Gillian Flynn: Cry Baby

Cry Baby - Scharfe Schnitte›Babydoll‹ steht auf ihrem Bein. ›Petticoat‹ auf ihrer linken Hüfte. ›Böse‹ findet sich ganz in der Nähe. ›Girl‹ prangt über ihrem Herzen, ›schädlich‹ ist in ihr Handgelenk geritzt. Camille Preakers Körper ist übersät mit Wörtern. Wörtern, die sie sich in die Haut geritzt hat. Das letzte Wort, das sie sich einritzte, hieß ›verschwinden‹. Danach stellte sie sich. Den Therapeuten, aber auch ihrer Vergangenheit. In ihrer alten Heimatstadt Wind Gap wurden zwei Teenager entführt und
ermordet. Camille Preaker soll den Fall für ihre Zeitung vor Ort recherchieren. Sie findet die Dämonen ihrer Kindheit. Und die verbreiten nicht nur Angst und Schrecken, sondern töten auch. (Klappentext)


Man könnte meinen, mich habe nach dem Erfolg mit Flavia die Krimilust doch noch gepackt, denn nun ist es auch noch zu meiner zweiten Begegnung mit Gillian Flynn gekommen, in Form ihres Erstlingswerks Sharp Objects, oder zu deutsch Cry Baby . Im letzten Jahr war ich weniger inhaltlich als stilistisch angetan von Finstere Orte, das ich meinem Verlobten an nur zwei Tagen vorgelesen habe; wir konnten einfach nicht stoppen. Nun war Cry Baby als Hörbuch in der Onleihe RLP verfügbar, also griff ich zu. Und hörte das Ding in einem Rutsch, unfähig, irgendwas anderes währenddessen zu erledigen.

Camille ist als Erzählerin sympathischer und zuverlässiger als  Libby aus Finstere Orte, man bemitleidet und bewundert sie und versteht größtenteils, warum sie bestimmte Dinge tut. Ich habe mich nur gefragt, ob es tatsächlich Leute gibt, die sich Wörter in die Haut ritzen und wenn ja, ob sie das aus den gleichen Gründen tun wie Camille. Auch die Geschichte kam mir insgesamt runder vor; als Kennerin des späteren Textes hatte ich allerdings zwischendurch schon die richtige Person im Verdacht.

Darauf kam es aber gar nicht so sehr an. Flynn kann prima in menschliche Abgründe blicken und das fasziniert mich, neben der flüssigen Schreibe, an der man festpappt, bis das Buch ausgelesen ist. Die fiesen Eigenschaften und kaputten Typen stechen geradezu hervor; Normalos existieren in Flynns Welt nicht.

Wer vor so was nicht zurückschreckt (und ungeschönte Beschreibungen von Sex oder vom Kotzen vertragen kann), kann sich getrost eins von Flynns Büchern schnappen – lange braucht man für’s Lesen sowieso nicht.


Gillian Flynn: Cry Baby. Fischer Scherz Verlag 2014 (2007). ISBN 9783651011649

2 Gedanken zu “Gillian Flynn: Cry Baby

  1. Ich hätte niemals gedacht, dass ihre Bücher so gut sind. Ich hatte damals im Kino die Verfilmung von „Gone Girl“ geschaut und ja, zugegeben, spannend war es schon, aber irgendwie hat mich der Film (und vor allem die Frau!) einfach so mega aufgeregt, dass ich nach dem Film richtig wütend war. ^^

    1. Gone Girl habe ich noch nicht gesehen, aber die wildesten Sachen darüber gehört (unter anderem, dass der Film schlecht für Menschen in einer Beziehung sei) 😀
      Deine Reaktion macht mich nur noch neugieriger.

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