Seeherzen von Margo Lanagan

Mein 81. Buch für die 101 Fantasy Challenge (nur noch 20 zu lesen!) ist ein bezaubernd raues irisches Märchen, das aber kein bisschen märchenhaft ist. Und trotz des Covers nicht gerade ein Jugendbuch.

Seeherzen von Margo Lanagan, Hardcover

Misskaella ist die gefürchtete Hexe von Rollrock Island, die hässliche Außenseiterin, die für niemanden ein gutes Wort übrig hat. Doch hat sie als einzige die Macht, aus den Seerobben am Strand schöne Jungfrauen zu zaubern, die den Männern den Kopf verdrehen mit ihrer überirdischen Schönheit, ihrer Friedfertigkeit, ihrem Gehorsam. Sie sind das Ideal, das die rothaarigen Frauen der Insel nie erfüllen könnten. Mit ihrer Gabe stürzt Misskaella die Insel in großes Unglück und wird die mächtigste und einsamste Person auf Rollrock.

Was Margo Lanagans Roman besonders macht, sind die verschiedenen Blickwinkel, die wir nacheinander einnehmen: Zu Beginn haben wir mit den Kindern von Rollrock panische Angst vor der garstigen alten Hexe. Doch schon im nächsten Teil springen wir in Misskaellas Kindheit und erleben mit ihren Augen, wie sie von Beginn an selbst von der eigenen Familie für ihr Aussehen und ihre Bindung zu den Robben verachtet und misshandelt wurde. Das Märchenklischee „Hexe“ wird Schicht für Schicht aufgelöst.

Danach leben wir eine Zeit in den Schuhen verschiedener Bewohner der Insel zu verschiedenen Zeiten in Misskaellas Leben und Schaffen. Wir erleben die Ankunft der ersten Robbenfrauen, wie die Männer immer verrückter nach diesen „Superfrauen“ werden und die Menschenfrauen der Insel immer verbitterter. Rollrock wird zum verfluchten Ort, auf dem Festland wird darüber getuschelt.

Der australischen Autorin Margo Lanagan ist ein Roman gelungen, der so kalt und temperamentvoll wie das Meer selbst ist. Ich war schockiert von dem Egoismus der Männer und der Bitterkeit Misskaellas, die die Robbenfrauen zu Gefangenen der Männer werden ließ. Die innere Zerrissenheit der „Mums“, die man als Leser meist aus der Perspektive der Kinder erlebt, ist spürbar: Sie gehören nicht wirklich an Land und können ohne ihre Felle aber auch nicht zurück ins Meer. Doch trotz ihrer wachsenden Traurigkeit und Depression wollen die Männer sie nicht gehen lassen.

Am beeindruckendsten finde ich, dass bis zum Schluss nicht ganz eindeutig ist, welchen Anteil Misskaella an dem Bann hat, den die Selkie auf die Männer ausüben: Verhext sie alle zu deren Unglück oder transformiert sie bloß die Robben in Menschenfrauen? Das Urteil bleibt einem als Leser selbst überlassen und hängt davon ab, wieviel Hexe man in Misskaella sieht und wie viel Menschlichkeit.

Hexe aus Überzeugung: Wicked von Gregory Maguire

Zuerst das Wichtigste: Ich wünsche allen ein frohes neues Jahr! Mögen wir viele Bücher und Filme entdecken, Zeit für Freunde und Familie haben und unser Bestes geben und dafür das Beste erhalten.
Ich wünsche mir, 2019 wieder mehr Rezensionen schreiben zu können, darum fange ich das Blogjahr direkt mal mit einer an:


Wicked habe ich vor einigen Monaten in meinem Try a Chapter Tag angerissen und musste es so bald wie möglich lesen.

Der Zauberer von Oz gehört zum öffentlichen Bewusstsein, er ist so sehr in der Popkultur verhaftet, dass man auch große Teile der Handlung kennt, selbst wenn man weder das Buch gelesen noch den Film gesehen hat. Meine erste Begegnung mit Frank Baums Buch war womöglich in einer Dennis the Menace Halloween-Folge, als ich gerade mal das Kindergartenalter erreicht hatte.

Antagonistin in Der Zauberer von Oz ist die böse Hexe des Westens, eine grünhäutige Einzelgängerin mit einer Armee geflügelter Affen auf ihrer Seite. Und deren Geschichte erzählt Maguire in Wicked.

