Shout-out 05/2015

Kurze Info: Ich bin jetzt wieder bei Bloglovin.

shout-outWegen Urlaub und dem Umzug auf WordPress habe ich auch im Mai noch nicht wieder vollständig zum Lesen und Kommentieren zurückgefunden. Trotzdem sind ein paar Beiträge in meinem Netz gelandet.
Dieser Shout-out ist mein persönliches Notabene, das weder repräsentativ noch objektiv sein soll. Es kann sich gerne jeder anschließen, der auch Danke sagen will.

[Hekabes Welt] Literatursnobismus und Bloggerknigge? Nein, danke.
Ein lesenswerter Beitrag zu einer erneut aufgebrandeten Diskussion.

Ireland legalizes gay marriage
Well done, Ireland! Damit sind die Iren fortschrittlicher als der Rest von Europa, denn die gleichgeschlechtliche Ehe soll der Heteroehe gesetzlich gleichgstellt werden.

[Wörterkatze] Lesemarathon vom 6.–12. Juli
Es ist wieder Zeit für den #wklm, Wörterkatzes alljährlichen Lesemarathon. Ich bin wieder dabei, und ihr?

[Climb the Stacks] Embarrassment Among Readers About Classics (Video)
Ein Kommentarvideo über die Scham, die wir empfinden, wenn wir einen Kanontitel nicht gelesen haben oder Freude an einem Buch finden, das nicht gerade hohe Literatur ist.

Nächsten Monat hoffe ich, wieder zu alter Form zu finden. Ich bin sicher, dass ich im Mai viele gute Beiträge zwar gelesen, aber nicht hier vermerkt habe. Vielleicht sollte ich doch wieder mit Readlists arbeiten, da ist das nicht so schnell verloren gegangen… Ich gelobe Besserung!

The Classics Tag

Ich habe diesen Tag mehrfach bei Youtube und auf Blogs gesehen und dachte: Warum nicht? Der Tag stammt von It’s a Books World.

1. Ein überbewerteter Klassiker, der dir nicht gefallen hat
Jane Eyre. Nicht gefallen kann man zwar nicht behaupten, aber den Hype um das Buch habe ich auch nach zwei Durchgängen nicht verstanden. Ich habe vor, dem Buch in ein paar Jahren eine weitere Chance zu geben, interessant genug war es.

2. Epoche, über die du am liebsten liest
Nach meinem Studium definitiv die Aufklärung (Empfehlungen, bitte!), ansonsten lese ich besonders gerne alles über die Britischen Inseln, seien es die Viktorianer oder der 100-jährige Krieg.

3. Lieblingsmärchen
Als Kind kam ich zu dem Schluss, dass unter den mir bekannten Märchen „Brüderchen und Schwesterchen“ mein liebstes ist. Ich hoffe, das kennt überhaupt einer, ist echt süß.

4. Welchen Klassiker schämst du dich am meisten, bisher nicht gelesen zu haben
Schämen tue ich mich nur, wenn ich von sehr wichtigen Autoren noch nichts gelesen habe; im letzten halben Jahr hat sich Alexandre Dumas besonders bei mir festgesetzt, weil ich überzeugt bin, dass ich seine Bücher mögen würde und weil sie nun wirklich zum westlichen Kollektivwissen gehören, man also Referenzen darauf versteht, selbst wenn man die Bücher nicht gelesen hat. Und ich kenne einige Adaptionen. Kurz: Es ist Zeit!

5. Top 5 Klassiker, die du (bald) lesen willst
Schwer zu sagen, wie soll ich 5 wählen, wenn nicht mal meine Juni-Leseliste gemacht ist? Auf jeden Fall Die drei Musketiere, Jules und Jim und Schachnovelle. Und dann noch, weil ich es ein wenig vor mir her schiebe, obwohl ich interessiert bin, Die Eddas. Und als letztes Little Women, as mir auch schon seit Monaten durch den Kopf spukt.

6. Liebstes Buch, das auf einem Klassiker basiert
The Once and Future King? Mir fällt nichts ein!

7. Liebste Film-/TV-Adaption eines Klassikers
Natürlich die BBC Miniserie Pride and Prejudice. Die BBC macht allgemein die besten Adaptionen, die ich kenne.

8. Schlechteste Adaption
Ebenso einfach: Diese andere „Stolz und Vorurteil“-Verfilmung, über die ich schon einiges gesagt habe.

9. Lieblingsausgaben, die du sammeln willst
Mein erster Gedanke gilt allem, was Penguin an Klassikern herausgibt 😉 Aber für’s Deutsche gibt es nicht wirklich ausschweifende und schöne Ausgaben. Vor Kurzem sah ich diese schönen Editionen von Thomas Hardys Werken im dtv, wäre schön, wenn sie mehr Klassiker in der Form herausgäben. Für deutsche Klassiker ziehe ich die Hamburger Lesehefte den Reclamheftchen vor. Und da fällt mir ein, dass Insel auch wunderschöne Bücher produziert!

10. Ein zu wenig bekannter Klassiker, den du allen empfiehlst
Katherine Mansfields Kurzgeschichten!

Ich will niemanden im Besonderen taggen, würde mich aber freuen, wenn ihr mir einen Kommentar hinterlasst, falls ihr euch dazu entscheidet, die Fragen auch zu beantworten!

Links wieder in Ordnung

Hallo!

Nur eine schnelle Meldung an diejenigen, die vielleicht versucht haben, einen meiner Beiträge anzusehen und eine 404-Fehlermeldung bekommen haben: Das Problem wurde behoben. Danke an RoM, der mir Bescheid gegeben hat!

