Beendet: 3. Buchverfilmungschallenge

Geschafft! Es war knapp diesmal, aber ich konnte gerade noch den letzten nötigen Buch-Film-Vergleich einreichen, bevor die Challenge vorbei war.

Die Challenge lief von Juli 2014 bis Ende Juni 2015 und wurde von Hannah von Hannahs Bücherblog ins Leben gerufen. Leider musste sie wegen Zeitmangels die Führung an Ariana weitergeben, die aber einen super Job gemacht und sogar monatliche Updates mit allen neuen Beiträgen verfasst hat.

Ich konnte durch die Challenge den ein oder anderen Klassiker endlich lesen/ansehen und auch ein paar Entdeckungen machen. Insgesamt habe ich sehr schöne Stunden verbracht. Es würde mir sehr schwer fallen, einen Favoriten auszusuchen, da mir die Bücher und Filme aus sehr unterschiedlichen Gründen gefallen haben:

2001: Odyssee im Weltraum (Buch und Film)

Der Film war anstrengend, aber absolut lohnend. Ein Meisterwerk, das für den Weltraumfilm stilprägend war. Ich bin froh, vorher den Roman gelesen zu haben, da gerade die Einstiegssequenz sonst für mich absolut unverständlich geblieben wäre.

Emil und die Detektive (Buch und Film)

Ein Kästner, den ich nicht kannte, den ich aber sofort ins Herz geschlossen habe. Emil ist super. Der Film war eher unspektakulär und blieb nicht lange hängen.

Der talentierte Mr. Ripley (Buch | Film)

Eine tolle Entdeckung habe ich hiermit gemacht, Highsmith hat mich mit ihrem psychologischen Feingefühl umgehauen. Den Film fand ich dagegen schwach, auch wenn er mir in früheren Jahren ganz gut gefallen hatte.

Grüne Tomaten (Buch und Film)

Noch ein Film, den ich bereits kannte. Dass es ein Buch dazu gibt, war mir aber lange unklar. Ich bin froh, es gefunden zu haben, ein tolles Buch voller starker Frauenfiguren. Noch besser als der Film.

Die Karte meiner Träume (Buch | Film)

Mit diesem Roman habe ich mich schwer getan. Er sieht wunderbar aus, war aber irgendwie blutleer. Der Film war eine angenehme Überraschung.

Sieben Jahre in Tibet (Buch und Film)

Eine spannende Geschichte, erzählt wie ein Sitzungsprotokoll. Schade, dass auch der Film irgendwie alt aussieht. Wann kommt endlich jemand, der diese Geschichte gut erzählt, ohne dazu zu erfinden?

Warm Bodies (Buch | Film)

Eine weitere schöne Überraschung, diesmal sowohl Buch als auch Film. Das Buch war so schön poetisch-melancholisch und der Film hatte sein Herz einfach am rechten Fleck, auch wenn er nicht perfekt war.

Kim Novak badete nie im See Genezareth (Buch | Film)

Ein Buch, dass ich nie gelesen hätte, wenn es mir nicht meine Ma in die Hand gedrückt hätte. Danke, Ma! Der Film war genauso schön sommerlich und einfach eine gute Zeit.

Was vom Tage übrig blieb (Buch | Film)

Womit wir wieder beim E wären. Ein genialer Roman, bei dem das Wichtigste zwischen den Zeilen steht. Der Film war mir schnurz, nur Emma Thompson und Anthony Hopkins waren ganz gut.

Rebecca (Buch und Film)

Noch so ein psychologisches Meisterwerk, noch eine neu entdeckte Autorin. Ganz groß, viel größer als der etwas glatt gebügelte Film, Hitchcock hin oder her.

Jules und Jim (Buch und Film)

Und wieder eine Überraschung, diesmal in künstlerischer Hinsicht. Die Geschichte von Jules und Jim hätte mich nie gelockt, aber Rochés Sprache und Beobachtungsgabe waren grandios, und Truffauts Filmsprache ist sowieso immer ihre Zeit wert.

Mary Poppins (Buch | Film)

Da ich zur selben Zeit die Biographie der Autorin gelesen habe, war ein Reread und erneutes Anschauen des Films fällig. Wie immer in diesem Fall gewinnt für mich der Film.

