Neuzugänge: Neue Bücher braucht der SuB

Normalerweise gibt es bei mir keine Posts über neue Bücher im Regal. Normalerweise ziehen bei mir auch nur ein oder zwei Bücher im Monat ein. Ihr ahnt schon, warum dieser Post erscheint: Viele neue Bücher.

Ich habe mir ein bisschen was gegönnt 🙂

neue Bücher April 2016Über das Bilderbuch Interstellar Cinderella habe ich bereits geschwärmt.
Fannie Flaggs Grüne Tomaten habe ich vor einiger Zeit bereits mit großer Freude gehört und mir jetzt mein eigenes Exemplar zugelegt.
Der Fluss der Seelen habe ich in einem öffentlichen Bücherregal (in Form einer britischen Telefonzelle) gesehen. Da ich mehr von Dianna Wynne Jones lesen will, habe ich es mitgenommen.
Sturmnacht war ein vielverpsrechender Auftakt, da habe ich mit Wolfsjagd direkt Teil 2 der Harry Dresden Reihe von Jim Butcher gekauft.
Wo ich von Pierre Pevel gehört habe, weiß ich leider nicht mehr, aber Drachenklingen habe ich nun auf Tauschticket ausfindig gemacht.
Da Barry Hugharts Die Brücke der Vögel Teil meines Fantasy-Leseprojekts und davon abgesehen praktisch nicht mehr zu bekommen ist, habe ich mich sehr gefreut, dieses Buch in bereits erwähntem Bücherregal zu finden.
Der gute RoM hat es auch in diesem Jahr nicht unterlassen, mir zum Welttag des Buches einen Roman zukommen zu lassen! Ich bedanke mich herzlich für Sina Beerwalds Heringsmord!
Auch ein Roman, der in meiner Sammlung fehlte, ist Der Besuch des Leibarztes von Per Olov Enquist, den ich unbedingt noch einmal lesen will.
Zuguterletzt noch ein Buch aus dem öffentlichen Regal: Celia Rees‘ Piraten!


Wie immer freuen mich eure Meinungen zu den erwähnten Büchern oder zu euren neuesten Errungenschaften!

Bilderbuch: Interstellar Cinderella

Interstellar Cinderella Cover Im Buchladen gesehen und sofort mitgenommen: Das kommt bei mir höchst selten vor. Mit dem bunten Bilderbuch Interstellar Cinderella ging es mir aber so.

Interstellar Cinderella erzählt das Märchen von Aschenputtel als feministisches Sci-Fi-Abenteuer in bunten Bildern und humorigen Versen.

Once upon a planetoid,
amid her tools and sprockets,
a girl named Cinderella dreamed
of fixing fancy rockets.

Cinderellas größter Wunsch ist es, Raumschiffe zu reparieren, was sie nachts lernt, nach getaner Arbeit. Ihr einziger Freund ist ein Roboter in Mausform. Als die Familie eine Einladung zur königlichen Weltraumparade erhält, muss Cinderella daheim bleiben …

Die pointierten Reime sind an diesem Bilderbuch (das ganz und gar nicht nur für Kinder ist!) mein Lieblingspart. Einmal gelesen kann ich bereits Teile davon auswendig, weil die Sprache so eingängig ist.

Die Illustrationen sind bunt und warm, es wird viel mit rundlichen Formen gearbeitet, ohne auf den Kawaii-Faktor zu setzen.

Interstellar Cinderella DetailInterstellar Cinderella Detail

Interstellar Cinderella war Meg Hunts erste Buchillustration. Vorher hatte ich ihre Arbeit schon in der New York Times gesehen. Das farbenfrohe Spektakel macht Lust, das Buch einfach durchzublättern.

Ich hatte (und habe!) riesigen Spaß mit dem toughen Aschenputtel aus dem All. Auch nach einigen Wochen kann ich nicht daran vorbeigehen, ohne einen Blick reinzuwerfen.

Zum 400. Todestag Shakespeares: 5 geniale Dramen

theaterstueckeHeute ist der Welttag des Buches, und ein Grund dafür ist Shakespeares Todestag. Dieser jährt sich heute zum 400. Mal. Das machte mich über die Dramen grübeln, die nicht von Shakespeare stammen. So kam diese kleine Liste von Stücken zusammen, die ich richtig toll finde und weiterempfehlen kann. Hier also Leseempfehlungen (oder gerne auch Anschauempfehlungen!) aus der Theaterecke:

Who’s afraid of Virginia Woolf? (Edward Albee)

edward-albee-whos-afraid-of-virginia-woolfSpäter Abend, ein Ehepaar kehrt betrunken von einer Party nach Hause. Sie streiten. Und der Abend dauert noch lang: Ein weiteres, junges Paar verirrt sich in den Fängen dieser Ehe.
Gerade erst habe ich dieses aufwühlende und finster-lustige Drama gelesen. Während des ersten Aktes überwog noch der Eindruck „Oh Gott, sind die kaputt!“ Doch dann entwickelte ich Mitgefühl für die Figuren. Das Stück ist äußerst klug konzipiert und eignet sich super zum Lesen durch die teils sehr expliziten, aber trotzdem kurzen Regieanweisungen.

