Herbstlesen 2016: Durchstarten

Herbstlesen 2016 Banner Wochenende!! Manche Wochen sind doppelt so lang, selbst wenn sie einen Arbeitstag weniger haben. Aber genug davon, jetzt stürze ich mich erst mal in eine kleine Auszeit.

Über die Woche habe ich schon fleißig in Der lachende Mann und Die Monkey Wrench Gang gelesen. Hugo erweist sich in Der lachende Mann als detailverliebt bis zum Absurden. In einem Kapitel schweift er über mehrere Seiten komplett ab, um sich dann selbst auszubremsen: „So, nun weiter.“ Echt abgedreht.
Im Kern spielt sich aber eine spannende Geschichte ab. Die Comprachicos haben ein kleines Kind an der englischen Küste ausgesetzt und werden auf dem Meer von einem Sturm überrascht. Ihre systematische Grausamkeit wurde genau beschrieben, aber auch das im Sturm verlorene Schiff erzeugt großes Mitgefühl. Dazwischen immer wieder ein Funken Humor. Hach, Hugo!

Spazieren war ich diese Woche auch ein wenig, allerdings ist am Mittwoch unser neuer Fernseher gekommen (endlich kann ich den Abspann lesen!) und hat mich etwas abgelenkt 🙂

Nach dem Frühstück werde ich eine kleine Blogrunde drehen und dann, natürlich, lesen! Und auf gutes Wetter hoffen. Hoffentlich ist es bei euch nicht so trist :/ Ich melde mich dann später hier wieder.


Update ca. 12:30

Nach einem ausgiebigen Frühstück knnte ich schon ein wenig in Der lachende Mann weiterlesen. Der ausgesetzt Junge hat ein Baby an der Brust seiner toten Mutter gefunden und es mitgenommen. Sehr dramatisch, das. Jetzt ist er mit seiner kleinen Last endlich bei Ursus aufgeschlagen, der die beiden zeternd, aber gutmütig, aufnimmt. Er erkennt die operative Entstellung des Jungen und sieht im Morgenlicht, dass das Kleine blind ist.

Leider beginnt der Hauptteil der Geschichte wieder mit einem Exkurs über britische Geschichte und die Republik Cromwells: „Es gab nichts Geheiligtes mehr. Das Wort war frei, die Presse war frei. Man sagte auf offener Straße, was man wollte. […] Aus diesem widerwärtigen Regiment hatte man sich schließlich befreit, und England ward verziehen.“ Hugo hat schon einen trockenen Humor.

Ich denke, ich sollte mich mal mit der Bügelwäsche beschäftigen. Dann kann ich mein Lord of the Rings Hörbuch weiterhören. Ich stecke mitten in The Council of Elrond, dem wohl langwierigsten Kapitel des ersten Teils. Es wird sehr viel erklärt und viele neue Figuren tauchen gleichzeitig auf. Sie sitzen und halten Rat und das ist nun mal nicht sehr spannend. Wie Bügeln eben 🙂


Update ca. 17:30

Kerze, koffeinhaltiges Heißgetränk und mein Wälzer Der lachende MannDas Bügeln ist genauso vorbei wie Elronds Rat, außerdem habe ich mir ein Bad gegönnt und dabei ein paar John Oliver Videos nachgeholt. Jetzt versüße ich mir den restlichen Nachmittag mit einem Schokocappuccino, während ich weiter meinen Hugo lese.

Scheinbar werde ich noch eine Weile mit dem englischen Adel verbringen. Hugo beschreibt die wider Willen verlobten Lord David Moir und Lady Josiane, die ihre Hochzeit hinausschieben, um ihre Jugend zu genießen. Darauf folgen unbequeme Schilderungen über den damals üblichen Sinn für „Fun“ unter den Wohlbetuchten. Das klingt langweiliger als es ist und ich habe schon so eine Ahnung, wie das alles mit dem Jungen zusammenhängt. Ein Drittel des Buches ist geschafft 🙂

Später kommt mein Freund nach Hause und danach werde ich für heute sicher nicht mehr zum Lesen oder Schreiben kommen, darum hoffe ich, die Zeit gut abzupassen und vorher noch mal reinzuschauen.


