Advent, Advent: 3. Advent 2017

Der Monat ist so viel stressiger als erwartet, dass ich letzte Woche nicht mal zu einem Blogpost gekommen bin. Ich schleppe eine Erkältung mit mir rum, die weder weichen noch richtig raus will und auf der Arbeit drehen gerade alle Kunden durch. Ich war auf keinem Weihnachtsmarkt, musste die Geschenke online bestellen und wir haben es bislang nicht geschafft, die Weihnachtsdeko hochzuholen oder mal in Ruhe Weihnachtsmusik zu hören. Kurz: Es weihnachtet ganz und gar nicht.

So viel zu meiner Lage. Trotz allem will ich noch versuchen, hier etwas zur Ruhe zu kommen. Dafür ist das Vorweihnachtslesen natürlich wie geschaffen. Da ich mehr oder weniger außer Gefecht gesetzt bin, heißt das vor allem lesen und Filme anschauen, aber ich will endlich mal besagte Deko raufholen, das kann ja nur helfen.

Ich lese gerade Subliminal von Leonard Mlodinow, ein Sachbuch über das Unbewusstsein. Es ist mega spannend und erschüttert mein Weltbild (wie jedes gute Buch). Das schmökere ich gerade mit großer Freude Die Brücke der Vögel von Barry Hughart, ein älterer Fantasyroman, der eigentlich mehr Bekanntheit verdient. Zuguterletzt höre ich gerade zwei Hörbücher: Lolita, gelesen von Jeremy Irons (genial), und Ready Player One. Bin bei Spotify drüber gestolpert und konnte nicht widerstehen (gelesen hatte ich es mal schon vor einigen Jahren).

Update 17:30 Uhr

Ich habe weiter Lolita angehört und bin tatsächlich zwischendurch weggedöst 🙂 Zu Die Brücke der Vögel bin ich leider noch nicht gekommen, eigentlich bin ich gespannt, was als nächstes passiert. Ich hatte aber erst mal vor, baden zu gehen, und auch wenn mir noch nie im Leben ein Buch ins Wasser gefallen ist, bin ich doch zu groggy, um zuverlässig ein Buch festzuhalten.

5 essentielle Weihnachtsfilme

Zu Weihnachten gehören Kerzen, Gebäck – und natürlich Weihnachtsfilme!

Diese vollkommen subjektive Liste enthält meine aktuellen 5 Lieblingsfilme rund um Weihnachten. Nicht jeder Film ist ein richtiger Weihnachtsfilm, aber es weihnachtet doch ordentlich in ihnen. Die Anzahl hat sich übrigens einfach so ergeben, die Liste ist also nicht gekürzt oder so.

Weiße Weihnachten (1954)

Der traditionelle Film zu Weihnachten in meiner Familie. Das Musical wartet mit großartigen Liedern und Choreographien auf, und die Kostüme! Zum Verlieben. Bing Crosby und Danny Kaye spielen darin zwei durch den Zweiten Weltkrieg zusammengeschweißte Bühnenkünstler, die weibliche Kontraparts suchen. So treffen sie auf die (natürlich unwiderstehlichen) Schwestern Betty und Judy (Rosemary Clooney und Vera Ellen). Zu viert sollen sie in einem Vermonter Hotel auftreten, wenn auch mangels Schnee die Gäste ausbleiben. Der Herbergsvater ist aber kein geringerer als ihr alter General. Der fristet ein einsames und bescheidenes Leben, am Rande des Existenzminimums sozusagen. Die Exsoldaten schmieden einen Plan, um dem Alten ein wunderbares Weihnachtsfest zu bereiten und sein Hotel zu retten. Echtes Wohlfühlkino also, wenn auch stark patriotisch gefärbt. Altes Hollywood halt.

Und täglich grüßt das Murmeltier (1993)

Ja, ich weiß, Groundhog Day ist im Februar, aber ich verbinde diesen Film nunmal mit Weihnachten. Ich glaube, das war auch wirklich einer der typischen Im-Dezember-im-Fernsehen-Filme, früher. Ich kann „I Got You Babe“ von Sonny und Cher gar nicht hören, ohne an Bill Murray zu denken. Als grumpiger Wettermensch erlebt er denselben Tag immer und immer wieder und lernt so, was im Leben wirklich zählt. Andie Macdowells glorreiches Haar nämlich. Klingt noch nicht weihnachtlich genug? Im Film werden auch Engel in den Schnee gemalt und ein Schneemann gebaut. Voilà.

