Ghost World: Comic (und ein bisschen Film)

Ghost World CoverIch mag den Film Ghost World aus dem Jahr 2001 sehr. Er gehört zu den Filmen, aus denen ich bei jedem Anschauen etwas anderes gewinne, obwohl er keine große Kunst, sondern vor allem gute Unterhaltung ist. Der Film war der Grund, warum ich auch dem Comic von Daniel Clowes eine Chance geben wollte. Im Allgemeinen bin ich kein großer Leser von Comics, sie können mich nicht so fesseln wie ein Roman oder schon eine Graphic Novel mit etwas mehr Text. Wahrscheinlich hat das meinen Eindruck des Buchs stark beeinflusst.

Es ist das Ende einer Ära für Hauptfiguren Enid und Rebecca: Nach der High School verbringen sie den Sommer in ihrer Heimatstadt und wissen noch nicht, was aus dem Rest ihres Lebens werden soll. Mit der Zeit wird immer deutlicher, wie unähnlich sich die beiden ihr Leben vorstellen. Dennoch versuchen sie, einfach so weiterzumachen wie bisher und können sich nicht recht an den Gedanken des Erwachsenseins gewöhnen.

Leider sind sie ziemliche Zicken, die auf allem und jedem herumhacken, Menschen, die es schlechter haben als sie, verarschen und nichts in ihrem Leben so richtig zu schätzen wissen. Klar hat man als Teenie auch eine Die-Welt-ist-scheiße-Phase, aber eine Figur nur darauf zu reduzieren ist nicht mehr realistisch. (Außerdem ist das sehr anstrengend zu lesen!)

Die Entwicklung der Figuren, die ich aus dem Film kannte, kam hier sehr ruckartig und viel zu knapp. Wenn Geschichten in verschiedenen Formaten erzählt werden, finde ich es immer wieder faszinierend, welche Aspekte wie gewichtet werden und wie sich der Erzählton verändert und dem jeweiligen Medium anpasst. Ghost World als Film arbeitet mit ungewöhnlicher Musik und einer sehr bunten Farbpalette, was ich beides sehr mochte. Im Comic fehlt beides, leider ersatzlos. So ist es nicht verwunderlich, dass mir der Comic auch hier einfach zu flach erschien, auch wenn das nicht unbedingt Fehler des Comics war. Übrigens hat Daniel Clowes selbst das Drehbuch für die Filmadaption geschrieben.

Ghost World DetailZuletzt noch ein weiterer „Nachteil“: Die Zeichnungen sind sehr roh. Als jemand, der von Comics nicht so mitgerissen wird, lege ich vielleicht mehr Wert auf die Illustrationen, wer weiß. Ghost World hat viele hässliche Panels. Selbst Figuren, die von Enid oder Becca als schön bezeichnet werden, sehen für den Leser ungestalt aus. Die Hauptfiguren selbst sehen von Panel zu Panel unterschiedlich aus, mal übertrieben weiblich, mal vollkommen gewöhnlich. Ob das nun eine Aussage zu Äußerlichkeiten sein soll oder zu der Schwelle zwischen Kindheit und Erwachsenendasein, für mich war auch dies ein Grund, dass mir persönlich Ghost World als Comic einfach nicht sehr gefallen hat.

5 Gedanken zu “Ghost World: Comic (und ein bisschen Film)

  1. Latha math, Sam.
    Verfilmungen aus dem Comic-‚verse schleichen oft einen Grat entlang, der in Richtung Enttäuschung abfällt. Vermutbar, weil zwei visuell eigenständige Welten aufeinander treffen. Bildsprache & Erzählrythmus geraten da schnell ins Knirschen.
    Weil auch mir die Welt des gezogenen Strichs stets fremd geblieben ist, kenne ich Comics reichlich eher von der Filmseite her. Überschaubar, weil mir zudem Superhelden auf der Leinwand sehr fremd geblieben sind.

    Bei ‚Ghost World‘ kommt einem tatsächlich nicht wirklich in den Sinn, dass die Vorlage nun ein Comic ist. Vielleicht funktioniert er deshalb – besser als das Originalwerk.

    In die Reihe gelungener Filme (die sich jetzt auf einen Comic beziehen) klinken sich ‚Josie and the Pussycats ‚, ‚Kick-Ass‘, ‚Mystery Men‘ oder ‚Scott Pilgrim‘ solide ein.

    Du kennst Kevin Smiths ‚Chasing Amy‘ vielleicht?!

    bonté

    1. Muss ich unbedingt mal wieder ausgraben. Ein bisschen Smith’sche Anarchie hin und wieder tut ganz gut.
      Scott Pilgrim ist auch einer meiner Lieblingsfilme aus der Comic-Verfilmungsecke; das Original habe ich allerdings nicht gelesen, der Zeichenstil sagt mir so gar nichts. Ich habe allerdings gelesen, dass der Film arges Whitewashing betreibt.
      Superhelden sagen mir auch überhaupt nichts – einzig Sam Raimis Spider-Man konnte mich mitreißen. Vielleicht, weil Raimi als Horror-Regisseur die düsteren Töne der Story so schön getroffen hat.

      1. …neben dem zweiten Nolan-Batman steht auch Raimis zweiter ‚Spider-Man‘ in meinem Archiv – wegen Doc Oc & der shakespear’schen Beziehung zwischen Peter & Mary-Jane hier!
        Durchweg empfehlbar wäre aus diesem Kosmos noch die Sixties-Version der X-Men, von keinem geringeren als dem ‚Kick-Ass‘-Regiseur Matthew Vaughn.

        Einen näheren Blick wert könnte, kommenden Juli, Luc Bessons Adapion der französischen Comicfiguren Valerian & Veronique sein. Ein erster Trailer gewährt hier leichte Hoffnungen…

        https://www.youtube.com/watch?v=NNrK7xVG3PM

        Sicher kann ich mir allerdings mir dem diesjährigen Star Wars-Anthologie-Film sein:

        https://www.youtube.com/watch?v=II2CSoM43wY

        Sorry…der SF-Fan in mir. ?

        bonte

        1. Ich freu mich auch schon auf den nächsten Star Wars Film 🙂 Luc Besson hat immer interessantes Material, seine Filme sagen mir aber nicht wirklich zu. Eine Sechzigerversion der X-Men stelle ich mir interessant vor! Hat vielleicht den Touch von ‚weird but wonderful‘, der mir so oft bei modernen Marvel-Verfilmungen fehlt.

          1. …’X-Men: First Class‘ kommt wie eine futuristische Version der Sixties rüber. Mit dem ästhetischen Anspruch als wäre der Film auch damals inszeniert worden; einzig der Anspruch an die Figurendarstellung wie die FX sind aus unseren Tagen.
            Matthew Vaughns Filme sind eh anmerkenswert!

            Von Luc Besson schätze ich genau zwei Film – ‚Leo, Der Profi‘ & ‚Das Fünfte Element‘. Beide sind ziemliche Einzelgänger in seinem Ceuvre. Fast könnte man/frau denken Besson wäre der „Mr. Jekyll & Dr. Hyde“ unter den Regiseuren…

            „May the Force be with us“

            bonté

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.