Das Cover von Wicked mit einer leicht grünen Elphaba

Wicked nimmt Baums oft sehr beschränkte Welt und interpretiert diese neu, erschafft verschiedene religiöse Strömungen und ein politisches Klima, in dem sich die bekannten Figuren des Kinderbuchklassikers bewegen. Die Originalhandlung wird auch nahtlos integriert. Ich war fasziniert von der Komplexität, die auch nötig war, um aus der wilden Phantasterei des Originals eine Fantasywelt für Erwachsene zu schaffen. Und das gelingt Maguire auch: Die Zusammenhänge wirken nie erzwungen, sondern als hätte er selbst dieses Oz erschaffen.

Wir folgen Elphaba von ihrer Geburt (eigentlich beginnt die Geschichte bereits zuvor mit einem Blick in das Lbene ihrer Eltern) über ihre Studienzeit bis sich der Kreis schließt, das Mädchen Dorothy aus dem Himmel fällt und ihr sowieso schon seltsames und ereignisreiches Leben erneut auf den Kopf stellt.

Doch nutzt Maguire nicht nur Baums Vorlage, um eine klassische Fantasygeschichte zu erzählen: Sie enthält auch einen sozialen Kommentar. Elphabas Geschlecht und ihre grüne Hautfarbe geben ihren Mit-Ozianern immer wieder Rätsel auf; es wird zum Beispiel nie vollends geklärt, ob sie als Mädchen zur Welt kam, ob sie Hermaphroditin ist oder ob die Frauen, die ihre Geburt dirigierten, hier die Entscheidung getroffen haben und was nicht passte passend machten. Ihre Eigenheiten werden aber nicht diskutiert, sondern als gegeben hingenommen. Warum ist sie grün? Warum verträgt sie kein Wasser? Andere Figuren im Buch fragen sich das, aber wie das so im Leben ist: Die Leute reden eben, man selbst kann aber nur man selbst sein. Dazu kommen noch weitere Situationen, in denen es um Anderssein und Gleichberechtigung geht, da in Oz ja viele sehr unterschiedliche Wesen zusammenleben. Ich mochte dies alles sehr und es ist wohl mit der Grund, warum ich in dem Buch wild herummarkiert habe und es sicher wieder lesen werde. Das hat mich etwas erstaunt, da ich Frank Baums Buch nicht sehr mochte und hier etwas, das ich lieben kann, daraus geworden ist.

Evil is an act, not an appetite. Everyone has the appetite. If you give in to it, it, that act is evil. The appetite is normal.

The Witch (371)

Elphaba ist eine sehr starke Figur, die von Geburt an ihren eigenen Weg geht. Und der ist oft genug einsam und tragisch. Da viele Fragen am Ende offen bleiben bzw. nur Spekulationen angestellt werden können (basierend auf dem Ende von Der Zauberer von Oz), lag es wohl nahe, dass Maguire Jahre nach Erscheinen des Buches noch einmal zurückkehrte und eine ganze Reihe daraus machte. Ich weiß noch nicht, ob ich mich daran trauen soll und auch nicht, ob sie auf die restlichen Oz-Bücher zurückgreifen. Jeder Band dreht sich, wie in der Vorlage glaube ich auch, um eine andere Figur. Darum und wegen des großen zeitlichen Abstands zum ersten Band werde ich es wohl bei diesem belassen. Wicked kann schließlich auch gut für sich stehen bleiben und hat dies ja auch ein Jahrzehnt getan.

{Das Musical Wicked, das auf dem Buch basiert, hat übrigens ein anderes Ende!}

#Horrorctober 12-13/13: Angestaubter Horror

#Horrorctober Returns! 2018Die letzten beiden Slots für den Horrorctober habe ich mit ein paar richtig alten Klassikern des Horrors gefüllt: Ein Creature Feature aus dem goldenen 3D-Zeitalter und eine Geschichte von Mr. Horror himself, Edgar Allan Poe. In beiden Fällen ist das Gruseln über die Jahrzehnte hinweggealtert, keine Gänsehaut weit und breit. Dementsprechend fällt der heutige Post etwas sarkastischer aus 🙂


Creature from the Black Lagoon (1954)

„Der Schrecken vom Amazonas“ ist genauso old school, wie der Titel vermuten lässt. In einer sagenhaft schönen Lagune finden Forscher ein mysteriöses Fossil. Um es zu datieren, sind weitere Vorort-Untersuchungen nötig. Der durchaus lebendige Nachfahr dieses Fossils (?) verfolgt bald die gesamte Forschertruppe. Und hat es anscheinend auf das weibliche Mitglied abgesehen.

