The drama’s done. Moby-Dick Leselog 10

Moby-Dick Leselog{123-135; Ende} Diesmal etwas verfrüht wegen Urlaub 🙂

Ich habe es geschafft! Der Wal ist bezwungen (der Arme) und alle sind tot. Alle? Nein! Ein unbeugsamer Seemann namens Ishmael – hört nun auch auf, dem Leser seine Kassette ins Ohr zu drücken.

Auf dem Höhepunkt der Handlung erreicht auch Ahabs Wahn den Höhepunkt. Übrigens hat er einen neuen Kompass gebaut. Auch die Crew wird vom Jagdfieber angesteckt, was richtig unheimlich ist: Plötzlich sind alle ganz scharf darauf, den unbekannten Wal zu töten (aber gut, ihnen wurde ja auch Gold versprochen). Aber ich greife voraus.

Ahab freundet sich mit dem geistig verwirrten Pip an und lässt ihn in seiner Kabine schlafen. Auch das passt ja perfekt, eigentlich ist es eher seltsam, dass die zwei sich erst jetzt anfreunden. Später entfernt sich Ahab aber auch wieder von Pip, der anhänglich wird. Seine naive Loyalität lässt Ahab an seinem Racheplan zweifeln, darum kann er nicht zu viel Zeit mit Pip verbringen.

Derweil häufen sich die bösen Omen: Bei der ersten Wache in Moby-Dicks Gebiet geht ein Mann über Bord und kann auch mit dem Rettungsring nicht gerettet werden. Und was macht man da? Der Mann ist verloren, aber der Ring kann ersetzt werden: Aus Queequegs Sarg soll ein neuer Rettungsring entstehen. (Queequeg war ja zuvor todeskrank gewesen, bis er plötzlich gesundete.) Ein Habicht stiehlt Ahabs Hut und versenkt ihn im Meer. Der Habicht gilt als Symbol für drohende Gefahr.
Außerdem trifft die Pequod auf die Rachel, die Moby-Dick gesehen und gejagt hat und dabei ein Boot verlor, auf dem auch der junge Sohn des Kapitäns war. Doch Ahab verweigert jegliche Hilfe (auch wenn es ihm sichtlich schwer fällt), da er keine Zeit verlieren will. Ahab wird immer deutlicher als innerlich zerrissener Mann dargestellt. Schade, dass das erst jetzt verdeutlicht wird. Er vergießt sogar scheinbar eine Träne am letzten Morgen vor der Jagd: Es ist ein ruhiger, wunderschöner Tag. Er unterhält sich mit Starbuck über die Familie, die daheim auf ihn wartet. Jap, Ahab ist verheiratet. Doch auch jetzt kann ihn Starbuck nicht von seinem Plan abhalten. Doch er wirkt verzweifelt. Er versteht nicht, warum er Moby-Dick töten muss, aber er kann nicht abbrechen.

Ahab scheint nicht mehr zu schlafen, sondern hält nun Tag und Nacht Ausschau. Bald kann er Moby-Dick riechen und korrigiert den Kurs seiner Nase folgend. Ein weiteres Zeichen seines Wahns? Oder seines Genies?

Und dann: der Wal ist in Sicht! Ishmael beschreibt Wasser und Wal als schön und friedlich. Doch sobald die Pequod Interesse bekundet, greift Moby-Dick an und ist sehr geschickt darin, nicht nur den Harpunen auszuweichen, sondern die Waffen der Menschen auch gegen sie einzusetzen. Er verwirrt die Fangleinen so, dass die Boote sich rammen und kippen. Er taucht und stößt Ahabs Boot in die Höhe, was Ahabs Bein entzwei bricht. So liefern sie sich ein Gefecht, dass drei Tage dauert. Zwischendurch entkommt der Wal immer wieder.