Stella (die Urfassung, Johann Wolfgang von Goethe)

Stella Hamburger Hefte Cover Verlorene Liebe, schöne trauernde Witwen und ganz, ganz viel Gefühl!
Stella war so revolutionär, dass es Goethe selbst nach enigen Jahren nicht mehr verkraftete und den Schluss dieses ultra-pathetischen Stücks in eine Tragödie änderte. Ich finde es einfach urkomisch. Ein Muss für traumatisierte Goetheleser (#Schulerinnerungen) und die, die ihn mal von seiner schwärmerischen und etwas lächerlichen Seite kennenlernen wollen. Ich habe das Stück noch nicht auf der Bühne gesehen, stelle es mir aber in der richtigen Inszenierung göttlich vor. Bräuchte allerdings einen Schuss Selbstironie.

Die Physiker (Friedrich Dürrenmatt)

Die Physiker suhrkamp CoverEin Irrenhaus voller brillianter Physiker. Ein Mord. War der Täter unzurechnungsfähig?
Dieses Drama war das erste, was ich, 11-jährig, freiwillig außerhalb der Schule las. Meine Liebe zu Dürrenmatt war sofort zementiert. Er ist ein Meister des Gedankenexperiments, und in Die Physiker bringt er Komik und Tragik auf unausweichliche Art zusammen. Womöglich das beste Theaterstück aller Zeiten. Liest sich gut und viel zu schnell. Auf der Bühne gehen schnell einige Subtilitäten verloren.

The Importance of Being Earnest (Oscar Wilde)

Eine Verwechslungskomödie der anderen Art – gefüllt mit schrägen Typen und Gurkensandwiches.
Was wäre eine solche Liste ohne Wilde? Wilde, der so gekonnt Spitzen austeilen und in Doppeldeutigkeiten versinken konnte? Wer was zum Lachen sucht, der nehme Oscar Wilde zur Hand. Ich kann auch die herrlich-schrille, wenn auch nicht ganz wortgetreue, Filmadaption mit der wunderbaren Dame Judy Dench als knarzige Tante Lady Bracknell aus dem Jahr 2002 empfehlen.

Leonce und Lena (Georg Büchner)

Leonce und Lena Reclam CoverEin Prinz und die ihm versprochene Prinzessin weigern sich zu heiraten, entfliehen ihrem goldenen Käfig und treffen sich unbekannterweise. Mit einem unfähigen König und den unersetzlichen Begleitern der Flüchtigen ist das Chaos perfekt.
Nicht nur deprimierend naturalistische Stücke schrieb Büchner, sondern auch dieses heitere Märchen voller Schmacht und Ironie. Natürlich verbirgt sich auch hier die politische Satire zwischen den Zeilen, aber unterhaltsam bleibt das Ganze trotzdem. Selbst gesehen habe ich es noch nicht (außer im TV), aber hier lohnt sich sicher ein Theaterbesuch.

Wenn 5 nicht genug sind… (mehr Lesetipps!)

Yasmina Reza: Der Gott des Gemetzels
Molière: Der eingebildete Kranke
Friedrich Schiller: Kabale und Liebe
Aristophanes: Lysistrate

Lest ihr auch ab und zu Dramen? Oder geht ihr vielleicht ins Theater? Welches Stück hat euch begeistert?

 

Reden hilft nicht immer: „Das hab ich nicht gesagt!“ (Deborah Tannen)

deborah-tannen-kommunikationsproblemeMan kann ja über das Cover sagen was man will, aber Deborah Tannen hat mit Das hab ich nicht gesagt! einen leicht lesbaren und verständlichen Einstieg in praktische Linguistik geschrieben.

Jeder kennt das: Ein Gespräch läuft nicht rund, man fällt einander ins Wort oder schweigt betreten. Oder schlimmer: Es entsteht Zwist, man streitet sich über Kleinigkeiten.

Erst durch ihr Linguistikstudium begriff Deborah Tannen (heute Professorin an der Georgetown University), wie ihre Ehe in die Brüche gegangen war. In diesem Buch erklärt sie einige grundsätzliche Begriffe der Linguistik und schildert anhand vieler Beispiele, warum Kommunikation meistens so schwer ist.

