Weltall, Wolkenkratzer und Züge: Neuzugänge II/2017

Obwohl ich so selten dazu komme, meine neuen Bücher direkt zu lesen, mag ich sie in hier im Blog vorstellen. Wer erzählt nicht gerne von seinen neuesten Errungenschaften? Von meinen 8 neuen Büchern habe ich bereits zwei gelesen und ein drittes gekauft, das ich schon vor Jahren gelesen habe. Das freut den SuB!

 

Sachbücher: The Grand Design | Getrude & Alice

Neuzugänge 2017 Teil 2 Sachbuch
Standen nebeneinander im Büchertauschregal

Wie genial ist das denn?! Eine illustrierte Einführung in Quantenphysik von Stephen Hawking und Leonard Mlodimow und eine Biographie über Gertrude Stein und Alice Toklas habe ich Seite an Seite praktisch vor meiner Haustür gefunden.
The Grand Design ist recht kurz und mit vielen Illustrationen gespickt. Wohl genau richtig, um eingerostetes astronomisches Wissen wieder aufzufrischen. Leonard Mlodimows Euclid’s Window hat mir vor einigen Jahren zum ersten Mal meine Liebe zur Astrophysik offenbart, die in der Zwischenzeit immer weiter gewachsen ist. Aber noch mal ein Rundumschlag zu den Basics kann doch nicht schaden.

Gertrude and Alice: Gertrude Steins Leben im Paris der 20er Jahre und ihre Rolle als Einflussnehmerin auf Persönlichkeiten der Literatur und Kunst ist faszinierend. Ihre Schriften interessieren mich aber nicht so sehr wie einfach ihr Leben mit ihrer Lebensgefährten Alice. Daher habe ich bei dieser Biographie direkt zugegriffen.

 

Alte Klassiker: Much Ado About Nothing | Zwei Fremde im Zug

Neuzugänge 2017 Teil 2 Klassiker
Die Prachtausgabe und … das funktionale Taschenbuch

Much Ado About Nothing von Shakespeare kenne ich zwar schon vom Selberlesen und diversen Adaptionen, doch bei dieser mit herrlichen Scherenschnitten ausgestatteten Hardcover-Edition konnte ich nicht wiederstehen. Runtergesetzt war sie auch noch! Und bei den zahlreichen Annotationen werde ich sicher noch etwas lernen können.

Mit Zwei Fremde im Zug zieht ein weiteres Buch aus einem Büchertauschregal bei mir ein. Patricia Highsmith hat mich ja schon mit anderen Werken begeistert; vor allem natürlich mit Der talentierte Mr. Ripley, aber auch Ediths Tagebuch hat mir gut gefallen. Nun möchte ich die Vorlage für den Hitchcock-Film auch einmal anlesen.

 

Und nun SciFi: High-Rise | Freie Geister

Neuzugänge 2017 Teil 2 SciFi
Oder Gesellschaftsromane?

Durch die Verfilmung drauf aufmerksam geworden und beschlossen, erst mal das Buch zu lesen: High-Rise. Geschichten um Mikrokosmen finde ich immer interessant. Dieser Roman dreht sich ganz um das Leben in einem ultramodernen Hochhaus. Wenn ich es richtig verstehe, wird es sehr schnell sehr düster.

Einen modernen Klassiker habe ich mir mit der neu Übersetzung von The Dispossessed von Ursula K. Le Guin gegönnt, das nun Freie Geister heißt. Das Buch habe ich zwischenzeitlich schon gelesen, denn es war ein Titel für meinen Leseclub. Es wurde einstimmig für gut befunden 🙂

 

Es war einmal der Hype: Der lange Weg zu einem kleinen zornigen Planeten | The Gracekeepers

Neuzugänge 2017 Teil 2 Hype
Endlich auch in meinem Regal 🙂

Oft notiere ich mir interessante Bücher für Gelegenheitskäufe. Wenn die Gelegenheit dann kommt, ist der Hype meist schon drei Blocks weiter gezogen. Aber das soll mich nicht stören! Der Kuschel-SciFi Der lange Weg zu einem kleinen zornigen Planeten war Buchtitel 2 für unseren Leseclub; so kann ich hierzu freudig vermelden, mich ebenso wie fast alle anderen Hals über Kopf verliebt zu haben.

Tja, und dann noch The Gracekeepers, eine Art postapokalyptischer Roman, in dem die Welt fast komplett überschwemmt ist und ein Mädchen mit einem Bären in einem Wanderzirkus von Insel zu Insel zieht. Falls sich einer wundert: Meine Ausgabe ist ein frühes Rezensionsexemplar.

