BuchSaiten Blogparade und ein kleines Fazit 2016

Die BuchSaiten Blogparade ist inzwischen festes Buchblogger-Inventar; im achten Jahr ist die Aktion in die liebevollen Hände von Petzi übergegangen. Die Fragen (und der Name) sind dabei gleichgeblieben. Und da ich diese Fragen nicht beantworten kann, ohne an meine anderen Leseerlebnisse, Erfolge und Niederlagen zu denken, folgt ein winziger Rückblick auf meine Ziele, die ich mir für 2016 gesetzt hatte, und was ich so im kommenden Jahr vorhabe.

Welches Buch hat dich in diesem Jahr positiv überrascht?

Edward Albee: Who's afraid of Virginia Woolf?Who’s afraid of Virginia Woolf? von Edward Albee, einer der vielen Künstler, die wir in diesem Jahr verloren haben. Während ich ein düsteres, leicht angestaubtes Familiendrama erwartet hatte, war dieses Kammerstück clever, spannend und seine Charaktere schräg bis zynisch. Am Ende wird man dann durch einen Bruch überrascht und bekommt einen neuen Blick auf die Figuren. Seitdem hoffe ich, mal eine Aufführung des Klassikers zu sehen und auch den Film mit Elizabeth Taylor möchte ich noch ansehen.

Welches Buch hat dich in diesem Jahr negativ überrascht?

Sylvie Germains Buch der Nächte hat mich als Teenager mit seinen Märchenmotiven, verwoben in einer Familiensaga, erwischt – ein glücklicher Fund. Mit Der König ist nackt liegt der Fall leider ganz anders: Ein höchst realistischer und vollkommen unspektakulärer Roman, zu dem ich schon jetzt keine Inhaltsangabe mehr machen kann. Nach dieser Pleite steht fest, dass ich nächstes Jahr Das Buch der Nächte wieder lesen will.

Welches war eure persönliche Autoren-Neuentdeckung in diesem Jahr?

Da kann ich nicht bei einem Namen bleiben! Viele neue Autorinnen habe ich durch mein bewusses Ziel, mehr Frauen zu lesen, entdeckt, und auch Virginia Woolf mit Orlando und Ein Zimmer für sich allein irgendwie lieben gelernt. Dann muss ich unbedingt Alison Bechdel nennen, deren Fun Home für mich eines der besten Bücher 2016 war. Charlotte Perkins Gilman, Spider Robinson, Carol Ann Duffy und auch Kurt Vonnegut habe ich dieses Jahr zum ersten Mal gelesen und will mehr.

Welches war euer Lieblings-Cover in diesem Jahr?

Joanne M. Harris: The Gospel of LokiThe Gospel of Loki hat ein mit satten Farben gespicktes Cover und funkelt auch ein wenig. Die karge Landschaft bekommt so etwas Magisches, passend zu den Geschichten über die Götter des Nordens.

 

Welches Buch wollt ihr unbedingt 2017 lesen?

Vieles und sowieso alles, was in meinem Regal ungelesen Staub sammelt! Da es schon seit zwei Monaten ständig ausgeliehen ist, will ich aber ein Bibliotheksbuch nennen: Die Gestirne von Eleanor Catton. Gerade, weil ich einfach nicht daran komme, habe ich inzwischen einen Narren an dem Mammutwerk gefressen und meine Erwartungen an den Roman sind hoch. Von der Frankfurter Buchmesse 2015 habe ich noch ein Heft mit Interviews, Rezensionen und (Gott sei dank!) einem Personenverzeichnis, jetzt fehlt mir nur noch das eigentliche Buch.


Ein kurzes Wort zu Projekten 2016

Für 101 Fantasy habe ich in diesem Jahr das 50. von 101 Büchern gelesen, doch die allerwenigsten rezensiert. Daran arbeite ich, denn ihr sollt ja auch was davon mitbekommen. Ähnliches gilt für mein Projekt, mehr Frauen zu lesen: Ich habe tatsächlich mein 50/50-Ziel erreicht, aber wenig davon mitgeteilt. Das Jahr war einfach sehr ereignisreich und so musste ich mich erst mal an mein neues Leben gewöhnen und hatte deutlich weniger Zeit für Buchflimmern und auch vor allem für das Kommentieren auf anderen Blogs (gelesen und still zugestimmt habe ich aber ganz oft ;)). Die Weltenbummler-Challenge, an der ich teilnehmen wollte, habe ich komplett aus den Augen verloren, ähnlich wie den Wunsch, ein paar alte Lieblinge wieder zu lesen. Zuletzt kann ich noch einen SuB-Abbau von 37 Büchern vermelden. Ich hatte mit einer höheren Zahl gerechnet, aber wenn man mal eben 14 Bücher aus dem Urlaub anschleppt, muss man sich nicht wundern.