Am zweiten Tag geht Fedallah verloren. Ahab erinnert sich an Fedallahs Vorhersage, dass er nochmal auftauchen wird, bevor Ahab stirbt.
Am dritten Tag hat die Pequod den Wal in der Nacht überholt, sodass er nun sie jagt. Ahab ahnt das Ende: Er verabschiedet sich von Starbuck und besteigt sein Boot. Da erblickt er Fedallahs Leiche: Sie ist in einer der Fangleinen an Moby-Dicks Leib verfangen. Da nur noch Ahab ein Boot hat, jagt er den Wal allein mit wenigen Männern. Moby-Dick rammt das Boot. Drei Mann gehen über Bord, zwei können sich retten. Die Männer an Deck sind zu Salzsäulen erstarrt. Ein weiterer Habicht taucht auf und reißt die Schiffsflagge der Pequod ab. Ahabs letzter Befehl ist das Anschlagen einer neuen Flagge. Ahab betrauert, nicht mit seinem Schiff untergehen zu können, und wirft voll Hass die Harpune auf Moby-Dick. Er trifft, doch die Leine schlingt sich um Ahabs Hals. Er geht mit dem Wal unter. Zack und weg. Tashtego nagelt einen (oder denselben) Habicht dabei mit an den Hauptmast. Die gesamte Crew verbleibt zu Salzsäulen erstarrt auf dem sinkenden Schiff und verschwindet so schweigend.

Und wo war Ishmael die ganze Zeit? Stellt sich heraus: Er ist der dritte Mann, der aus Ahabs Boote geworfen wurde und nicht mehr hinein kam. An Queequegs Sarg geklammert, überlebt er. Die Rachel, immer noch auf der Suche nach dem Sohn des Kapitäns, findet ihn. Dieser Epilog soll in der Erstausgabe von Moby-Dick gefehlt haben. Ob Melville den Logikfehler erst danach bemerkte oder ob er Ishmaels Rettungsstory im Unklaren lassen wollte, bleibt wohl ein Rätsel.

Viel ist in diesem letzten Teil passiert, darum will ich mein Fazit in einen eigenen Post packen. Den schreibe ich nach meinem Urlaub in zwei Wochen. Bis dann!

Science! Curse thee, thou vain toy. Moby-Dick Leselog 09

Moby-Dick Leselog{102-123}

Wir segeln geradewegs auf den Höhepunkt zu! Ich gebe es zu: Es wird auch Zeit. In diesem Abschnitt war aber echt mal was los. Der Konflikt baut sich auf, Spannungen zwischen Ahab und Starbuck und der Crew und Ahab nehmen zu und die Pequod wird von einem Typhoon erfasst! So viel war im ganzen Buch noch nicht los.

Mein Highlight war ein Kapitel, in dem Starbuck in Ahabs Kabine tritt, wo der Kapitän schläft. Er erblickt Ahabs Musketen und erwägt kurz Mord, um alle vor Ahabs Wahn zu retten. Ein echter interner Konflikt! Starbuck wäre ein wirklich interessanter Protagonist gewesen.

Ansonsten dreht Ahab langsam echt durch. So verliert er die Geduld mit seinem Quadranten, da dieser ihm ja doch nicht Moby-Dicks Standort nennen kann. Also zerstört er das Instrument. Immer eine gute Idee auf dem offenen Meer. Vor allem weil das Meer sich direkt im Folgekapitel zu rächen scheint:
Ein Typhoon überrascht das Schiff, der Sturm reißt die Segel los, der Kompass spielt verrückt (notabene: damit kann Ahab erst mal nicht mehr Moby-Dick jagen) und die Blitze um das Schiff lösen eine sagen wir mal leichte Panik der Crew aus. Doch nichts ist so bedrohlich wie Ahab, der alle an ihren Eid erinnert, den Weißen Wal zu töten. Zur Bekräftigung pustet er eine kleine Flamme am Ende seiner Harpune aus. Ja, alles ist bedeutungsschwer in diesem Abschnitt. Die Harpune müsste die sein, die er wenige Kapitel zuvor mit dem Schmied angefertigt hatte – und nicht im Namen des Vaters, sondern im Namen des Teufels segnete!

