What could be more full of meaning? Moby-Dick Leselog 02

Moby-Dick LeselogIn der zweiten Runde mit Moby-Dick (Kapitel 4 bis 13) hat Ishmael Gelegenheit für viele Beobachtungen: Zu seinem Zimmergenossen Queequeg, den anderen Walfängern, der Stadt New Bedford. Er verbringt pflichtschuldig den Sonntagmorgen in der Kirche und freundet sich auch mit Queequeg an, der doch endlich auftaut und stehenden Fußes sein bester Freund wird. Gemeinsam machen die zwei sich auf zur Fähre nach Nantucket.

Walfang muss schon sehr spezielle Menschen anlocken, denn was Ishmael uns hier erzählt ist nicht von schlechten Eltern: Seine Kameraden im Inn benehmen sich wie gescholtene Schulbuben. Alle scheinen beim Frühstück peinlich berührt und schweigen sich an. „A curious sight; these bashful bears, these timid warrior whalemen!“ Den Grund dafür konnte ich mir nicht erklären, außer dass ich mich als Leser ja nur auf Ishmael und Queequeg konzentrieren soll.

Und was macht so eine ungesellige Sorte Mensch auf dem Weh in den fast sicheren Tod? Na klar, man geht in die Kirche. So also auch Ishmael (wenn auch jeder für sich). Und hier hat Melville einen kleinen Clou eingebaut: Die Kirche als Schiff, der Walfang als Kreuzzug. Und drückt einem die Metapher so sehr auf’s Auge, dass man den Druck beim Lesen spürt. Denn dieses Kirchenschiff ist echt maritim, mit Ex-Seemann auf einer Kanzel, die mehr Ähnlichkeit mit einem Krähennest hat und der in echt Seemännisch predigt: Mit vielem starboard gangways, midships und shipmates. Natürlich wird von Jonah und dem Wal berichtet. Das Hörbuch wird in diesem Kapitel übrigens ganz toll gelesen von Simon Callow.

Kommen wir lieber zu Queequeg. Ishmael ist bei jeder Gelegenheit sehr bemüht, ihn möglichst positiv darzustellen: wie manierlich er sich ankleidet, wie sehr sein Kopf dem von George Washington ähnelt (kein Witz!), wie er sich zwar fremdländisch, doch dabei äußerst pfleglich verhält. Kein Wunder, dass sich im Verlauf dieses Parts herausstellt, dass Queequeg ein Königssohn ist. Im jedem Sinne des Begriffs ein „edler Wilder“. Es ist schon verrückt, wie sich Melville abrackert, den guten Queequeg gleichzeitig so normal wie möglich zu machen und ihn gleichzeitig immer wieder als savage und cannibal abstempelt, mit angespitzten Zähnen und allem. Aber vielleicht war das für seine Zeit schon das Höchste der Gefühle.
Queequeg jedenfalls steht da als jemand zwischen den Stühlen, „neither caterpillar nor butterfly.“ Er hat seine Erziehung noch tief in sich, kennt aber auch die sozialen Regeln der Weißen recht gut.

Bei einem Gespräch und einer geteilten Pfeife werden Ishmael und Queequeg Freunde. Wie in beinahe allen Beschreibungen ihrer Beziehung fehlt auch hier nicht der Hint auf mehr: „henceforth we were married; meaning, in his country’s phrase, that we were bosom friends.“ Danach teilt Queequeg seine Habe und sein Schicksal mit Ishmael. Sein Verhalten wärmt Ishmaels Herz: „I felt a melting in me. No more my splintered heart and maddened hand were turned against the wolfish world. This soothing savage had redeemed it.“
Ishmael steckt voll solcher liebenswerter Sätze, wenn es um seinen Freund Queequeg geht.
Dabei ist es auch Ishmaels vergleichsweise offene Weltsicht, die diese Freundschaft möglich macht. Er schließt sich zum Beispiel auf Queequegs Bitte dessen Gebet an. Seine Zweifel, ob es okay sei, die Anbetung eines Idols zu unterstützen, schiebt Ishmael kurzerhand beiseite: „But what is the will of God? To do to my fellow man what I would have my fellow man to do to me—that is the will of God.“

