Die Melodie des Meeres (2014)

Die Melodie des MeeresDas von mir lange herbeigesehnte zweite Filmprojekt des Cartoon Saloon, Die Melodie des Meeres, konnte ich nun endlich im Kino ansehen. Nach dem visuellen und erzählerischen Meisterwerk The Secret of Kells von 2009 war klar, dass ich jeden weiteren Film aus dem Hause Tomm Moores sehen würde, und ich wurde nicht enttäuscht.

Ben und Saoirse leben mit ihrem Vater in einem Leuchtturm. Die Mutter, so glauben sie, ist vor langer Zeit ertrunken. Als die stumme Saoirse an ihrem sechsten Geburtstag aber das Selkiefell ihrer Mutter entdeckt, stürzen sie und ihr Bruder kopfüber in die Sagenwelt Irlands. Eine abenteuerliche Fahrt zwischen Walpurgisnacht und Allerheiligen beginnt, bei der nicht nur Saoirses Leben auf dem Spiel steht, sondern das aller Zauberwesen.

Die Melodie des Meeres bedient sich, wie schon Das Geheimnis von Kells, der reichen irischen Mythologie, was ein wundervoll magisches Umfeld schafft. Es gibt Riesen, Hexen in Eulengestalt, und Selkies, jene wunderschönen Frauen, die sich in Robben verwandeln (und so Matrosen in die Tiefe ziehen, was hier aber asgeblendet wird). Die umwerfenden Illustrationen lassen einen beinahe das Blinzeln vergessen; sie allein sind schon den Kinobesuch wert. Aber auch die Charaktere und Wesen sind wunderbar und überraschen in jeder Szene.

Erzählerisch bietet Die Melodie des Meeres mehr Action und weniger Tiefgang als der Vorgänger. Ich habe aber viele visuelle Anspielungen entdeckt, sodass ein zweites Anschauen sich schon deshalb lohnt. Der Zeichenstil, der sich ursprünglich an den Orginialillustrationen des Buches von Kells orientierte, bleibt uns nun als Trademark von Cartoon Saloon erhalten.

Die Melodie des MeeresDie Geschichte um den oft genervten Ben und seine stumme Schwester vereint Roadmovie, Queste, und Märchen. Viel von der irischen Landschaft wird gezeigt, wobei die Stadt als der Anderswelt am weitesten entrückte Gegend gezeichnet wird. Aber selbst dort treffen die Geschwister auf musizierende Fabelwesen (Faerie). Sowohl Ben als auch Saorise müssen sich beweisen und schwere Entscheidungen fällen, was mir sehr gut gefallen hat. Ben, der immer etwas neidisch auf Saoirse ist und stets eine Schwimmweste trägt, muss sich mit dem Wasser wieder anfreunden, um die kleine Schwester zu retten. Er trifft auf den haarigen Seanchaí (das bedeutet „Geschichtenerzähler“) und muss die Eulenhexe Macha besiegen, die aber ganz anders ist als erwartet. Saoirse muss sich vor dem Morgen ihr Selkiefell überziehen und die Melodie des Meeres spielen, sonst stirbt sie. Durch das Lied ermöglichst sie auch allen Faerie-Wesen, nach Tír na nÓg zurückzukehren.

An einigen Stellen wird der Film erstaunlich düster, was die Kinder im Publikum verstummen ließ. An die finsteren Wikinger, die in The Secret of Kells die Mönche angreifen, reichte die Stimmung allerdings nicht heran, alle bedrohlichen Szenen werden bald aufgelöst. Sonst wartet auch Die Melodie des Meeres mit Momenten der Komik und Trauer auf.

Tomm Moores dritter Film ist übrigens in Planung: Wolfwalkers (der Link führt zu Tomm Moores Tumblr, absolut sehenswert) soll er heißen. Für mich sind Cartoon Saloon schon jetzt die würdigen Nachfolger des legendären Studio Ghibli, das seit Mitte 2014 in einem Dornröschenschlaf auf unbekannte Zeit liegt.

Die Bildrechte liegen bei KSM Film.

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