Naturkunde: Das größte Lebewesen der Welt!

Na, wer weiß, welches das größte Lebewesen der Welt ist? Ist ein Wal der Rekordhalter? Weit gefehlt: Das größte Lebewesen der Welt ist – ein Pilz.

Das größte Lebewesen der Welt: Armillarias
Unscheinbar. „Armillarias“ von Jose Luis Cernadas IglesiasCC BY 2.0

Der Dunkle Hallimasch (Armillaria ostoyae), von dem hier die Rede ist, hat eine Gesamtgröße von über neun Quadratkilometern! Da sich der Pilz unterhalb des Malheur National Forest in Oregon vernetzt hat, fand man erst im Jahr 2000 heraus, dass es sich tatsächlich nur um ein einziges Lebewesen handelt. Eine Genanalyse zeigte, dass ein Pilzbefall der ansässigen Bäume auf ein und denselben Pilz zurückgingen. Man schätzt das Alter des Pilzes auf über 2400 Jahre, das Gewicht soll bei 600 Tonnen liegen. Solche Superlativen kann man sich nicht einmal vorstellen.

Oberflächlich betrachtet (im Wortsinn), ist der Hallimasch eher unauffällig: Gelbliche Hüte ragen ungefähr 12 cm in die Höhe. Doch unter der Erdoberfläche reicht sein Körper etwa einen Meter tief ins Erdreich. Das heißt, millimeterdicke Fäden, die Rhizomorphe, erstrecken sich zu einem gewaltigen Geflecht verbunden über diese unvorstellbare Fläche.

Das größte Lebewesen der Welt und seine Rhizomorphe
Rhizomorph Armillaria“ von Ericsteinert – CC BY-SA 3.0

Der Pilz frisst sich so durch Bäume und entzieht ihnen deren Nährstoffe. Die Bäume wehren sich durch Wundgewebe, das ihn aber nicht immer vor dem langsamen Tod retten kann. Aber auch totes Holz frisst der Hallimasch und trägt so zum Recycling im Wald bei.

Vielleicht kennen einige den Hallimasch als Speisepilz. Er ist auch bei uns heimisch, nur in vergleichbaren Größen scheint er hier nicht vorzukommen. Übrigens geht der Name Hallimasch auf eine sehr deftige Beschreibung zurück: Entweder auf „Heil im Arsch“, da er als Heilmittel bei Hämorrhoiden eingesetzt wurde, oder auf „Höll‘ im Arsch“, weil der Pilz roh verzehrt abführend wirkt.

Quellen und Informationen

Zehn Jahre danach: Artikel der University of Wisconsin
Planet Wissen

Naturkunde: Natternkopf

Spaziergang am PetrisbergNeulich am Wegesrand…
Bei einem Spaziergang in den Trierer Weinbergen (bei dem mir leider nur mein Handy als Kamera zur Verfügung stand) bin ich immer wieder auf eine lila Staude gestoßen, die mir gut gefiel. Auch die Bienen und Schmetterlinge hatten großes Interesse an der robust wirkenden Pflanze.

Es ist ein Verwandter des Vergissmeinnicht, der Gewöhnliche Natternkopf oder Blauer Heinrich (Echium vulgare), der mir da auffiel. Wie er zu diesem Namen kam, bleibt mir ein Rätsel, aber auch in Österreich gibt man dem Blümchen gerne Männernamen wie Starrer Hansl oder Stolzer Heinrich, oder auch Himmelbrand. Nu ja.Natternkopf

Ich hatte ja insgeheim auf ein Heilkraut gehofft oder eine nette Erweiterung für den Garten, aber beides ist eher umstritten. Essen kann man die Blätter, aber sie sind haarig, da wäre ich nicht so begeistert.

Am Weinberg hat sich der Heinrich übrigens so wohl gefühlt, weil dort die Erde so trocken und steinig ist; wers also doch mal im Garten versuchen will: Bisschen Sand untermischen. Den Winter schafft der Natternkopf nicht in vollständigem Rückzug unter die Erde, sondern durch Verkleinerung. Also gibt es auch im Winter einige Knospen, wenn auch nichts Weltbewegendes. So eine Pflanze nennt sich übrigens Hemikryptophyt. Nach zwei Jahren ist aber Schluss.

NatternkopfImker nutzen die zuckrige Pflanze (25% Zucker im Nektar) ganz gerne als – Achtung – Trachtpflanze, also als Nutzpflanze auf der Bienenweide. Was die heilende Wirkung angeht, habe ich unterschiedliches gelesen: Einerseits, dass der Natterkopf praktisch nicht für Heilzwecke verwendet wird und keine nennenswerte Wirkung hat; dem entgegen steht die Rezeptliste für unterschiedlichste Wehwehchen, die es unter heilkraeuter.de gibt.

Insgesamt also viele verschiedene Meinungen zum Natternkopf. Ich bin jedenfalls ein bisschen schlauer geworden und werde bestimmt noch bei so manchem Spaziergang auf Heinrich treffen.

 

Naturkunde. Glühwürmchen, mach’s Licht aus

Phosphaenus hemipterusDer letzte Naturkundepost ist schon ewig her, obwohl ich einige Materialien dafür gesammelt habe. Wie diesen kleinen Kerl hier, den ich im Juni an der Mosel getroffen habe. Oder eher: Der sich kackfrech auf meinem Schreibheft niedergelassen hat.

Wer hätte gedacht, dass es sich bei dem schuppigen Tierchen um einen Leuchtkäfer handelte? Phosphaenus hemipterus, um genau zu sein. Der Name bedeutet scheinbar so was wie „leuchtende Halbflügel“ (ich hatte nie Griechisch); der deutsche Artenname ist aber Kurzflügel-Leuchtkäfer. Man kann auf dem Foto die kurzen Stummelflügel erkennen, deshalb muss es ein Kerl gewesen sein, denn die Weibchen haben so etwas nicht. Leuchtkäfer können gar nicht fliegen.

Und jetzt ratet mal, was die hübschen Minilaternen futtern? Regenwürmer! Find ich irgendwie nicht so doll. Aber wir wissen ja, so ein Wurm ist schleimig, jedoch vitaminreich.

Leuchten tun übrigens vor allem die Larven. Die Männchen leuchten nur, wenn sie sich gestört fühlen, am Schwanzende an zwei Punkten und nur schwach. Die Weibchen (die nicht leuchten können) locken die Herren scheinbar mit Pheromonen an (was durch die größeren Antennen dieser bestätigt wird, die damit besser riechen können).

Ihre direkten Verwandten sind der Kleine und der Große Leuchtkäfer. Die größten Unterschiede scheinen Leucht- und Flugbefähigung sowie ein paar weitere anatomische Details zu sein. Der Kleine Leuchtkäfer ist übrigens eher stiftförmig und nicht gliederartig. Man nennt ihn auch Johanniskäfer, weil er um den Johannistag (24. Juni) häufig anzutreffen ist.

Ein weiterer Unterschied: Der Kurzflügel-Leuchtkäfer gilt in Deutschland als gefährdete Art. Daher bin ich umso froher, mal einem in persona begegnet zu sein.

Leider konnte ich keine verwendbaren Fotos von leuchtenden Exemplaren finden, aber Onkel Google hilft euch da gerne weiter.

Zur weiterführenden Lektüre: