Terry Pratchett: Nation (Eine Insel)

Von Terry Pratchett habe ich bisher ausschließlich seine Scheibenwelt-Romane gelesen. Nicht alle, aber ein bis zwei Dutzend sind es schon. Nation, zu deutsch Eine Insel, ist etwas ganz anderes. Und doch typisch Pratchett.

schiffbruch nach Hernan Piñera, CC BY-SA
Hernan Piñera (CC BY-SA)

Maus Stamm hat schon immer auf Nation gelebt. Doch während er auf einer anderen Insel einen Ritus erfüllen soll, der ihn zum Erwachsenen macht, löscht eine Riesenwelle seinen gesamten Stamm und damit seine Geschichte aus. Als er bald darauf auf das „Geistmädchen“ trifft, öffnet sich ihm eine völlig neue Welt.
Daphne, neben einem fluchenden Papagei die einzige Überlebende der im Sturm beschädigten und vor Nation gekenterten „Sweet Judy“, versucht sich auf der fremden Insel zurechtzufinden. Auch sie, die im Umfeld der Royal Society aufgewachsen ist, wird von den neuen Umständen überwältigt.

Mir ist vorher nie so klar geworden, wie genau Pratchett menschliches Verhalten und die Seltsamkeiten unseres Denkens erfasst. Dabei wird er aber nicht zynisch, sein Witz ist immer wohlwollend und freundlich. In Nation treffen zwei Weltbilder aufeinander, aber auch zwei junge Menschen, die sich verstehen lernen. Dass das alles so gut verläuft, ist Teil dieser Sicht auf die Welt. Der Zyniker in mir sagt: „Wahrscheinlicher wäre doch, dass die beiden Angst voreinander haben und es zu Mord und Totschlag kommt.“ Doch Terry Pratchett zeigt diese Möglichkeit, diesen vielleicht unwahrscheinlichen Fall, der aber viel schöner zu lesen ist als die Alternativen.

beach-sand-island-shore-coast-vacation-waterDie Hauptcharaktere Mau und Daphne sind sich im Grunde sehr ähnlich: Beide mutig, zupackend und freundlich im Angesicht von traumatischen Ereignissen. Obwohl sie keinen größeren Anteil an der Geschichte hat als Mau, bin ich ein Daphne-Fan. Nach und nach lässt sie die Masken der (viktorianischen?) Gesellschaft fallen und entwickelt einen ganz eigenen, starken Charakter. Die anfängliche Hoffnung, ihr Vater werde sie retten kommen, tritt immer mehr in den Hintergrund.  Gemeinsam legen die beiden den Grundstein für eine neue Nation und entdecken auch alte Geheimnisse von Maus Ahnen.

Eine schöne Coming-of-Age-Story, in der noch einiges mehr steckt. Am Ende habe ich sogar eine kleine Träne verdrückt.

Neues im Bücherregal. Die England-Ausgabe

Einen besonderen Buchbummel, auf den ich mich schon lange gefreut hatte, war mein Englandurlaub mit Abstecher nach Hay-on-Wye, der Bücherstadt. Da ich den Rummel vor Ort schon kannte, war ich vorbereitet: Eine wohlorganisierte Wunschliste im Schlepp zog ich los, sie alle zu fangen 🙂

Meine Liste enthielt ausschließlich Bücher, die nie oder noch nicht übersetzt wurden oder solche, die ich einfach lieber auf Englisch lesen möchte. Einige Bücher waren auch dabei, die ich erst einmal in der Hand halten wollte, bevor ich sie bestelle und es vielleicht bereue.Bücherstapel Science Fiction Fantasy

Spider Robinson: Callahan’s Crosstime Saloon
Kurt Vonnegut: Cat’s Cradle
Richard Matheson: I Am Legend
Joe Haldeman: The Forever War
Ray Bradbury: Something Wicked This Way Comes
Guy Kavriel Kay: A Song For Arbonne
Steven Erikson: Gardens of the Moon
Joanne M. Harris: The Gospel of Loki

Von Callahan’s Crosstime Saloon habe ich ja bereits berichtet. Andere Bücher, die ich auf Empfehlungen hin gekauft habe, waren A Song for Arbonne (Neyashas Tipp als Alternative zu Tigana vom selben Autor) und I Am Legend (was von Ariana kam).

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Ann Patchett: Bel Canto
Caitlin Moran: How To Build A Girl
Ann Carol Duffy: The World’s Wife

Bel Canto habe ich gar nicht gekauft, sondern in einer wunderschönen Kirche am Meer in einem Tauschregal entdeckt! Ich musste einfach ein Buch mitnehmen und von Ann Patchett schwärmen ja viele. The World’s Wife wiederum war auf meiner Wunschliste: Ein Gedichtband über die Frauen hinter den „großen Männern“. Die Gedichte scheinen auf den ersten Blick witzig und clever.

Ich fühlte mich sehr erfolgreich nach dem Bummel in Hay-on-Wye: Ich hatte wenig ausgegeben, fast nur die geplanten Bücher gekauft und auch einige Wünsche von der Liste gestrichen, weil mir die Bücher doch nicht gefallen haben. Und dann kam Oxford.nf-quantum-subliminal-victorians-british-history

Brian Cox / Jeff Forshaw: The Quantum Universe
Leonard Mlodinow: Subliminal
Caroline Rochford: Great Victorian Discoveries
John O’Farrell: An Utterly Impartial History Of Britain

Ich habe einen neuen Grund gefunden, dankbar für die Buchpreisbindung in Deutschland zu sein. Ein halbe Stunde in Blackwell (einem renommierten und sehr großen Buchladen) und nur ein klarer Moment rettete mich vor dem Bankrott. In der wissenschaftlichen Abteilung bemerkte ich die Aufkleber auf den Taschenbüchern „3 for 2“. Darum die 3 Sachbücher im Einkauf. Befriedigt stieg ich in den dritten Stock, um die Second Hand Abteilung zu erkunden. Viele Studenten verringern durch den Wiederverkauf ihrer Bücher ihre Studienkosten. Dort fand ich etwas, das ich schon lange suchte: Eine humorvolle, leichte Geschichte Großbritanniens. Ich bin keine Historikerin und brauche es nicht allzu genau, daher habe ich gerne ein paar Pfund in ein sehr gut erhaltenes Hardback investiert. Als ich wieder runterkam sah ich, dass die fatalen „3 for 2“-Aufkleber auch auf Belletristik-Bänden, ja, eigentlich auf allen möglichen Büchern klebten! Nach einem kurzen Aussetzer (so viele Möglichkeiten!) verließ ich schnurstracks das Geschäft. Aus Sicherheitsgründen.

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Zwei Bücher, die ich inspiriert durch Leonard Mlodinows Das Fenster zum Universum (eine Geschichte der Geometrie) haben wollte. Dieses Buch hatte ich auf Englisch gelesen und dadurch jegliche Angst vor der englischen Sprache verloren und wollte nun mehr über Stringtheorie und die Beschaffenheit der Welt erfahren. Darum war The Quantum Universe auf meiner Liste gelandet. Subliminal habe ich dann wegen dem Autor, Mlodiow selbst, eingesackt. Das Unbewusste und der Zusammenhang mit unserem mehr oder weniger freien Willen interessiert mich natürlich auch.

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Great Victorian Discoveries war das dritte Buch meines „3 for 2“-Bundles. Nachdem mich die Dokumentarserie What the Victorians did for us von der BBC vor Jahren auf diese Periode gestoßen hat, nahm ich ohne groß zu überlegen dieses Sammelsurium an Fakten und Anekdoten mit. John O’Farrells Buch hat mich zwischen Bänden über verschiedene Kriege und wichtige Männer der Geschichte besonders angesprochen. Es sieht mächtig aus, enthält aber vergleichsweise leichte Kost. Die ersten Seiten waren schon sehr lustig und lassen auf mehr hoffen.

