I tell you, the sperm whale will stand no nonsense. Moby-Dick Leselog 05

Moby-Dick Leselog{Kapitel 42-53}

In diesem Abschnitt philosophiert Ishmael über die Farbe Moby-Dicks (Quintessenz: weiß ist böse. Jedenfalls immer dann, wenn es gerade passt). Da kommen dann doch sehr unschöne Ansichten zu Menschen mit Albinismus durch. Und wieder ein schöner Patzer: weiß wird als Absenz der Farben beschrieben – einer von vielen Näherungsversuchen, warum weiß so abstoßend sei. Aber auch da hat Ishmael einen Knick in der Optik (Wortspiel mit bestem Wissen und Gewissen beabsichtigt).

Aber genug davon. Im Grunde wechseln sich hier zwei Handlungsstränge ab, wenn man so will. Der eine ist eine Introspektive zu Walen, Walfang und Ahabs Gemüt. Alles sehr weitschweifig und etwas finster. Sowohl die Wale als auch Ahab kommen aber im Grunde zu kurz; es wird nur spekuliert und angedeutet, zum Beispiel scheinen Ahab Alpträume zu plagen, da man nachts seine Schreie hört. Aber wirklich zu Greifen bekommt man diesen seltsamen Käpt’n nicht.

Was ich noch nicht erwähnte: Ich hatte ja schon mal gesagt, dass mir Behinderungen als Mittel, um Sünden an Figuren sichtbar zu machen, immer unangenehm auffallen. Auch bei Ahab mit seiner Narbe und dem Elfenbeinbein (stimmt so) ist das so. Aber immer wieder redet die Crew über dieses Bein und dass es irgendwie nicht weniger, sondern mehr aus Ahab macht. Es ist sozusagen keine Behinderung, sondern so was wie ein Ritterschlag. Eine interessante Art, Ahabs Figur zu vertiefen – wenn auch wieder nur durch die Sicht anderer.

Aber zur Action: Während dem Wachdienst hört ein Crewmitglied Geräusche unter Deck. Keiner glaubt ihm, dass er dort Menschen gehört hat. Als die erste Waljagd losgeht, löst sich das Rätsel: Ahab hat fünf bisher versteckte Besatzungsmitglieder aus eigener Tasche angeheuert, um bei der Jagd live dabei sein zu können. Die Schiffsanteileigner waren nämlich, wegen des Beins, dagegen, dass Ahab sich selbst beteiligt. Doch mit seinen eigenen Leuten lässt er ein Boot zu Wasser und macht auf eigene Verantwortung mit. Skandal an Bord der Pequod!
Nach diesem Erlebnis – dem Chaos, den „wilden Bestien“, der Lebensbedrohung – macht Ishmael sein Testament. An so kleinen Dingen merkt man Ishmaels Naivität: Er ist nicht so erfahren, wie er vorgibt. Durch später erworbene Expertise peppt er die Geschichte auf, kann sein Unwissen aber nicht ganz verdecken.

Zuletzt wird noch ein Treffen mit einem anderen Walfänger beschrieben und wie die Kommunikation komplett scheitert beim Versuch, sich über Neuigkeiten auszutauschen. Ishmael berichtet über die Gepflogenheiten in so einem Fall und Ahabs Weigerung, ihnen Folge zu leisten. Wer im Wahn einen Wal jagt, der hat keine Zeit für Höflichkeiten.

Random Quotes

It was the whiteness of the whale that above all things appalled me.

Das hier mag ich: Though in many of its aspects this visible world seems formed in love, the invisible spheres were formed in fright.

Ahab, der Besessene: Therefore, the tormented spirit that glared out of bodily eyes, when what seemed Ahab rushed from his room, was for the time but a vacated thing, a formless somnambulistic being, a ray of living light, to be sure, but without an object to colour, and therefore a blankness in itself.

Ein weiser Rat Ishmaels an alle Kerzenliebhaber: For God’s sake, be economical with your lamps and candles! not a gallon you burn, but at least one drop of man’s blood was spilled for it.

Nach der ersten Jagd: Now then, thought I, unconsciously rolling up the sleeves of my frock, here goes for a cool, collected dive at death and destruction, and the devil fetch the hindmost.

Diskussion um Ahabs Bein: “If his leg were off at the hip, now, it would be a different thing. That would disable him; but he has one knee, and good part of the other left, you know.” – “I don’t know that, my little man; I never yet saw him kneel.”

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