#Horrorctober 3/13: The Lost Boys

#Horrorctober Returns! 2018Irgendwie ist The Lost Boys vollkommen an mir vorübergegangen. Ich habe ihn nun für den Horrorctober zum ersten Mal angeschaut.

The Lost Boys DVD CoverMike und Sam ziehen mit ihrer Mutter an eine kleine Stadt im sonnigen Californien: Deren Vorzüge – Strand, Parties – werden überschattet von immer neuen Vermisstenfällen. Und einer Bande von Jungs auf Motorrädern, die wenig reden und viel Krach machen. Vampire sind in der Stadt, und die Brüder bekommen schon bald mit ihnen zu tun!


They don’t make em like this anymore

Wo kommen Horror und Humor, Teenage Angst und Synth Pop, schwitzige Gesichter und Gothsymbolik heute noch zusammen? Eben: Nirgendwo! Dieser Film ist so sehr Kind seiner Zeit, wie es ein Film für ein jugendliches Publikum nur sein kann. Voll gestopft mit unsäglicher Musik, extra coolen Typen, Onelinern und Aerosol, war The Lost Boys wenigstens eins nie: langweilig.

In vielerlei Hinsicht hat der Film einiges zu bieten. Den älteren Bruder Mike sehen wir hin- und hergerissen zwischen kindlicher Herumtreiberei und der Verantwortung für Haus und Familie, er verliebt sich (natürlich) und will im Ort Anschluss finden. Sein jüngerer Bruder Sam zieht sich an, als käme er vom Set von Miami Vice, liest gerne Comics. Er ahnt als Erster, das etwas nicht stimmt in seiner neuen Heimat und wappnet sich gegen die Vampire oder was immer hinter den verschwindenden Personen steckt.

Was mich aus dem Konzept gebracht hat, ist vor allem dem Alter des Films zuzuschreiben: Sehr kitschiges Bildwerk, schlecht geschriebene Frauenfiguren und der mieseste Soundtrack aller Zeiten katapultierten mich unerbittlich aus der Story. Auf der anderen Seite gibt es auch einiges Positive zu sagen: Die Vampire sind echt finster und Kiefer Sutherland macht sich sehr gut in ihrer Mitte, Dianne West als Mutter (Edward Scissorhands) und Edward Herrmann (Gilmore Girls) als ihr Verehrer halten Überraschungen bereit. Dazu keine allzu großen Löcher im Plot und die gar nicht mal so schlecht gealterten Sprüche haben mir das Anschauen versüßt.

So wird mir der Film wahrscheinlich nicht ewig in allen Details in Erinnerung bleiben, aber wenigstens auch nicht in schlechter Erinnerung in meinem Hinterkopf herumspuken.

#Horrorctober 2/13: Shining (Stephen King)

Das archetypisch gruselige spukende Hotel trifft auf lebensechte Charaktere mit echten Problemen und übernatürlichen Erlebnissen: Willkommen im Overlook Hotel und damit in Stephen Kings Welt.

Der kleine Danny ist nicht wie andere Kinder: Durch seine hellseherischen Fähigkeiten findet er nicht nur verlorene Gegenstände, sondern spürt auch, was seine Eltern beschäftigt, was sie denken. Und da gäbe es einiges: Des Vaters Jack gescheiterte Laufbahn als Lehrer aufgrund seines Alkoholismus, die übersteigerten Ängste der Mutter Wendy, beider Überforderung. Doch Danny sieht noch weiter: Sein unsichtbarer Freund Tony zeigt ihm auch Dinge, die noch gar nicht passiert sind.
Als Verdienstmöglichkeit übernimmt Jack den Job eines Hausmeisters in einem alten Hotel, das über den Winter von der Außenwelt abgeschottet ist. Er will die Ruhe zum Schreiben nutzen, doch schon bald lenkt ihn das Overlook mit seiner faszinierenden Geschichte von seinen Pflichten ab und zieht ihn immer mehr in den Bann …

Keine Frage, dieses Buch ist lang. Daher direkt am Anfang meine Empfehlung: Das Hörbuch, gänsehauterzeugend gelesen von Dietmar Wunder, ist die Audioversion eines Pageturners! (Übrigens bei Spotify in voller Länge verfügbar.) Ich habe das Buch in diesem Oktober zum zweiten Mal angehört und finde es immer noch sehr gruselig und um Längen gruseliger als Stanley Kubricks Filmversion, die eh nicht allzu viel mit der Geschichte zu tun hat (auch hierzu sind natürlich andere Meinungen vorhanden).

Direkt in der Eröffnungsszene des Buchs hat man den Eindruck, dass es unter der Oberfläche des Losers Jack Torrance brodelt: Er ist im Overlook Hotel und spricht mit dem Manager, als bereits feststeht, dass er den Hausmeister im kommenden Winter geben soll. Wir hören seine Gedanken, die immer wieder plötzlich bedrohlich und gewalttätig werden: So, als der Manager ihm sagt, dass er ihn nicht für geeignet hält, oder als er Nachfragen zu Jacks Entlassung aus seinem vorherigen Job stellt. Am Ende der Szene ist im Wesentlichen klar, wer Jack ist: Einer, der Verantwortung scheut, aber seine Familie liebt. Er will das Richtige tun, hat aber Künstlerambitionen. Und dann ist im Hintergrund immer der Wunsch nach einem Drink da.