Und im nächsten Jahr?

Natürlich habe ich auch für 2017 Pläne, wenn auch ganz einfache: Weiter viele Frauen lesen und den SuB kleiner machen. Und darüber berichten 🙂 Und mit ganz viel Glück kommt auch wieder der ein oder andere Film dazwischen. *Daumen drück*

Danke an meine Leser und alle, die ein paar liebe Worte in den Kommentaren hinterlassen haben, was mich immer besonders freut: Ich wünsche euch allen ein wundervolles neues Jahr! Kommt gut rüber, wir lesen uns 🙂

Das Leben: ein Fest, ein Kampf, und immer wieder überraschend. Gelesenes

Leider lag ich eine Woche krank im Bett und habe darum in der zweiten Junihälfte nicht viel gelesen. Ich kann mich einfach nicht genug konzentrieren, wenn ich Fieber und Kopfschmerzen habe, leider.

Ernest Hemingway: Paris. Ein Fest fürs Leben

Hemingway ParisHemingway und ich – keine Lovestory. Gescheitert sind wir schon des Öfteren, so richtig per du waren wir nie. In seinen Memoiren über die Zwanzigerjahre in Paris weckten in mir aber neue Hoffnung. Ich meine, was gibt es Spannenderes als einen Insider-Bericht über diese Epoche: Midnight in Paris, nur real? Ich hatte tatsächlich viel Freude an dem Buch; doch auch diesmal bleibt die Kritik nicht weit. Meine Rezension „Paris: Ein Fest fürs Leben“ hier.

Sara Gruen: Wasser für die Elefanten

Nach Binewskis mein zweiter Zirkusroman des Jahres, aber der Unterschied könnte nicht größer sein. Hier erzählt ein alter Mann aus dem Altenheim von seinen Erinnerungen als Tierarzt in einem der letzten großen Zirken der USA am Ende einer Ära. Die Rahmengeschichte hätte nicht sein müssen und war teils am Rande des Kitsch. Die Teile über den Zirkus haben mir gut gefallen, doch das Genre ist mir letztendlich doch in die Quere gekommen: Die Liebesgeschichte hat mich genervt, weil sie mehr und mehr Platz in der ansonsten flüssigen Erzählung eingenommen hat. Am Ende bleibt ein nur lauwarmes Gefühl zurück. Als Love Story mit schönen Add-ons kann ich Wasser für die Elefanten aber empfehlen.

Andrew Kaufman: Alle meine Freunde sind Superhelden

Andrew Kaufman: Alle meine Freunde sind SuperheldenTom ist umgeben von Superhelden: Selbst seine Frau, die Perfektionistin, ist „anders“. Auf ihrer Hochzeit hat ein Verflossener sie hypnotisiert, sodass Tom nun für sie tatsächlich unsichtbar ist.
Dieses sehr kurze Büchlein versammelt neben Toms Geschichte auch eine Horde abstruser Superheldenfiguren, die mit einer kurzen Beschreibung als hors d’heuvre eingestreut sind. Während dem Lesen war ich gut unterhalten, aber leider waren es eher die höchst originellen Begabungen, die Kaufman sich hat einfallen lassen, die mich gefesselt haben. Die eigentliche Geschichte war eher so là là und mir zu knapp. Knapp umrissene Figuren sind nicht mein Fall, da halfen auch nicht die wunderbar surrealen Situationen und Ideen, die Kaufman hier eingebaut hat.

