorgt. Die Tiere versuchen ,sie aufzumuntern, doch nur Mamaeule kann sie trösten. Die Schlusspointe hat mich dazu gebracht, dieses Büchlein auch hier zu erwähnen. (Verlagsseite | Leseprobe)

Mary Poppins (Film, 1964)

Mary Poppins DVD Cover

Mary Poppins war mein erster Film, Mary und Bert waren immer da, mein Leben lang. Ist es da verwunderlich, dass ich London liebe und die Edwardianische Zeit? Diesen August wird der Film 51 Jahre alt. Aber dieser Klassiker ist zeitlos – größtenteils. Nur an die literarische Vorlage erinnert der Film nicht allzu sehr.


Wie soll man auch eine lose Aneinanderreihung episodischer Geschichten in einen Film umsetzen? So etwas geht eher in einer Miniserie; für den Film musste ein Erzählbogen her. Ob und inwiefern Travers‘ Vater dabei eine Rolle gspielt haben, wie Saving Mr. Banks suggeriert, kann hier offen bleiben. Fakt ist, dass der Film einen frei erfundenen Rahmen als Basis hat, in dem einige typische Disneymotive und einige der Originalideen von P. L. Travers Platz gefunden haben.

Bert, der im Buch nur in einem Kapitel vorkommt und meist nur „der Streichholzmann“ genannt wird (an Marys freiem Tag springen die beiden in ein Bild und essen Kuchen), ist hier das Bindeglied zwischen der Kinder- und der Erwachsenenwelt: Er kann keinesfalls zaubern wie Mary (er muss sie bitten, ihn und die Kinder in das Bild zu bringen, anders als der Streichholzbert im Buch), hat aber die Vorstellungskraft und den Humor ines Kindes. Mit acht fand ich Bert unwiderstehlich. Jemand, der die Welt so sehen kann wie Bert, gibt immer einen guten Spelgefährten ab.

Mary wird im Film von einer noch sehr theatralisch spielenden Julie Andrews gespielt. Man sieht in ihrer ersten Szene, der Ankunft im Bild, wie sie noch direkt in die Kamera blickt, als sei dort ein Publikum, dessen Reaktionen sie reizt. Es war ihre erste Filmrolle. Ich finde sie darin immer wieder bezaubernd. Wie im Buch ist Mary Poppins auch hier erst mal die Spaßbremse und pocht auf gutes Benehmen, findet sich aber schnell mit kuriosen Situationen ab. Die Teezeit an der Zimmerdecke hätte es sonst nicht gegeben.

Man begegnet im Film vielen Figuren des Buches: Mrs. Corry und ihren riesenhaften Töchtern, dem Hund Andrew und der Vogelfrau. Im Buch haben sie eigene Geschichten. Ich finde es schön, dass man ihnen so Respekt gezollt hat (und auch den Lesern, die so bekannte Figuren auf der Leinwand wiedergefunden haben). Dennoch ist die Geschichte natürlich komplett anders. Mrs. Banks wird zu einer Suffragette, was ich für den größten Fehler des Films halte. So was versteht doch kein Kind. Nicht mal ansatzweise. Alles, was mir schon früher klar war, war die Abwesenheit beider Eltern, die man durchaus auch im Buch wiederfindet.

Dass Mr. Banks so auf Materielles fixiert ist und seine Kindlichkeit erst wiederfinden muss, ist aber eine Erfindung Disneys. Allerdings eine schöne, wie ich finde, dies sich gut mit den anderen Teilen des Films verträgt: Phantasie, Albernsein, sich an kleinen Dingen freuen.

Bei diesem Ansehen sind mir zwei Dinge besonders klar geworden:

  • Disney hat tief in die Trickkiste gegriffen, sehr tief. Jeder zu der Zeit mögliche Leinwandzauber scheint im Film vorzukommen. Natürlich die Kombination von Animation und Realszene, aber auch Animatronics (elektrisch betriebene, bewegliche Modelle), bewegte Möbelstücke, ineinanderlaufen von Szenenbild und Zeichnungen (wie die Schiffselemente an Admiral Bumms Haus), schwebende Menschen (inklusive Salti), und und und.
  • Der Teil des Films, der mich schon immer am meisten fasziniert hat, ist der düsterste: Der Spaziergang auf den Dächern Londons und die großartige Tanzszene der Schornsteinfeger. Wer diese Choreographie geschrieben hat war ein Genie.

Ohne zu zögern würde ich Mary Poppins meinen (noch rein hypothetischen) Kindern zeigen. Mary ist nebenbei auch eine großartige Frauenfigur: Sie weiß was sie will und erlebt dabei die tollsten Dinge. Ich glaube, ich wollte immer so gewitzt und zielstrebig sein wie sie. Sie trug stets Röcke und war dabei trotzdem supercool.