Is he mad? Anyway, there’s something on his mind. Moby-Dick Leselog 03

Moby-Dick Leselog

{Kapitel 14-29}

In diesem Abschnitt kommen Queequeg und Ishmael erst in einem Nantucketer Inn und dann auf ihrem Schicksalsschiff, der Pequod, unter. Während der Vorbereitungen zum Auslaufen zieht Weihnachten an den Schiffsleuten unbemerkt vorbei. Zuletzt, nachdem die Pequod schon einige Zeit auf dem Meer ist, lässt sich Kapitän Ahab endlich blicken.

Unheilsboten

Biblische Anleihen mehren sich, unter anderem taucht ein Seemann auf, der Ishmael und Queequeg verfolgt und praktisch über Ahab lästert. Aber natürlich nicht so, dass man irgendwas verstehen könnte, sondern schön praktisch in Andeutungen. Da ist es doch einfacher, sich auf die Bibel zu berufen, denn der Kerl heißt Elijah. Also der Prophet, der König Ahab einen göttlichen Shitstorm voraussagt, weil der (ich glaube durch die Hochzeit mit der Baal-Anbeterin Isebel) praktisch zum religiösen Nestbeschmutzer wurde. Alles sehr ominös also.

Die Wahl des Schiffs dagegen ist glasklar verständlich.

Es stehen drei Schiffe zur Wahl: die Pequod (Name eines ausgerotteten Indianerstammes), die Devil-Dam („Mutter des Teufels“) und die Titbit („Leckerbissen“). Man sieht deutlich, was Melville getan hat: Ishmael als gottesfürchtiger Mann kann die Debildam nicht besteigen, und einem Schiff, dass sich Leckerbissen nennt, sollte wohl niemand vertrauen. Er wählt sozusagen das geringste Übel.
Doch die Pequod gehört vielen Anteilhabern und hat neben Ahab, der sich nicht blicken lässt, zwei Kapitäne: Bildad und Peleg, der eine belesener Quäker, der andere mehr zupackend und gesprächig. Die beiden kümmern sich um die Angelegenheiten des Schiffes bis zum Auslauf, wenn Ahab das Kommando übernimmt. Ishmael lässt sich viel Zeit, die wichtigsten Personen der Mannschaft kurz zu umreißen. Die drei Maats (der finstere Starbuck, der lustige Stubb, der rachsüchtige Flask) und die Harpuniere (Queequeg, Tashtego, der edle Indianer, und Daggoo, ein wild wirkender Afrikaner). Die Stimmung an Deck vereint demnach viele Facetten zwischen wild und „zivilisiert“, zwischen Abenteuerlust und Rachsucht; von Ahab habe ich noch nicht viel gesehen, aber es ist fast,  als seien es alles abgespaltene Persönlichkeiten seiner selbst.

Ahab ist bislang wortkarg.

Sein Ersatzbein besteht aus Elfenbein (?), auf dem Schiffsdeck gibt es eine Kerbe im Boden, in der er das Ende dieses Beins festhaken kann, um an Deck standhaft zu bleiben. Eine weiße Narbe verläuft quer über seinen Körper, vom Scheitel zur Sohle scheinbar. Die Metaphorik hier ist klar, auch wenn aus heutiger Sicht nicht gerade die feine englische Art. (Eins meiner verhasstesten Klischees: Körperliche Anomalien als Audruck seelischer Anomalien. Na toll, aber mal sehen, wohin uns das hier führt.)

Kleines Schmankerl zum Schluss:

Auf der Pequod muss Queequeg die Stellvertreterkapitäne erst von seinem Können überzeugen (was ihm keine Mühe bereitet), bevor er einen Vertrag unterschreiben darf. Peleg erwartet nicht, dass Queequeg schreiben kann und sagt, er solle einfach sein Zeichen unter den Vertrag setzen. Ironischerweise kann er Queequegs Namen nicht aussprechen und nennt ihn Quohog (was eine Muschelart bezeichnet). Rozfrech (und vollkommen gerechtfertigt) unterzeichnet Queequeg mit „Quohog. his X mark.“ Loved it!

2 Gedanken zu “Is he mad? Anyway, there’s something on his mind. Moby-Dick Leselog 03

  1. Das ist echt ein Sammelsurium an skurrilen Gestalten an Bord der Pequod.
    In der Übersetzung besteht das Ersatzbein übrigens aus Walbein (und das bestätigt mir auch ein rasche Recherche).

Kommentar verfassen