Tatsächlich … Liebe (2003)

Okay, Hand hoch, wer hat diesen Film nicht gesehen? Wer seine Hausaufgaben noch nicht gemacht hat, sollte das dringend nachholen, denn weihnachtlicher geht es gar nicht. In acht lose verwobenen Geschichten erzählt Richard Curtis von der Liebe. Ein alleinerziehender Vater erlebt, wie sich sein Sohn zu ersten mal verliebt. Ein Pornodarsteller verliebt sich in seine Kollegin. Ein abgehalfterter Rocker erkennt in seinem Produzenten den einzigen Freund. – Und das alles in der Weihnachtszeit. War übrigens der erste Film, in dem mir Martin Freeman aufgefallen ist. Aber vom Cast sollte man erst gar nicht anfangen, denn der ist kaum zu übertreffen. Emma Thompson ist eine Göttin.

Edward mit den Scherenhänden (1990)

Auch das ist kein typischer Weihnachtsfilm, aber wenn ich in der ersten Szene den Schnee fallen sehe, krieg ich schon feuchte Augen. Und wo es um Schnee und Liebe geht, da ist der Weihnachtsfilm so gut wie gemacht. Es geht um Edward, die letzte Kreation von Vincent Pryce eines Gepetto-artigen Erfinders. Anstatt von Händen hat Edward Scheren – zu richtigen Händen reichte es nicht mehr. Edward ist unbedarft und herzlich – und wird darum, sobald er im Suburbia des Films ankommt, von den Vorstädtern ausgenutzt. Außenseitertum und Vorstadt, das sind typische Themen von Tim Burton, und hier bringt er sie für einen winterlichen wunderschönen Märchenfilm zusammen. Außerdem: Wynona Rider.

Stirb langsam (1988)

Der wohl einzige Actionfilm, den ich immer in Schutz nehmen werde, ist Stirb langsam. Ja, ich schaue ihn gerne im Advent, denn er spielt an Weihnachten. Damit ist er auch für die nicht so doll nach Weihnachten Verrückten die optimale Bespaßung. Bruce Willis in dieser Mutter aller Neunzigerjahre Actionfilme macht einfach Spaß. Die Bösewichte, im Original deutsche, in der deutschen Fassung russische Terroristen, genießt man am besten auf Englisch – ihr Deutsch ist einfach herrlich falsch („Schieß die Fenster!“). Übrigens war das Alan Rickmans erste Filmrolle. Klar gibt es einige Klischees, auf die ich verzichten könnte, aber noch heute ist es erfrischend, wie wenig sich der Film ernst nimmt.


Wie eingangs erwähnt: Die Liste ist rein subjektiv und eine Momentaufnahme. Erst gestern habe ich zum allerersten mal Drei Haselnüsse für Aschenbrödel gesehen. Herrje, wenn mir einer gesagt hätte, dass die gute Fee im Film eine Eule namens Rosalie ist, hätte ich mir das schon längst angeschaut! Aber da ich ihn erst seit so kurzem kenne, ist er nicht in der Liste. Trotzdem würde ich ihn nächstes Jahr wieder ansehen!

Ich kann mich erinnern, als Kind immer Hilfe es weihnachtet sehr, Zwei auf Reisen und das unvermeidliche Kevin allein zu Haus gesehen zu haben. Noch einen Film, den ich nachholen muss, ist natürlich der Muppets Weihnachtsfilm. Und Ist das Leben nicht schön.

Was sind denn eure aktuellen und vergangenen liebsten Weihnachtsfilme und was sollte ich mir unbedingt mal ansehen?

Advent, Advent: 1. Advent 2017

Advent, Advent Vorweihnachts-LesewochenSchon wieder Advent 🙂 Ich bin dieses Jahr echt froh drum, denn das fehlende Sonnenlicht schlägt mir aufs Gemüt und eine Heerschar an Kerzen und Lichtern wird da hoffentlich helfen 🙂 Und man lese und staune: Es schneit in Köln!

Nachdem wir gestern Abend auf einem Punkrock-Konzert gewesen sind, fühle ich mich heute etwas zerschlagen. Ich verordne mir Ruhe bei Buch und Film 🙂

