Ordnung im Regal und ein Experiment

Die Sortierung von Büchern ist sicher ein Problem, dass die meisten Bibliophilen beschäftigt. Ordnet man alphabetisch, nach Genres, gar nach Farben? Die Ordnung der eigenen Bibliothek kann viel über ihren Besitzer aussagen.

Ordnung im Bücherregal. Original von Fergus Ray Murray; CC BY-NC-SA 2.0

Meine Bücher waren zwar geordnet, aber das System ist über die Jahre ein wenig aus dem Leim gegangen. Meine Trennung in „Unibücher“, „Wohnzimmerbücher“ und „restliche Bücher“ hat auch in meinem Kopf Barrieren erzeugt oder verstärkt. Die Bücher im Wohnzimmer vergesse ich oft, die Unibücher sehe ich nicht so recht als Teil meiner Bücher als Ganzes an. Was dumm ist, denn Der Richter und sein Henker gehört genauso zu meiner literarischen Landkarte wie Harry Potter.

One sure window into a person’s soul is his reading list. – Mary B. W. Tabor

Was ich sagen will: Die Gesamtheit dessen, was wir lesen und besitzen, repräsentiert uns als Leser. Mein Regal macht da Unterschiede, die nicht (mehr) sinnvoll sind. Eine groß angelegte Umsortieraktion steht bevor. Dabei möchte ich aber – und hier kommt das angekündigte Experiment ins Spiel – etwas für mich Neues wagen, von dem ich noch nicht ganz überzeugt bin: Ich werde meinen SuB nicht mehr von meinen gelesenen Büchern trennen.

Den SuB so vom Rest der eigenen Bücher zu trennen macht daraus eine ständig sichtbare To-Do-Liste. Das kann Stress erzeugen, schlechte Gefühle über all diese unerledigten Aufgaben. Ich möchte meinen SuB gerne als Teil meiner Buchsammlung wahrnehmen und einen Bucheinkauf als Akt des Vervollständigens dieser Sammlung. Klingt doch gleich viel besser 🙂

Natürlich finde ich es praktisch, mich vor mein Regal zu stellen und auf einen Blick zu sehen, was ich lesen könnte. Aber was ist mit dem Wiederentdecken alter Freunde? Mit Rereads? Mit dem Durchblättern alter Lieblinge? Das alles passiert viel eher, wenn man alle Bücher beieinander hat.

Die Buchsammlung als Repräsentant für eigene Gedanken und Erlebnisse zu sehen finde ich so naheliegend wie faszinierend. Das Regal eines anderen Menschen bietet einen Blick in seine Wahrnehmung der Welt.

Show me the books he loves and I shall know / The man far better than through mortal friends. – S. Weir Mitchell

Bibliothekarin der LSE Library sammelt Bücher von Liste
Ordnung oder Chaos?

Mir gefällt nicht mehr, wie in meiner Sammlung alles in logische Stücke zerlegt ist: Hörbücher, Uni, gelesen, deutsche Autoren.
Klar, Ordnung sollte so ein Regal schon haben, aber warum so minutiös trennen? Ich will es mal ganz grob versuchen und nur meine Sachbücher von den anderen trennen. Und das tue ich auch nur, weil unsere Regale in verschiedenen Zimmern stehen. Ansonsten heißt es: A–Z.
Wie sich dieses System dann auf mich auswirkt, das möchte ich hier auf dem Blog festhalten. Ich weiß nicht, ob überhaupt was passiert. Vielleicht endet alles in einer Katastrophe und ich gebe doch noch meinen letzten Groschen für ein Buch aus. Oder ich erlebe eine Bereicherung in einer unvorhergesehenen Form.

Ich hoffe, dieses Thema ist für euch so interessant wie für mich. Hinterlasst eure Gedanken in den Kommentaren!

7 Gedanken zu “Ordnung im Regal und ein Experiment

  1. Hallo,
    das ist ein sehr interessantes Thema, das du ansprichst. Ich habe zwei Arten von Sortierungen in Regal. Ich würde es das geordnete Chaos nennen. Die Reihen stehen beisammen, der SUB liegt auf einem Stapel, naja – eher auf zwei Stapeln und der Rest steht unsortiert im Regal. Und damit fühle ich mich wohl. Ich hätte sogar Probleme ein Buch zu finden, wenn es alphabetisch einsortiert wäre. Ich meine, welches Alphabet nimmst du? Gehst du nach Autoren oder Buchtiteln? Manchmal suche ich tatsächlich nach der Farbe des Buchrückens.