Eine letzte schöne Beobachtung möchte ich noch mit euch teilen, bevor ich ins Bett falle: An verschiedenen Stellen wird sehr schön demonstriert, dass die Weißen, wenn sie sich als den einzig wahren Standard betrachten, damit vollkommen daneben liegen.
Queequeg berichtet, wie er anfangs Schubkarren getragen hätte, weil er sie nicht kannte. Als Ishmael ihn fragt, ob denn nicht die Leute ihn ausgelacht hätten, antwortet er mit einer peinlichen Geschichte: Ein weißer Kapitän sei zufällig bei der Hochzeit seiner Schwester anwesend gewesen. In seiner Heimat ist es üblich, eine Schale mit Kokosnussmilch herumzureichen, aus der jeder trinkt, doch zuerst taucht der Priester seine geweihten Hände hinein. Der Kapitän, der als erster aus der Schale trinken sollte, ahmte einfach den Priester nach und wusch sich die Hände in der so entweihten Milch wie selbstverständlich.

Melville spielt auch mit Vorurteilen und dreht die Perspektive einfach mal um. Queequeg kan noch nicht nach Hause kehren, weil er sieht, wie sehr die armen Christen leiden. „We cannibals must help these Christians.“ Auch legt er Queequeg vielsagende Worte in den Mund: Bei Ankunft auf der Fähre von New Bedford nach Nantucket will man Queequeg erst nicht an Board lassen; einer der Grünschnäbel fühlt sich durch ihn besonders bedroht. Als der Kapitän ihn darauf anspricht, sagt Queequeg: „Queequeg no kill-e so small-e fish-e; Queequeg kill-e big whale!“ Einfach und prägnant. Warum sollte er jetzt gewalttätig werden, außer weil man es von ihm als Wilden erwartet? Queequeg will doch nur Wale töten, so wie wohl die meisten auf der Fähre auch. Als er dann in einer halsbrecherischen Aktion einen Mann über Bord rettet, nimmt man ihn mit Kusshand auf der Fähre an.

Auch diese Passage hat sich als unterhaltsam und vielschichtig erwiesen. Das mit dem Sich-kurz-fassen schaffe ich hoffentlich in der nächsten Woche – jetzt habe ich keine Zeit mehr für Kürzungen, der Tag war lang und die Woche zu kurz. Ich hoffe ihr seht es mir nach!

Lian Hearn: Das Schwert in der Stille (Der Clan der Otori 1)

JapanTomasu wächst als „Verborgener“ in der Provinz auf, bis Iida vom Tohan Clan sein Dorf attackiert und alle, die Tomasu kannte, für ihren Glauben ermordet werden. Als einziger Überlebender flüchtet Tomasu, verfolgt von den Tohan. Otori Shigeru, ein reisender Adliger, rettet ihn und nimmt den Jungen unter dem Namen Takeo unter seine Fittiche. Doch so gelangt Takeo mitten in den Kampf zwischen den Clans.
Das Mädchen Kaede lebt jahrelang als Geisel am Hof der Noguchi auf. Durch unglückliche Ereignisse hat sie bald den Ruf, den Männern, die sie begehren, den Tod zu bringen. Sie soll keinen anderen als Shigeru heiraten, um das Bündnis zwischen Otori und Tohan und damit den Frieden zu besiegeln.

Das 54. Buch meines Fantasy-Projekts war eine angenehme Überraschung. Es handelt sich auch weniger um einen Fantasy-Roman als um einen mit Magie gewürzten historischen Roman für Jugendliche. Es entwickeln sich spannende politische Intrigen und Verwicklungen zwischen den unterschiedlichen Figuren, sodass es nie langweilig wird. Von japanischer Geschichte habe ich keinen Schimmer und ich glaube auch, es handelt sich hierbei eher um ein alternatives Japan. Allerdings gibt es schöne Details (wie Nachtigallenböden), die Namen sind realistische japanische Namen und die dargestellte Gesellschaft wäre so, wie ich das feudale Japan erwarten würde.