Erich Maria Remarque: Im Westen nichts Neues

Jahrelang bin ich Remarque ausgewichen – Kriegsgeschichten sind meine Sache nicht. Nachdem ich aber in den letzten Jahren immer wieder begeisterte Stimmen zu dem Roman gehört habe, lieh ich das Buch doch aus. Der Krieg ist hier als menschliche Katastrophe stets präsent, doch geht es ausschließlich darum, wie der Protagonist und seine Kameraden mit der Tatsache umgehen, Teil dieses Krieges zu sein. Mit weiten Gedankengängen zur Menschlichkeit und Unmenschlichkeit des Krieges und teils herzzerreißend schöner Prosa hat mich Remarques Text gewonnen.

Alina Bronsky: Baba Dunjas letzte Liebe

Die Geschichte um Baba Dunjas Leben zwischen verstrahlten Tomaten, ehrfürchtigen Nachbarn und einer fernen Familie in Deutschland hat mir erstaunlich gut gefallen. Eine volle Rezension zu Bronskys Roman habe ich auch geschrieben.

Gelesen im Mai Teil 2

Schon wieder ein Monat um 😯

Gelesen im Mai Teil 2

Marcel Proust: Der Weg nach Guermantes

Der dritte Teil Auf der Suche nach der verlorenen Zeit hatte viel Salon-Konversation und Bebachtungen über diese Abendgesellschaften zu bieten. Das war einerseits amüsant, weil viele soziale Ungereimtheiten bloßgestellt wurden, andererseits war es auch verwirrend, mit all den Charakteren Schritt zu halten. Vor allem, weil Proust immer mehr anzudeuten beginnt. Zum Beispiel berichtet er von einer Begebenheit und kündigt dann an, man würde diese erst im Folgeband verstehen, wenn die Gründe für das Ereignis enthüllt werden.

Rebecca Gablé: Der König der purpurnen Stadt

Jubel! Endlich kann ich diesen Wälzer von meiner Liste streichen. Nicht, dass mich die Gablé gelangweilt hätte. Ihren Schreibstil und die Gablé-typischen Kniffe und Plots finde ich einfach „gemütlich“, weil sie mir inzwischen so vertraut sind. Zwar finde ich dieses Buch weniger gelungen als die ersten beiden Warringham-Bände, aber meinen Spaß hatte ich trotzdem. Hauptfigur Jonah war mir leider nicht wirklich sympathisch, was meine gemütliche Leserei etwas störte (sonst habe ich ja nichts gegen schwierige Charaktere). Ein teils knallharter Geschäftsmann und oft rücksichtslos als Mann, eine Figur, die ich bei der Autorin nicht erwartet hatte. Das älteste Buch auf meinem SuB, endlich steht es bei den anderen Gablés!

Sarah Kuttner: Mängelexemplar

Dass Mngelexemplar gerade (?) im Kino läuft, ist totaler Zufall, denn dieses Buch hat mir eine Freundin in die Hand gedrückt. Trotz einiger Schwächen hat mir das Buch ganz gut gefallen, sodass eine Vollwert-Rezension folgt.

Ransom Riggs: Die Insel der besonderen Kinder

Nachdem so langsam die ersten Trailer für den Film auftauchen, habe ich das Buch schnell noch gelesen, bevor meine Vorstellung von Eva Green und Konsorten blockiert wird. Der 16-jährige Erzähler der Geschichte sorgte allerdings für einen Erzählton, der nicht wirklich zu der nebligen walisischen Insel passen wollte. Auch einige Aspekte der Geschichte haben absolut keinen Sinn ergeben, sodass ich am Ende nicht überzeugt war.

Der Seidenspinner

Der zweite Teil der Cormoran Strike Krimis hat meine Erwartungen voll erfüllt. Die Hauptcharaktere, die mir ans Herz gewachsen waren, haben auch diesmal nicht enttäuscht. Die Handlung war deutlich direkter als im ersten Band (sowohl die Tat ist blutrünstiger als auch die satirische Darstellung der Schriftstellerszene bissiger) und genauso spannend. Auch in Teil zwei wartet Galbraith/Rowling wieder mit ihr typischen Klischees und Genderrollen auf, nimmt diese aber auch zum Teil aufs Korn. Wie gesagt, ich bekam was ich wollte, und freue mich, irgendwann auch Band drei zu lesen.

Und jetzt?