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Zwei dicke Bücher! Warum hat mich niemand gewarnt, wie viele Malazan-Bücher es gibt?!

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Fast unsere Welt: Eine Bar, ein Zirkus. Aber etwas ist entschieden anders.

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Ein paar Klassiker verschiedener Subgenres.

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Trotz gemischter Bewertungen mitgenommen. Das Cover ist aber auch schön.

Mit dieser kleinen Orgie habe ich meine SuB-Abbaupläne natürlich zurückgeworfen. Ich hoffe, den Rest des Jahres deutlich kürzer zu treten und mich ganz besonders auf mein eigenes Regal zu konzentrieren. Die Shoppingtour hatte ich mir aber redlich verdient und ich bereue nichts 🙂

#wklm2016

wklm2016Raus  aus dem Urlaub und rein ins Lesevergnügen!

Etwas verspätet steige ich in Kerstins Lesemarathon ein. Dafür habe ich aus dem Urlaub (wie versprochen) jede Menge neue Bücher mitgebracht. Am liebsten hätte ich noch ne Woche Urlaub, um mit dem Lesen richtig loszulegen. Aber dafür ist ja der Marathon auch gut 🙂

Einen richtigen Leseplan muss ich mir noch überlegen, dafür ist hier noch zu viel Chaos. Leider wird ein Teil meiner Zeit auch in unangenehme Urlaubschaos-Beseitigungsmaßnahmen fließen müssen; Wäsche waschen, einkaufen, etc.

Als Erstes verschwinde ich jetzt in die Badewanne, bewaffnet mit einer uralten Ausgabe von Die Zeitreisenden in Callahans Saloon. Das habe ich im Urlaub endlich ergattern können und schon die ersten paar Seiten gelesen. Aber mehr später!


Nachdem ich mich um Administratives gekümmert habe, ist es Zeit für einen Leseplan. Ich stelle euch einfach ein paar Bücher vor, die mich gerade anlächeln:

callahan's crosstime saloonSpider Robinson: Callahan’s Crosstime Saloon

Mit dieser Kurzgeschichtensammlung habe ich ja bereits begonnen. Darauf aufmerksam geworden bin ich durch Patrick Rothfuss, dem Autor von Der Name des Windes. Robinsons Texte spielen sämtlich in dem berüchtigten Saloon von Callahan, ein Ort mit Herz und Hang zum Absurden. In der ersten Geschichte war ein Außerirdischer zu Gast und in der jetzigen ist ein Zeitreisender Mittelpunkt des Geschehens.

Weitere Optionen. Bücher, auf die ich gerade Lust habe

Peter S. Beagle: He! Rebeck!

Liegt schon viel zu lange ungelesen im Regal. Ich liebe Das letzte Einhorn und erinnere mich, dass der Beginn des Romans in einem meiner Schulbücher abgedruckt war und mich faszinierte. Vielleicht habe ich nur Angst, dass es nicht so gut ist wie erhofft.

Sina Beerwald: Mordsmöwen

Hat mir Leser RoM freundlicherweise zum Tag des Buches geschenkt (letztes Jahr *schock*). Meine letzten Urlaubstage scheinen mir der perfekte Zeitpunkt für diese Lektüre.

Carol Ann Duffy: The Worlds Wife

Ganz neu auf meinem SuB, sozusagen eine weitere Vorschau auf den kommenden Beitrag über das Bücherkaufen in Großbritannien. Für Gedichte braucht es etwas Zeit, aber mal hier und dort zwischendrin ein Gedicht ist vielleicht genau das Richtige.


