Jurassic Park: Dinos in Nahaufnahme

Wissenschaftsthriller. Ein Subgenre, von dem ich keine Ahnung habe. Und mein Dinowissen stammt aus „In einem Land vor unserer Zeit“ und der Filmfassung dieses Romans. Grob gesagt.
Grund für das Lesen: Ich wollte mal den Vergleich zu dem Spielberg-Film haben. Das Hörbuch war griffbereit. Oliver Rohrbeck hatte das Wort.

Muss man noch etwas zur Handlung sagen? Ein Superreicher kauft sich ein Spitzenteam zusammen und schafft es, aus DNA-Resten in Bernstein gefangener Mücken die Dinos wieder auferstehen zu lassen. Und weil es nichts besseres als den passenden Themenpark dazu gibt, kauft er sich auch eine unbewohnte Insel für diesen Zweck. Ein Forscherteam soll seine prüfenden Augen darauf werfen – und bangt bald um sein Leben.

Jurassic Park (oder Dino-Park, wie es vor dem Film hieß) war größtenteils unterhaltsam und sogar spannend, obwohl ich mit dem Film einen Großteil meines Lebens verbracht habe und somit die Handlung genau kannte. Der Film rafft die Handlung dabei auf geschickte Weise, sodass für mich im Buch zwar noch Neues zu entdecken war, das sich aber auf Einzelszenen beschränkte.

Oder doch: Sehr früh im Buch wird eine echt gruselig gewalttätige Szene geschildert. Ohne etwas verraten zu wollen, kann ich sagen, dass ich das nicht erwartet hatte.

Jetzt kann ich wertschätzen, was das Filmskript aus seinem Quellmaterial gemacht hat: Es strukturiert die Story deutlich cleverer und straffer und macht aus zwei Pappkartonfiguren weibliche Ensemble-Charaktere. Denn Crichton schert sich einen nicht sehr um seine weiblichen Figuren. Laura Derns Ellie ist einfach Professor Grants Studentin und die Kleine ist eine ungemeine Nervensäge ohne richtigen Daseinszweck. Da Crichton selbst auch eine Namensnennung als Drehbuchautor des Films erhielt, würde mich interessieren, welchen Anteil an der Entwicklung der weiblichen Rollen hatte.

Mit dem ganzen wissenschaftlichen Gefasel hatte ich jedenfalls meinen Spaß, vielleicht ist das dem Hörbuchformat geschuldet. Ich entsinne mich nämlich noch meiner unschönen Kollision mit Andy Weirs seitenweisen Experimentbeschreibungen in „Der Marsianer“ … bis heute konnte ich noch nicht den Mut aufbringen, mal einen von Kim Stanley Robinsons Romanen aufzuschlagen, der ja dafür bekannt ist, das mit der wissenschaftlichen Basis auf die Spitze zu treiben.

Lieblingsbuch: Circe von Madeline Miller

Und als Ausgleich für meinen Verriss im letzten Beitrag habe ich dieses Mal wieder eine uneingeschränkte Leseempfehlung auszusprechen: Circe von Madeline Miller! Dieses Jahr habe ich wirklich ein Händchen mit meinen Fantasy-Büchern 🙂

Circe von Madeline Miller, Hardcover-Ausgabe

Madeline Miller nimmt hier Fäden auf, die Homer, Hesiod und Platon ungenutzt liegen ließen, und erzählt die Lebensgeschichte der Zauberin Kirke, die von den Göttern buchstäblich auf eine einsame Insel verbannt wird. Circe wächst als Tochter des Sonnengottes Hesiod auf. Sie gilt weder als hübsch noch scheint sie göttliche Fähigkeiten zu besitzen, darum beachtet sie bald schon keiner mehr. Unbrauchbar zur Ehefrau und ehrfurchtgebietenden Herrscherin, ist sie das fünfte Rad am Wagen der Götterfamilie und wird als solches von allen missachtet und für ihre furchtbare Stimme gehänselt.
Doch entdeckt sie irgendwann ihr Talent für Hexerei, eine Fähigkeit, die die Götter als widernatürliche Konkurrenz fürchten. Und so muss Circe ihren eigenen Weg gehen, ohne eine andere Unterstützung als der Überzeugung, sich selbst treu zu bleiben. Eine epische Geschichte über Vetrauen in die eigenen Stärken gegen jeden Widerstand beginnt.

„You are a daughter of Helios, are you not?“ he said.

„Yes.“ The question stung. If I had been a proper daughter, he would not have had to ask. I would have been perfect and gleaming with beauty poured straight from my father’s source.