Von der Struktur her handelt es sich um eine klassische Heldenreise mit wenigen Überraschungen, inklusive der Ausbildung in Kultur- und Kampftechniken und dem Entdecken außergewöhnlicher Talente. Für mich war die Lektüre sozusagen ein Gemütlichkeitsfaktor: eine Prise Vertrautes. Was ich dagegen wirklich weniger schön fand, war ein mieser Fall von Instalove. Natürlich muss sich Takeo in das einzige Mädchen in seinem Alter verlieben, und sie sich in ihn. Und dass, obwohl sie sich gar nicht richtig kennen. Das ist total unnötig und nervig.
Kaedes Geschichte fand ich ebenfalls spannend; sie gibt eine prima Heldin ab. Leider steht ihre Reise immer ein wenig der Takeos nach, der die eindeutige Hauptfigur ist. Trotz einiger Mängel hatte ich viel Spaß beim Lesen. Sie halten mich natürlich nicht davon ab, die Reihe fortzusetzen. Ich bin gespannt, wie es weitergeht!

Call me Ishmael. Moby-Dick Leselog 01

Moby-Dick LeselogDie ersten drei Kapitel konnte ich von Moby-Dick lesen. Übrigens höre ich mir dazu diese Lesung mit vielen bekannten Stimmen an und verfolge den Text gleichzeitig in dieser Ebook-Fassung.

Ishmael ist vor allem eins: Ein schillernder Erzähler. Da er die Erlebnisse aus dem Buch (vielleicht schon lange) hinter sich hat, wechselt der Erzählton zwischen grüblerisch und weltfremd, ausladend wie Dickens und überdreht karikaturistisch.

Dabei behauptet er gerne mal Unglaubliches: Er zitiert zum Beispiel einen Autor, „of whose works I possess the only copy extant“. Etwas seltsam ist das schon. Soll mich das vor der Zuverlässigkeit des Erzählers warnen? Oder zeigt es nur Ishmaels Weltmännischkeit und Bildung? Im Augenblick tendiere ich zu ersterem, allein weil es lustiger ist 🙂

Doch was passiert eigentlich? Ishmael erklärt im ersten Kapitel, warum er auf Walfang ging (in Kurzfassung: Um der Welt zu entgehen, weil ihn Wale als Monstrositäten des Meeres faszinieren und weil er die sportliche Betätigung des Walfangs zu schätzen weiß). Er macht sich also zu einer Zeit auf den Weg, in der ich kaum einen Fuß vor die Tür setze: Im Dezember. Soll das eine gute Zeit für Walfang und Seefahrt sein?! Brrr!

Vor Ort sucht er die billigste Absteige, die zu haben ist. Stellt sich heraus: Der „Spouter-Inn“ (Spouter bedeutet Springquelle oder Wasserspeier, ist aber anscheinend auch Walfängerslang für ein Walfangschiff) ist bis an die niedrige Decke vollgestopft mit Walanspielungen, inklusive einem kaum erkennbaren Gemälde, das die Wirkung eines Rochschachtests nicht verfehlt, und einem Barkeeper, den alle Jonah nennen. Weil die Bar anscheinend auch „whale’s mouth“ genannt wird. Womit wir schon mitten in den biblischen Metaphern wären. Aber davon kommen später sicher noch genug.

Ishmael kommt mir besonders in diesem Kapitel sehr jung vor. Obwohl er beteuert, er sei nicht mehr grün hinter den Ohren, treibt der Inn Keeper seinen Schabernack mit ihm. Denn Ishmael bleibt nichts anderes übrig, als das Bett mit einem Harpunier zu teilen. Widerstrebend willigt er ein, ist aber vollkommen überfordert, als der farbige Queequeg, der erst jetzt von Besorgungen zurückkehrt, mitten in der Nacht zu ihm ins Bett steigt, ihn für einen Eindringling hält und etwas ungehalten reagiert. Zwischen Panikattacke (ein schwarzer Fremdling!) und Raison (Der andere ist auch nur ein Mensch) schwankend, macht sich der junge Seefahrer ganz schön lächerlich. Besonders schön fand ich, wie sein Auge über das Inventar des noch abwesenden Queequeg schweift und den Tomahawk nur kurz zur Kenntnis nimmt. Als er sich aber in direkter Konfrontation mit dem Fremden befindet, bekommt der Gegenstand plötzlich etwas Lebensbedrohliches: „He [Queequeg] might take a fancy to mine [Ishmaels Kopf] – heavens! look at that tomahawk!“ Genauso klingen die Gedanken einer Person, die gerade in Panik ausbricht und allen Humanismus hinter sich lässt.