    Ich glaube, das wichtigste ist, dass man ein System finden muss, das zu einem passt und mit dem man sich wohl fühlt.

    Liebe Grüße
    loralee

    1. Nach Buchtiteln zu sortieren ist mir noch gar nicht in den Sinn gekommen 🙂
      Und ja, ich suche auch nach Buchrücken, das kenne ich. Aber jede Suche ist schneller beendet, je mehr man sich an die bestehende Ordnung gewöhnt hat, also ist jede Ordnung recht. Wenn ich weiß, dass Vom Winde verweht irgendwo bei „M“ steht, kann ich ja dort nach dem dicken roten Buchrücken Ausschau halten.
      Mein Status Quo geht auf jeden Fall auch als geordnetes Chaos durch 😀 Ich habe mich daran gewöhnt und finde alles. Aber ich will auch einfach mal neue Kontexte herstellen und sehen, was passiert. Ich liebe es, meine Regale umzuräumen, aber so eine grunglegende Umstrukturierung habe ich noch nie unternommen.

  2. Ich bin auf deine Erfahrungen gespannt! 🙂

    Ich selbst trenne auch nur Sachbücher von den anderen Büchern, allerdings auch nicht immer konsequent, manche Sachbücher tummeln sich auch zwischen den Romanen. Meine SuB-Bücher sind auch relativ verstreut. Wenn ich es recht überdenke, habe ich kaum ein Ordnungssystem. 😀 Mein Regal ist allerdings auch ziemlich klein, da ist das gar nicht möglich. Und bei gerademal knapp 90 Büchern behält man auch im Chaos die Übersicht. Wobei, wenn man weiß, wo die Bücher stehen, kommt es einem ja trotzdem wie Ordnung vor.^^

    Ich wünsche dir jedenfalls viel Erfolg und positive Erfahrungen.

    1. „Wobei, wenn man weiß, wo die Bücher stehen, kommt es einem ja trotzdem wie Ordnung vor.^^“
      Auf jeden Fall. Ich war auch immer der Überzugung, dass bei mir Ordnung herrscht, aber im Grunde stimmte das nur in meinem Kopf. Ich habe mehrere große und kleine Regale, die gut bestückt sind, sicher an die 600 Titel. Die wachsen einem schon mal über den Kopf und man geht suchen oder ist sich nicht mehr sicher, ob man ein bestimmtes Buch noch besitzt oder ausgelagert/verschenkt hat. Vielleicht kommt auch daher der Gedanke, mal alles fachmännisch zu sortieren: Es ist eine richtige kleine Bibliothek, die ich da habe.

  3. Wenn ich solche Beiträge lese, muss ich immer wieder feststellen, wie wenig das je eine Frage für mich war. Ich sortiere schon immer nach Genre und innerhalb des Genre nach Autorennamen – alles andere fühlt sich für mich einfach falsch an. Wobei ich bei Genre das Ganze nicht zu eng sehe, denn wenn ich von einem Genre nicht so viele Exemplare haben, dann landen sie im „Allgemeine Belletristik“-Bereich. 😉

  4. Ich sortiere nach Sachbüchern und Belletristik. Innerhalb der Belletristik trenne ich zwischen deutsch und englisch, das dann jeweils nach Autoren geordnet. Bei den Sachbüchern ordne ich grob thematisch, allerdings müsste ich die mal wieder durchsortieren, ausmisten etc. Da würde sich dann sicher einiges tun.

    Da mein SuB eigentlich ein RuB (also Regal statt Stapel) ist, käme ich gar nicht auf die Idee, den getrennt vom Rest zu lagern. Wenn ich einen Überblick über meine ungelesenen Bücher möchte, gucke ich in meine Bücherdatenbank.

    Bin gespannt, wie es dir dann langfristig mit der neuen Sortierung ergehen wird!

  5. Im Moment habe ich eine etwas wirre Ordnung aus Sachbüchern, Romanen, teilweise nach Themen und Subgenres untersortiert, dazu kommen noch Lieblingsbücher. Ach, und den SuB habe ich auch extra.

    Bin gespannt, wie sich das bei dir entwicklen wird. Nur nach Alphabet hatte ich auch mal, hat mir dann aber letztes Endes doch nicht zugesagt.

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