King kann unglaublich gut erzählen und erschafft Charaktere, die so real wirken, als hätte man sie an der Supermarktkasse getroffen. Jeder der Torrances ist sehr glaubhaft und fassbar, und das macht für mich einen großen Reiz der Geschichte aus. Jeden ihrer Schritte kann ich vollkommen nachvollziehen, ohne dass die Handlung vorhersehbar wäre.

Das zweite Standbein eines Kingschen Horrors ist das Übernatürliche, und hier kommen tiefsitzende Urängste zusammen, um den Horror des Overlook zu kreieren: Dinge, die sich im Augenwinkel bewegen, Kontrollverlust, Hotelgäste, die lange nach ihrem (gewaltsamen) Tod noch nicht endgültig ausgecheckt haben, Masken, Gewalt, Isolation, … all das kombiniert King zu einem ultragruseligen Cocktail.

Beim zweiten Lesen ist mir besonders bewusst gewesen, wie viel von Kings eigenen Ängsten hierin stecken muss, die Parallelen zu Jack Torrance sind vielfältig. Ich finde es faszinierend, wie viel King in diesem King steckt, und bewundere die Offenheit.

Ich werde Shining bestimmt auch im nächsten Oktober wieder anhören.

#Horrorctober 1/13: Die Frau in Schwarz

#Horrorctober Returns! 2018Ich bin direkt mal kopfüber in den Horrorctober gestürzt und habe mich einem Film erneut gestellt, den ich als extrem gruselig in Erinnerung hatte: Die Frau in Schwarz von 2012 (IMDb | Letterboxd). Darin spielt der damals gerade frisch dem Harry Potter Franchise entkommene Daniel Radcliffe einen jung verwitweten Anwalt mit Namen Arthur Kipps, der es in einem alten Anwesen mit einem Geist zu tun bekommt.

Arthur Kipps soll in den englischen Norden reisen, um die Papiere einer verstorbenen Dame zu sichten. Ein todlangweiliger Job, könnte man meinen. In dem ländlichen Ort wird er von den Einheimischen angefeindet, als klar wird, dass er zu dem alten Anwesen muss. Lange hat man keine Ahnung, warum die Leute damit ein Problem haben, doch die Zeichen sind überall.

Die Frau in Schwarz setzt nicht auf Ekel und Schock durch jede Menge Blut wie viele andere neuere Horrorstreifen. Er ist sich seiner Tradition als Produktion aus dem Haus Hammer bewusst und setzt seine Jump Scares gezielt und dankenswerterweise spärlich ein. Stattdessen sind durch den athmosphärischen Soundtrack, ein sehr effektives Sound Design und gezielt eingesetzte Stille die Nerven ständig zum Zerreissen gespannt. Dazu ist das Haus perfekt für die Geistergeschichte ausgestattet: In praktisch jeder Kameraeinstellung ist irgendwo ein Gesicht in einem Portrait an der Wand, einem Gobelin oder Büsten; mit Vorhängen und düsteren Korridoren wird nicht gegeizt. Das erzeugt ungemein viel Unbehagen. Ich war jedenfalls meistens damit beschäftigt, die Peripherie der Kamera im Auge zu behalten, und dort passiert auch vieles. Ich kann mich noch erinnern, dass mir beim ersten Ansehen in einer gewissen Szene mit einer Wundertrommel der eigentliche Schockmoment entgangen ist, er war zu versteckt. Nur Tonspur und Reaction Shot haben mir verraten, dass hier wohl irgendetwas zu sehen gewesen sein muss. Diesmal habe ich es gesehen. Brrr.

Wenn ich etwas an Die Frau in Schwarz kritisieren soll, dann ist es ein an einigen Stellen schwaches Storytelling. Der Film verbirgt an einigen Stellen wesentliche Fakten vorm Publikum einfach durch einen Protagonisten, der keine Fragen stellt. Arthur sieht viel, sagt aber wenig. Gleichzeitig ist dieses Schweigen eine der Stärken des Films: Im Mittelteil gibt es eine ca. 20-minütige Sequenz, in der gar nicht gesprochen wird und Arthur allein im mit dem Haus ist.

Eine andere Schwachstelle ist die Frau in Schwarz selbst: Ihr Handlungsmotiv ist am Ende etwas einfach gestrickt, die „Mythologie“ um sie zu simpel. Ein Vergleich mit der literarischen Vorlage von Susan Hill wäre interessant! Ich habe schon mitbekommen, dass das Ende der Geschichte in dieser Adaption umgestrickt wurde. Das Buch werde ich mir irgendwann auf jeden Fall mal vornehmen, aber nicht in diesem Oktober.

Fazit: Auch beim zweiten Ansehen war Die Frau in Schwarz echt gruselig. Ein eher langsamer, aber wirkungsvoller Geisterfilm mit Liebe zum Detail. Allein schon deshalb wächst er mir langsam ans Herz und ich werde ihn wohl auch noch ein weiteres Mal ansehen.

Bildnachweis: José María Pérez Nuñez, „El hombre sin sombra, y su sombra“ (CC BY-ND 4.0)