So schmeckt der Sommer: Sommerwünsche 2017

Sommerwünsche bei Buchflimmern

Diesen Tag habe ich bei der lieben Neyasha gesehen und spontan auch eine Liste gemacht 🙂 Es ist eine zehnteilige Liste mit Dingen, ich in diesem Sommer tun möchte. Viele Punkte sind für mich allgemein Highlights jedes Sommers. Vielleicht findet ihr ja noch Inspration für euren Sommer.

 

Viel Zeit auf dem Balkon verbringen

Im letzten Jahr hatten wir nicht viel von unserem großen, zum Südwesten gelegenen Balkon. Denn die Sonne knallt da ab 13 Uhr bis zum späten Abend hin, es wird leicht heiß und das Licht blendet auch noch. Die Lösung war naheliegend, musste aber auf sich warten lassen: Sonnenschirme. Wir haben nun zwei Stück, sodass man das schöne Wetter vor allem am Abend nach der Arbeit wunderbar genießen kann.

 

Unser Schwimmbad besuchen

Viel zu lange war ich schon nicht mehr richtig schwimmen! Da es nicht allzu weit von unserer Wohnung ein kleines Stadtbad gibt, habe ich eigentlich keine Ausreden. Sogar ein kleines Außenbecken soll es da geben. Als olle Wasserratte fehlt mir das Schwimmen schon. Auch mein Rücken würde sich über das Training freuen!

 

Ein Buch in der Sonne genießen

Als ich Trier verließ, hatte ich die Vermutung, dass damit auch die Sommer mit StadtLesen zu Ende wären, denn in meine neue Heimat Köln war die Draußen-Lesen-Veranstaltung noch nicht gekommen. Schön, dass man für dieses Jahr den kölschen Roncalliplatz ansteuert! Hoffentlich wird die Atmosphäre dort genauso schön wie vorm Trierer Dom. Falls das Wetter mitmacht! Allgemein mehr draußen zu lesen ist auch mein Wunsch. In den letzten paar Wochen habe ich das zwar auch schon getan, aber das heißt ja noch lange nicht, dass ich genug davon hätte!

 

Flugstunde mit Familie

Mein Bruder hat vor einiger Zeit eine Flugstunde von meiner Ma und mir geschenkt bekommen. Da es mit dem Wunsch, Pilot zu werden, nichts geworden ist, freue ich mich schon auf den Familienausflug zum Flugplatz, wo er sich mal austoben kann.

 

London!

Im August werde ich einige Tage in London verbringen und meiner besten Freundin meine Lieblingsplätze zeigen. Ich freue mich schon, mit ihr zusammen neue zu entdecken!

 

Livemusik endlich ohne Frostbeulen

Mein letzter Konzertbesuch war noch in der Frühjahrskälte – es macht schon mehr Spaß, im Sommer vor der Halle zu warten oder nach dem Konzert noch was trinken zu gehen. In diesem Sommer habe ich bisher ein Konzert (The Devine Comedy) und einen Festivalbesuch (Green Juice in Bonn) geplant. Hoffentlich kommt noch der ein oder andere Spontanbesuch auf Minikonzerten dazu.

 

Vegan grillen: Satt in den Sonnenuntergang

Zum Geburtstag habe ich ein phänomenales veganes Grillbuch bekommen. Was ich davon bisher getestet habe, war spitze. Aber es gibt noch viel mehr, was ich testen will. Balkon und Grill sind bereits vorhanden!

 

Kino und Mitternachtseis

Ich liebe es, nach einem Kinobesuch in einer milden Sommernacht nach Hause zu spazieren und noch ein Eis zu essen. Ein einfaches Rezept, das immer wieder glücklich macht. Wenn man dann noch den hoffentlich guten Film bequatschen kann, ist es perfekt.

 

KölnTag: Abends im Museum

Für Kölner gibt es am ersten Donnerstag jeden Monats den KölnTag. Da kommt man kostenfrei in viele Kölner Museen. Diese tolle Möglichkeit nutze ich durch den Job viel zu selten. Besonders gerne möchte ich noch diese besuchen: Das Museum für Angewandte Kunst, wo es abgefahrene Designgegenstände zu sehen gibt, das in einer Kirche beheimatete Museum Schnütgen mit seinen mittelalterlichen Schätzen sowie das hiesige NS Dokumentationszentrum.

