Hexe aus Überzeugung: Wicked von Gregory Maguire

Zuerst das Wichtigste: Ich wünsche allen ein frohes neues Jahr! Mögen wir viele Bücher und Filme entdecken, Zeit für Freunde und Familie haben und unser Bestes geben und dafür das Beste erhalten.
Ich wünsche mir, 2019 wieder mehr Rezensionen schreiben zu können, darum fange ich das Blogjahr direkt mal mit einer an:


Wicked habe ich vor einigen Monaten in meinem Try a Chapter Tag angerissen und musste es so bald wie möglich lesen.

Der Zauberer von Oz gehört zum öffentlichen Bewusstsein, er ist so sehr in der Popkultur verhaftet, dass man auch große Teile der Handlung kennt, selbst wenn man weder das Buch gelesen noch den Film gesehen hat. Meine erste Begegnung mit Frank Baums Buch war womöglich in einer Dennis the Menace Halloween-Folge, als ich gerade mal das Kindergartenalter erreicht hatte.

Antagonistin in Der Zauberer von Oz ist die böse Hexe des Westens, eine grünhäutige Einzelgängerin mit einer Armee geflügelter Affen auf ihrer Seite. Und deren Geschichte erzählt Maguire in Wicked.

Das Cover von Wicked mit einer leicht grünen Elphaba

Wicked nimmt Baums oft sehr beschränkte Welt und interpretiert diese neu, erschafft verschiedene religiöse Strömungen und ein politisches Klima, in dem sich die bekannten Figuren des Kinderbuchklassikers bewegen. Die Originalhandlung wird auch nahtlos integriert. Ich war fasziniert von der Komplexität, die auch nötig war, um aus der wilden Phantasterei des Originals eine Fantasywelt für Erwachsene zu schaffen. Und das gelingt Maguire auch: Die Zusammenhänge wirken nie erzwungen, sondern als hätte er selbst dieses Oz erschaffen.

Wir folgen Elphaba von ihrer Geburt (eigentlich beginnt die Geschichte bereits zuvor mit einem Blick in das Lbene ihrer Eltern) über ihre Studienzeit bis sich der Kreis schließt, das Mädchen Dorothy aus dem Himmel fällt und ihr sowieso schon seltsames und ereignisreiches Leben erneut auf den Kopf stellt.

Doch nutzt Maguire nicht nur Baums Vorlage, um eine klassische Fantasygeschichte zu erzählen: Sie enthält auch einen sozialen Kommentar. Elphabas Geschlecht und ihre grüne Hautfarbe geben ihren Mit-Ozianern immer wieder Rätsel auf; es wird zum Beispiel nie vollends geklärt, ob sie als Mädchen zur Welt kam, ob sie Hermaphroditin ist oder ob die Frauen, die ihre Geburt dirigierten, hier die Entscheidung getroffen haben und was nicht passte passend machten. Ihre Eigenheiten werden aber nicht diskutiert, sondern als gegeben hingenommen. Warum ist sie grün? Warum verträgt sie kein Wasser? Andere Figuren im Buch fragen sich das, aber wie das so im Leben ist: Die Leute reden eben, man selbst kann aber nur man selbst sein. Dazu kommen noch weitere Situationen, in denen es um Anderssein und Gleichberechtigung geht, da in Oz ja viele sehr unterschiedliche Wesen zusammenleben. Ich mochte dies alles sehr und es ist wohl mit der Grund, warum ich in dem Buch wild herummarkiert habe und es sicher wieder lesen werde. Das hat mich etwas erstaunt, da ich Frank Baums Buch nicht sehr mochte und hier etwas, das ich lieben kann, daraus geworden ist.

Evil is an act, not an appetite. Everyone has the appetite. If you give in to it, it, that act is evil. The appetite is normal.

The Witch (371)

Elphaba ist eine sehr starke Figur, die von Geburt an ihren eigenen Weg geht. Und der ist oft genug einsam und tragisch. Da viele Fragen am Ende offen bleiben bzw. nur Spekulationen angestellt werden können (basierend auf dem Ende von Der Zauberer von Oz), lag es wohl nahe, dass Maguire Jahre nach Erscheinen des Buches noch einmal zurückkehrte und eine ganze Reihe daraus machte. Ich weiß noch nicht, ob ich mich daran trauen soll und auch nicht, ob sie auf die restlichen Oz-Bücher zurückgreifen. Jeder Band dreht sich, wie in der Vorlage glaube ich auch, um eine andere Figur. Darum und wegen des großen zeitlichen Abstands zum ersten Band werde ich es wohl bei diesem belassen. Wicked kann schließlich auch gut für sich stehen bleiben und hat dies ja auch ein Jahrzehnt getan.

{Das Musical Wicked, das auf dem Buch basiert, hat übrigens ein anderes Ende!}

Ein Gedanke zu “Hexe aus Überzeugung: Wicked von Gregory Maguire

  1. Ich mochte das Musical „Wicked“ nicht besonders und konnte mit Maguires „Mirror Mirror“ kaum etwas anfangen, daher hat mich dieser Roman nicht sonderlich gereizt. Deine Rezension hat aber jetzt doch wieder mein Interesse geweckt.

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