Das Leben: ein Fest, ein Kampf, und immer wieder überraschend. Gelesenes

Leider lag ich eine Woche krank im Bett und habe darum in der zweiten Junihälfte nicht viel gelesen. Ich kann mich einfach nicht genug konzentrieren, wenn ich Fieber und Kopfschmerzen habe, leider.

Ernest Hemingway: Paris. Ein Fest fürs Leben

Hemingway ParisHemingway und ich – keine Lovestory. Gescheitert sind wir schon des Öfteren, so richtig per du waren wir nie. In seinen Memoiren über die Zwanzigerjahre in Paris weckten in mir aber neue Hoffnung. Ich meine, was gibt es Spannenderes als einen Insider-Bericht über diese Epoche: Midnight in Paris, nur real? Ich hatte tatsächlich viel Freude an dem Buch; doch auch diesmal bleibt die Kritik nicht weit. Meine Rezension „Paris: Ein Fest fürs Leben“ hier.

Sara Gruen: Wasser für die Elefanten

Nach Binewskis mein zweiter Zirkusroman des Jahres, aber der Unterschied könnte nicht größer sein. Hier erzählt ein alter Mann aus dem Altenheim von seinen Erinnerungen als Tierarzt in einem der letzten großen Zirken der USA am Ende einer Ära. Die Rahmengeschichte hätte nicht sein müssen und war teils am Rande des Kitsch. Die Teile über den Zirkus haben mir gut gefallen, doch das Genre ist mir letztendlich doch in die Quere gekommen: Die Liebesgeschichte hat mich genervt, weil sie mehr und mehr Platz in der ansonsten flüssigen Erzählung eingenommen hat. Am Ende bleibt ein nur lauwarmes Gefühl zurück. Als Love Story mit schönen Add-ons kann ich Wasser für die Elefanten aber empfehlen.

Andrew Kaufman: Alle meine Freunde sind Superhelden

Andrew Kaufman: Alle meine Freunde sind SuperheldenTom ist umgeben von Superhelden: Selbst seine Frau, die Perfektionistin, ist „anders“. Auf ihrer Hochzeit hat ein Verflossener sie hypnotisiert, sodass Tom nun für sie tatsächlich unsichtbar ist.
Dieses sehr kurze Büchlein versammelt neben Toms Geschichte auch eine Horde abstruser Superheldenfiguren, die mit einer kurzen Beschreibung als hors d’heuvre eingestreut sind. Während dem Lesen war ich gut unterhalten, aber leider waren es eher die höchst originellen Begabungen, die Kaufman sich hat einfallen lassen, die mich gefesselt haben. Die eigentliche Geschichte war eher so là là und mir zu knapp. Knapp umrissene Figuren sind nicht mein Fall, da halfen auch nicht die wunderbar surrealen Situationen und Ideen, die Kaufman hier eingebaut hat.

Erich Maria Remarque: Im Westen nichts Neues

Jahrelang bin ich Remarque ausgewichen – Kriegsgeschichten sind meine Sache nicht. Nachdem ich aber in den letzten Jahren immer wieder begeisterte Stimmen zu dem Roman gehört habe, lieh ich das Buch doch aus. Der Krieg ist hier als menschliche Katastrophe stets präsent, doch geht es ausschließlich darum, wie der Protagonist und seine Kameraden mit der Tatsache umgehen, Teil dieses Krieges zu sein. Mit weiten Gedankengängen zur Menschlichkeit und Unmenschlichkeit des Krieges und teils herzzerreißend schöner Prosa hat mich Remarques Text gewonnen.

Alina Bronsky: Baba Dunjas letzte Liebe

Die Geschichte um Baba Dunjas Leben zwischen verstrahlten Tomaten, ehrfürchtigen Nachbarn und einer fernen Familie in Deutschland hat mir erstaunlich gut gefallen. Eine volle Rezension zu Bronskys Roman habe ich auch geschrieben.

3 Gedanken zu “Das Leben: ein Fest, ein Kampf, und immer wieder überraschend. Gelesenes

  1. Oje, ich hoffe, du bist jetzt wieder ganz fit.

    Mit Hemingway bin ich bislang auch noch nicht so ganz warm geworden und bei „Wasser für die Elefanten“ fand ich zumindest den Film auch ziemlich kitschig. Noch dazu haben Pattinson und Witherspoon dermaßen lahm gespielt (zwischen den beiden hat auch die Chemie nicht wirklich gestimmt), dass eigentlich nur Christoph Waltz und die Elefantendame noch ein bisschen was rausreißen konnten. Mal sehen, ob ich irgendwann noch zum Buch greife, aber ich bezweifle es.
    Baba Dunja hat mich ja sehr begeistert und Remarque … tja, das ist bei mir auch noch so eine Lücke. Wird wirklich Zeit, dass ich den Roman mal lese.

    1. Ich kann ihn empfehlen 😉 Liest sich auch flüssig. – Von der Verfilmung halte ich mich definitiv fern, was ich bisher davon gesehen habe, lässt meine Warnsirenen klingen 😀

  2. Hoi, Sam.
    Wenn ich krank danieder liege, kann ich mich bestenfalls noch auf das Radio konzentrieren. Der Wechsel zwischen heißen & feuchtkalten Tagen ist dieses Jahr aber auch ausgeprägt; Sommergrippe-Wetter eben.

    Eine unnötige Rahmenhandlung…spontan kommt mir hier die Jetztzeit-Schiene in „Grüne Tomaten“ in den Sinn; zumindest in der Verfilmung wirkt sie störend, weil ausgewalkt & die eigentlich wesentliche Story unterbrechend.
    Beim Film ‚Wasser Für Elefanten‘ schrillte mir im Voraus bereits die Sirene; der Trailer reicht. 😉

    Remarques Buch war bei Braunhemd & Stahlhelm nicht umsonst verfemte Literatur. Das Gehorchen hat in allen Ideologien seinen zentralen Platz.
    Lesenswert ist auch Remarques Buch über die Heimgekehrten des Ersten Weltkriegs, „Der Weg zurück“.

    bonté

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