Das Schöne dabei: Es gibt trotzdem zwischendurch kleine lustige Einschnitte. Zum Beispiel gibt es ein Minikapitel mitten im Typhoon, in dem Tashtego in gebrochenem Englisch das Ende des Donnerns und stattdessen eine Flasche Rum fordert. Und dann trifft die Pequod wieder mal ein anderes Schiff: Auf der Bachelor ist man gut gelaunt und gesellig, nachdem man erfolgreich Wale gejagt hat. Ahabs Reaktion war einfach zu schön! So nach dem Motto „Macht bloß, dass ihr wegkommt“ 🙂 So viel Frohsinn ist nicht seins.

Was sonst so geschah: Ahab bekommt ein neues Bein. Queequeg wird krank und denkt er stirbt. Dann erinnert er sich einer ausstehenden Erledigung und ist prompt wieder fit. Es gibt auch ein schön atmosphärisches Kapitel, in dem Ahab und Fedallah nachts einen verendeten Wal bewachen und über den Tod sprechen. Dabei macht Fedallah viele Andeutungen zu Ahabs Ende. Der Boss der von Ahab angeheuerten Meute wird aus irgendeinem Grund nur noch „der Parse“ genannt. Ist wohl mysteriöser.

Ich wünschte, in dem Stil wäre das ganze Buch gehalten! Also mehr Abenteuer und meinetwegen auch düstere Vorausdeutungen. Und weniger Quatsch über Walfang. Wofür diese Kapitel gut sein sollen ist mir immer noch nicht klar. Es wäre ein viel besseres Leseerlebnis für mich geworden. Und ich denke, ich hatte auch eher mehr Abenteuer erwartet. Aber wir sind ja noch am Ende angekommen. Das kommt in der nächsten Woche. Darauf bin ich erst mal zwei Wochen in Irland, abder danach will ich noch mal ein „Fazit“ des Leselogs schreiben.

Random Quotes

  • „To produce a mighty book, you must choose a mighty theme.“ – Ishmael, natürlich.
  • „There is one God that is Lord over the earth, and one Captain that is lord over the Pequod.“ – Ahab, logischerweise.
  • „Top-heavy was the ship as a dinnerless student with all Aristotle in his head.“ Keine Ahnung, wrr das gesagt hat, aber es ist allemal ein lustiger Vergleich.

An allegorical meaning may lurk here. Moby-Dick Leselog 08

Moby-Dick Leselog 08

{Kapitel 88-101}

Endlich erkenne ich mal den Sinn eines Exkurses! Es wird erklärt, wie Walfänger das Vorrecht auf einen Wal regeln. Hat eine Crew den Wal schon festgemacht, gehört er ihr (Fast-Fish). Schwimmt er noch, ist er Freiwild (Loose-Fish). Easy.

Und dieses Wissen braucht man, um eins der folgenden Kapitel voll zu vestehen. Das sich als besondes unterhaltsam herausstellte. In dem trifft die Pequod auf einen französischen Walfänger, den man zehn Meilen gegen den Wind riechen kann, denn ein verendeter Wal befindet sich im Schlepptau. Ironischerweise heißt das Schiff „Rosebud“. Stubb (der erste Maat) spricht mit dem einzig englisch sprechenden Matrosen an Bord, der den Kapitän holt. Stubb wirft ihm wüste Beschimpfungen an den Kopf und der Matrose tut so, als übersetze er; man solle den Wal bloß losmachen, sonst würde die Crew bald tödlich krank. Der Kapitän tut wie ihm geraten. Kaum ist das Schiff weg, macht sich Stubb über den nun Loose-Fish her, denn im Inneren von kranken Walen findet sich ein wertvoller Stoff: ambergris.

Weitere Anekdoten dieses Abschnitts beinhalten die Story, wie Pip seinen Verstand verlor (diese Geschichte wurde bereits in den ersten Kapiteln vorausgedeutet); wie Ahab und dann der Rest der Crew nacheinander die magischen Symbole auf der Dublone zu entziffern versucht, die auf den Weißen Wal ausgesetzt sind; und eine weitere Begegnung mit einem Schiff. Dabei trifft Ahab auf einen weiteren Moby-Dick-Veteran; dieser ist leicht an einem Walbein-Arm zu erkennen. Doch Ahab und der andere ergeben kein dynamisches Duo, der andere fragt sogar den düsteren Fedallah, ob Ahab verrückt sei. Der legt zur Antwort nur einen Finger vor seinen Mund. Sehr subtil.