 

Und jetzt en Français: Französisch aufbessern

Eine Fremdsprache möchte ich schon lange auffrischen, bisher konnte ich mich nicht zwischen Spanisch und Französisch entscheiden. Doch letztere habe ich schon viel länger nicht gesprochen und es ist auch wahrscheinlicher, dass ich diese Kenntnisse mal für die Arbeit brauche. Falls irgendwer französischsprachige Websites empfehlen kann oder Tipps zum Lernen hat, bitte melden!

Straight White Whale: Moby-Dick Leselog Rückblick

Nach dem Urlaub hat es doch länger als gedacht gedauert, wieder voll da zu sein (hallo, da bin ich wieder :-)). Nachdem ich aber wieder im Alltag angekommen bin, hier endlich mein Fazit zu Moby-Dick:Quelle: Freshwater and Marine Image Bank

Was für ein Kampf! Das kann man ruhig in jedem Sinn des Satzes verstehen. Denn der epische Kampf im Roman (Ahab gegen Wal ebenso wie Moral gegen Natur oder Glaube gegen Schicksal) ähnelte nicht selten meinem eigenen Kampf mit dem Buch selbst. Ohne den Leselog hätte ich sicher nicht bis zum Ende durchgehalten. Denn inzwischen ist meine Toleranzschwelle hier sehr niedrig.

Trotzdem: Ich bin froh, das Buch als Ganzes kennengelernt zu haben. Viele Szenen waren wirklich großartig und gesprenkelt mit schönen und auch witzigen Beschreibungen. Ishmael st, sofern er vorhanden ist, ein angenehmer Erzähler. Die vielen Anekdoten haben zwar abgelenkt, aber das Buch auch bereichert. Als Ganzes ist der Funke dennoch nicht auf mich übergegangen – warum Moby-Dick als einer der wichtigsten amerikanischen Romane gilt, ist mir wenigstens nicht glasklar geworden. Mir kam das Mammutwerk dazu sehr ungeschliffen und fast schon chaotisch vor. Aus anderen dicken Wälzern der Weltliteratur wie dem Ulysses oder der Suche nach der verlorenen Zeit konnte ich da mehr gewinnen. Nun ist Melville aber auch schon älter, eine andere Generation. Und das merkt man halt.

Wie gesagt hat mir das Leselog beim Entlanghangeln des Wals sehr geholfen. Mein Fehler war hier sicher, den gesamten Schmöker in wenigen Wochen durchzuackern. Das liegt natürlich teils daran, dass ich euch nicht ewig mit Leselogs zuschütten wollte. Für so ein langes Buch wären aber kleinere Abschnitte angebracht gewesen. Am Leselog als „Format“ halte ich dennoch fest. Das hat Spaß gemacht. Vielleicht nehme ich mir als nächstes einen alten Liebling vor oder halt ein schmales Büchlein. Das könnte ich mir auch gut vorstellen.

The drama’s done. Moby-Dick Leselog 10

Moby-Dick Leselog{123-135; Ende} Diesmal etwas verfrüht wegen Urlaub 🙂

Ich habe es geschafft! Der Wal ist bezwungen (der Arme) und alle sind tot. Alle? Nein! Ein unbeugsamer Seemann namens Ishmael – hört nun auch auf, dem Leser seine Kassette ins Ohr zu drücken.

Auf dem Höhepunkt der Handlung erreicht auch Ahabs Wahn den Höhepunkt. Übrigens hat er einen neuen Kompass gebaut. Auch die Crew wird vom Jagdfieber angesteckt, was richtig unheimlich ist: Plötzlich sind alle ganz scharf darauf, den unbekannten Wal zu töten (aber gut, ihnen wurde ja auch Gold versprochen). Aber ich greife voraus.

Ahab freundet sich mit dem geistig verwirrten Pip an und lässt ihn in seiner Kabine schlafen. Auch das passt ja perfekt, eigentlich ist es eher seltsam, dass die zwei sich erst jetzt anfreunden. Später entfernt sich Ahab aber auch wieder von Pip, der anhänglich wird. Seine naive Loyalität lässt Ahab an seinem Racheplan zweifeln, darum kann er nicht zu viel Zeit mit Pip verbringen.

