Ernest Hemingway: Wem die Stunde schlägt

Wem die Stunde schlägt von Ernest HemingwayHemingway! Fiese Erinnerungen aus Schulzeiten kommen beim Klang dieses Namens wieder: Iceberg Theory und seltsame Short Stories. Doch der Spanische Bürgerkrieg, den Hemingway ja selbst miterlebt und seine Erfahrungen in diesem Roman verarbeitet hat, interessierte mich dann doch genug, um die Gelegenheit beim Schopf zu packen, als das Los dieses Buch für mich bestimmte (als Glücksfee für Anti-Age dem SuB).

Der Amerikaner Robert Jordan soll als Dynamitexperte mit den spanischen Guerilleros eine Brücke sprengen. Zu Beginn des Buchs kommt er bei dem Lager der Widerständler an und lernt erst einmal seine neuen Gefährten kennen, die alle sehr unterschiedlicher Natur sind. Konflikte liegen verborgen, vielleicht sogar Verrat. Vier Tage der Vorbereitung bleiben Jordan und den anderen, denn der Termin für die Sprengung ist von oben festgelegt und Teil eines größeren militärischen Schachzugs.

Das Set-up der Geschichte hat mir wirklich gefallen, genau wie die sehr verschiedenen Charaktere des Buchs. Da ist zum Beispiel Pilar, die mujer, die im Lager die Hosen an hat und ziemlich rabiat sein kann, aber sehr gewitzt im Umgang mit ihren Kameraden. Ein echtes Alphatier. Dann gibt es Pablo, bei dem man von vornherein ein schlechtes Bauchgefühl hat. Er soll der eigentliche Anführer sein, trinkt aber zu viel und ist seinen Gemütsschwankungen unterlegen. Sein Treffen mit dem inglés Jordan endet beinahe in einer Eskalation, denn er greift ihn sofort an und beschuldigt ihn. Woraus Jordan seinerseits den Verdacht schöpft, Pablo könne der republikanischen Sache abtrünnig geworden sein. Dass hierin großes Konfliktpotenzial liegt, ist klar.

Neben der mujer gibt es eine weitere Frau im Lager: Maria. Sie war eine Gefangene der Faschisten und hat einiges mitgemacht. Jordan verliebt sich auf den ersten Blick in sie – eine Situation, die ich in Büchern nicht ausstehen kann. Im Englischen nennt man das Instalove, ein schöner Begriff. Unerklärt und unerklärlich steht so eine Liebe im Raum, bringt die Story wunderbar voran, ergibt aber kaum Sinn.

Was mich auch gestört hat, war der Erzählstil. Ich könnte nicht mal sagen, woran es genau gelegen hat. Vielleicht der starke Wechsel von Schnelligkeit und nachdenklichen Absätzen. In den Dialogen, in denen oft nur das Gesprochene vorkommt, ohne Namen oder Zuschreibungen, kam ich immer gut weiter, sie waren schnell und spannend. Das Zwischenmenschliche ist Hemingway sehr gut gelungen, das Buch beschäftigt sich vor allem mit den Beziehungen der Figuren untereinander und wie sie sich entwickeln. Langsam und langwierig waren dagegen bechreibende Passagen oder solche, in denen Jordans Gedanken rekapituliert wurden.

Hemingway zeigt auch immer wieder Szenen aus dem Lager der Faschisten und zeigt durch viele Parallelen die Sinnlosigkeit des Krieges. Was wiederum sympathisch ist, gerade weil es durch die subtile Art des show don’t tell geschieht und nicht durch den erhobenen Zeigefinger.

Ich gebe eine eingeschränkte Leseempfehlung. Noch immer wartet A moveable Feast auf mich und ich bin sehr gespannt auf diese ganz andere Art von Buch. Vielleicht kriegt mich Hemingway also doch noch. Im Moment bleibt meine Einstellung zu ihm zwiespältig, wenn ich auch zu begreifen beginne, warum der Mann einen Nobelpreis sein Eigen nennen konnte.

1/8 Titel gelesen

Und damit habe ich endlich den ersten Nobelpreisträger gelesen und vorgestellt. Jippie!