Also jede Menge Andeutungen und scheinbar metaphorische Geschichten – tatsächlich mochte ich diesen Abschnitt insgesamt wieder mehr. Doch einen Part habe ich noch verschwiegen. Zwei Kapitel sind nämlich doch recht deftig, wenn man es darauf anlegt. Bei der Verarbeitung des Wals muss die Crew mit den Händen den Wal-Blubber kneten, damit er nicht zu fest wird. Das Ganze gerät zu einer transzendentalen Massenorgie, wenn man Ishmaels Worten glauben kann:

Squeeze! squeeze! squeeze! all the morning long; I squeezed that sperm till I myself almost melted into it; I squeezed that sperm till a strange sort of insanity came over me; and I found myself unwittingly squeezing my co-laborers’ hands in it, mistaking their hands for the gentle globules. Such an abounding, affectionate, friendly, loving feeling did this avocation beget; that at last I was continually squeezing their hands, and looking up into their eyes sentimentally; as much as to say,—Oh! my dear fellow beings, why should we longer cherish any social acerbities, or know the slightest ill-humor or envy! Come; let us squeeze hands all round; nay, let us all squeeze ourselves into each other; let us squeeze ourselves universally into the very milk and sperm of kindness.

Ich lasse das mal unkommentiert, denn das direkt folgende, sehr kurze Kapitel musste ich in der Tat zweimal lesen, um einen Fehler meinerseits auszuschließen: Darin wird der tote Wal um seinen Penis erleichtert, der gehäutet wird und dessen Haut danach zu einem (Achtung) Umhang verarbeitet wird! Ein Penisfrack. Welche Drogen hatten die eigentlich zu Melvilles Lebzeiten?! Oder ist das am Ende noch historisch? Ich glaube, ich will es gar nicht wissen. (Mit den Walschlachtungskapiteln steht es mir jedenfalls bis hier.)

I try all things; I achieve what I can. Moby-Dick Leselog 07

Moby-Dick Leselog{Kapitel 71-87}

Gleich sieben Kapitel zu äußerlichen Eigenschaften von Pottwalen konnte ich diesmal lesen. Besonders beschäftigt Ishmael die platte Front des Wales, die jegliches Sinnesorgane entbehrt. Außerdem spekuliert er ewig, was der Wal eigentlich versprüht: Ist es Wasser, Nebel oder vielleicht sogar sein eigener Atem?! Auch der Schwanz des Wals bekommt ein eigenes Kapitel (Spoiler: Er ist enorm).

Weitere Fakten und Thesen rund um den Walfang / Ishmaels Cetologie werden erörtert: So gibt es ein Kapitel zum „Heidelberger Fass“ – den Teil des Walkopfs, in dem der vermeintliche „Sperm“ lagert – und zwei „Bonuskapitel“ zu St. Georg und Jonah und den Wal. Den musste die Geschichte ja auch schon mindestens die letzten 20 Kapitel entbehren. St. Georg, der Drachentöter, dagegen ist neu. Es könne auch sein, dass er stattdessen einen Wal erlegt habe und ein Seepferd ritt. Sehr schönes Seemannsgarn, Herr Ishmael. Da hat wohl einer zu viel Grog genossen.

Die restlichen Kapitel erzählen anekdotenhaft von Geschehnissen an Deck der Pequod. Einmal zum Beispiel fällt ein Harpunier in das Heidelberger Fass, was lebensgefährlich ist. Ein zweiter stürzt beim Versuch der Rettung hinterher. Doch wie immer ist Queequeg zur Stelle und rettet beide. Auch in einer Art Anekdote erfährt man von dem Gerücht, Ahab habe einen Pakt mit dem Teufel gemacht. Der Anführer seiner privat angeheuerten Mannschaft, Fedallah, soll dieser Teufel sein. An einer Stelle scheint er keinen Schatten zu haben, ein schön gruseliges Bild.