Die Szene ruft zwei Themen im Buch hervor, die mich besonders interessieren: Zum Einen die Darstellung des Fremden (hier in Form eines farbigen Mannes fremder Sprache und Religion). Das zweite Thema ist die angebliche homoerotische Lesart, von der ich immer wieder höre. Es interessiert mich einfach, ob da was dran ist. Bisher kann ich auf jeden Fall viele Zweideutigkeiten erkennen, sobald es um Walfang geht. Zum Beispiel sagt der Inn Keeper zu Ishmael, er solle sich schon mal daran gewöhnen, mit einem Mann das Bett zu teilen: „s’pose you are goin‘ a-whalin‘, so you’d better get used to that sort of thing.“ Okay, es wird also kuschelig an Board. Das wäre doch direkt eine ganz andere Story …

Den Einstieg habe ich also ganz gut überstanden. Mir gefällt, wie Ishmael jede Szene lebendig werden lässt (Details, Details, und kleine Exkurse). Außerdem ist er auch lustig. Und anspielungsreich. Über jede Seite könnte man wohl problemlos schreiben und diskutieren. Ich hoffe, ich kann mich in Zukunft kurz fassen, wenn direkt zehn oder so Kapitel in einen Post passen sollen. Bisher erweist sich Ishmael auch als sehr zitierfähig. Daher bleibt mir nur noch, ein vielversprechendes Zitat unseres Erzählers wiederzugeben:

But no more of this blubbering now, we are going a-whaling, and there is plenty of that yet to come.

Kein Aprilscherz: Ich lese und blogge Moby-Dick

Moby-Dick Leselog
Da kommt was Großes!

Moby-Dick gehört sicher zu den bekanntesten gemiedenen Werken der westlichen Literatur: Praktisch jeder hat schon mal von Ishmael und Captain Ahab gehört, doch den dicken Wälzer über den großen weißen Wal zu lesen ist noch einmal eine eigene Disziplin.

Vielleicht habt ihr auch schon mal mit dem Gedanken gespielt, das Buch zu lesen, und seid vor dem schieren Gewicht der knapp 1.000 Seiten zurückgeschreckt? Es wäre keine Schande. Aber für alle Lesemüden doch Interessierten werfe ich mich jetzt in die Bresche: Ich werde in den nächsten Wochen und Monaten sozusagen live von dem Walfängerschiff Pequod berichten. Ein Leselog dieser Art wollte ich schon lange mal ausprobieren, und Moby-Dick scheint mir genau das richtige Buch, um es endlich zu tun. Was kann man bei 135 Kapiteln geballten Walfangwissens schon falsch machen? Plus Epilog versteht sich, denn was wäre ein dickes Buch ohne Epilog?

Jeden Dienstag (schon ab nächster Woche!) bis Ende Juni liefere ich den aktuellen Lesestand, Grad des Wahnsinns und Walfakten-Dichte in Melvilles klassischem Walfanghandbuch. Weil ich schon die wildesten Sachen über den Roman das Teil gehört habe, nehme ich es nicht allzu ernst mit dem literarischen Genie; dass es sich um einen Klassiker handelt, muss ich ja auch wirklich niemandem mehr erzählen.