Ein Typ in einem Gummianzug war scheinbar in den Fünfzigern das unheimlichste, was man sich vorstellen konnte. Mir hat Creature from the Black Lagoon jedenfalls eher wiederholtes Schmunzeln als Schrecken entlockt. Die Damsel in Distress schien zwar auf den ersten Blick recht tough, hat aber für ihren Liebsten immer schön Gewehr bei Fuß gestanden und hatte nichts zu melden (außer Schreie, aber davon viele). Natürlich sind vor allem Latinos der Kreatur zum Opfer gefallen. Ich frage mich, wie dieser Schwarzweißfilm wohl in 3D gewirkt hat. Mich hat er jedenfalls nicht beeindruckt.

Wassergrube und Pendel (1842)

Und nochma ein paar Dutzend Jahre zurück geht es in dieser Geschichte von Edgar A. Poe. Ein Ich-Erzähler wird von der spanischen Inquisition zum Tode verurteilt, fällt in Ohnmacht und erwacht in einem düsteren, noch näher zu erfassenden Verlies. Der Schrecken des Gefangenen ob nagender Ratten, ausgehenden Wassers und einem ominösen immer näher kommenden, klingenbewehrten Pendel werden minutiös und in blumigen Bildern beschrieben.

Ich lag in Ohnmacht, doch kann ich nicht sagen, daß mein Bewußtsein geschwunden war. Wieviel davon noch blieb, will ich nicht versuchen zu enträtseln oder zu beschreiben; doch war nicht alles geschwunden. Im tiefsten Schlummer – nein! Im Delirium – nein! In Ohnmacht und Betäubung – nein! Im Tode – nein! Selbst im Grabe ist nicht alles Bewußtsein geschwunden. Sonst gäbe es keine Unsterblichkeit. Aus dem tiefsten Schlummer erwachend, zerreißen wir das Spinngewebe eines Traumes; aber eine Sekunde später – so zart ist das Gewebe oft – wissen wir schon nicht mehr, daß wir geträumt. Bei dem Erwachen aus einer Ohnmacht gibt es zwei Stadien: zuerst das Gefühl geistigen oder seelischen – dann das Bewußtsein körperlichen Daseins.

Der ganze Absatz soll sagen: Nach der Ohnmacht erwacht unser Ich-Erzähler. Er war ausgeknckt und ist es nun nicht mehr. Punkt. Kannst du dich nicht etwas kürzer fassen? Und sag jetzt nicht „Nimmermehr“.
Unter all dem Schwulst an Beschreibung jedenfalls fiel es mir schwer, dem Ganzen zu folgen. Und die Ich-Perspektive in dieser Situation erzeugt vielleicht Unmittelbarkeit, spoilert aber auch ganz ordentlich: Der Text hätte schon im Präsens geschrieben sein müssen, damit der Leser nicht auf die Idee kommt, dass der Gefangene wahrscheinlich mit dem Leben davon kommt. Aber ich erwarte vielleicht zu viel von einem der ersten modernen Schriftsteller. Und wo wir schon dabei sind: Rettung durch Deus ex machina. Wozu? Um den Ich-Erzähler als Perspektive zu rechtfertigen. Schade, dass ich den Text nie in der Schule analysieren musste, ich hätte ja so viel Spaß am Zerfleddern gehabt.


Und so geht der Horrorctober schon wieder vorbei. Ich muss sagen, die Zeit kam mir sehr kurz vor, aber 13 x Horror zu lesen/anzuschauen und vorzustellen füllt einen Monat auch ganz gut.

Ich konnte so nicht nur viele Filme anschauen, die ich eh mal (wieder) anschauen wollte, sondern hatte auch einen leichter Wiedereinstieg ins Bloggen nach einem echt zähen Sommer. Toi toi toi und so.