Update 21:00

Der Himmel hat heute noch ein paar neue Farben anprobiert, es war wirklich schön und ich musste ein paar Fotos machen.

sonnenuntergang am wasserturm sonnenuntergang

Gelesen habe ich nicht mehr viel. Auf Seite 300 habe ich es geschafft und es dann gut sein lassen. Stattdessen habe ich zum Auflockern meinen Gedichtband von Carol Ann Duffy begonnen. Das erste Gedicht ist eine feministische, finstere Version von Rotkäppchen. Sehr vielversprechend!

26 Gedanken zu “Herbstlesen 2016: Durchstarten

  1. Ich kann das gut nachvollziehen mit der Woche – meine ist mir auch recht lang vorgekommen.
    Hier ist das Wetter leider auch sehr trist.
    „Der lachende Mann“ sagt mir bislang gar nichts, klingt aber interessant. Ich muss ja zugeben, dass ich bislang noch gar nichts von Victor Hugo gelesen habe.

    1. Das Buch hatte mir mein unermüdlicher Nachbar geschenkt, ich kannte es damals auch noch gar nicht. Ich muss aber sagen, es wächst mir ans Herz trotz der Weitschweifigkeit. Ich bin sehr gespannt auf die „Haupthandlung“, wenn der kleine Junge im Schnee zu Gwynplaine, der Hauptfigur, wird. Notre-Dame de Paris habe ich als kompakter in Erinnerung und kann es wirklich empfehlen.

  2. Ohja, jetzt wo du über die Weitschweifigkeit des Romans erzählst, habe ich ein Dejavú von „Die Elenden“. Da hat er auch ganz schön weit ausgeholt. Aber gut, irgendwoher müssen die über 1000 Seiten ja kommen. Vielleicht wurde er wie Dumas auch nach Sätzen oder Wörtern bezahlt. ;D Wenn dein Geld davon abhängt, fallen einem bestimmt viele Dinge ein, die noch ins Buch müssen. Ist ja fast wie bei einer Hausarbeit… Irgendwas findet sich immer, was über 10 Ecken noch reinpasst. ;D

    1. 😀 Ja wer weiß. Mich hat es auch an Dumas erinnert (von dem ich aber selbst noch nichts gelesen habe). Immerhin hat man das Gefühl, das Hugo große Freude an seinem ‚Gefasel‘ hat und sich nicht jedes Wort abringen muss wie Thomas Mann (der das selbst von seinem Schreibprozess gesagt hat).

  3. Wochenende kann schon verflixt wohlverdient sein, nicht wahr? 😉

    Ich weiß immer nicht, ob du mich neugierig auf Victor Hugo machst oder abschreckst. Irgendwann werde ich mir wohl selber einen Eindruck verschaffen müssen. *g* Ich wünsche dir auf jeden Fall weiter viel Spaß mit der Geschichte – trotz all der Abschweifungen!

    Elrond ist wirklich nicht gerade der fesselnste Gastgeber, aber zum Bügeln passt es doch bestimmt hervorragend!

    1. @Winterkatze: Ich würde es an deiner Stelle vielleicht mit dem „Glöckner von Notre Dame“ versuchen, falls du mal Hugo versuchen willst. Das Buch ist, zumindest in meiner Erinnerung, nicht so langatmig und ausschweifend wie z. B. „Die Elenden“ – was auch schon an den unterschiedlichen Seitenzahlen abzusehen ist. Der Glöckner liegt seitentechnisch, glaube ich, irgendwo im Durchschnitt, während die Elenden mit 1600 Seiten elendig lang sind. Und ich glaube, das Buch, das Sam liest, ist auch ein dicker Klöpper.

