Fremde Welten, liebeskranke Hexen und verzweifelte Hausfrauen: Gelesenes im Juli, Teil 1

Oh witch, please! und einige andere Podcasts, die ich momentan non-stop höre, nehmen mir die Zeit zu lesen. Muss auch mal sein 😉
Das sind die Bücher, die ich trotzdem in den letzten Wochen gelesen habe:

Tonke Dragt: Meere von Zeit. Auf der anderen Seite der Tür

Tonke Dragt Meere von ZeitTonke Dragt war eine Heldin meiner Kinderjahre: Geboren in einem nicht mehr existierendem Land, war sie nicht nur die Autorin meiner Lieblingsbücher, sondern selbst eine faszinierende Persönlichkeit. Doch mit der bis heute unvollendeten „Meere von Zeit“-Reihe bin ich von Anfang an schlecht klargekommen. Die Figuren sprechen seltsam ruppig und eigentlich hat man bis zum Ende höchstens eine wage Vorstellung, was überhaupt los ist. Dazu frustrierte mich Hauptfigur Otto durch sein grundloses Schweigen, wann immer neugieriges Nachfragen angebracht gewesen wäre. Eine faule Masche ist das, um Hintergrundwissen vor dem Leser zu verbergen. Außer ein paar Physik- und Science Fiction-Anspielungen konnte ich aus diesem Jugendroman leider nichts gewinnen.

Deborah Harkness: A Discovery of Witches

Noch ein herber Reinfall war der Auftakt zur All Souls-Trilogie. Dabei fing alles so gut an: Eine junge Wissenschaftlerin stößt in Oxford auf ein verhextes Manuskript und plötzlich haben es sämtliche Zauberwesen auf sie abgesehen. Die Beschreibungen der Stadt und der Bodleian Bibliothek machten mich richtig nostalgisch; auch die Ruderszenen sprachen mir aus der Seele (das Meditative an diesem Sport habe ich noch nirgendwo so treffend beschrieben gesehen). Doch plötzlich verwandelte sich der Roman in eine unsägliche Schnulze. Unfassbar langweilige und so gar nicht romantische Passagen folgten. Am Ende stellte sich sogar heraus, dass der gesamte Band als Prolog für den Rest der Serie zu verstehen ist. Ach ja, und Logik sucht man hier ebenso vergebens wie Spannung. Eine herbe Enttäuschung.

Patricia Highsmith: Ediths Tagebuch

Familie, Haus in den Suburbs, Garten, Freunde: Edith lebt das perfekte amerikanische Leben. Doch die Fassade bröckelt und mit ihr Ediths Psyche.
Patricia Highsmith ist unbestritten die Königin des psychologischen Thrillers. Ihre Beobachtungen sind so präzise wie schockierend. Dabei ist dieser Roman eher bedrückend als spannend. Meine Begeisterung für The talented Mr. Ripley ist immer noch ungeschlagen. Wenn man aber bedenkt, dass Ediths Tagebuch in der amerikanischen Vorstadtidylle derFünziger und Sechziger spielt, passt der gemächlichere Ton vollkommen. Ein „langsamer“ Schocker.

4 Gedanken zu “Fremde Welten, liebeskranke Hexen und verzweifelte Hausfrauen: Gelesenes im Juli, Teil 1

  1. Ich kenne von Tonke Dragt nur „Die Türme des Februar“ und das habe ich sogar erst als Erwachsene gelesen, aber mir hat das Buch sehr gut gefallen. Schade, dass die „Meere der Zeit“-Reihe nicht so gelungen ist. So ein erzwungenes Schweigen, damit die Leser nicht zuviel erfahren, finde ich auch immer zäh.

    1. Die Türme des Februar fand ich als Kind total unbefriedigend, konnte dem Buch aber später deutlich mehr abgewinnen. Vielleicht wäre das ja bei Meere von Zeit umgekehrt gewesen?
      Aber ich mache mir nichts vor: Das war einfach ein totaler Reinfall ohne jede Chance auf Revision.

  2. Was für Podcast beschäftigen dich denn gerade?
    Sind da auch welche zum Lesen oder Schreiben dabei?
    Ich habe nämlich gerade das Genre Podcast für mich entdeckt und durchwühle nun alles nach interessanten Sachen 😀 Würde mich über Tipps freuen.

    Liebe Grüße, Anja

    1. Nicht direkt zu diesen Themen. Mein Liebling ist Oh Witch, please! ein Podcast über die Harry Potter Welt. Er ist in englischer Sprache, aber wenn dich das nicht stört, finde ich ihn auch gut, um thematisch sensibilisiert zu werden, was Harry Potter so toll macht und wo J. K. gepennt hat, was Repräsentation von Minderheiten und ähnliches angeht. Ist zwar akademisch, macht aber mächtig Fez.

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