Warum das Leben wie ein Buch ist

Gerade wieder gefunden in meinen Entwürfen: Nicht mehr ganz aktuell, da ich das erwähnte Buch bereits ausgelesen habe, aber dennoch.

Ich lese gerade Geschichte für einen Augenblick von Ruth Ozeki, ein Buch, das zum Nachdenken anregt wie selten etwas.
Das Buch dreht sich vor allem um das Thema Zeit und spielt mit Konzepten, Metaphern und Vorstellungen davon, während es eine Geschichte von zwei sehr unterschiedlichen Frauen erzählt. Ruth findet am Strand das Tagebuch von Naoko. Während sie es liest, versucht sie parallel, online Beweise für Naokos Geschichte zu finden.

Und hier ist das, was mich erst irritierte und jetzt berührt: Ruth blättert niemals vor, um mehr Informationen über Naoko zu bekommen, um leichter an Hinweise im Netz zu gelangen. Stattdessen hält sie sich dogmatisch an die Struktur eines Buchs und liest linear.

„Das Leben ist wie ein Buch. Jeden Tag blättert das Schicksal eine Seite um.“
Dieser und ähnliche Sprüche wird auf Tassen, Untersetzer oder Postkarten gedruckt und überall ver- und gekauft.

Aber auch in Geschichte für einen Augenblick findet man diese Denkart in Ruths Verhalten wieder: Zeit empfinden wir als eine lineare Bewegung, die sich nicht ändern lässt. Man kann nicht an einen späteren Zeitpunkt springen, sondern muss sich auf die Erinnerungen und Erfahrungen verlassen, die man bisher gesammelt hat.

Das gleiche tut Ruth, wenn sie Naos Tagebuch nicht als Datenquelle, sondern als schriftlich fixierte Zeitlinie begreift, ohne jemals vorzublättern. Im eigenen Leben vorzugreifen, zum Beispiel, indem man zur Wahrsagerin geht, wäre damit ein mega Spoiler.

Ich mag diesen Gedanken. Vielleicht ist es auch nur Chaos, aber das geht mir gerade durch den Kopf.

Nebenbei ein echt tolles Buch.  😉

Ein Gedanke zu “Warum das Leben wie ein Buch ist

  1. Schöner Text mit sehr interessanten Gedanken!
    Wäre ja eigentlich logisch, wenn sie vorgreifen und Antworten auf ihre Fragen suchen würde… Zumal das Tagebuch ja schon geschrieben ist.
    Wirklich toll, dass sie es dann eben doch nicht tut…

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