Mein Plan für den Advent sieht denen der letzten Jahre wieder ähnlich:
Einfach nur lesen ohne Ablenkung: Ich finde es teilweise schwierig, mal länger am Stück Ruhe zum Lesen zu finden. Dabei ist das so entspannend. Wenn ich nur eine Stunde in der Woche schaffe, wäre das schon toll.
Sport: In den letzten 2 Monaten hatte ich zum Teil heftige Rückenprobleme. Regelmäßige Bewegung und Muskeltraining ist also angesagt. Mein Joggen musste ich allerdings einstellen, da das zu sehr auf den Ischias geht *hrmmmpf*
Ein zuckerfreies Backrezept ausprobieren: Meine Ma hat mich hierzu inspiriert. Ihre gluten- und zuckerfreien Vanillekipferl waren spitze.
Weihnachtsmärkte: Inzwischen bin ich richtiger Märktefan und freue mich wieder durchs weihnachtliche Köln zu schlendern.
Weihnachtliche Filme schauen: Das habe ich im letzten Jahr etwas vernachlässigt. Darum habe ich eine Liste essentieller Weihnachtsfilme zusammengestellt, die ich in der kommenden Woche auch mit euch teilen werde. Hoffentlich schaffe ich alle fünf Titel, von denen tatsächlich noch zwei in meiner Sammlung fehlen.
Geschenke in Ruhe besorgen: Wie jedes Jahr versuche ich, mir mit den Geschenken möglichst wenig Stress zu machen. Gerade, weil ich es eigentlich liebe, anderen Geschenke zu machen, und es die vorweihnachtliche Stimmung zerstört, wenn man das bis zum Anschlag vor sich herschiebt.

Ich wünsche schon mal einen schönen ersten Advent und melde mich später noch mal!


Update Lebenszeichen 18:45 Uhr

WeihnachtssternDer Tag ging wieder viel zu schnell um! Ich kann allerdings zufrieden verkünden, dass ich nach Herzenslust faul war. Morgen geht es schließlich wieder mit der Arbeit los, da kann ich vorher noch mal ordentlich ausspannen.

Ich habe gemütlich in A Song for Arbonne gelesen (ja, ich weiß … immer noch) und wir haben Midnight Special angesehen. Und dazwischen habeich Ausschau nach einem Radiohörspiel oder ener Lesung gehalten, die ein wenig weihnachtlicher ist als mein anderer Lesestoff. Und tatsächlich: Im MDR kommen gerade Weihnachtsgeschichten von Hans Fallada. Voilà Weihnachtslektüre.

Handsome Devil (2016)

Ned ist ein Außenseiter: An seinem Jungeninternat ist Rugby praktisch die Ersatzreligion, und Ned steht nicht auf Rugby. Er steht auf Punkrock und obskure New Wave Bands, in seiner Freizeit bringt er sich selbst Gitarre bei – und außerdem ist Ned offen schwul. Als zum neuen Schuljahr der neue Schüler und Rugby-Spieler Conor sein Zimmerkamerad wird, glaubt Ned, es kann nicht schlimmer werden.

Kennt ihr das, wenn ihr einen Film ohne große Erwartungen anseht und dann ist alles auf unaufgeregte Weise perfekt daran? Handsome Devil war für mich so ein Film.

Am Anfang des Films sehen wir Ned mit seinem Vater und der neuen Stiefmutter im Auto auf dem Weg zum Internat. Es ist klar, dass die Erwachsenen kein Interesse an den Nöten ihres Sprösslings haben. Sie leben – möglichst weit weg – in Dubai ihren zweiten Frühling oder so was. Ned bleibt ohne Unterstützung und Halt zurück. Die Torturen durch seine Mitschüler kennt er bereits. Ned glaubt, den Jackpot getroffen zu haben, da es zuerst so aussieht, als habe er ein Zimmer für sich allein. Als später Conor ihm zugeteilt wird, scheint es erstmal, als würden hier Welten kollidieren.
Mit der Zeit fassen die beiden allerdings Vertrauen zueinander: Eine ungewöhnliche Freundschaft entsteht.

Das hat auch der neue Englischlehrer mitzuverantworten. Dieser bringt deutlich frischen Wind mit in die verstaubten Internatshallen und versucht, interessierte Schüler auch abseits des Rugbyfelds zu fördern. Da kommen einem schon kurzzeitig Vibes aus Richtung „Der Club der toten Dichter“, aber so ist es glücklicherweise nicht, denn die Geschichte kennen wir ja schon.

Mit der Zeit lernt man nicht nur Ned und Conor besser kennen, auch der neue Lehrer Dan Sherry, der Rugby-Trainer Pascal und einige andere Figuren tauchen immer wieder auf und machen die Story realistisch und rund.

Andrew Scott (Sherlock, Pride) in der Rolle des Englischlehrers ist ein echtes Highlight des Films. Dan Sherry macht von Anfang an klar, wer in der Klasse das Sagen hat, doch er ist dennoch unkonventionell und verletzlicher, als es zunächst den Anschein hat. Wer den Iren vor allem als durchgeknallten Moriarty kennt, kann ihn hier noch mal ganz andere Saiten aufziehen sehen.