Bei so viel Horror auf einmal ist es doch schwer, alles zusammen in eine Schublade zu stecken: Es gibt viele Arten Horror. Einige Male habe ich Horror erwischt, der nicht meins war oder nicht für mich funktioniert hat, aber oft habe ich mich auch wunderbar gegruselt. Und inzwischen habe ich auch genug Material für einen weiteren Horrorctober gesammelt.

In diesem Sinne: Frohes Hallowe’en!

#Horrorctober 2/13: Shining (Stephen King)

Das archetypisch gruselige spukende Hotel trifft auf lebensechte Charaktere mit echten Problemen und übernatürlichen Erlebnissen: Willkommen im Overlook Hotel und damit in Stephen Kings Welt.

Der kleine Danny ist nicht wie andere Kinder: Durch seine hellseherischen Fähigkeiten findet er nicht nur verlorene Gegenstände, sondern spürt auch, was seine Eltern beschäftigt, was sie denken. Und da gäbe es einiges: Des Vaters Jack gescheiterte Laufbahn als Lehrer aufgrund seines Alkoholismus, die übersteigerten Ängste der Mutter Wendy, beider Überforderung. Doch Danny sieht noch weiter: Sein unsichtbarer Freund Tony zeigt ihm auch Dinge, die noch gar nicht passiert sind.
Als Verdienstmöglichkeit übernimmt Jack den Job eines Hausmeisters in einem alten Hotel, das über den Winter von der Außenwelt abgeschottet ist. Er will die Ruhe zum Schreiben nutzen, doch schon bald lenkt ihn das Overlook mit seiner faszinierenden Geschichte von seinen Pflichten ab und zieht ihn immer mehr in den Bann …

Keine Frage, dieses Buch ist lang. Daher direkt am Anfang meine Empfehlung: Das Hörbuch, gänsehauterzeugend gelesen von Dietmar Wunder, ist die Audioversion eines Pageturners! (Übrigens bei Spotify in voller Länge verfügbar.) Ich habe das Buch in diesem Oktober zum zweiten Mal angehört und finde es immer noch sehr gruselig und um Längen gruseliger als Stanley Kubricks Filmversion, die eh nicht allzu viel mit der Geschichte zu tun hat (auch hierzu sind natürlich andere Meinungen vorhanden).

Direkt in der Eröffnungsszene des Buchs hat man den Eindruck, dass es unter der Oberfläche des Losers Jack Torrance brodelt: Er ist im Overlook Hotel und spricht mit dem Manager, als bereits feststeht, dass er den Hausmeister im kommenden Winter geben soll. Wir hören seine Gedanken, die immer wieder plötzlich bedrohlich und gewalttätig werden: So, als der Manager ihm sagt, dass er ihn nicht für geeignet hält, oder als er Nachfragen zu Jacks Entlassung aus seinem vorherigen Job stellt. Am Ende der Szene ist im Wesentlichen klar, wer Jack ist: Einer, der Verantwortung scheut, aber seine Familie liebt. Er will das Richtige tun, hat aber Künstlerambitionen. Und dann ist im Hintergrund immer der Wunsch nach einem Drink da.

King kann unglaublich gut erzählen und erschafft Charaktere, die so real wirken, als hätte man sie an der Supermarktkasse getroffen. Jeder der Torrances ist sehr glaubhaft und fassbar, und das macht für mich einen großen Reiz der Geschichte aus. Jeden ihrer Schritte kann ich vollkommen nachvollziehen, ohne dass die Handlung vorhersehbar wäre.

Das zweite Standbein eines Kingschen Horrors ist das Übernatürliche, und hier kommen tiefsitzende Urängste zusammen, um den Horror des Overlook zu kreieren: Dinge, die sich im Augenwinkel bewegen, Kontrollverlust, Hotelgäste, die lange nach ihrem (gewaltsamen) Tod noch nicht endgültig ausgecheckt haben, Masken, Gewalt, Isolation, … all das kombiniert King zu einem ultragruseligen Cocktail.

Beim zweiten Lesen ist mir besonders bewusst gewesen, wie viel von Kings eigenen Ängsten hierin stecken muss, die Parallelen zu Jack Torrance sind vielfältig. Ich finde es faszinierend, wie viel King in diesem King steckt, und bewundere die Offenheit.

Ich werde Shining bestimmt auch im nächsten Oktober wieder anhören.

