An allegorical meaning may lurk here. Moby-Dick Leselog 08

Moby-Dick Leselog 08

{Kapitel 88-101}

Endlich erkenne ich mal den Sinn eines Exkurses! Es wird erklärt, wie Walfänger das Vorrecht auf einen Wal regeln. Hat eine Crew den Wal schon festgemacht, gehört er ihr (Fast-Fish). Schwimmt er noch, ist er Freiwild (Loose-Fish). Easy.

Und dieses Wissen braucht man, um eins der folgenden Kapitel voll zu vestehen. Das sich als besondes unterhaltsam herausstellte. In dem trifft die Pequod auf einen französischen Walfänger, den man zehn Meilen gegen den Wind riechen kann, denn ein verendeter Wal befindet sich im Schlepptau. Ironischerweise heißt das Schiff „Rosebud“. Stubb (der erste Maat) spricht mit dem einzig englisch sprechenden Matrosen an Bord, der den Kapitän holt. Stubb wirft ihm wüste Beschimpfungen an den Kopf und der Matrose tut so, als übersetze er; man solle den Wal bloß losmachen, sonst würde die Crew bald tödlich krank. Der Kapitän tut wie ihm geraten. Kaum ist das Schiff weg, macht sich Stubb über den nun Loose-Fish her, denn im Inneren von kranken Walen findet sich ein wertvoller Stoff: ambergris.

Weitere Anekdoten dieses Abschnitts beinhalten die Story, wie Pip seinen Verstand verlor (diese Geschichte wurde bereits in den ersten Kapiteln vorausgedeutet); wie Ahab und dann der Rest der Crew nacheinander die magischen Symbole auf der Dublone zu entziffern versucht, die auf den Weißen Wal ausgesetzt sind; und eine weitere Begegnung mit einem Schiff. Dabei trifft Ahab auf einen weiteren Moby-Dick-Veteran; dieser ist leicht an einem Walbein-Arm zu erkennen. Doch Ahab und der andere ergeben kein dynamisches Duo, der andere fragt sogar den düsteren Fedallah, ob Ahab verrückt sei. Der legt zur Antwort nur einen Finger vor seinen Mund. Sehr subtil.

Also jede Menge Andeutungen und scheinbar metaphorische Geschichten – tatsächlich mochte ich diesen Abschnitt insgesamt wieder mehr. Doch einen Part habe ich noch verschwiegen. Zwei Kapitel sind nämlich doch recht deftig, wenn man es darauf anlegt. Bei der Verarbeitung des Wals muss die Crew mit den Händen den Wal-Blubber kneten, damit er nicht zu fest wird. Das Ganze gerät zu einer transzendentalen Massenorgie, wenn man Ishmaels Worten glauben kann:

Squeeze! squeeze! squeeze! all the morning long; I squeezed that sperm till I myself almost melted into it; I squeezed that sperm till a strange sort of insanity came over me; and I found myself unwittingly squeezing my co-laborers’ hands in it, mistaking their hands for the gentle globules. Such an abounding, affectionate, friendly, loving feeling did this avocation beget; that at last I was continually squeezing their hands, and looking up into their eyes sentimentally; as much as to say,—Oh! my dear fellow beings, why should we longer cherish any social acerbities, or know the slightest ill-humor or envy! Come; let us squeeze hands all round; nay, let us all squeeze ourselves into each other; let us squeeze ourselves universally into the very milk and sperm of kindness.

Ich lasse das mal unkommentiert, denn das direkt folgende, sehr kurze Kapitel musste ich in der Tat zweimal lesen, um einen Fehler meinerseits auszuschließen: Darin wird der tote Wal um seinen Penis erleichtert, der gehäutet wird und dessen Haut danach zu einem (Achtung) Umhang verarbeitet wird! Ein Penisfrack. Welche Drogen hatten die eigentlich zu Melvilles Lebzeiten?! Oder ist das am Ende noch historisch? Ich glaube, ich will es gar nicht wissen. (Mit den Walschlachtungskapiteln steht es mir jedenfalls bis hier.)

Kommentar verfassen