A. Lee Martinez: Gott im Unglück

A. Lee Martinez: Gott im Unglück

Ich sage es sofort: Im Buchladen wäre ich an „Gott im Unglück“ vorbeigegangen. Doch Martinez‘ Funny Fantasy Roman und ich sind uns nicht im Buchhandel begegnet. Es ist eine Leihgabe von Freunden. Freunden, die Waschbären und Terry Pratchett lieben.

 

Phil und Teri sind ein ganz normales Paar, nicht übermäßig wohlhabend, aber sie kommen klar. Doch ein bisschen mehr Glück kann niemandem schaden, oder? Eine Götter-Vermittlungswebsite soll Abhilfe schaffen. Die beiden kontaktieren Luka, den Gott der glücklichen Zufälle, und ahnen nicht, was sie mit dem Parties feiernden Waschbären in ihr Haus eingeladen haben. Denn auch Götter streiten, lieben und spielen gerne mit verdeckten Karten.

A. Lee Martinez nimmt in Gott im Unglück alle Götter als gegeben an. Alle sind real und durchwandern unsere Welt, verlangen Opfergaben und bieten im Gegenzug ihre Gunst. Die Idee hat mir sehr gut gefallen, denn hier bieten sich jede Menge Möglichkeiten für Komik. Und die nutzt der Autor auch.

Die Charaktere sind dabei absolute Nebensache. Phil und alle anderen Menschen sind eine homogene Masse. Selbst die Götter sind auf wenige Charaktereigenschaften reduziert, die karikaturenhaft hervorgehoben werden. Beim Lesen hat mich das nicht gestört, es geht hier vielmehr um die lustigen, absurden Situationen, die durch das Aufeinanderprallen von eifersüchtigen Göttern und hilflosen Sterblichen entstehen. Und die waren zum Teil wirklich sehr lustig. Meistens bewegt sich der Roman auf Schmunzelnivea, aber an einigen Stellen musste ich laut lachen. Von denen hätte ich gerne mehr gehabt, darum ist das Buch insgesamt etwas holprig. Ich konnte deutlich erkennen, an welchen Szenen der Autor selbst am meisten Spaß hatte und wo es eher um die Pflicht als die Kür ging.

So ist Gott im Unglück ein kurzweiliges Lesevergnügen, das aber direkt nach dem Lesen wieder in Vergessenheit gerät. Ein nettes Spektakel für Zwischendurch.

Zusätzliche Info zu Göttern und A. Lee Martinez

Martinez schreibt auch einen Blog und veröffentlicht da ab und zu Kurzgeschichten. Perfekt, um seine Schreibe und seine Ideen auszuprobieren.

Göttin SeschatÜbrigens habe ich, auf der Suche nach einem der Götter im Buch, eine schöne Internetseite entdeckt: Godchecker. Das ist ein Wiki mit über 4000 Gottheiten aus allen Zeiten und Kulturen. Die Site ist aber nicht nur informativ, sondern auch humorvoll. Auch hier werden die Götter als reale Gestalten begriffen. Ich habe auch eine passende Göttin für Bibliophile gefunden: Seschat, eine ägyptische Göttin der Bibliotheken und Bücher. Also dankt ihr für Schnäppchen und kurze Wartezeiten in der Bibliotheksausleihe 🙂