Wer Lust hat, kann natürlich gerne mit an Board kommen; ihr seid aber auch dazu eingeladen, das Spektakel (Sam gegen Wälzer) vom sicheren Land aus zu verfolgen, das Geschehen zu kommentieren und eurem Favoriten zuzujubeln 🙂

Irischer März: Endstand

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Nach 31 Tagen bin ich Irland schon deutlich näher gekommen. 4 Bücher und 3 Filme habe ich kennen gelernt oder mir noch mal vorgenommen. Leider bin ich in meinem Irischen März nicht zu all den Büchern und Filmen gekommen, die ich gerne ausprobiert hätte, daher habe ich am Ende dieses Beitrags eine kleine Wunschliste angehängt. Hier kann man noch meinen Zwischenstand lesen, in dem ich über Brooklyn, Dubliner und Die Melodie des Meeres berichte. Neu dazugekommen sind:

 

paul murray skippy diesPaul Murray: Skippy Dies

Mit diesem Buch bin ich nicht richtig warm geworden. Irgendwie konnte ich keine Verbindung zu auch nur einer der Figuren aufbauen. Dabei war die Geschichte selbst eigentlich nicht schlecht oder schlecht geschrieben. Sie dreht sich um mehrere Schüler und Lehrer eines altehrwürdigen Jungencollege in Dublin, ihre Probleme und Hoffnungen. Selbst die immer wieder auftauchenden Exkurse in die Astrophysik (eine Figur ist ziemlich nerdig), die mich auch begeistert, haben da nicht geholfen.

 

Ian Sansom: Bücher auf Rädern

ian sansom bücher auf rädernDiesen Roman habe ich zufällig in der minibib entdeckt und mitgenommen. Nicht, weil ich besonders viel von der Geschichte erwartet hätte, sondern weil ich ein Buch brauchte, das man schnell durchlesen kann. Kennt ihr das Gefühl? Ich war vorher an einigen dickeren Büchern verzweifelt und wollte ein Erfolgsgefühl. In Bücher auf Rädern wird ein englischer Bilbiothekar zum Detektiv wider Willen, nachdem alle Bücher seines neuen Jobs (eine kleine Gemeindebibliothek) verschwunden sind. Ich würde es niemandem empfehlen, denn es eignet sich weder als komische Lektüre noch als Detektivgeschichte. Aber schnell lesen konnte ich es doch und hat damit seinen Zweck erfüllt.

 

Philomena (2013)

Philomena DVDZu Judy Dench kann ich einfach nicht Nein sagen 🙂 Der Film behandelt eine wahre Geschichte, in der die katholische Kirche alles andere als christlich dasteht. Viele ledige Schwangere kamen im Irland der Fünfziger und Sechsziger in Klöstern unter. Ihre Kinder wurden ihnen aber weggenommen und verkauft, meist in die USA. Auch als viele Mütter später nach ihren verlorenen Kindern suchten, tat die Kirche alles, um ihre Schicksale zu vertuschen; den ebenfalls suchenden Kindern versuchte man ebenfalls, das Interesse an den Müttern auszutreiben. Eine von ihnen, Philomena Lee, macht sich mit der Hilfe eines verbitterten Journalisten auf die Suche nach ihrem Sohn Anthony.
Leider war sich der Film nicht sicher, wie viel Humor die Story vertragen würde, und das merkt man. Keiner der Witze war wirklich lustig. Mir wäre lieber gewesen, man hätte auf diese Versuche verzichtet, denn abgesehen davon war der Film nicht schlecht und die Geschichte hat mich echt wütend gemacht. Die Beziehung zwischen Philomena (Judy Dench) und dem Journalisten Martin Sixsmith (Steve Coogan) ist vielschichtig und beide Schauspieler verstehen es, das Interesse an den Figuren aufrecht zu erhalten.

 

James Joyce: Ulysses (Hörspielfassung, SWR 2012)

Nachdem ich Dubliner abgebrochen hatte, habe ich mir den Ulysses vorgenommen, den ich bereits gelesen hatte und auch diese Hörspielfassung kannte ich bereits. Sie wurde zuerst am Bloomsday 2012 in einem 24-stündigen Marathon im Radio ausgestrahlt. Es ist eine fulminante Umsetzung mit tollen Stimmen und wohl die bestmögliche Verkörperung des Joyce’schen Epos. Denn im Buch hat man es in jedem Kapitel mit anderen Erzählstilen und Motiven zu tun. Das Buch ist schon vollkommen schräg, und das Hörspiel ist es definitiv auch. Ohne Kenntnis des Buches hätte ich aber wohl Probleme mit dem Verständnis bekommen, denn zum Teil wird es schon arg experimentell. Andererseits ging es mir mit dem Buch damals auch so: ein WTF-Moment nach dem anderen.