Zwei Treffen mit anderen Walfängern werden geschildert: Zuerst begegnet die Pequod der Jeroboam, auf der eine Epidemie ausgebrochen ist. Die abergläubische Mannschaft wird inzwischen nicht mehr vom Captain, sondern einem scheinbar wahnsinnigen Seemann geführt. Der hält sich für den Erzengel Gabriel. Dabei schien er noch beim Anheuern ganz normal. Nun glaubt die Crew, er schütze sie vor der Krankheit. Der Prophet bescheinigt Ahab wortreich das baldige Verderben und ist allgemein nicht sehr feinfühlig.

Das andere Treffen ist auch nicht erfreulicher: Der deutsche Walfänger „Jungfrau“ erweist sich als jungfräulich im Walfang – kein Tropfen Öl ist an Bord. Als eine Walschule kreuzt, stürzen sich sowohl die Deutschen als auch die Nantucketer darauf. Es gibt ein Riesengemenge im Wasser und ein alter Pottwal kommt grausam zu Tode. Zu Ishmaels Verteidigung sei gesagt, dass er bei der Jagd auch (aber nicht ausschließlich) Mitleid mit dem großen Wesen empfand.

In dem letzten Kapitel wird die Pequod von Piraten gejagt und jagt danach selbst Wale – die jeweils Verfolgten entkommen. Ob das wohl eine Art Rechtfertigung sein soll? So nach dem Motto: Die Walfänger haben auch kein leichtes Spiel?

Insgesamt frage ich mich langsam, ob es überhaupt noch mehr Hintergrund zu irgendjemandem geben wird, vor allem natürlich zu Ahab. Da hatte ich mir definitiv mehr zu vorgestellt. Andererseits ist der Erzählton meistens heiter-unbeschwert, wodurch sich viel unterschwellige Ironie ergibt. Soviel zum Ausgleich.

Random Quote

Midwifery should be taught in the same course with fencing and boxing, riding and rowing.

Ishmaels Kommentar zu Queequegs so erfolgreicher Rettungsaktion der beiden Harpuniere aus dem glitschigen Walschädel. Was für ein charmanter Vergleich.

The full awfullness of the sea. Moby-Dick Leselog 06

Moby-Dick Leselog

{Kapitel 54-70}

Ich dachte, ich teile an dieser Stelle mal meine Notizen zum Buch. Damit ich den Überblick behalte, mache ich mir nach jedem beendeten Kapitel eine kurze Notiz zum Inhalt desselben. Am Anfang des Buchs war das noch schwierig, weil Dinge passiert sind. Inzwischen … sehe ich das locker.

  • 54 ellenlange Story in der Moby-Dick einen Seemann verspeist
  • 55  alle falschen Darstellungen von Walen
  • 56 Darstellungen von Walen in Büchern
  • 57 noch mehr Waldarstellungen!
  • 58 die gefährliche See (Athmo!)
  • 59 nächtliches Treffen auf den Squid
  • 60 Exkurs Walfangleine
  • 61 Stubb fängt einen Wal
  • 62 Harpuniere sollten nicht rudern müssen
  • 63 Teil an dem die Harpune festgemacht sind
  • 64 Stubb will Walsteak; der unfähige Koch wird gescholten
  • 65 über das Essen von Walen und warum es nicht schlechter ist als andere Steaks
  • 66 nachts Walleiche vor Haien schützen
  • 67 Beginn der Verarbeitung des Wals
  • 68 Walhaut (groß! Und ekelig)
  • 69 Was vom Wale übrig blieb
  • 70 Ahab versucht, dem toten Wal sein Geheimnis zu entlocken (k.A. was)

Moby-Dick wird weiterhin als menschenfressender Wal dargestellt, sodass ein Sinn von Suspense entsteht, ohne dass es einen Kriminalfall dazu gäbe. Echt interessant, das. Dafür schieben sich immer wieder eher zähe Exkurse zu Einzelheiten an einem Walfängerschiff dazwischen oder Vorgehensweisen bei der Jagd. Die ganzen Details zur Verarbeitung des Wals waren für mich als Vegetarier wirklich abstoßend und ich habe nicht so genau aufgepasst wie sonst. Im Grunde wollte ich nur, dass das Thema endlich zu einem Ende kommt.

Sowohl Queequeg als auch Ahab tauchen nur am Rande auf und selbst der Erzähler Ishmael tritt meist in den Hintergrund, wenn er von dem Leben auf See berichtet. Das sorgt für zusätzliche Längen, denn meistens sind die Kapitel ohne Dialog. Eine schöne Ausnahme war die Unterhaltung zwischen Stubb und dem Koch. Stubb hat gerade einen Wal gefangen und verlangt nun (mitten in der Nacht) ein Stück davon als Steak. Dem Koch gelingt es nicht und Stubb gibt ihm auf seine humorvolle Art zu verstehen, dass er wohl kaum ein Koch sei, wenn das vor ihm ein Steak sein solle. Sein Rezept:

Hold the steak in one hand, and show a live coal to it with the other; that done, dish it; d’ye hear?

Am seltsamsten aber war das 54. Kapitel, „The Town-Ho’s Story“. Es ist eine Geschichte in einer Geschichte in einer Geschichte: Ursprünglich haben Walfänger der Town-Ho die Geschichte im Vertrauen an einen Harpunier der Pequod weitergegeben. Der hat aber im Schlaf geredet und musste dann später wach die Lücken füllen. Das Kapitel ist aber als Protokoll einer Unterhaltung zwischen Ishmael und Seemännern in Lima geschrieben, denen er die Story zwei Jahre nach seiner fatalen Reise erzählt.

Durch ein mysteriöses Leck muss die Town-Ho den nächsten Hafen aufsuchen. Durch viele, viele Wirren hinweg gibt es ein direktes Treffen auf Moby-Dick, der einen der Anteilseigner verschlingt. Ich weiß einfach nicht, was mir dieses Kapitel sagen will, denn jede Figur, die hier auftaucht, hat Dreck am Stecken. Der Wal als eine Art göttliche Rachefigur fällt also raus, weil jeder ein Täter ist, aber nur einer getötet wird. Puuh, da fällt mir einfach nix zu ein.

Random Quote

(über den abgetrennten Walkopf von Stubbs Fang): The head looks a sort of reproachfully at him, with an „Et tu Brute!“ expression.

I tell you, the sperm whale will stand no nonsense. Moby-Dick Leselog 05

Moby-Dick Leselog{Kapitel 42-53}

In diesem Abschnitt philosophiert Ishmael über die Farbe Moby-Dicks (Quintessenz: weiß ist böse. Jedenfalls immer dann, wenn es gerade passt). Da kommen dann doch sehr unschöne Ansichten zu Menschen mit Albinismus durch. Und wieder ein schöner Patzer: weiß wird als Absenz der Farben beschrieben – einer von vielen Näherungsversuchen, warum weiß so abstoßend sei. Aber auch da hat Ishmael einen Knick in der Optik (Wortspiel mit bestem Wissen und Gewissen beabsichtigt).

Aber genug davon. Im Grunde wechseln sich hier zwei Handlungsstränge ab, wenn man so will. Der eine ist eine Introspektive zu Walen, Walfang und Ahabs Gemüt. Alles sehr weitschweifig und etwas finster. Sowohl die Wale als auch Ahab kommen aber im Grunde zu kurz; es wird nur spekuliert und angedeutet, zum Beispiel scheinen Ahab Alpträume zu plagen, da man nachts seine Schreie hört. Aber wirklich zu Greifen bekommt man diesen seltsamen Käpt’n nicht.

Was ich noch nicht erwähnte: Ich hatte ja schon mal gesagt, dass mir Behinderungen als Mittel, um Sünden an Figuren sichtbar zu machen, immer unangenehm auffallen. Auch bei Ahab mit seiner Narbe und dem Elfenbeinbein (stimmt so) ist das so. Aber immer wieder redet die Crew über dieses Bein und dass es irgendwie nicht weniger, sondern mehr aus Ahab macht. Es ist sozusagen keine Behinderung, sondern so was wie ein Ritterschlag. Eine interessante Art, Ahabs Figur zu vertiefen – wenn auch wieder nur durch die Sicht anderer.

Aber zur Action: Während dem Wachdienst hört ein Crewmitglied Geräusche unter Deck. Keiner glaubt ihm, dass er dort Menschen gehört hat. Als die erste Waljagd losgeht, löst sich das Rätsel: Ahab hat fünf bisher versteckte Besatzungsmitglieder aus eigener Tasche angeheuert, um bei der Jagd live dabei sein zu können. Die Schiffsanteileigner waren nämlich, wegen des Beins, dagegen, dass Ahab sich selbst beteiligt. Doch mit seinen eigenen Leuten lässt er ein Boot zu Wasser und macht auf eigene Verantwortung mit. Skandal an Bord der Pequod!
Nach diesem Erlebnis – dem Chaos, den „wilden Bestien“, der Lebensbedrohung – macht Ishmael sein Testament. An so kleinen Dingen merkt man Ishmaels Naivität: Er ist nicht so erfahren, wie er vorgibt. Durch später erworbene Expertise peppt er die Geschichte auf, kann sein Unwissen aber nicht ganz verdecken.

Zuletzt wird noch ein Treffen mit einem anderen Walfänger beschrieben und wie die Kommunikation komplett scheitert beim Versuch, sich über Neuigkeiten auszutauschen. Ishmael berichtet über die Gepflogenheiten in so einem Fall und Ahabs Weigerung, ihnen Folge zu leisten. Wer im Wahn einen Wal jagt, der hat keine Zeit für Höflichkeiten.

Random Quotes

It was the whiteness of the whale that above all things appalled me.

Das hier mag ich: Though in many of its aspects this visible world seems formed in love, the invisible spheres were formed in fright.

Ahab, der Besessene: Therefore, the tormented spirit that glared out of bodily eyes, when what seemed Ahab rushed from his room, was for the time but a vacated thing, a formless somnambulistic being, a ray of living light, to be sure, but without an object to colour, and therefore a blankness in itself.

Ein weiser Rat Ishmaels an alle Kerzenliebhaber: For God’s sake, be economical with your lamps and candles! not a gallon you burn, but at least one drop of man’s blood was spilled for it.

Nach der ersten Jagd: Now then, thought I, unconsciously rolling up the sleeves of my frock, here goes for a cool, collected dive at death and destruction, and the devil fetch the hindmost.

Diskussion um Ahabs Bein: “If his leg were off at the hip, now, it would be a different thing. That would disable him; but he has one knee, and good part of the other left, you know.” – “I don’t know that, my little man; I never yet saw him kneel.”

Deweys 24 Hour Readathon April 2017

Dewey 24 hour readathon April 2017So … in wenigen Minuten geht es los! Ich habe schon meine Leseecke vorbereitet, den Bücherstapel und Snacks griffbereit und warte jetzt nur noch auf den „Gong“. Um 14 Uhr startet für mich der erste 24-Stunden-Lesemarathon meines Lebens 🙂

Ich werde im Verlauf des Lesemarathons hier und auf Twitter über meinen Stand berichten. Allen Teilnehmern wünsche ich viele schöne Lesestunden!

Samstag, 17 Uhr: Buch eins beendet!

Gerade bin ich mit Die Seltsamen von Stefan Bachmann fertig geworden. Mein Eindruck während dem Lesen hat sich bestätigt: Kein Lesehighlight für mich, aber ein paar schöne Ideen und Wendungen.

Zwischendurch habe ich auch etwas auf dem Balkon gesessen. Jetzt möchte ich, mit einem Hörbuch bewaffnet, einen kleinen Spaziergang machen, denn das Wetter ist doch noch schön geworden. Ich werde Further Chronicles of Avonlea von L.M. Montgomery hören. Die erste Geschichte habe ich gestern schon gehört und es ist wieder der typische Montgomery-Ton, den ich so gemütlich finde und auf den ich mich freue. Zwischendurch habe ich auch ein wenig in Han Kangs Die Vegetarierin gehört, ein wuchtiges Buch.

Übrigens kann ich im Moment zwei weitere Teilnehmer im deutschsprachigen Raum ausmachen: Natürlich Neyasha und dann noch Taaya.

Samstag, 20:30 Uhr

Deweys Readathon WetterIn der Zwischenzeit bin ich mit meinen Hörbüchern weitergekommen, die mir beide gut gefallen, und habe einen Comic über die jüdische Gemeinde in Rendsburg gelesen und beendet. Vor allem Montgomery’s Kurzgeschichten reißen mich gerade mit. Die bekannten Namen und wiederkehrenden Themen sind zwar nicht originell, aber es ist ein bisschen wie nach Hause kommen, weil ich alles schon so gut kenne, ohne exakt diese Geschichten bereits gelesen zu haben.

Als nächstes nehme ich mir doch mal Die Schule der Rätselmeister vor.

Samstag, 23:00 Uhr

Ich habe mich jetzt in mein Bett verkrochen und bin inzwischen fast halb fertig mit Die Schule der Rätselmeister. Beim zweiten Anlauf ist es doch viel unterhaltsamer, auch wenn der Einstieg mit all den Namen und Orten echt schwierig war. Ich werde noch ein wenig weiterlesen und mich dann aufs Ohr hauen. Daher melde ich mich erst wieder morgen früh. Gute Nacht!

Sonntag, 09:00 Uhr

Frühstück und Patricia McKillip!

Deweys readathon Frühstück

Sonntag, 12:00 Uhr

Ich bin gerade fertig geworden mit Die Schule der Rätselmeister und es hat mir wirklich gut gefallen! Nachdem ich den etwas schwierigen Anfang überwunden hatte und eigentlich nicht viel erwartete, entfaltete sich eine immer komplexer werdende Geschichte. Das Buch ließ sich nicht so schnell lesen, wie für einen Lesemarathon passend wäre, aber ich bin trotzdem froh, es jetzt und in einem Rutsch gelesen zu haben.

Als nächstes will ich Further Chronicles of Avonlea beenden, womit ich in der Zwischenzeit schon zu zwei Dritteln durch bin. Und dann lese ich entweder noch etwas in Rejected Princesses oder Moby-Dick oder ich fange doch noch mit Maus an – im Moment kann ich mich nicht entscheiden!

Sonntag, 14:00 Uhr

Und schon ist der Readathon zu Ende! Leider bin ich nicht mehr ganz fertig geworden mit Further Chronicles of Avonlea, mir bleiben noch an die 40 Minuten. Beim Hören habe ich das Wohnzimmer auf Vordermann gebracht und so noch etwas Nützliches geschafft 🙂

Während Dewey’s habe ich insgesamt gelesen:

Die Seltsamen (vor Dewey’s begonnen, beendet): 184 Seiten
Die Schule der Rätselmeister (beendet): 246 Seiten
Rendsberg Prinzessinstraße (beendet): 54 Seiten
Die Vegetarierin (vor Dewey’s begonnen): 21-58/108 = 1:48 h
Further Chronicles of Avonlea (vor Dewey’s begonnen): 3-26/30 = 5:35 h

Insgesamt 484 Seiten und 7 Stunden und 13 Minuten Hörbuch habe ich in dieser Zeit verschlungen. Ich war wohl etwas über 17 Stunden aktiv dabei.

Es hat mir viel Spaß gemacht, mich mal in aller Ruhe allein aufs Lesen zu konzentrieren. So kam ich auch zu Titeln, die ich ein wenig vor mir hergeschoben habe; siehe McKillip. Ich habe immer noch keine Ahnung,m wie es einige Teilnehmer schaffenm, 24 Stunden ohne Schlaf auszukommen und noch zu kapieren, was sie da lesen und werde es wohl nie selber probieren, aber ich bin hoffentlich beim nächsten Mal im Oktober wieder mit dabei 🙂

So, und jetzt höre ich noch mein Hörbuch zu Ende und wer weiß, vielleicht lese ich dann einfach auf dem Balkon weiter!