Derweil häufen sich die bösen Omen: Bei der ersten Wache in Moby-Dicks Gebiet geht ein Mann über Bord und kann auch mit dem Rettungsring nicht gerettet werden. Und was macht man da? Der Mann ist verloren, aber der Ring kann ersetzt werden: Aus Queequegs Sarg soll ein neuer Rettungsring entstehen. (Queequeg war ja zuvor todeskrank gewesen, bis er plötzlich gesundete.) Ein Habicht stiehlt Ahabs Hut und versenkt ihn im Meer. Der Habicht gilt als Symbol für drohende Gefahr.
Außerdem trifft die Pequod auf die Rachel, die Moby-Dick gesehen und gejagt hat und dabei ein Boot verlor, auf dem auch der junge Sohn des Kapitäns war. Doch Ahab verweigert jegliche Hilfe (auch wenn es ihm sichtlich schwer fällt), da er keine Zeit verlieren will. Ahab wird immer deutlicher als innerlich zerrissener Mann dargestellt. Schade, dass das erst jetzt verdeutlicht wird. Er vergießt sogar scheinbar eine Träne am letzten Morgen vor der Jagd: Es ist ein ruhiger, wunderschöner Tag. Er unterhält sich mit Starbuck über die Familie, die daheim auf ihn wartet. Jap, Ahab ist verheiratet. Doch auch jetzt kann ihn Starbuck nicht von seinem Plan abhalten. Doch er wirkt verzweifelt. Er versteht nicht, warum er Moby-Dick töten muss, aber er kann nicht abbrechen.

Ahab scheint nicht mehr zu schlafen, sondern hält nun Tag und Nacht Ausschau. Bald kann er Moby-Dick riechen und korrigiert den Kurs seiner Nase folgend. Ein weiteres Zeichen seines Wahns? Oder seines Genies?

Und dann: der Wal ist in Sicht! Ishmael beschreibt Wasser und Wal als schön und friedlich. Doch sobald die Pequod Interesse bekundet, greift Moby-Dick an und ist sehr geschickt darin, nicht nur den Harpunen auszuweichen, sondern die Waffen der Menschen auch gegen sie einzusetzen. Er verwirrt die Fangleinen so, dass die Boote sich rammen und kippen. Er taucht und stößt Ahabs Boot in die Höhe, was Ahabs Bein entzwei bricht. So liefern sie sich ein Gefecht, dass drei Tage dauert. Zwischendurch entkommt der Wal immer wieder.

Am zweiten Tag geht Fedallah verloren. Ahab erinnert sich an Fedallahs Vorhersage, dass er nochmal auftauchen wird, bevor Ahab stirbt.
Am dritten Tag hat die Pequod den Wal in der Nacht überholt, sodass er nun sie jagt. Ahab ahnt das Ende: Er verabschiedet sich von Starbuck und besteigt sein Boot. Da erblickt er Fedallahs Leiche: Sie ist in einer der Fangleinen an Moby-Dicks Leib verfangen. Da nur noch Ahab ein Boot hat, jagt er den Wal allein mit wenigen Männern. Moby-Dick rammt das Boot. Drei Mann gehen über Bord, zwei können sich retten. Die Männer an Deck sind zu Salzsäulen erstarrt. Ein weiterer Habicht taucht auf und reißt die Schiffsflagge der Pequod ab. Ahabs letzter Befehl ist das Anschlagen einer neuen Flagge. Ahab betrauert, nicht mit seinem Schiff untergehen zu können, und wirft voll Hass die Harpune auf Moby-Dick. Er trifft, doch die Leine schlingt sich um Ahabs Hals. Er geht mit dem Wal unter. Zack und weg. Tashtego nagelt einen (oder denselben) Habicht dabei mit an den Hauptmast. Die gesamte Crew verbleibt zu Salzsäulen erstarrt auf dem sinkenden Schiff und verschwindet so schweigend.

Und wo war Ishmael die ganze Zeit? Stellt sich heraus: Er ist der dritte Mann, der aus Ahabs Boote geworfen wurde und nicht mehr hinein kam. An Queequegs Sarg geklammert, überlebt er. Die Rachel, immer noch auf der Suche nach dem Sohn des Kapitäns, findet ihn. Dieser Epilog soll in der Erstausgabe von Moby-Dick gefehlt haben. Ob Melville den Logikfehler erst danach bemerkte oder ob er Ishmaels Rettungsstory im Unklaren lassen wollte, bleibt wohl ein Rätsel.

Viel ist in diesem letzten Teil passiert, darum will ich mein Fazit in einen eigenen Post packen. Den schreibe ich nach meinem Urlaub in zwei Wochen. Bis dann!

