Science! Curse thee, thou vain toy. Moby-Dick Leselog 09

Moby-Dick Leselog{102-123}

Wir segeln geradewegs auf den Höhepunkt zu! Ich gebe es zu: Es wird auch Zeit. In diesem Abschnitt war aber echt mal was los. Der Konflikt baut sich auf, Spannungen zwischen Ahab und Starbuck und der Crew und Ahab nehmen zu und die Pequod wird von einem Typhoon erfasst! So viel war im ganzen Buch noch nicht los.

Mein Highlight war ein Kapitel, in dem Starbuck in Ahabs Kabine tritt, wo der Kapitän schläft. Er erblickt Ahabs Musketen und erwägt kurz Mord, um alle vor Ahabs Wahn zu retten. Ein echter interner Konflikt! Starbuck wäre ein wirklich interessanter Protagonist gewesen.

Ansonsten dreht Ahab langsam echt durch. So verliert er die Geduld mit seinem Quadranten, da dieser ihm ja doch nicht Moby-Dicks Standort nennen kann. Also zerstört er das Instrument. Immer eine gute Idee auf dem offenen Meer. Vor allem weil das Meer sich direkt im Folgekapitel zu rächen scheint:
Ein Typhoon überrascht das Schiff, der Sturm reißt die Segel los, der Kompass spielt verrückt (notabene: damit kann Ahab erst mal nicht mehr Moby-Dick jagen) und die Blitze um das Schiff lösen eine sagen wir mal leichte Panik der Crew aus. Doch nichts ist so bedrohlich wie Ahab, der alle an ihren Eid erinnert, den Weißen Wal zu töten. Zur Bekräftigung pustet er eine kleine Flamme am Ende seiner Harpune aus. Ja, alles ist bedeutungsschwer in diesem Abschnitt. Die Harpune müsste die sein, die er wenige Kapitel zuvor mit dem Schmied angefertigt hatte – und nicht im Namen des Vaters, sondern im Namen des Teufels segnete!

Das Schöne dabei: Es gibt trotzdem zwischendurch kleine lustige Einschnitte. Zum Beispiel gibt es ein Minikapitel mitten im Typhoon, in dem Tashtego in gebrochenem Englisch das Ende des Donnerns und stattdessen eine Flasche Rum fordert. Und dann trifft die Pequod wieder mal ein anderes Schiff: Auf der Bachelor ist man gut gelaunt und gesellig, nachdem man erfolgreich Wale gejagt hat. Ahabs Reaktion war einfach zu schön! So nach dem Motto „Macht bloß, dass ihr wegkommt“ 🙂 So viel Frohsinn ist nicht seins.

Was sonst so geschah: Ahab bekommt ein neues Bein. Queequeg wird krank und denkt er stirbt. Dann erinnert er sich einer ausstehenden Erledigung und ist prompt wieder fit. Es gibt auch ein schön atmosphärisches Kapitel, in dem Ahab und Fedallah nachts einen verendeten Wal bewachen und über den Tod sprechen. Dabei macht Fedallah viele Andeutungen zu Ahabs Ende. Der Boss der von Ahab angeheuerten Meute wird aus irgendeinem Grund nur noch „der Parse“ genannt. Ist wohl mysteriöser.

Ich wünschte, in dem Stil wäre das ganze Buch gehalten! Also mehr Abenteuer und meinetwegen auch düstere Vorausdeutungen. Und weniger Quatsch über Walfang. Wofür diese Kapitel gut sein sollen ist mir immer noch nicht klar. Es wäre ein viel besseres Leseerlebnis für mich geworden. Und ich denke, ich hatte auch eher mehr Abenteuer erwartet. Aber wir sind ja noch am Ende angekommen. Das kommt in der nächsten Woche. Darauf bin ich erst mal zwei Wochen in Irland, abder danach will ich noch mal ein „Fazit“ des Leselogs schreiben.

Random Quotes

  • „To produce a mighty book, you must choose a mighty theme.“ – Ishmael, natürlich.
  • „There is one God that is Lord over the earth, and one Captain that is lord over the Pequod.“ – Ahab, logischerweise.
  • „Top-heavy was the ship as a dinnerless student with all Aristotle in his head.“ Keine Ahnung, wrr das gesagt hat, aber es ist allemal ein lustiger Vergleich.

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