 

Was bleibt: Eine irische Wunschliste

Zu einigen Filmen und Büchern bin ich in der kurzen Zeit noch nicht gekommen. So erweist sich Sing Street als Dauerbrenner in unserer Bibliothek und alle DVDs sind entliehen. Was sehr für den Film spricht, den ich im Kino leider verpasst habe. Darin geht es um eine Schülerband in Dublin, um das Erwachsenwerden. Ein anderer musikalischer Film ist The Commitments, den ich dank RoM doch noch sehen will (@RoM: The Matchmaker gibt es leider bei uns nicht 🙁 ).

An Utterly Impartial History of Britain hatte ich als potenzielle Lektüre ins Auge gefasst, da das Buch auf meinem SuB liegt und der Autor Ire ist. Ich habe es aber nicht eilig damit gehabt und mich eher auf irische Geschichten konzentriert und darum dieses auf Großbritannien fokussierte Sachbuch darum außer Acht gelassen.

Zuletzt möchte ich noch einmal The Secret of Kells ansehen, den ersten Film der Leute hinter Melodie des Meeres und einer meiner absoluten Lieblingsfilme. Von dem ich hier noch gar nichts berichtet habe. Das muss ich auf jeden Fall ändern!

 

Honorable mentions

Es ist ja nicht so, dass ich vorher noch keine irischen Filme und Bücher gekannt hätte 🙂 Hier also eine handvoll Empfehlungen:

Filme

Albert Nobbs: Glenn Close in der Rolle ihres Lebens. Albert ist Butler in einer der ersten Adressen Dublins im 19. Jahrhundert. Doch Albert ist eigentlich eine Frau.

Once: Sehr traurig-schöne Independent-Produktion um einen Straßenmusiker und eine polnische Immigrantin, die füreinander geschaffen sind; doch sie hat einen Mann in der Heimat zurückgelassen.

The Wind that shakes the Barley: Achtung, nichts für Zartbesaitete! Ich habe beim Schauen einen Heulkrampf und echten Hass auf die Briten bekommen. Allerdings auch ein vielschichtiges Portrait des Irischen Unabhängigkeitskrieges; etwas Vergleichliches habe ich noch nicht gesehen.

Shadow Dancer: Um mal etwas Nordirisches zu nennen 🙂 Auch hier geht es um die IRA, auch dies ist ein finsterer Film. Es geht um eine junge Frau in den 1990ern, die zur Informantin des MI5 wird, um ihren Sohn zu schützen. Die Spirale aus Gewalt wird zur hoffnungslosen Pattsituation für alle Beteiligten.

Bücher

Das Gespenst von Canterville: Da Oscar Wildes Meisterwerk um den ewig jugendlichen Mr. Gray sowieso jedem irgendwie bekannt ist, empfehle ich die Erzählung um ein Gespenst, das eine amerikanische Familie einfach nicht zu erschrecken vermag. Erstaunlich lustig und herzerwärmend.

Raum: Noch so ein Buch, das wahrscheinlich eh schon jeder kennt. Falls nicht: Lesen! Emma Donoghues Kurzgeschichtensammlung „Kissing the Witch“ sieht auch interessant aus, ich bin aber selbst noch nicht dazu gekommen, und es gibt leider keine deutsche Übersetzung.

Dracula: Noch mal Basiswissen für Popkultur. Doch das Buch ist die Lektüre wert, denn es experimentiert mit verschiedenen Erzählmedien von Tagebuch bis Gedächtnisprotokoll und einige Szenen jagen auch heute noch Schauer über den Rücken.

Neuzugänge 2017/I: Starke Frauen, der ferne Osten und ein bisschen Magie

Einige schöne und spannende neue Bücher sind in diesem Jahr in mein Regal eingezogen. Natürlich will ich euch von ihnen erzählen, auch wenn ich fast noch nichts gelesen habe!