Jules und Jim (Buch und Film)

Henri-Pierre Rochés Jules & Jim (1953)

Cover der Brigitte-Ausgabe von Jules und JimUnerwartet gut hat mir diese Geschichte um eine Männerfreundschaft und ihre Liebschaften gefallen. Denn es geht hier auch um die Liebe zum Leben selbst und um das Leben im Augenblick. Diese Überzeugung spricht aus jeder Zeile, das Buch ist sehr ungewöhnlich geschrieben. Zum Beispiel sitzen Jules und Jim in einem Café und Jules zeichnet mit Kreide das Gesicht eines hübschen Mädchens, das er kennt, auf den Tisch. Am Ende des Kapitels heißt es dann:

Jim wollte den Tisch kaufen, aber der Wirt war nicht bereit, ihn abzugeben, es sei denn, alle zwölf auf einmal.

Es ist eine Alltäglichkeit genauso wie eine Kuriosität. So ist das ganze Buch; die Figuren wurden mir sympathisch und erinnern auch ein wenig an eigene Erlebnisse. Gut, einen Cafétisch habe ich noch nicht zu kaufen versucht, aber ähnlich verrückte Sachen habe ich schon erlebt, vor allem mit meinen Freunden, und dieses Buch ist vor allem eines über Freundschaft. Die Figuren urteilen so wenig übereinander wie der Autor sie beurteilt. Denn Jules und Jim teilen neben der Liebe zum geschriebenen Wort vor allem ihre Liebhaberinnen ohne Neid. Und diese Damen sind Freigeister erster Güte, bei denen es schon leicht fällt, ein Urteil zu fällen. Aber das geschieht hier nie, sondern jede kleine Verrücktheit wird als so selbstverständlich wie unschuldig dargestellt.

Roché hat seine Freundschaft mit dem Schriftsteller Franz Hessel als Basis für die Geschichte genommen, und die Echtheit vieler eingestreuter Details schien mir klar, einfach weil sie innerhalb des Romans keinen Zweck zu erfüllen schienen, wie die Tischszene, die nie wieder erwähnt wird.

Ich kann sagen, das Buch hat mich durch seine ungewohnte Sprache und Betrachtungsweise sehr inspiriert. Sicher werde ich es immer wieder zur Hand nehmen, und wenn auch nur, um ein paar Lieblingssätze wiederzulesen.

François Truffauts Jules et Jim (1962)

Truffaut soll so begeistert von Rochés Roman gewesen sein, dass er den Text auswendig lernte. Ob das stimmt, weiß ich nicht, aber dass ihn die Geschichte von anhaltender Freundschaft und bedingungsloser Liebe faszinierte, zeigt auch seine Adaption mit Jeanne Moreau, Oskar Werner und Henri Serre.

Die Dreieckbeziehung, die im Buch erst nach einigen anderen Frauengeschichten in den Vordergrund rückt, bekommt im Film bereits nach 25 Minuten die volle Aufmerksamkeit, ich hatte ein wneig das Gefühl, dass hier „vorgespult“ wird. Ständig war eine Erzählstimme tätig, die erst nach Zusammenführung der Ménage-à-trois ein wenig Ruhe fand. Auch sonst wurden viele Details des Buchs zusammengestrichen und anders eingesetzt; im Grunde aber hat der Film das Gefühl des Romans gut übersetzt.

Truffauts Schwarzweißfilm verwendet dokumentarische Aufnahmen aus dem Ersten Weltkrieg und historische Aufnahmen von Paris und arbeitet mit zwei verschiedenen Filmformaten {Ich bin stolz, das mal bemerkt zu haben; im Kino verpasse ich das immer, wie bei Life of Pi oder Grand Budapest Hotel.} sowie Standbildern.

Im Film ist deutlicher, dass die Stimmung nach dem Krieg ganz anders und befangener ist als die davor, wo alles voller Möglichkeiten steckt. Das Buch habe ich beim Lesen nicht so begriffen, vielleicht auch, weil darin noch so viele andere Dinge vor sich gehen.

Alles in allem ein künstlerisch und darstellerisch sehr sehenswerter Film, der kaum gealtert scheint. Dennoch gewinnt, wie so oft, das Buch. Wenn Truffaut es wirklich so sehr mochte, er wäre derselben Meinung.