Simon Green: Die dunkle Seite der Nacht (Nightside 01)

Ich habe mich mal wieder versuchsweise in eine Urban Fantasy Reihe gestürzt. Nachdem mein letzter Versuch (Harry Dresden) vorerst nach Buch 2 stecken geblieben ist (ich werde weiterlesen, wenn sich die Gelegenheit ergibt), bin ich in der Stadtbibliothek über Simon Greens Serie um John Taylor gestolpert. Die weit über 10 Bände umfassende Reihe ist das gefundene Fressen für mein Fantasy-Projekt. Vor kurzem konnte ich den ersten Band „Die dunkle Seite der Nacht“ als E-Book beenden (daher diesmal ohne Bild).

John Taylor ist der typische Noir-Detektiv (chronisch pleite, Single zum Schutz anderer, zynisch), mit einem Unterschied: Seine Begabung, Personen und Gegenstände aufzuspüren, ist übernatürlich. Er ist ein Kind der Nightside, jenem zwielichtigen, verborgenen Zentrum Londons, das in echtem Doctor-Who-Flair zwar in London liegt, aber von innen größer ist als die Metropole.

In der Nightside ist es immer Nacht. Es ist immer drei Uhr morgens, und es gibt nie ein Morgenrot.

Taylor hat die Nightside hinter sich gelassen, um im „normalen“ London als Detektiv zu arbeiten. Als eine Klientin ihre verschwundene Tochter sucht, führt ihn der Fall aber geradewegs zurück auf die dunkle Seite der Nacht …

Jim Butcher hat ja für seinen ersten Harry Dresden Band einfach alle ihm bekannten Noir- und Detektiv-Klischees zusammengetragen und daraus eine äußerst beliebte Urban Fantasy Reihe geschaffen. Scheinbar hat der britische Schriftsteller Simon Green beinahe zeitgleich dasselbe getan. Seine erste Geschichte um den paranormalen Detektiv John Taylor strotzt nur so vor Klischees, von der hilflosen hübschen Klientin bis hin zum heruntergekommenen kaltschnäuzigen Protagonisten. Als kleines Extra kommt hier noch eine ebenso klischeebehaftete, aber finster-unterhaltsame „London Untergrund“ Version dazu, in der sich einfach nur alle denkbaren Figuren tummeln, ob Perversling, Zombie oder Außerirdischer.

Der Mann, der uns gegenüber saß, las hochkonzentriert eine russische Zeitung. Das Datum in der Kopfzeile lag eine Woche in der Zukunft.

Der Fall um die verschwundene Tochter ist in dieser „Pilotfolge“ absolute Nebensache. Was mich gefesselt hat, waren die verschiedenen Settings und Charaktere der Nightside: Die tödliche Höllenfahrt (eine brutale Schlägertruppe der nicht-menschlichen Art), Eddie Messer, der „Punk-Gott des Rasiermessers“, die Schusswaffenheldin Suzie Shooter oder die Geisterbar „Hawks Wind Bar & Grill“, in der es noch echte sirupartige Cola gibt, weil die Zeit dort in den Sechzigern stillsteht.

Die Nightside ist aber auch sehr brutal und gefährlich: In jedem Moment kann es aus sein mit dir. Und es besteht die Möglichkeit, dass du nicht ein,al weißt, was dich getroffen hat.

Etwas hätte mich hören können. Oder schlimmer noch, nichts hätte mich hören können.

Taylor selbst umgibt (wie könnte es anders sein) ein gefährliches Geheimnis, zu dem natürlich einige Hinweise fallen gelassen werden. Er kennt die Identität seiner Mutter nicht, ein Geheimnis, dessen Entdeckung den Vater vorzeitig ins Grab trieb. Und damit hat mich Green, denn ich will zum Henker nochmal wissen, was dahinter steckt, Klischees hin oder her. Außerdem haben mir die skurrilen Bösewichter (man denke an schrägere Doctor-Who-Folgen) schon gefallen. Mit dem Bizarren kann man mich im Zweifel schon locken. Die Klischees verbuche ich fürs Erste gnädig zum Teil auf das Erster-Roman-der-Reihe-Konto und hoffe, dass das mit späteren Bänden moderater wird. Und vor allem, dass nie wieder eine Kundin Taylors „Mein Held“ haucht! Der zweite Band liegt jedenfalls schon auf meinem Nachttisch.