 

Rejected Princesses

rejected princessesDieses Buch startete als Kickstarter-Projekt und versammelt Frauen aus der Weltgeschichte, die als Disney-Prinzessinnen keine Chance hätten, weil viel zu bad ass! Begleitet werden die kurzen Texte von Disney-artigen Illsturationen. Die meisten der Frauen kenne ich tatsächlich nicht, aber unter anderem habe ich Ada Lovelace wiedererkannt. Ein spannendes Projekt, zu dem es auch ein Blog gibt mit vielen weiteren faszinierenden Frauenfiguren!

 

Christopher Priest: The Prestige

christopher priest the prestigeSeit Jahren will ich dieses Buch lesen! Den Film kenne ich inzwischen, aber das Wissen um die Pointe soll mich nicht davon abhalten, diese Lektüre nachzuholen. Es geht um Zauberer, den Beginn des elektrischen Zeitalters und natürlich auch Liebe. Sahnehäubchen: Ich habe erst anhand meiner eigenen Ausgabe herausgefunden, dass es sich um einen Briefroman handelt!

 

Pankaj Mishra: Begegnungen mit China und seinen Nachbarn

pankaj mishra china und seine nachbarnMal was ganz anderes: Dieses Sachbuch hat mich in der Buchhandlung so angestrahlt, dass ich es mitnehmen musste. Es gibt nur wenige Länder, die mich so wütend machen wie das „Große Reich der Mitte“. Daher bin ich der Beschäftigung mit der Lebenswirklichkeit in China immer aus dem Weg gegangen. Diese Bildungslücke suche ich hiermit zu schließen.

 

Irmgard Keun: Kind aller Länder

irmgard keun kind aller länderSchön, dass Irmgard Keun wieder neu entdeckt wird. Das kunstseidene Mädchen gehörte in der Oberstufe zu den erfreulicheren Lektüren im Deutschkurs. Ich bin gespannt, was uns Frau Keun hier zu erzählen hat. Die schöne Hardcover-Ausgabe stammt übrigens von der Büchergilde (und ja, ist noch eingeschweißt).

 

Vegan Grillen

vegan grillenSo ein schön gestaltetes Kochbuch konnte ich nicht außen vor lassen. Noch sind wir nicht dazu gekommen, die Grillsaison zu eröffnen, aber die Rezepte für diesen Sommer stehen fest! Kleines Extra: Einige Desserts und Drinks haben es auch ins Buch geschafft.

 

Noelle Stevenson: Nimona

noelle stephenson nimonaNimona fängt als Sidekick ihres liebsten Bösewichts an und sie hat Talent: Ihre Pläne sind brutaler und schurkiger als die Blackhearts. Sie erregt die Aufmerksamkeit der Behörden, denn als Gestaltwandlerin ist sie eine gefährliche Waffe. Doch wer ist sie wirklich? Nimona, ihr einarmiger Chef und ihr Feind Sir Goldenloin werden in allerlei Abenteuer verwickelt. Ein unwiderstehlich bunter Comic mit einer Fantasy-Welt, in der auch mal der Alarm gegen Einbrecher losgeht oder Breaking News im TV laufen. (schon mit Begeisterung gelesen)

 

Kate Atkinson: Life after Life

kate atkinson life after lifeEin wenig blind bin ich in diesen Roman gestolpert. Ich hatte was im Hinterkopf Richtung „Und täglich grüßt das Murmeltier“ (einer meiner Lieblingsfilme); es geht um eine Frau, die ihr Leben immer wieder leben kann. Beim Durchblättern wird klar, dass es hier jede Menge Berührungen mit dem Zweiten Weltkrieg zu geben scheint.

 

Tad Williams: Otherland 1. Stadt der goldenen Schatten

tad williams otherlandUnd ein Nachzügler, der es nicht mehr auf’s Gruppenfoto geschafft hat 🙂 Otherland will ich tatsächlich schon lesen, seit es auf Deutsch erschien! Die Cover haben mich sehr fasziniert und mich des öfteren von meiner Tolkien-Lektüre abgelenkt, denn die Reihe erscheint, genau wie Der Herr der Ringe, in der Hobbit-Presse. In meiner ersten Ausgabe war Werbung für die dicken Bände von Tad Williams, den ich inzwischen bereits auf anderem Wege kennen gelernt habe.