      1. Der Glöckner ist auch wirklich toll und viel lustiger, als man vielleicht denkt.
        Der lachende Mann ist als Einstieg jedenfalls nicht so prickelnd denke ich, weil es schon mehr Arbeit macht. Meine Ausgabe hat de facto 800 Seiten, aber die Schrift ist recht groß. Trotzdem, dass sowas noch „Taschenbuch“ heißt, ist schon komisch 🙂

        1. Dabei habe ich vor dem Glöckner die meisten Hemmungen, weil ich das Gefühl habe, ich würde die Geschichte (wenn auch nur durch die vielen Adaptionen) schon kennen. Aber irgendwann werde ich mal schauen, ob ich nicht doch einen Versuch mit dem Autor wage. Ich habe ja schon den Ehrgeiz zumindest ab und an mein Klassikerwissen zu erweitern!

          John Oliver und Schokocappuccino klingen nicht schlecht. Ich hätte da auch noch einige Videos von ihm, die ich schauen wollte. Irgendwie scheint die Zeit dafür nie zu reichen, obwohl sie doch so kurz sind.

          1. Hm, eine Chance lohnt sich immer. Ich kannte ja nur die Disney-Version und war hinterher doch recht „überrascht“. 😀 Aber gut, keine Welt ist so heil wie die Disney-Welt. ;D
            Ich empfehle dir trotzdem einen Versuch, auch wenn du die Geschichte schon durch Adaptionen kennst. 😉

      2. Wie passend – ich habe gerade meine Kinderausgabe vom „Glöckner“ aussortiert und mir die Fischer Klassik-Ausgabe besorgt. Habt ihr auch noch solche gekürzten Ausgaben aus eurer Kindheit? Mein „Glöckner“ aus dem tosa Verlag hatte jedenfalls gerade mal 300 Seiten (die Fischer-Ausgabe hat um die 700).

        1. Ich bin mir sicher, dass so einige heißgeliebten Bücher in meinem Regal gekürzt sind. Bislang habe ich mich nur nicht getraut genauer zu recherchieren. Aber spätestens wenn die Bücher doch wieder ins Regal wandern, werde ich mich damit wohl auseinandersetzen müssen.

        2. Ich hab auch die Fischer-Klassik-Ausgabe vom Glöckner. (:

          Kinderbücher habe ich keine mehr, aber meine Moby Dick Ausgabe ist gekürzt ): Ich hasse gekürzte Ausgaben und würde mir freiwillig keine kaufen.
          Ansonsten ist es ähnlich wie bei der Winterkatze: vor allzu intensiver Recherche schrecke ich zurück. ;D

          1. Ha, stimmt, ich habe vor einigen Jahren eine gekürzte Ausgabe von Moby Dick gekauft! Sie war so hübsch, mit Illustrationen im 50erjahre-Stil. Ja, so was habe ich. Nur noch nicht gelesen :/

          1. Ja, einen gekürzten Robinson Crusoe konnte ich auch vorweisen, habe ich aber auch vor einer Weile ersetzt.

            Klassikerausgaben für Kinder sind fast immer gekürzt und/oder bearbeitet, aber das sind nun mal die, die man als Kind bekam. Jetzt würde ich mir die natürlich auch nicht mehr wissentlich kaufen 🙂

  4. „(endlich kann ich den Abspann lesen!) “
    ?! So klein?

    John Oliver – die Winterkatze hat mich mit ihm angefixt! Die letzte längere Sendung vom vergangenen Sonntag habe ich allerdings auch noch nicht gesehen.

  5. Eine „feministische, finstere Version von Rotkäppchen“?! Das klingt interessant!

    Der Himmel hat sich wirklich große Mühe gegeben – schön, dass du die Farbpracht einfangen konntest! 🙂

      1. Ich auch nicht, aber es gibt ja auch so viele Arten Lyrik jenseits der Schullektüre. Die erkunde ich jetzt ein bisschen. Carol Ann Duffy ist zum Beispiel sowohl lustig als auch etwas düster. Und Science Poetry, also Science Fiction in Gedichtform, hbe ich auch entdeckt. Natürlich braucht es trotzdem immer extra Geduld dafür, darum gehe ich es locker an.

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