Gelesen für das 101 Fantasy Projekt

Moving Pictures von Terry Pratchett

Terry Pratchett Moving Pictures
Holy Wood träumt von der ganz großen Leinwand. Doch Holy Wood hat keine Skrupel, sie in die Tat umzusetzen. Wie gut, dass sich längst niemand mehr erinnern kann, warum man es aufhalten sollte …


Wie bei allen Scheibenweltromanen ist es äußerst schwierig, etwas über die Handlung von Moving Pictures zu sagen. Allgemeines, ja, aber im Detail? Also zum Allgemeinen: Moving Pictures erzählt die Scheibenwelt-Version der Geschichte Hollywoods. Die Alchemisten entdecken, sehr zum Missfallen der Zauberer an der Unsichtbaren Universität, die Formel für Celluloid, und danach sind dem findigen Geschäftsmann (lies: Treib-mich-selbst-in-den-Ruin Schnapper) keine Grenzen mehr gesetzt. In kürzester Zeit finden sich Heti und Pleti in Holy Wood ein, angezogen von einer unbekannten Macht, dem Wunsch, „jemand zu sein“.

Hauptfigur Victor Tugelband gibt sein Zaubereistudium auf und landet als Superstar in Holy Wood. Neben der zur femme fatale stilisierten Delores De Syn posiert er als Victor Maraschino in endlosen Abenteuerfilmen und muss dabei jede Menge Stunts hinlegen und die Säbel mit Trolldarstellern kreuzen. Doch mit der wachsenden Filmindustrie wächst auch die Macht der seltsamen Träume Holy Woods. Der Ort ersteht in wenigen Tagen aus dem Nichts, und alls deutet darauf hin, dass dies nicht zum ersten Mal geschieht.

In typischer Scheibenwelt-Manier wird es zunehmend verworren. Auch einige plötzlich der Sprache mächtige Tiere tauchen im Untergrund der aus dem nichts entstandenen Stadt auf: Unter anderen ein Duo aus Katze und Maus, die als Antagonisten in vielen Filmen auftreten. An Anspielungen ist Moving Pictures wirklich nicht arm.

Für mich war es tatsächliche der erste Pratchett-Roman, den ich selbst in physikalischer Form gelesen habe. Ich kenne zwar eine gute Portion der Scheibenwelt-Geschichten, doch habe ich sie alle als Hörbuch kennengelernt. Und würde das auch in Zukunft wieder so handhaben. Zwar konnte ich die Geschichte dieses Mal besser mitverfolgen – die ganzen Wendungen und Verschlingungen hielten sich gefühlt in Grenzen – aber die Leichtigkeit, die durch das Zuhören kommt, war natürlich dahin. Von den Charakteren habe ich wenig in Erinnerung behalten, nur an die Tiere erinnere ich mich und natürlich an bekannte Dauergäste der Romane wie Ridcully. Es geht eher um die Action als Charaktere. Das mochte ich an anderen Scheibenwelt-Romanen lieber, die die Entwicklung von Figuren mit der verückten Handlung unter einen Hut bringen konnte.
Das heißt nicht, das ich keinen Spaß beim Lesen hatte, ich war gut unterhalten. Gerade als Cineastin hatte ich viel zu lachen. Und irgendwann greife ich bestimmt zu einem weiteren Buch des wunderbaren Terry Pratchett.

Gelesen fürs 101 Fantasy Projekt

Update 101 Fantasy Projekt (71/101)

Dank dem gigantischen Erdsee-Epos bin ich bereits bei 71 Büchern angelangt und stelle heute also 10 statt der gewohnten 10 Titel vor. Überhaupt ist mir dieses Mal eine schöne Mischung aus Standalone und kompletter Reihe gelungen. Ich kann so langsam das Ende in der Ferne erahnen!

 

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BRADBURY, Ray: Something Wicked This Way Comes ♥ 4/5

Monate nach dem Lesen habe ich noch eindrückliche Bilder dieser Gruselgeschichte im Kopf. Zwei befreundete Nachbarsjungen stoßen auf allerlei Wundersames in dem neu in der Stadt angekommenen Rummel. Und nicht alles davon ist ungefährlich … Bradburys großer Erfolg ist eine zwar etwas altmodisch daherkommende und mit blumigen Worten erzählte Story, doch sie reißt mit und ist stellenweise wirklich gruselig und spannend. Bradbury nimmt man den pathetischen Tonfall auch nicht übel, weil er dabei sehr ehrlich rüberkommt und seine Pulp-Einflüsse gut nutzt. Wer Angst vor Clowns und ähnlichem hat, sollte hierum einen Bogen machen.