An Ned mochte ich seine Schlagfertigkeit: Er ist die Außenseiterrolle gewöhnt und kann sich durchaus wehren. Aus seinen Eigenheiten macht er kein Geheimnis und wird so zum Vorbild für so manch anderen um ihn.

Ich mag die reiche Welt, die der Film ohne großes Tamtam aufbaut; man könnte das auch Liebe zum Detail nennen. Das einfachste Beispiel ist wohl Neds Gitarre, auf der „This machine kills fascists“ steht. Es wird nie zum Thema, aber Kleinigkeiten wie diese Bob Dylan Referenz geben Handsome Devil mehr Atmosphäre und Tiefe.

Gleichzeitig ist die Geschichte denkbar übersichtlich und nicht sehr ausgefallen. Da der Film aber mit anderen Aspekten punktet, nenne ich das mal „unaufgeregt“. Innerhalb einer scheinbar ausgetretenen Geschichte zeigt Handsome Devil neue Aspekte.

Einigen Zuschauern ist Handsome Devil „nicht schwul genug“. Ich verstehe das als einen Mangel an Enthusiasmus darüber, dass die Figuren des Films zwar homosexuell sind, aber eben nicht darüber definiert werden. Was doch eigentlich ein Gewinn ist! Es geht eben um die vermeintlich kleinen Dinge, die man für selbstverständlich nimmt. Es geht um Freundschaft, die ungeschönten Erfahrungen des Erwachsenwerdens und die Frage, wer man im Leben sein will: Man selbst oder jemand, den andere unkompliziert und nett finden können.

Richard Matheson: I am legend

I am legend Richard MathesonRichard Matheson war mir kein Begriff, als ich I am legend mit Will Smith vor sechs Jahren gesehen habe. Ich fand den Film angemessen gruselig und etwas abwägig, aber nicht schlecht. Jetzt habe ich die Vorlage von 1954 gelesen und verstehe, warum so viele Fans entsetzt von der Umsetzung waren.

Im Roman entfaltet sich immer mehr das Bild einer Epidemie, die Menschen zu Vampiren macht und die Toten wieder aus den Gräbern kommen lässt. Es sei denn, man treibt ihnen einen Pflock durch’s Herz. Robert Neville, ein vollkommen unheroischer Mann mittleren Alters, scheint als einziger immun zu sein und verteidigt sich über Monate gegen die Horden Untoter vor seiner Tür. Diese wiederum scheinen mit der Zeit immer gewitzter zu werden. Es sind weder die Vampire aus romatisierenden Gothic-Geschichten noch hirnlose, nach Hirn gelüstende Zombies. Sie sind … anders.

Nun geht es in dem kurzen Bändchen aber vor allem um Robert Nevilles Beobachtungen: Nach der ersten Phase der Depression und Leugnung versucht er bald, mehr über die Krankheit herauszufinden. Er eignet sich viel medizinisches und technisches Wissen an, um diese neue Welt um ihn herum zu begreifen und möglicherweise eine Heilung für die noch lebenden Vampire zu finden.

Damit bleibt der Roman viel realistischer und auch ruhiger, als ich erwartet hatte. Man kommt schrittweise dem Protagonisten und den Ereignissen im Vorfeld der Erzählung näher. Ich muss sagen, ich würde sehr gerne über den Schluss des Romans reden, den ich genial und angebracht finde und der eine so ungewohnte Sichtweise verkörpert. Schade, dass gerade hier der Film eine andere Geschichte erzählt: Eine total ausgelutschte, unglaubhafte und uninteressante Heldenstory. Die nebenbei den Titel von Mathesons Roman komplett umdeutet.

I am legend ist kein Gruselschocker, der einen nicht schlafen lässt. Das Buch war spannend, aber eben mehr als ein Pageturner. Über die medizinischen Gründe und den Ablauf der Krankheit hat sich der Autor scheinbar viele Gedanken gemacht und mir somit die Möglichkeit gegeben, mich voll auf den Roman einzulassen. Ich musste nicht immer an Löchern in der Logik vorbeimanövrieren. Und diese Glaubhaftigkeit zieht sich durch alle Ebenen des Buchs: Robert Neville als Protagonist und Überlebender wider Willen ist ein komplexer Charakter mit Fehlern, der sich auf den 162 Seiten wandelt. Und sowohl seine Entwicklung als auch die Geschehnisse im Buch bleiben nachvollziehbar. Aber eben nicht, weil der Autor auf ausgetrampelten Pfaden geht, sondern weil I am legend in seiner internen Logik schlüssig bleibt. Ein echtes Highlight des Horrorgenres.