Camelot Leselog 03: „Es ist ungerecht.“

Banner Der König auf Camelot LeselogKapitel 7 bis 9: Das passiert

An einem besonders langweiligen Tag wünscht sich Wart Action und bekommt sie auch: Dank Merlins Zauberkunst werden beide Zeuge einer Tjost.
Zu anderer Zeit bekommt Wart eine weitere Lektion in Tierform. Als Falke verwandelt, verbringt er eine Nacht im Falknerturm, muss dort eine Mutprobe bestehen und kommt mit List und knapper Not davon.
Am Morgen darauf ist Kay auf Warts Lektionen bei Merlin eifersüchtig. Als Wart Merlin auf diese Ungerechtigkeit anspricht, wird er enttäuscht, denn Merlin kann nicht für Kay zaubern. Doch der Zauberer hat eine Idee, beide Jungs zu beschäftigen.

Altbekannte Motive

Wieder mal fällt Warts absoluter Gerechtigkeitssinn auf: Hat er noch kurz zuvor betrauert, durch seine Stellung kein Ritter werden zu können wie Kay, so steht er dennoch für den Pflegebruder bei Merlin ein. Warum kann Kay nicht auch an dem Unterricht teilnehmen und in ein Tier verwandelt werden? Merlin versucht Wart zu erklären, dass es eben manchmal so zugeht im Leben, doch das will Wart nicht einsehen. Dass Kay auch in diesem Abschnitt untalentiert, etwas brutal und verzogen daherkommt, muss ich sicher nicht wiederholen. Umso bewunderswerter ist Warts Einsatz für den Kerl.

Zuletzt hat Merlin eine Idee: Er schickt Wart und Kay zu einer bestimmten Zeit an einen bestimmten Ort, dort solle etwas geschehen. Ob das Ganze ein Ablenkungsmanöver ist, das dem entnervten Lehrer eine Pause verschafft, oder ein Schlüsselereignis für Kay und Wart wird, erfahren wir erst im nächsten Kapitel.

Mir geht gerade auf, dass ein anderer magischer Lehrmeister Merlin in seiner schusseligen aber weisen Art nicht unähnlich ist: Dumbledore. Zumindest der Dumbledore der ersten Harry Potter Bände.

Lanzenstechen: Ein chaotisches Spektakel

So wiederholen sich auch andere Motive: In der durch Merlin ins Rollen gebrachten Tjost, in der König Pellinore auf Sir Grummore Grummursum trifft, werden wieder sämtliche Klischees bedient. Da die Ritter zu Schutzzwecken Unmengen an Metall an sich tragen, ist das Lanzenstechen nicht der elegante spannende Sport, wie er in „Ritter aus Leidenschaft“ porträtiert wird – auch wenn der Film in einer frühen Szene Whites Exkurs zu Trainingsmethoden sehr nahe kommt. Man stelle sich eher zwei fette Katzen auf Parkettboden vor, die ihr Momentum nicht unter Kontrolle haben: Die Kontrahenten kommen kaum in Fahrt und bremsen ist auch nicht drin. Dazu sieht man durch den Helm nichts und das Schlimmste: Der Kampf wird durch stark formelhafte Sprache noch komplexer.

Als Sport lässt sich das Spektakel kaum begreifen, dennoch geht es um Fairplay im britischsten Sinn. Die beiden Antihelden Pellinore und Grummore glänzen einmal mehr als totale Versager im Ritterdasein. Aber: Wart ist begeistert. Mein Verdacht ist, dass Merlin Wart mit diesem Schauspiel zeigen wollte, dass Rittersein gar nicht so doll ist, wie der sich das vorstellt. Dieser Aspekt wird im Disneyfilm sehr hervorgekehrt, wo Merlin sogar wütend auf Wart ist, überhaupt diesen Berufswunsch zu hegen. Im Buch lässt ihn das völlig kalt.

White treibt mit dieser Kampfszene eine Formel, ja einen Running Gag der Morte d’Arthur auf die Spitze: „Treffen sich zwei Ritter …“ so wird erst mal tjostiert. Oft finden sie erst nach Stunden des Kampfes die Identität des anderen heraus – und schämen sich dann oft, gegen diesen oder jenen gekämpft zu haben.

Wart wird zum Falken

Aber zu dem Neuen: der Lektion in Form eines Merlins, also eines Zwergfalken. Warts zweite Lektion in der Haut eines anderen Lebewesens ist riskant: Er soll eine Nacht mit den anderen Beizvögeln verbringen. Davor bekommt er eine kurze Einführung in die Gesellschaft, die ihn dort erwartet. Die Falken begreifen sich als Offiziersschule für Greifvögel von Adel. Merlin vergleicht sie mit Rittern. Sie sind strikt durchorganisiert und werden von „Madam“ Offizier ausgebildet und geführt. Alle verehren und fürchten sie. Doch die größere Gefahr im Turm ist Cully, der als Wahnsinniger dargestellt wird, der seinen Verstand in der Drill verloren hat. Übrigens werden zwei Falken Balin und Balan genannt, nach Rittern der Artuslegende (Brüder, die sich am Ende gegenseitig erschlagen).

Die Beizvögel lassen den neuen Rekruten als Mutprobe neben Cully sitzen. So muss Wart ausharren, bis eine Klingel zum dritten Mal geläutet wurde. Cully versucht gewaltsam gegen seinen Killerinstinkt anzukommen, doch zuletzt muss Wart – nach dem dritten Klingeln – aus dem Käfig flüchten. Er wird in der Mitte der Falken akzeptiert.

Zum Einen wird hier eine weitere Spielart des Rittertums gezeigt: Diesmal nicht lächerlich den Krieg imitierend, sondern wirklich militärisch und gefährlich. Doch auch hier geht es vor allem um Macht und Unterdrückung. So vergeht ein Peregrin beinahe vor Scham, als ein ihm ein kleiner Lapsus unterläuft, und er wird von Madam zur Schnecke gemacht. Die Falken singen auch ein Lied, in dem es um ihre Todesangst und ihren Umgang damit geht. Am Ende des Liedes heißt es: „Timor mortis, das sind wir.“ Sie sind die personifizierte Angst. So sind diese „Soldaten“ effizient im Feld, aber durch Angst angetrieben, von dem Falkner ausgehungert und so kontrolliert. Kay erinnert mich mit seiner Art, aus Angst gewalttätig zu werden, an die Falken.

Denkt an meine Worte: Dieser junge Kandidat wird einst ein richtiger König.

—Balan