 

HUGHART, Barry: Meister Li ♥ 4/5 (3 Bände)

Barry Hughart Meister Li Bücher„Geschichten aus einem alten China, das es niemals gab“. Hugharts alternatives China erinnerte mich vom Ton her vor allem an den derben Humor eines Geoffrey Chaucer, an die Märchen der tiefsten Romantik und an Indiana Jones. Alle drei ordentlich gemixt ergeben den unverbesserlichen Meister Li, dessen Abenteuer mit Ochse Nummer 10 ich bereits rezensiert habe.

 

KAY, Guy Gavriel: Ein Lied für Arbonne ★ 4/5

Eine schwere Geburt und gleichzeitig eine große Freude war A Song for Arbonne: Ewig habe ich gebraucht, um über die ersten Kapitel hinauszukommen. Doch Kay entwirft überzeugend und spannend einen Fantasy-Kosmos, in dem Musik und französisches Je-ne-sais-quoi den Ton angeben. Tolle Charaktere und Twists inbegriffen.

 

LE GUIN, Ursula: Erdsee ★ 3/5 (6 Bände)

Erdsee Bücher Ursula Le Guin

Nicht eben verliebt habe ich mich in den Zauberer Ged und seine magische Erdsee. Le Guin, deren Die Enteigneten ich im letzten Jahr begeistert las, konnte mich mit ihrem Erzählstil für Jugendliche nicht richtig erreichen. Stattdessen habe ich die Erdsee-Reihe für eine Studie Le Guins als Autorin genutzt und meine Ergebnisse hier in einer Rezension zusammengefasst.


Ich habe gerade angefangen, Simon Greens ersten Darkside-Roman zu lesen. Wenn der mir gefällt, habe ich eine neue Reihe mit noch 11 weiteren Bänden für das Fantasy-Projekt gefunden 🙂 Ansonsten weiß ich noch nicht, was als nächstes drankommt.

Das Werk eines Lebens: Ursula Le Guins Erdsee

Erdsee Bücher Ursula Le Guin{Heute mal endlich mit einer weiteren Rezension, und dann noch gleich mit 6 Büchern aus dem 101 Fantasy Projekt. Wahrscheinlich nicht die beste Option, um wieder in den Flow zu kommen, aber bitte sehr. In Zukunft bin ich dann auch hoffentlich weniger krank und mehr hier aktiv 🙂 *Daumen drück*}

Erdsee gehört zu den großen Klassikern der Fantasy. Seit Jahren hatte ich bereits den etwas unhandlichen Sammelband des „Erdsee-Quartetts“, doch ich traute mich nicht so recht, es aufzuschlagen. Erdsee ist für deutlich jüngere Leser geschrieben und ich hatte die Befürchtung, schon zu alt zu sein, um es noch richtig genießen zu können. Viele enttäuschte Stimmen anderer Leser schienen das zu bestätigen. Als ich diesen März krank im Bett lag war die Zeit gekommen, das dicke, dicke Buch zu öffnen.

Die Welt ist hell und licht und schön, aber das ist nicht alles. Die Erde ist auch dunkel und schrecklich und grausam. (Die Gräber von Atuan)

Eine Sache muss man sich direkt zu Beginn klar machen: Die Reihe ist größtenteils lose verbunden, es gibt keine übergreifende Geschichte, nichts baut wirklich aufeinander auf. Und dann sind die Bücher in teilweise großen Zeitabständen voneinander entstanden. Aber gerade dieser lange Entstehungszeitraum hat mich gereizt. Die ersten 3 Bände erschienen zuerst 1968, 1970 und 1972. Doch viele Jahre später kam Ursula Le Guin zurück und verfasste weitere Werke der Erdsee, 1990 mit Tehanu und 2001 mit der Kurzgeschichtensammlung Tales from Earthsea und dem finalen Roman The Other Wind. Fast ihre ganze Schriftstellerkarriere verbrachte Le Guin mit Erdsee und ihre Entwicklung lässt sich an den Büchern ganz gut nachvollziehen. Sie sind mit unterschiedlichen Weltsichten geschrieben, mit unterschiedlich gesetzten Schwerpunkten.