Man merkt an den Beispielen und einigen leicht daher gesagten Sätzen über vermeintlich typisch männliches oder weibliches Verhalten zwar, dass dieses Sachbuch nicht mehr ganz frisch ist. Auch die linguistischen Grundlagen der Frame-Semantik sind heutzutage zwar nicht widerlegt, aber nicht mehr so hip wie in den Neunzigern. Trotzdem empfehle ich jedem, der sich für Sprache und Kommunikation interessiert, dieses Buch weiter.

Schon mal gedacht, dein Gegenüber muss bescheuert sein, weil es glaubt, etwas gehört zu haben, was du niemals gesagt hast? In diesem Buch steht, wie diese Missverständnisse geschehen und auch, was man dagegen tun kann.

Aber ein Praxisbuch ist es nicht. Hauptsächlich geht es der Autorin darum, ein grundlegendes Verständnis für die Problematik zu schaffen: Kommunikation ist sehr schwammig und einander genauso zu verstehen, wie man verstanden werden will, ist ein Glücksfall.

Außerdem: Reden hilft nicht immer. Gerade kommunikative Probleme ausdiskutieren zu wollen, ist meistens zum Scheitern verurteilt. Tannen ruft auf zu mehr Nachsicht und Aufmerksamkeit gegenüber den Sprechgewohnheiten anderer auf (und auch der eigenen).  Selbst flexibel zu sein und nicht auf eigenen Gewohnheiten als der einzig richtig Art zu kommunizieren festzuhalten ist zwar nicht einfach, da wir es gewohnt sind. Sich den Gewohnheiten seines Gegenübers anzupassen trägt jedoch häufig zu einer gelungenen Unterhaltung bei und kann Streitsituationen vermeiden.

Ich werde mich auf jeden Fall auf die Suche nach ähnlichen, aktuelleren Büchern machen. Wenn euch das Thema interessiert, gilt also: Stay tuned!

Lesetipp: Das andere Berlin (Robert Beachy)

Robert Beachy: Das andere Berlin. Die Erfindung der Homosexualität. Eine deutsche Geschichte 1867-1933Das andere Berlin behandelt die Entwicklungen in und Standpunkte zu Homosexualität im Weimarer Berlin. Mich interessierte dieses Buch sofort, da meine Bildung zu diesem Thema nicht über den Film Cabaret hinausreicht (den ich sehr empfehle).

Viele interessante historische Details haben dieses akademische Sachbuch zu einem faszinierenden Lesevergnügen gemacht. Wer hätte gedacht, dass die Begriffe „schwul“ und „homosexuell“ in Berlin geprägt wurden?

Beachy geht eindrucksvoll auf die Weimarer Polizeiarbeit, den „Schwulenparagraph“ §175 und das Berliner Nachtleben bis 1933 ein, ohne zugunsten einer Partei zu urteilen. Dabei wird anhand vieler polizeilicher Akten und der Eulenburg-Affäre, der Wandervogelbewegung und der ersten Schritte der Sexualwissenschaft ein breites Bild des schwulen Lebens in Berlin rekonstruiert.

Dabei belegt Beachy, dass durch die politische Situation in Deutschland und seiner rechtlichen Infrastruktur in einem, zwar eng gezogenen, Rahmen ein recht freizügiger Umgang mit Homosexualität möglich war. Der etwas reißerische Untertitel „Die Erfindung der Homosexualität – Eine deutsche Geschichte“ wird so tatsächlich mit Daten unterfüttert, die diese These stützen: Deutsche Zeitschriften, Bilder und Wissenschaftler haben die Identität des homosexuellen Mannes mitgeschaffen.

Ein Mangel des ansonsten größtenteils gut lesbaren Sachbuchs war für mich eine gewisse Unübersichtlichkeit: Viele verschiedene Theorien zum Schwulsein wurden kurz vorgestellt und dann sehr bald vorausgesetzt. Ich habe irgendwann etwas den Faden verloren, welche die Überzeugungen des Wissenschaftlich-humanitären Comités noch gleich waren und worin Unterschiede zu anderen Gruppierungen bestanden. Ein Glossar wäre an dieser Stelle hilfreich gewesen.

Weiterhin finde ich den deutschen Titel, „Das andere Berlin“, etwas feige im Gegensatz zum relativ eindeutigen Originaltitel „Gay Berlin“.

Ansonsten kann ich nur noch anmerken, dass das lesbische Gegenstück, das wohl unabhängig von Beachy relativ zeitgleich mit Gay Berlin erschien, auf Deutsch nicht erhältlich ist … (Marti Lybeck: Desiring Emancipation. New Women and Homosexuality in Germany, 1890-1933) Ich hoffe sehr, dass dieses Buch doch noch eine Chance auf dem deutschen Buchmarkt bekommt, beide Bücher zusammen wären sicher unschlagbar.

Fazit: Ein akademisches Buch mit hochinteressantem Inhalt, das Berlin in neuem Licht erscheinen lässt.