Richard Matheson: I am legend

I am legend Richard MathesonRichard Matheson war mir kein Begriff, als ich I am legend mit Will Smith vor sechs Jahren gesehen habe. Ich fand den Film angemessen gruselig und etwas abwägig, aber nicht schlecht. Jetzt habe ich die Vorlage von 1954 gelesen und verstehe, warum so viele Fans entsetzt von der Umsetzung waren.

Im Roman entfaltet sich immer mehr das Bild einer Epidemie, die Menschen zu Vampiren macht und die Toten wieder aus den Gräbern kommen lässt. Es sei denn, man treibt ihnen einen Pflock durch’s Herz. Robert Neville, ein vollkommen unheroischer Mann mittleren Alters, scheint als einziger immun zu sein und verteidigt sich über Monate gegen die Horden Untoter vor seiner Tür. Diese wiederum scheinen mit der Zeit immer gewitzter zu werden. Es sind weder die Vampire aus romatisierenden Gothic-Geschichten noch hirnlose, nach Hirn gelüstende Zombies. Sie sind … anders.

Nun geht es in dem kurzen Bändchen aber vor allem um Robert Nevilles Beobachtungen: Nach der ersten Phase der Depression und Leugnung versucht er bald, mehr über die Krankheit herauszufinden. Er eignet sich viel medizinisches und technisches Wissen an, um diese neue Welt um ihn herum zu begreifen und möglicherweise eine Heilung für die noch lebenden Vampire zu finden.

Damit bleibt der Roman viel realistischer und auch ruhiger, als ich erwartet hatte. Man kommt schrittweise dem Protagonisten und den Ereignissen im Vorfeld der Erzählung näher. Ich muss sagen, ich würde sehr gerne über den Schluss des Romans reden, den ich genial und angebracht finde und der eine so ungewohnte Sichtweise verkörpert. Schade, dass gerade hier der Film eine andere Geschichte erzählt: Eine total ausgelutschte, unglaubhafte und uninteressante Heldenstory. Die nebenbei den Titel von Mathesons Roman komplett umdeutet.

I am legend ist kein Gruselschocker, der einen nicht schlafen lässt. Das Buch war spannend, aber eben mehr als ein Pageturner. Über die medizinischen Gründe und den Ablauf der Krankheit hat sich der Autor scheinbar viele Gedanken gemacht und mir somit die Möglichkeit gegeben, mich voll auf den Roman einzulassen. Ich musste nicht immer an Löchern in der Logik vorbeimanövrieren. Und diese Glaubhaftigkeit zieht sich durch alle Ebenen des Buchs: Robert Neville als Protagonist und Überlebender wider Willen ist ein komplexer Charakter mit Fehlern, der sich auf den 162 Seiten wandelt. Und sowohl seine Entwicklung als auch die Geschehnisse im Buch bleiben nachvollziehbar. Aber eben nicht, weil der Autor auf ausgetrampelten Pfaden geht, sondern weil I am legend in seiner internen Logik schlüssig bleibt. Ein echtes Highlight des Horrorgenres.

3 Gedanken zu “Richard Matheson: I am legend

  1. Salut, Sam.
    In puncto Werktreue liegt auch eine zweite SF-Klassiker-Adaption, mit Will Smith, weitab vom Schuss – ‚I Robot‘ (Isaac Assimov); nach einem brauchbare Einstieg (der sich inhaltlich auch nur an Asimovs drei Roboter-Gesetzen orientiert), driftet der Film immer weiter in die Untiefen des normierten Action-Streifens ab.

    Größere Nähe zur „Legend“-Vorlage behielt da die Verfilmung von 1971, die zeitaktuelle Bezüge aufnahm & das SF-Element weiter betonte. Deutscher Titel ‚Der Omega Mann‘.

    Da besagter Roman Dir zugesagt hat, könnte Dich auch ein weiteres Buch aus Mathesons Feder interessieren: „The Incredible Shrinking Man“. Dito verfilmt!

    Kein Wunder also, dass Richard Matheson fortan weiter Drehbücher schrieb. Was er auch für die Mystery-TV-Filme „Kolchak: The Night Stalker“ & „Kolchak: The Night Strangler“ tat. Filme wie Serie sind hierzulande eher unbekannt.
    Hier der Vorspann zu jeder Folge, der den Ton der Serie wiedergibt…

    https://www.youtube.com/watch?v=-Xfl0m6U8IE

    for your consideration.

    bonté

    1. …und wieder wächst die Filmliste 🙂 Die Robot-Geschichten habe ich bisher nur halb gelesen, aber selbst am Ton kann man schon die Diskrepanz zu dem Will Smith Film erkennen.

      Ich werde mir auf jeden Fall mehr von Matheson zu Gemüte führen, irgendwann 🙂

  2. Hallo Sam,
    du hast mich mit deiner Rezension richtig neugierig auf das Buch und vor allem das Ende gemacht. 🙂

    Irgendwie findeich es schade, wenn ein Film den Kern des Buchs sehr verändert. Paycheck ist da ein Beispiel, dass mir sehr im Gedächtnis geblieben ist und mit I Am Legend scheint es wohl ähnlich zu sein.

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