Am Anfang war Der Magier der Erdsee, worin der Junge Ged an der Zaubererschule ausgebildet wird, sich überschätzt und eine Art Loch in die Welt reißt. Den Rest des Buches läuft er vor der Aufgabe, das wieder gut zu machen davon und stellt sich ihr zuletzt. So weit, so einfallsarm. Doch direkt darauf folgt mein persönlicher Lieblig, Die Gräber von Atuan. Das Buch öffnet auf einer unbekannten Insel und mit einer neuen Kultur, die Hauptfigur ein Mädchen, dass von seiner Familie entfremdet und zur Hohepriesterin ausgebildet wurde. Dieses hochmütige, engstirnige Wesen muss seine bereits wankende Weltsicht hinterfragen, als ein Fremder in ihr Leben eindringt.

Es ist, als habe Le Guin die reine Männerwelt, die sie selbst geschaffen hatte, revidieren wollen. In diesem, aber vor allem den späten Bänden führt sie viele mächtige und wichtige Frauenfiguren ein und konstruiert eine Entstehungsgeschichte des magischen Patriarchats der Erdsee (im vierten Band menstruiert sogar einer der Charaktere – ganz schön fortschrittlich für Fantasy!). Das war wirklich interessant, wenn auch aus einer analytischen Sicht und nicht so sehr wegen der Geschichte.

Doch was alte Frauen zu sagen haben, lohnt sich oft anzuhören. (Das ferne Ufer)

Es fiel mir wirklich schwer, mit Le Guins Erzählstil klarzukommen. Einerseits hatte ich immer das Gefühl, als wäre eine Trennwand zwischen mir und den Charakteren – in den früheren Bänden der Reihe gibt es kaum gesprochenen Dialog und man erfährt wenig über Denken und Fühlen der Figuren. Erst mit dem letzten Band Rückkehr nach Erdsee (The Other Wind) hatte ich halbwegs das Gefühl, die Figuren zu kennen. Aber die meisten davon kamen tatsächlich bereits in früheren Bänden vor, der Eindruck kann also auch dadurch entstanden sein. Zum zweiten waren alle Romane und Erzählungen extrem antiklimaktisch aufgebaut und endeten nach dem Finale immer sehr abrupt. Es wurde wenig erklärt und ich kam mir regelmäßig übertölpelt vor und musste zurückblättern, um noch mal nachzuforschen, was genau passiert war.

Le Guin hat einige wirklich schöne Gedanken und konkrete Ideen, an denen ich mich entlanghangeln konnte. Aber gleichzeitig konnte ich mit dem Gesamtkonzept Erdsee nicht so viel anfangen.

Neben dem Perspektivwechsel von Männern unter sich auf eine etwas vollständigere Gesellschaft ist mir sehr schnell aufgefallen, wie viel sich Erdsee mit Sterben und Tod auseinandersetzt. Die Menschen der Erdsee gehen nach dem Tod an einen Ort, der durch eine Steinmauer von der Welt der Lebenden abgetrennt ist. Dieser Ort wird wiederholt zum Zentrum von Le Guins Geschichten, was teilweise düsterer als erwartet für mich war. Die Toten erkennen einander nicht wieder, sondern verbringen ihre Zeit allein unter vielen. Düster, wie ich bereits sagte. Im vierten Band, Tehanu, treten zwei frühere Charaktere in fortgeschrittenem Alter in den Vordergrund. auch das ist sehr ungewöhnlich. In diesem Band, der mir auch sehr gut gefallen hat, geht es viel um das „normale Leben“ abseits von Magierschulen und Weltpolitik. Es geht um Familie, das Älterwerden und das Leben in einer ländlichen Gemeinde. Gerade diese Abstecher haben mir gefallen, was mir noch einmal  bestätigt, dass ich mit Erdsee bereits Jahre zu spät angefangen habe zu lesen.

Zuletzt möchte ich noch etwas über den Kurzgeschichtenband Das Vermächtnis der Erdsee (Tales from Earthsea) sagen: Er beginnt mit dem Kurzroman Der Finder, der deutlich vor Geds Zeit spielt und von der Entstehung der Zauberschule Rok erzählt. Die restlichen Kurzgeschichten spielen zwar auf der Erdsee, enthalten aber keine großen Hinweise zu Zusammenhängen, sondern vertiefen meist Ideen, die schon andernorts angelegt sind. Falls sich jemand für die Ursprünge der in Der Magier von Erdsee gezeigten Magierwelt interessiert, ist dieser Band genau das richtige. Der Finder ist im Deutschen nicht separat erhältlich.