I tell you, the sperm whale will stand no nonsense. Moby-Dick Leselog 05

Moby-Dick Leselog{Kapitel 42-53}

In diesem Abschnitt philosophiert Ishmael über die Farbe Moby-Dicks (Quintessenz: weiß ist böse. Jedenfalls immer dann, wenn es gerade passt). Da kommen dann doch sehr unschöne Ansichten zu Menschen mit Albinismus durch. Und wieder ein schöner Patzer: weiß wird als Absenz der Farben beschrieben – einer von vielen Näherungsversuchen, warum weiß so abstoßend sei. Aber auch da hat Ishmael einen Knick in der Optik (Wortspiel mit bestem Wissen und Gewissen beabsichtigt).

Aber genug davon. Im Grunde wechseln sich hier zwei Handlungsstränge ab, wenn man so will. Der eine ist eine Introspektive zu Walen, Walfang und Ahabs Gemüt. Alles sehr weitschweifig und etwas finster. Sowohl die Wale als auch Ahab kommen aber im Grunde zu kurz; es wird nur spekuliert und angedeutet, zum Beispiel scheinen Ahab Alpträume zu plagen, da man nachts seine Schreie hört. Aber wirklich zu Greifen bekommt man diesen seltsamen Käpt’n nicht.

Was ich noch nicht erwähnte: Ich hatte ja schon mal gesagt, dass mir Behinderungen als Mittel, um Sünden an Figuren sichtbar zu machen, immer unangenehm auffallen. Auch bei Ahab mit seiner Narbe und dem Elfenbeinbein (stimmt so) ist das so. Aber immer wieder redet die Crew über dieses Bein und dass es irgendwie nicht weniger, sondern mehr aus Ahab macht. Es ist sozusagen keine Behinderung, sondern so was wie ein Ritterschlag. Eine interessante Art, Ahabs Figur zu vertiefen – wenn auch wieder nur durch die Sicht anderer.

Aber zur Action: Während dem Wachdienst hört ein Crewmitglied Geräusche unter Deck. Keiner glaubt ihm, dass er dort Menschen gehört hat. Als die erste Waljagd losgeht, löst sich das Rätsel: Ahab hat fünf bisher versteckte Besatzungsmitglieder aus eigener Tasche angeheuert, um bei der Jagd live dabei sein zu können. Die Schiffsanteileigner waren nämlich, wegen des Beins, dagegen, dass Ahab sich selbst beteiligt. Doch mit seinen eigenen Leuten lässt er ein Boot zu Wasser und macht auf eigene Verantwortung mit. Skandal an Bord der Pequod!
Nach diesem Erlebnis – dem Chaos, den „wilden Bestien“, der Lebensbedrohung – macht Ishmael sein Testament. An so kleinen Dingen merkt man Ishmaels Naivität: Er ist nicht so erfahren, wie er vorgibt. Durch später erworbene Expertise peppt er die Geschichte auf, kann sein Unwissen aber nicht ganz verdecken.

Zuletzt wird noch ein Treffen mit einem anderen Walfänger beschrieben und wie die Kommunikation komplett scheitert beim Versuch, sich über Neuigkeiten auszutauschen. Ishmael berichtet über die Gepflogenheiten in so einem Fall und Ahabs Weigerung, ihnen Folge zu leisten. Wer im Wahn einen Wal jagt, der hat keine Zeit für Höflichkeiten.

Random Quotes

It was the whiteness of the whale that above all things appalled me.

Das hier mag ich: Though in many of its aspects this visible world seems formed in love, the invisible spheres were formed in fright.

Ahab, der Besessene: Therefore, the tormented spirit that glared out of bodily eyes, when what seemed Ahab rushed from his room, was for the time but a vacated thing, a formless somnambulistic being, a ray of living light, to be sure, but without an object to colour, and therefore a blankness in itself.

Ein weiser Rat Ishmaels an alle Kerzenliebhaber: For God’s sake, be economical with your lamps and candles! not a gallon you burn, but at least one drop of man’s blood was spilled for it.

Nach der ersten Jagd: Now then, thought I, unconsciously rolling up the sleeves of my frock, here goes for a cool, collected dive at death and destruction, and the devil fetch the hindmost.

Diskussion um Ahabs Bein: “If his leg were off at the hip, now, it would be a different thing. That would disable him; but he has one knee, and good part of the other left, you know.” – “I don’t know that, my little man; I never yet saw him kneel.”