— Circe, S.21

Madeline Miller hat es geschafft, eine Randfigur der griechischen Mythologie nicht nur glaubhaft ins Zentrum zu rücken, sondern sie gibt ihr auch eine komplexe und aufrichtige Psyche. Obwohl ich die Geschichten von Kirke, Skylla, Odysseus und Telemachus schon kannte, habe ich mitgefiebert und gelitten. Besonders toll fand ich auch, dass Circe eine deutliche Entwicklung in dem Roman macht, von dem unsicheren, vernachlässigten und auch naiven Kind zu einer Frau, die weiß was sie will und den Preis dafür zu zahlen bereit ist. Im Laufe des Buchs lernt sie sich und ihre Fähigkeiten besser kennen und (ein-)schätzen. Zum Beispiel erfährt sie, dass ihre Stimme vollkommen in Ordnung ist: Es ist nur eine menschliche Stimme und als solche unpassend für eine Göttin. Darum wurde sie verspottet. Diese Entdeckung hat mir wie einige andere gut gefallen: Der Makel war nicht der Circes, sondern wurde von außen auf sie projiziert. Sie entspricht nicht der Norm, erkennt aber immer deutlicher, dass sie glücklicher ist, wenn sie einfach sie selbst ist.

Doch nicht nur Circes Handeln bekommt einen psychologischen Background, auch Odysseus wird hier, ohne dass es benannt wird, als Krieger mit posttraumatischer Belastung gezeigt. So wird aus seiner jahrelangen Irrfahrt nach Ithaka auch ein Ausdruck für seine Unfähigkeit, in ein normales Leben zurückzukehren. Wie sollte er auch, nach 10 Jahren Krieg?!

Ich werde mir auf jeden Fall meine private Ausgabe von Circe zulegen, denn ich weiß schon, dass ich diesen Roman sicher nochmal lesen will. Mit gezücktem Stift.

Die Säulen der Erde von Ken Follett (Spoiler: Ich mochte es nicht sehr)

Je mehr ich über das Buch nachdenke, desto weniger mag ich es. Zwar war es weit entfernt von den schlechtesten Büchern, die ich je gelesen habe, aber da ich in der Schule mal einen Groschenroman lesen musste, liegt die Messlatte auch recht hoch. Da Follett so beliebt ist, hatte ich deutlich mehr erwartet. Vor allem der Schreibstil war in meinen Augen nur so là là: In den letzten 30 Minuten des Hörbuchs fiel mir ganze sieben Mal das Wort „Entourage“ auf – als gäbe es hierfür keine Synonyme!

Ich muss zugeben, ein bisschen bin ich auch an meinem Unglück mit dem Kingsbridge-Wälzer schuld: Ich war davon ausgegangen, dass sich die Geschichte vor allem um den Bau der Salisbury Cathedral drehen würde. Was nicht stimmte. Hätte man zwar drauf kommen können („Kingsbridge“ …) aber ich hatte nun mal diese Falschinformation in meinem Hirn gespeichert.

Salisbury Cathedral (eigenes Foto)

Schlimmer aber war, dass ich in der Annahme, es gehe um Sakralbau, enttäuscht wurde. Das war nämlich der eigentliche Grund, warum ich Die Säulen der Erde lesen wollte. Dass lange vor der Industrialisierung Menschen diese großen schönen Gebäude hochzogen, buchstäblich mit Blut und Schweiß bezahlt, beeindruckt mich. Aber Follett interessiert sich nur wenig für die Wissenschaft hinter den schönen Fenstern, der Kirchenbau verkommt zum MacGuffin der Story. Zwar bekommt man ein bisschen was vom Übergang der Romanik zur Gothik mit und ich habe jeden Informationsfitzel über Buntglasfenster und Rippenbögen aufgesogen, aber auf beinahe 1300 Seiten war der Anteil daran sehr schmal. Klar, dass ich enttäuscht war, hier deutlich mehr Beschreibungen von weiblichen als architektonischen Rundungen zu finden. Und bis die überhaupt erst mal mit dem Bau anfangen …!

Mit der Zeit sind mir dann immer mehr negative Dinge aufgefallen: Nicht mal George R. R. Martin könnte so viele Vergewaltigungsszenen in einem Buch unterbringen und jeder der männlichen Figuren scheint eine unangenehme Faszination für weibliche Brüste zu hegen. Und der Hauptbösewicht ist ja mal so was von übertrieben! Er ist natürlich endlos brutal und kann nur Sex haben, wenn die Frau Todesangst hat. Wie einseitig und vorhersehbar! Durch solche Charakterisierungen (die auch für den Verlauf des Romans nicht wesentliche Entwicklungen durchmachten) hatte das Buch einige Längen, weil man das Verhalten der Figuren schon im Voraus berechnen konnte. Ohne allzu viele unbekannte Variablen.

Eine weitere Kritik, die eher auf meine Vorlieben zurückzuführen ist: Mir war nicht klar, dass der Protagonist mitten im Buch einfach mal ausgetauscht wird. Irgendwann bekam ich so das Gefühl, in einem dieser Endloswitze gefangen zu sein, wo man ewig auf die Pointe wartet, die es aber eigentlich nie die Zeit wert ist. Das gepaart mit ellenlangen Beschreibungen von Kreuzrippenbögen und nicht gerade hochliterarischer Sprache hat mir den Spaß gründlich verdorben.

Viel schlechter kann ein Leseerlebnis wohl kaum sein. Und wenn ich statt dem Hörbuch das Taschenbuch gelesen hätte und das Buch nicht auch Teil einer Goodreads-Diskussion gewesen wäre, ich wäre wohl kaum durch den ganzen Wälzer gekommen.