Habt ihr eines meiner neuen Bücher vielleicht schon gelesen und könnt es empfehlen? Ich freue mich jedenfalls bereits über jedes einzelne und werde darüber berichten!

Irischer März Zwischenstand

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Der Monat ist schon wieder halb vorbei – Zeit für einen Zwischenstand zum Irischen März! In Vorbereitung für meinen kommenden Sommerurlaub und weil die Iren im März ihren Nationalheiligen Patrick feiern, beschäftige ich mich zurzeit mit den irischen Autoren auf meinem Regal. Weil ich ein bisschen kränkele und nicht so viel zum Lesen komme, habe ich das Projekt auf Filme ausgeweitet. Wieso habe ich nicht gleich daran gedacht! (Wer mitmachen will, ist weiterhin dazu eingeladen :))

Bisher habe ich in diesem Monat gesehen/gelesen:

Brooklyn (2015)

Eilis sucht ihr Glück in Amerika, doch ihr Herz ist noch in der Heimat. Schöner ruhiger Film von dem Schmerz, ins Exil zu gehen und nirgendwo mehr richtig daheim zu sein. Zeitweise dachte ich, der Film geht in eine ganz böse Richtung, dem war aber zum Glück nicht so. Das Buch von Colm Toíbín hab ich übrigens nicht gelesen; ich hatte schon mehrfach gehört, der Film sei besser, und die erstaunliche Saoirse Ronan lasse ich mir nicht entgehen. Der Film erwies sich auch unerwartet als tauglich für meinen Lieblingsadmin, der sich zu Beginn des Films zu mir setzte und am Ende selbst ein wenig erstaunt war, bis zum Schluss geblieben zu sein.

James Joyce: Dubliner

Dubliner ist eine Kurzgeschichtensammlung, in der es um Bewohner der irischen Hauptstadt geht. Weit bin ich mit diesem Buch nicht gekommen. Schon nach der ersten Geschichte war klar: Ich will lieber den Ulysses noch mal lesen. Denn die Pointe (sofern es eine gab) habe ich nicht begriffen. Von daher verbringe ich lieber noch mal Zeit mit meiner alten Hassliebe als mit neuen Geschichten von Joyce. Den Ulysses nehme ich mir für die zweite Monatshälfte vor, diesmal aber nicht in Buchform, sondern als Hörspiel. Mehr dazu nächstes Mal.

Irischer März: Brooklyn, Skippy dies, Song of the Sea

 

Die Melodie des Meeres (2014)

Von diesem Kinderzeichentrikfilm habe ich hier bereits geschwärmt. Inzwischen bin ich stolze Besitzerin der Blu-Ray-Ausgabe und habe den Film erneut gesehen. Es gibt wohl keine bessere Möglichkeit als die Filme Tomm Moores, um sich auf Irland einzustimmen. Irische Folklore trifft hier auf Zeichnungen, in die man einfach versinken will. Die Melodie des Meeres richtet sich dabei an ein junges Publikum; das Erstlingswerk Moores, Das Geheimnis von Kells, bleibt sicherlich mein Lieblingsfilm aus dem bisher nur diese beide Feature-Filme umfassenden Werk. Hoffentlich kommen noch viele Filme hinzu!

Paul Murray: Skippy dies

Mit diesem Buch bin ich leider noch nicht sehr weit gekommen. Viel passiert ist also noch nicht, aber es ist düsterer als ich erwartet hatte. Die Jungs in dem Buch nehmen Drogen und einer der Lehrer scheint in einer destruktiven Beziehung gefangen zu sein. Etwas deprimierend also, aber bisher erstaunlich fluffig zu lesen mit ironiegeladenen Dialogen.

 

Könnt ihr irische Autoren oder Filme empfehlen? Oder vielleicht etwas anderes, das mich auf Irland einstimmen könnte?