Wundertüte aus Fernost: Barry Hugharts Meister Li Romane

Ich lebe noch! Die Arbeit ist seit Jahresanfang sehr stressig und noch ist kein Ende in Sicht. Daher möchte ich mich mit einem kleinen Leseeindruck zurückmelden. Vor allem, weil ich die Reihe sowieso als Teil meines Fantasyprojekts unbedingt vorstellen wollte.

Barry Hughart Meister Li BücherMit dem ausgefuchsten Meister Li und seinem bärenstarken Adlatus Ochse hatte ich ein sehr ungewöhnliches Leseerlebnis. Von der Reihe hatte ich zum ersten Mal durch Goodreads erfahren, wo mich der erste Band „Die Brücke der Vögel“ ewig in den Empfehlungen verfolgte. Als dann Patrick Rothfuss die Bücher empfahl, schaute ich sie mir genauer an und es stand fest, dass ich sie lesen wollte.

In jedem der drei Bände geht es um einen Kriminalfall, der allerdings sehr schnell in die Gefilde des Märchenhaften und Magischen abdriftet. Da gehen Meister Li und Konsorten schon mal buchstäblich durch die Hölle, um einem Hinweis nachzugehen. Erzählt werden die Geschichten von dem großen aber nicht allzu schlauen Ochse, der aus ungeklärten Gründen immer wieder die Liebe seines Lebens findet und alsbald an die Intrigen des Falls verliert.

Ursprünglich begeistert hat mich der Untertitel „A Novel of an Ancient China that never was“, was allerdings mystischer klingt, als der Autor es erzählt. Zwar wimmelt es von chinesischen Legendenfiguren, aber der Erzählton ist meilenweit entfernt vom Letzten Einhorn, mit dem der Roman oft verglichen wird. Ochse ist ein lakonischer Erzähler, der sich nicht immer aller Zusammenhänge klar ist. So kann man als Leser auch ein wenig Detektivarbeit leisten und lange Erklärexkurse bleiben einem erspart. Ich würde die Bände an erster Stelle als Abenteuerromane kategorisieren: Die Figuren machen keine wirkliche Entwicklung durch, sondern stolpern von einem Chaos ins nächste. Daneben sind Begegnungen mit Vampiren absolut normal und es werden Morde aufgeklärt. Die Riehe ist die perfekte Lektüre, wenn man etwas leichtes schnell zu lesendes möchte.

Im ersten Band zieht Ochse aus seinem Heimatdorf los auf der Suche nach Hilfe: Denn daheim sind plötzlich alle Kinder eines bestimmten Alters in einen tiefen Schlaf gesunken. Nur ein Gelehrter kann da helfen. In der großen Stadt trifft er auf Li Kao, einen großen Gelehrten jenseits der Neunzig, der sich durch seine unorthodoxe Vorgehensweise in seiner Riege sowohl Ehre als auch Missgunst eingefangen hat. Gemeinsam suchen die beiden nach der Großen Wurzel der Macht, denn nur diese kann die Kinder von ihrer seltsamen Krankheit heilen. Zu diesem Zweck ziehen Meister Li und sein Klient durchs Land und verwirren sich immer tiefer in die Geschehnisse dieses alternativen alten China.

Es ist so viel los in diesen Büchern, dass sich einem schon mal der Kopf drehen kann. Am Ende kommt aber alles wunderbar zusammen. Auf großartige Frauenfiguren hofft man hier leider vergebens, was mein einziges Manko an der fantastischen Reihe ist. Jedes Buch ist übrigens auch für sich allein lesbar; es gibt zwar ab und zu mal eine kleine Referenz, aber genauso werden auch Vorkommnisse erwähnt, die in keinem der Romane erzählt werden.

Mir haben alle drei Romane sehr viel Spaß gemacht. Sie sind komplett anders als alles, was ich je gelesen habe, sind lustig, verfolgen komplexe Handlungen und führen einen in kulturell fremde Gefilde. Wäre super Material für eine (Mini-)Serie.