Ich höre als nächstes Grau von Jasper Fforde, von dem unter anderem Pat Rothfuss seit Jahren schwärmt. Außerdem lese ich (Trommelwirbel) den finalen Band der Malloreon-Saga von David Eddings, die ich 2011 in Großbritannien gekauft habe. Gerade rechtzeitig, den dieses Jahr geht es wieder auf die Insel und ich werde Bücher kaufen, so viel steht fest. Aber das ist ein anderes Thema …

Gelesen im Mai Teil 1

Es ist mal wieder Zeit für eine Veränderung, wenn auch eine kleine: Ich komme ja viel zu selten dazu, Rezensionen zu schreiben. Und dann denke ich noch monatelang: „Aber wenigstens kurz erwähnen hättest du das Buch doch können.“ Wie ärgerlich.

Also werde ich kurzerhand meine Leselisten durch Gelesenlisten ersetzen. In den  Leseliste-Posts nehme ich mir eh meist zuviel vor, da ist es doch besser, einfach zu zeigen, was ich tatsächlich gelesen habe. Da ich für einen Post zuviel lese, teile ich die Gelesen-Beiträge auf zwei Posts auf, alle 2 Wochen einen.

Hier also meine Leserei im Mai, Teil 1:Gelesen im Mai, Teil 1

Corporate Language: Wie Sprache über Erfolg oder Misserfolg von Marken und Unternehmen entscheidet (Armin Reins)

Corporate Language ist wirklich faszienierend für Sprachbegeisterte wie mich: Dabei geht es um das Prägen einer markeneigenen Sprache. Im besten Fall erkennt man die Marke dann an ihrer Wortwahl, dem Tonfall. Da das Thema aber noch relativ frisch ist, gibt es in dem dicken Buch noch nicht soviel Bahnbrechendes zu berichten. Interessant ist es allemal und viel viel Bildmaterial verdeutlicht die angesprochenen Punkte.

Ein Mann in einer fremden Welt (Robert A. Heinlein)

Wie versprochen habe ich diesen Klassiker ausprobiert – und bin wie erwartet ein wenig enttäuscht. In dem Roman (den ich nicht so sehr als SF, sondern mehr als zeitgenössischen Roman bezeichnen würde) geht es um die Verwicklungen die entstehen, nachdem ein Mensch auf dem Mars geboren wurde und dort unter Marsianern aufwuchs. Zurück auf der Erde, wird er von einer Kuriosität zu einem Propheten. Die Prämisse bleibt dabei im Grunde austauschbar; der Protagonist hätte genausogut aus dem Urwald oder einer Höhle kommen können, denn die Marsianer selbst spielen im Buch keine Rolle.

Drifter Volume 1: Crash (Ivan Brandon & Nic Klein)

Vollkommen spontan und unter Zeitdruck habe ich den Comicband Drifter aus der Bib ausgeliehen. Die farbenfrphen Panels und die SciFi-Story haben mich dazu verleitet, s einfach zu probieren. Leider habe ich auch nach Beenden des ersten Bandes in der Reihe keinen Schimmer, worum es überhaupt geht. Ein Kerl namens Abram Pollux stürzt mit seinem Schiff auf einem Planeten ab. Es gibt eine seltsame Zeitverschiebung, die niemand erklären kann und nur Pollux wahrnimmt. Es gibt seltsame Charaktere und Monster, aber nichts davon ergibt einen Sinn. Dazu kommt noch der poeske Erzählton, vollkommen kryptisch und finster. Unnötig zu erwähnen, dass für mich nach Band 1 Schluss ist mit Drifter.

Sorceress of Darshiva (David Eddings)

Der vorletzte Band der Malloreonsaga hielt wieder mehr Action bereit. Allerdings haben mich auch ein paar neue Enthüllungen etwas genervt, da sie eigentlich das gesamte Romankonzept durcheinander werfen. An diesen Stellen spürt man deutlich die „Faulheit“ des Autors. Dennoch freue ich mich auf den finalen Band der Reihe – ich kann mic hnämlich an nichts mehr davon erinnern.

Warren the 13th & the All-Seeing Eye (Tania del Rio, Will Staehle)

Wundervoll illustriertes Kinderbuch um die Geheimnisse eines alten Anwesens. Die kleine Mystery-Geschichte mit ihren komischen bis bizarren Figuren lässt dem Leser keine Verschnaufpausen, ständig passiert noch mehr. Das Buch hat mir Spaß gemacht; als Kind hätte ich die stellenweise etwas gruselige Story geliebt!