#Horrorctober 1/13: Die Frau in Schwarz

#Horrorctober Returns! 2018Ich bin direkt mal kopfüber in den Horrorctober gestürzt und habe mich einem Film erneut gestellt, den ich als extrem gruselig in Erinnerung hatte: Die Frau in Schwarz von 2012 (IMDb | Letterboxd). Darin spielt der damals gerade frisch dem Harry Potter Franchise entkommene Daniel Radcliffe einen jung verwitweten Anwalt mit Namen Arthur Kipps, der es in einem alten Anwesen mit einem Geist zu tun bekommt.

Arthur Kipps soll in den englischen Norden reisen, um die Papiere einer verstorbenen Dame zu sichten. Ein todlangweiliger Job, könnte man meinen. In dem ländlichen Ort wird er von den Einheimischen angefeindet, als klar wird, dass er zu dem alten Anwesen muss. Lange hat man keine Ahnung, warum die Leute damit ein Problem haben, doch die Zeichen sind überall.

Die Frau in Schwarz setzt nicht auf Ekel und Schock durch jede Menge Blut wie viele andere neuere Horrorstreifen. Er ist sich seiner Tradition als Produktion aus dem Haus Hammer bewusst und setzt seine Jump Scares gezielt und dankenswerterweise spärlich ein. Stattdessen sind durch den athmosphärischen Soundtrack, ein sehr effektives Sound Design und gezielt eingesetzte Stille die Nerven ständig zum Zerreissen gespannt. Dazu ist das Haus perfekt für die Geistergeschichte ausgestattet: In praktisch jeder Kameraeinstellung ist irgendwo ein Gesicht in einem Portrait an der Wand, einem Gobelin oder Büsten; mit Vorhängen und düsteren Korridoren wird nicht gegeizt. Das erzeugt ungemein viel Unbehagen. Ich war jedenfalls meistens damit beschäftigt, die Peripherie der Kamera im Auge zu behalten, und dort passiert auch vieles. Ich kann mich noch erinnern, dass mir beim ersten Ansehen in einer gewissen Szene mit einer Wundertrommel der eigentliche Schockmoment entgangen ist, er war zu versteckt. Nur Tonspur und Reaction Shot haben mir verraten, dass hier wohl irgendetwas zu sehen gewesen sein muss. Diesmal habe ich es gesehen. Brrr.

Wenn ich etwas an Die Frau in Schwarz kritisieren soll, dann ist es ein an einigen Stellen schwaches Storytelling. Der Film verbirgt an einigen Stellen wesentliche Fakten vorm Publikum einfach durch einen Protagonisten, der keine Fragen stellt. Arthur sieht viel, sagt aber wenig. Gleichzeitig ist dieses Schweigen eine der Stärken des Films: Im Mittelteil gibt es eine ca. 20-minütige Sequenz, in der gar nicht gesprochen wird und Arthur allein im mit dem Haus ist.

Eine andere Schwachstelle ist die Frau in Schwarz selbst: Ihr Handlungsmotiv ist am Ende etwas einfach gestrickt, die „Mythologie“ um sie zu simpel. Ein Vergleich mit der literarischen Vorlage von Susan Hill wäre interessant! Ich habe schon mitbekommen, dass das Ende der Geschichte in dieser Adaption umgestrickt wurde. Das Buch werde ich mir irgendwann auf jeden Fall mal vornehmen, aber nicht in diesem Oktober.

Fazit: Auch beim zweiten Ansehen war Die Frau in Schwarz echt gruselig. Ein eher langsamer, aber wirkungsvoller Geisterfilm mit Liebe zum Detail. Allein schon deshalb wächst er mir langsam ans Herz und ich werde ihn wohl auch noch ein weiteres Mal ansehen.

Bildnachweis: José María Pérez Nuñez, „El hombre sin sombra, y su sombra“ (CC BY-ND 4.0)

4 Gedanken zu “#Horrorctober 1/13: Die Frau in Schwarz

  1. Das Buch ist tatsächlich etwas anders, vor allem, was die Hauptfigur und das Ende angeht. Ich muss sagen, in diesem Fall hat mir der Film besser gefallen, ich habe ihn aber auch gesehen, bevor ich das Buch gelesen habe.

  2. Du hast mich mit deinem Beitrag daran erinnert, dass ich diesen Film sehen will, seitdem er damals für die Kinos beworben wurde. Wobei ich die Geschichte aus irgendeinem Grund immer mit der Inhaltsangabe des – von mir ebenfalls noch nicht gelesenen – Romans „Der Besucher“ (von Sarah Waters) verwechsel. Vielleicht, weil die Grundidee sich so ähnlich anfühlt, solange man beide Geschichten noch nicht kennt.

    Auf jeden Fall ist es schön zu lesen, dass dich der Film auch beim zweiten Anschauen packen konnte! Ich setze ihn mal auf meine Watchlist (und kann dann hoffentlich meinen Mann zum Mitschauen überreden, auch wenn dann immer die Gefahr besteht, dass es nörgelige Kommentare vom „Horrorexperten“ gibt 😉 ).

    1. Das kann die Erfahrung doch auch bereichern 😀
      Von Der Besucher ist ja nun auch eine Verfilmung im Kino, die aber eher ruhig und nach Gothic aussieht als nach Horror.

  3. Aloha, Sam.
    Stimmt, manchmal kann einem eine furchtbare Stille die Fingernägel der Nerven hochknabbern; hängt ganz von der Kunstfertigkeit der Macher ab.
    Ich erinnere mich linde wie manche Stimme unkte, dass seine Karriere beendet sei, als Daniel Radcliffe begann Rollen „entgegen“ seines Potter-Image zu spielen. Hier haben sich manche, die nicht loslaßen wollten, dezent geirrt.

    bonté

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