Lieblingsmusik: Discovery von Daft Punk

In den letzten Wochen bin ich mal wieder zu einem meiner Lieblingsalben zurückgekehrt . Ich höre es bereits seit 16 Jahren, was es zu der Musik macht, die mich am längsten in meinem Leben begleitet, ohne dass ich müde davon geworden wäre.

Daft Punk Discovery BookletEs geht um Discovery von Daft Punk. Das Album erschien Anfang 2001, als ich gerade 13 Jahre alt war. Wahrscheinlich können sich noch viele an das Jahr erinnern, als sie ständig One More Time im Radio spielten. Es ging sogar mir irgendwann auf den Nerv. Doch in Daft Punk verbanden sich einige Mysterien, durch die ich damals als absolute Hasserin elekronischer Musik den Klängen der beiden Franzosen verfiel.

Denn die beiden Typen mit den Helmen hatten begonnen, sich als Maschinenmenschen zu stilisieren. Spannendes Konzept. Damals waren ja auch die zunächst gesichtlosen Gorillaz unterwegs. Was mir von damals in Erinnerung geblieben ist: Zu One More Time gab es lange kein Musikvideo, weil der in Japan animierte Film noch nicht fertig war. Also konnte man damals häufig ein Standbild auf MTV, Viva und Co. sehen, bevor das richtige Video rauskam.

Ob Absicht oder nicht, das baute Spannung auf. Das finale Video ist ein Anime mit offenem Ende. Schon als Kind liebte ich japanische Zeichentrickserien, auch die des Studios, das für One More Time verantwortlich zeichnet.

Doch was der Grund ist, warum ich euch mit einem uralten (wenn auch revolutionären) Musikalbum daherkomme: Eine Erklärung für meine nicht abreißende Faszination mit Discovery ist, dass es sich um eine gelungene Sound-Geschichte handelt. Bitte bedenkt, dass das Internet 2001 noch verhältnismäßig übersichtlich und dazu relativ unerforscht war. Daher erfuhr ich erst viel später, dass jeder Track auf Discovery ein Musikvideo hat, nicht nur die Singles. Wenn man alle in der Albumreihenfolge ansieht, ergibt sich daraus ein Spielfilm: Die Space-Oper Interstella 5555.

Ich war baff, als ich das rausfand. Denn für meine Freunde und mich war es vollkommen einleuchtend, dass hier eine zusammenhängende Geschichte erzählt wird. Discovery ist darum nicht nur eine großartige Samples großer und auch kitschige Disco-Musik (Discovery – very disco, kapiert?). Es erzählt auch eine abenteuerliche Geschichte von Ruhm, Liebe und natürlich Musik in einem intergalaktischen SciFi-Setting. Damit war meine Liebe zu diesem Album meiner Liebe zur Science Fiction um Jahre voraus.

Daft Punk Discovery CDWenn ich heute Discovery anhöre (meistens beim Arbeiten, da ich mich super konzentrieren kann bei diesen altbekannten Sounds, die meist ohne Gesang auskommen), dann spielt irgendwo im Hintergrund meiner Gedanken ein kleiner Film ab. Nicht exakt Interstella 5555, denn am Stück gesehen habe ich den nur einmal. Sondern meine eigene Version, die mit ihrer 16-jährigen Geschichte gewachsen ist. Vielleicht ist es inzwischen zu einem Perpetuum Mobile geworden, weil immer mehr hinzukommt an Erinnerungen und Entdeckungen, sodass mir mit Discovery vielleicht nie langweilig werden kann.

Gibt es ein Album, dass euch geprägt habt? Oder eins, das eine Geschichte erzählt?

Für die, die es interessiert: Eine aufschlussreiche Playlist mit allen bekannten und verfügbaren gesampleten Songs auf Discovery:

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2 Gedanken zu “Lieblingsmusik: Discovery von Daft Punk

  1. Latha math, Sam.
    Definitiv ist Daft Punk auch ein Liebling des Feuilletons, das sich in Interpretation & Analyse sinnlich verausgaben darf. Ein Kunst-Projekt, bei dem man/frau im nachhinein staunen mag, daß es ohne Omnipräsenz des Net (heutiger Tage) überhaupt über einen bestimmten Kreis hinaus bekannt werden konnte. Möglicherweise waren aber auch die Musik-Videos das entscheidende Medium (damaliger Tage).
    Mir selbst ist die Musik der Jungs allerdings nie sonderlich ins Ohr gegangen.

    Glücklicherweise stößt man/frau ein Leben lang auf geniale Alben, die einen vom ersten bis letzten Takt, auf der gepreßten Rille, in die Stratosphäre schicken. Manchmal mag es nur eine Momentaufnahme sein – nicht selten aber überdauert es jede erfahrene Zeit.
    Spontan fiele mir hierzu „Never For Ever“ (Kate Bush, 1980) ein; nicht weniger auch wegen der anmerkenwerten Gestaltung. Weil ich mir eine Anlage erst vom Lehrlingsgehalt leisten konnte, war die Entdeckung von Alben eine nachträgliche für mich. Schließlich war ich bis in die frühen Achtziger hinein – via Radio – auf Singles festgelegt. Weswegen ich mich von 1982 aus in die jüngere Vergangenheit fortasten konnte. Gelegentlich ein Erlebnis, als würde man eine neue Welt aufstoßen.
    „Meine“ Schallplatten aus drei Jahrzehnte (vor der CD) stehen nach wie vor im (entkernten) Rack meiner ersten Anlage.

    bonté

  2. Hach Mensch! Interstellar 5555, ich erinnere mich noch wie begeistert ich davon war, dass eine Band Anime so feiert und ihre Musikvideos darauf aufbaut. Damals war ich (und bin es immer noch) großer Anime-Fan, hatte aber immer den Eindruck, dass das als etwas seltsames beäugt oder kritisiert wird. Daher war ich Daftpunk irgendwie regelrecht dankbar, dass sie einfach mal ihr Werk damit untermalt haben. 🙂

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