Freitag

Puh, so richtig zum Lesen komme ich heute nicht. Tatsächlich haben sich zwei andere Bücher in meinen Tag gedrängt: Zwischendurch lese ich immer wieder etwas in Die Kinder aus Bullerbü. Das eignet sich super für kleine Pausen, weil die Kapitel sehr kurz sind und zwischen den Kapiteln wenig Zusammenhang besteht.
Dann habe ich gestern vergessen, mein Hörbuch der Stunde zu erwähnen: Die Gefangene von Marcel Proust ist der fünfte Teil von Auf der Suche nach der verlorenen Zeit. In diesem Band konzentriert sich der Erzähler zum Glück wieder mehr auf äußere Ereignisse. Die letzten Teile handelten ja größtenteils von sehr kurzen Zeitspannen, die sich über endlose Verschachtelungen und Exkurse ausdehnten. Allerdings bin ich noch nicht sehr weite gekommen – es ist also noch alles möglich.

Da ich sonst nichts zu berichten habe, komme ich zu Kerstins heutiger Frage:
So ziemlich jeder hat einen Lieblingsprotagonisten, aber wenige einen Fiesling als besonderen Liebling. Wie ist es bei euch?

Ich habe weder das eine noch das andere, weiß aber beides sehr zu schätzen! Unter den Fieslingen jagen mir zum Beispiel Mrs. Danvers aus Rebecca oder Dolores Umbridge (Klassiker, ich weiß) wohlige Schauer über den Rücken, ich will das Buch anschreien und in die Ecke werfen. Ich tue es natürlich nicht. Sowas macht man nicht mit unschuldigen Büchern.


Samstag

Heute bekomme ich Besuch und werde also nicht allzu viel lesen können. Darum noch schnell die heutige Frage:
Frage 6: Welches Buch würdet ihr gerne noch einmal zum allerersten Mal lesen?

Ganz klar Der Herr der Ringe. Das Buch habe ich gelesen als ich 12 oder 13 war und es war mein erstes ‚Erwachsenenbuch‘. Und der Beginn einer großen Liebe 🙂
Würde ich das Buch heute zum ersten Mal lesen, hätte ich eine ganz andere Beziehung dazu, vielleicht sogar eine problematische. Ich meine, in Tolkiens Fiktionen gibt es praktisch keine Frauen. Und sich Zeit für 1000 Seiten zu nehmen fällt mir heute auch deutlich schwerer.

Gestern habe ich noch die zweite CD von Die Gefangene beendet, die größtenteils von Marcels Gejammere über seine Geliebte, die er nicht mehr liebt, handelt. Hat schon ein schweres Leben, der arme Junge 😉 In Callahan’s Crosstime Saloon bin ich jetzt ungefähr auf der Hälfte. Was für eine ungewöhnliche Mischung aus Wortspielen und liebenswerten Wendungen. Ich bin hin und hergerissen wegen dem Englisch: Einerseits gehen mir dadurch bestimmt einige Witze und Feinheiten durch die Lappen, andererseits lässt sich sowas sowieso schlecht übersetzen, sodass eine deutsche Ausgabe mir auch nichts gebracht hätte.
Die Kinder aus Bullerbü plätschert unaufgeregt vor sich hin. Ein paar Szenen lassen mich schon in Erinnerungen an die eigene Kindheit eintauchen.


Sonntag

Schon ist die Woche zu Ende! Trotz jeder Menge Ablenkung bin ich doch noch ein wenig zum Lesen gekommen. Vor allem, dass ich die ersten 3 CDs von Die Gefangene (Proust, ihr erinnert euch) schaffe, war eine Überraschung. Die letzten Sonnenstunden genieße ich nun hoffentlich auf unserem Balkon und lese Callahan’s Crosstime Saloon zu Ende. In der jetzigen Geschichte hat sich ein weibliches Wesen in die Bar verirrt, was für wesentlich mehr Verwirrung sorgt als die üblichen Aliens und Zeitreisenden 🙂

Update: Bin fertig mit den Bar-Kurzgeschichten. Sehr liebenswert. Ob ich jemals den zweiten Band bekommen kann? Als nächstes fange ich mit Jenseits von Eden an. Weit kommen werde ich wohl nicht, aber loslegen kann ich ja trotzdem.