Zum 400. Todestag Shakespeares: 5 geniale Dramen

theaterstueckeHeute ist der Welttag des Buches, und ein Grund dafür ist Shakespeares Todestag. Dieser jährt sich heute zum 400. Mal. Das machte mich über die Dramen grübeln, die nicht von Shakespeare stammen. So kam diese kleine Liste von Stücken zusammen, die ich richtig toll finde und weiterempfehlen kann. Hier also Leseempfehlungen (oder gerne auch Anschauempfehlungen!) aus der Theaterecke:

Who’s afraid of Virginia Woolf? (Edward Albee)

edward-albee-whos-afraid-of-virginia-woolfSpäter Abend, ein Ehepaar kehrt betrunken von einer Party nach Hause. Sie streiten. Und der Abend dauert noch lang: Ein weiteres, junges Paar verirrt sich in den Fängen dieser Ehe.
Gerade erst habe ich dieses aufwühlende und finster-lustige Drama gelesen. Während des ersten Aktes überwog noch der Eindruck „Oh Gott, sind die kaputt!“ Doch dann entwickelte ich Mitgefühl für die Figuren. Das Stück ist äußerst klug konzipiert und eignet sich super zum Lesen durch die teils sehr expliziten, aber trotzdem kurzen Regieanweisungen.

Stella (die Urfassung, Johann Wolfgang von Goethe)

Stella Hamburger Hefte Cover Verlorene Liebe, schöne trauernde Witwen und ganz, ganz viel Gefühl!
Stella war so revolutionär, dass es Goethe selbst nach enigen Jahren nicht mehr verkraftete und den Schluss dieses ultra-pathetischen Stücks in eine Tragödie änderte. Ich finde es einfach urkomisch. Ein Muss für traumatisierte Goetheleser (#Schulerinnerungen) und die, die ihn mal von seiner schwärmerischen und etwas lächerlichen Seite kennenlernen wollen. Ich habe das Stück noch nicht auf der Bühne gesehen, stelle es mir aber in der richtigen Inszenierung göttlich vor. Bräuchte allerdings einen Schuss Selbstironie.

Die Physiker (Friedrich Dürrenmatt)

Die Physiker suhrkamp CoverEin Irrenhaus voller brillianter Physiker. Ein Mord. War der Täter unzurechnungsfähig?
Dieses Drama war das erste, was ich, 11-jährig, freiwillig außerhalb der Schule las. Meine Liebe zu Dürrenmatt war sofort zementiert. Er ist ein Meister des Gedankenexperiments, und in Die Physiker bringt er Komik und Tragik auf unausweichliche Art zusammen. Womöglich das beste Theaterstück aller Zeiten. Liest sich gut und viel zu schnell. Auf der Bühne gehen schnell einige Subtilitäten verloren.

The Importance of Being Earnest (Oscar Wilde)

Eine Verwechslungskomödie der anderen Art – gefüllt mit schrägen Typen und Gurkensandwiches.
Was wäre eine solche Liste ohne Wilde? Wilde, der so gekonnt Spitzen austeilen und in Doppeldeutigkeiten versinken konnte? Wer was zum Lachen sucht, der nehme Oscar Wilde zur Hand. Ich kann auch die herrlich-schrille, wenn auch nicht ganz wortgetreue, Filmadaption mit der wunderbaren Dame Judy Dench als knarzige Tante Lady Bracknell aus dem Jahr 2002 empfehlen.

Leonce und Lena (Georg Büchner)

Leonce und Lena Reclam CoverEin Prinz und die ihm versprochene Prinzessin weigern sich zu heiraten, entfliehen ihrem goldenen Käfig und treffen sich unbekannterweise. Mit einem unfähigen König und den unersetzlichen Begleitern der Flüchtigen ist das Chaos perfekt.
Nicht nur deprimierend naturalistische Stücke schrieb Büchner, sondern auch dieses heitere Märchen voller Schmacht und Ironie. Natürlich verbirgt sich auch hier die politische Satire zwischen den Zeilen, aber unterhaltsam bleibt das Ganze trotzdem. Selbst gesehen habe ich es noch nicht (außer im TV), aber hier lohnt sich sicher ein Theaterbesuch.

Wenn 5 nicht genug sind… (mehr Lesetipps!)

Yasmina Reza: Der Gott des Gemetzels
Molière: Der eingebildete Kranke
Friedrich Schiller: Kabale und Liebe
Aristophanes: Lysistrate

Lest ihr auch ab und zu Dramen? Oder geht ihr vielleicht ins Theater? Welches Stück hat euch begeistert?