Simon Green: Die dunkle Seite der Nacht (Nightside 01)

Ich habe mich mal wieder versuchsweise in eine Urban Fantasy Reihe gestürzt. Nachdem mein letzter Versuch (Harry Dresden) vorerst nach Buch 2 stecken geblieben ist (ich werde weiterlesen, wenn sich die Gelegenheit ergibt), bin ich in der Stadtbibliothek über Simon Greens Serie um John Taylor gestolpert. Die weit über 10 Bände umfassende Reihe ist das gefundene Fressen für mein Fantasy-Projekt. Vor kurzem konnte ich den ersten Band „Die dunkle Seite der Nacht“ als E-Book beenden (daher diesmal ohne Bild).

John Taylor ist der typische Noir-Detektiv (chronisch pleite, Single zum Schutz anderer, zynisch), mit einem Unterschied: Seine Begabung, Personen und Gegenstände aufzuspüren, ist übernatürlich. Er ist ein Kind der Nightside, jenem zwielichtigen, verborgenen Zentrum Londons, das in echtem Doctor-Who-Flair zwar in London liegt, aber von innen größer ist als die Metropole.

In der Nightside ist es immer Nacht. Es ist immer drei Uhr morgens, und es gibt nie ein Morgenrot.

Taylor hat die Nightside hinter sich gelassen, um im „normalen“ London als Detektiv zu arbeiten. Als eine Klientin ihre verschwundene Tochter sucht, führt ihn der Fall aber geradewegs zurück auf die dunkle Seite der Nacht …

Jim Butcher hat ja für seinen ersten Harry Dresden Band einfach alle ihm bekannten Noir- und Detektiv-Klischees zusammengetragen und daraus eine äußerst beliebte Urban Fantasy Reihe geschaffen. Scheinbar hat der britische Schriftsteller Simon Green beinahe zeitgleich dasselbe getan. Seine erste Geschichte um den paranormalen Detektiv John Taylor strotzt nur so vor Klischees, von der hilflosen hübschen Klientin bis hin zum heruntergekommenen kaltschnäuzigen Protagonisten. Als kleines Extra kommt hier noch eine ebenso klischeebehaftete, aber finster-unterhaltsame „London Untergrund“ Version dazu, in der sich einfach nur alle denkbaren Figuren tummeln, ob Perversling, Zombie oder Außerirdischer.

Der Mann, der uns gegenüber saß, las hochkonzentriert eine russische Zeitung. Das Datum in der Kopfzeile lag eine Woche in der Zukunft.

Der Fall um die verschwundene Tochter ist in dieser „Pilotfolge“ absolute Nebensache. Was mich gefesselt hat, waren die verschiedenen Settings und Charaktere der Nightside: Die tödliche Höllenfahrt (eine brutale Schlägertruppe der nicht-menschlichen Art), Eddie Messer, der „Punk-Gott des Rasiermessers“, die Schusswaffenheldin Suzie Shooter oder die Geisterbar „Hawks Wind Bar & Grill“, in der es noch echte sirupartige Cola gibt, weil die Zeit dort in den Sechzigern stillsteht.

Die Nightside ist aber auch sehr brutal und gefährlich: In jedem Moment kann es aus sein mit dir. Und es besteht die Möglichkeit, dass du nicht ein,al weißt, was dich getroffen hat.

Etwas hätte mich hören können. Oder schlimmer noch, nichts hätte mich hören können.

Taylor selbst umgibt (wie könnte es anders sein) ein gefährliches Geheimnis, zu dem natürlich einige Hinweise fallen gelassen werden. Er kennt die Identität seiner Mutter nicht, ein Geheimnis, dessen Entdeckung den Vater vorzeitig ins Grab trieb. Und damit hat mich Green, denn ich will zum Henker nochmal wissen, was dahinter steckt, Klischees hin oder her. Außerdem haben mir die skurrilen Bösewichter (man denke an schrägere Doctor-Who-Folgen) schon gefallen. Mit dem Bizarren kann man mich im Zweifel schon locken. Die Klischees verbuche ich fürs Erste gnädig zum Teil auf das Erster-Roman-der-Reihe-Konto und hoffe, dass das mit späteren Bänden moderater wird. Und vor allem, dass nie wieder eine Kundin Taylors „Mein Held“ haucht! Der zweite Band liegt jedenfalls schon auf meinem Nachttisch.

Gelesen für das 101 Fantasy Projekt