Lesemarathon für Fortgeschrittene: Dewey’s

Banner des Dewey 24 hour readathonSeit Jahren umschleiche ich den wohl härtesten Lesemarathon: Dewey’s 24-Stunden-Lesemarathon. Er findet zweimal jährlich statt und dauert, ihr habt es erfasst, 24 Stunden. Jetzt ist der Zeitpunkt günstig, den Schritt zu wagen, denn die nächste Runde findet von 29.-30. April statt. Mit anderen Worten: Man kann sich am ersten Mai von den Strapazen des Dauerlesens erholen.

Natürlich habe ich nicht vor, 24 Stunden ohne Pause zu lesen. Ich möchte die Zeit einfach bewusst mit Büchern verbringen, zwischendurch ein paar Blogs abklappern, twittern und dabei möglichst viel lesen. Essen und Schlafen sind absolut erwünscht, denn ohne werde ich ganz schnell zu einer äußerst unbequemen Person 😀

Der Plan

Der Start hängt von der Zeitzone ab, und für mich heißt das einen Startschuss um 14 Uhr. Perfekt, um vorher noch ein paar Snacks zu besorgen und alles vorzubereiten. Außerdem endet der Readathon so nicht während ich schlafe, sondern ich erlebe den Schluss live mit. Es gibt auch sogenannte Mini-Challenges; mal sehen, ob und inwiefern ich da mitmache.

Als Lektüre habe ich mehrere Bücher ins Auge gefasst:

  • Maus: Diese Graphic Novel wollte ich schon sehr lange lesen und habe sie jetzt endlich zur Hand. Keine leichte Lektüre, aber trotzdem guter Puffer zwischen dickeren Büchern.
  • Apropos dick: Moby-Dick. Natürlich will ich die Gelegenheit nutzen, mit Ishmaels Story weiter zu kommen.
  • Der Pfad im Schnee: Den zweiten Band der Otori-Reihe habe ich mir als Hörbuch ausgeliehen. Der perfekte Lückenfüller für einen Spaziergang oder als Begleitung beim Kochen.
  • Erdzauber: Drei kurze Fantasy-Bücher, die man schnell wegliest. So hoffe ich. Zumindest ein Band sollte drin sein.

Andere Möglichkeiten vom heimischen Bücherstapel (je nach Laune)

  • Versform: Die Edda
  • Kurzgeschichten: Roboter-Geschichten (Isaac Asimov)
  • Spannend: I am Legend, Piraten!
  • Hauptsache kurz: Schlafes Bruder, Im Land der letzten Dinge, Lieber Frühling komm doch bald
  • Kleine Häppchen: Rejected Princesses

… mh, ich brauche eher einen 72 Stunden-Lesemarathon 🙂

Kein Aprilscherz: Ich lese und blogge Moby-Dick

Moby-Dick Leselog
Da kommt was Großes!

Moby-Dick gehört sicher zu den bekanntesten gemiedenen Werken der westlichen Literatur: Praktisch jeder hat schon mal von Ishmael und Captain Ahab gehört, doch den dicken Wälzer über den großen weißen Wal zu lesen ist noch einmal eine eigene Disziplin.

Vielleicht habt ihr auch schon mal mit dem Gedanken gespielt, das Buch zu lesen, und seid vor dem schieren Gewicht der knapp 1.000 Seiten zurückgeschreckt? Es wäre keine Schande. Aber für alle Lesemüden doch Interessierten werfe ich mich jetzt in die Bresche: Ich werde in den nächsten Wochen und Monaten sozusagen live von dem Walfängerschiff Pequod berichten. Ein Leselog dieser Art wollte ich schon lange mal ausprobieren, und Moby-Dick scheint mir genau das richtige Buch, um es endlich zu tun. Was kann man bei 135 Kapiteln geballten Walfangwissens schon falsch machen? Plus Epilog versteht sich, denn was wäre ein dickes Buch ohne Epilog?

Jeden Dienstag (schon ab nächster Woche!) bis Ende Juni liefere ich den aktuellen Lesestand, Grad des Wahnsinns und Walfakten-Dichte in Melvilles klassischem Walfanghandbuch. Weil ich schon die wildesten Sachen über den Roman das Teil gehört habe, nehme ich es nicht allzu ernst mit dem literarischen Genie; dass es sich um einen Klassiker handelt, muss ich ja auch wirklich niemandem mehr erzählen.

Wer Lust hat, kann natürlich gerne mit an Board kommen; ihr seid aber auch dazu eingeladen, das Spektakel (Sam gegen Wälzer) vom sicheren Land aus zu verfolgen, das Geschehen zu kommentieren und eurem Favoriten zuzujubeln 🙂