Wenn ihr ein Problem auf der Seite bemerkt, önnt ihr mir sehr gerne eine Nachricht zukommen lassen. Einfach schnell an sam AT buchflimmern.de schreiben, das hilft mir sehr.

Liebe Grüße,

Sam

Stefan Zweig und ich: Die Leseliste wächst

Stefan ZweigSeit ich das erste Mal von Stefan Zweigs Exil und Selbstmord, von seinem unbezwingbaren Pazifismus gehört habe (lange lange ist es her), bin ich Zweig-Fan. Nur, dass ich die längste Zeit nicht einen einzigen Text von ihm kannte.
Es ist mehr eine Art Verehrung unbekannterweise. Jemand, der gegen alle Widerstände eine eigene Meinung hat und diese vor anderen verteidigt, ist nicht so oft zu finden, wie ich mir das wünschen würde; ich bin nicht mal sicher, ob ich in seiner Situation den Mumm gehabt hätte, so zu handeln.

Nach langer Zeit habe ich nun eines seiner Bücher gelesen und stecke gerade im zweiten. Beides sind Sachbücher. Zweig ist vor allem bekannt für die Schachnovelle oder Ungeduld des Herzens, und beide stehen bei mir im Regal. Trotzdem zieht es mich zu seinen Essays und Meinungstexten, durch die ich seine Welt direkt erlesen kann.

Meine Erstberührung mit Zweig war mit der Originalausgabe von Sternstunden der Menschheit. Die OA erwähne ich, weil in späteren Ausgaben weitere Texte angefügt wurden. In meiner alten Insel-Ausgabe sind 12 Miniaturen versammelt, die von historischen Begebenheiten berichten. Waterloo und der Wettstreit zum Nordpol sind mir in Erinnerung geblieben. Letzterer ist der letzte Text in dem Bändchen und hat mich fast zum Weinen gebracht.

Zweig ist ein Mann der großen Worte, seine Texte strotzen vor Pathos. Seltsam, dass ich ihn dennoch mag. Er brüstet sich nicht mit den großen Worten, sondern zeigt durch sie Ehrerbietung und großes Interesse für seine Umwelt.

Momentan lese ich Begegnungen, eine Sammlung von verschiedenen Texten über Menschen, Städte, Bücher und Zeiten. Darin fasziniert mich am meisten der letztgenannte Teil über Zeiten. Der startete mit einem Essay über Die Monotonisierung der Welt.

Stärkster geistiger Eindruck von jeder Reise in den letzten Jahre, trotz aller einzelnen Beglückungen: ein leises Grauen vor der Monotonisierung der Welt. Alles wird gleichförmiger in  den äusseren Lebensformen, alles nivelliert sich auf ein einheitliches kulturelles Schema.

Mich hat sehr überrascht, wie aktuell der Text (geschrieben 1925) ist und wie hellseherisch Zweig erkannt hat, wie lokale Eigenheiten verschwinden – heute nennt man dieses Phänomen Globalisierung. Ich stimme Zweig zwar nicht in jedem Punkt zu, weil aus dem Zusammenrücken der Länder auch Gutes gewonnen werden kann und ja durchaus nicht einfach alles Eigene verschwindet, sondern teilweise erst richtig gepflegt und erkannt wird. Aber ich bewundere seine Beobachtungsgabe. Man kann aber auch die leise Verzweiflung über die Welt herauslesen, die Überzeugung, dass es der Mensch selbst ist, der den eigenen Untergang heraufbeschwört.

Nach wie vor bin ich fasziniert von Zweig und freue mich auf den Rest des Buchs. Eine Beschreibung New Yorks von 1912 ist dabei, die genauso aktuell wirkt. Danach wäre es wohl mal endlich Zeit für eine anständige Biographie (Empfehlungen?). Und die Autobiographie Die Welt von Gestern will ich auch lesen; dieses Buch hat übrigens Wes Anderson zu Grand Budapest Hotel inspiriert, ein Film, bei dem ich letztes Jahr viel Spaß hatte.

Bei cicero kann man Die Monotonisierung der Welt online lesen. Empfehlenswert.
Aktualisierung: Hier ist ein Interview mit Wes Anderson, in dem er über Zweigs Einfluss auf Grand Budapest Hotel spricht (englisch).

 

Alan Bradley: The Sweetness at the Bottom of the Pie

Meine Urlaubslektüre für den Bodensee…

The Sweetness at the Bottom of the Pie (Flavia de Luce, #1)It is the summer of 1950–and at the once-grand mansion of Buckshaw, young Flavia de Luce, an aspiring chemist with a passion for poison, is intrigued by a series of inexplicable events: A dead bird is found on the doorstep, a postage stamp bizarrely pinned to its beak. Then, hours later, Flavia finds a man lying in the cucumber patch and watches him as he takes his dying breath.

For Flavia, who is both appalled and delighted, life begins in earnest when murder comes to Buckshaw. “I wish I could say I was afraid, but I wasn’t. Quite the contrary. This was by far the most interesting thing that had ever happened to me in my entire life.” (Klappentext)


Nach langer Zeit bin nun auch ich bekennende Anhängerin der Amateurermittlerin Flavia de Luce. Selten habe ich so viel Spaß beim Lesen eines Buches, denn hier stimmt alles: Die nicht auf den Mund gefallene Flavia erzählt in einem wunderbaren Ton von den seltsamen Ereignissen auf Buckshaw und die Charaktere, denen man begegnet, sind genauso wunderlich wie die mit einem Augenzwinkern Bradleys konstruierte Auflösung des Falls.

Wer mich etwas kennt weiß, dass ich keine Krimileserin bin, aber für Rätsel habe ich eniges übrig. Und die Krimi-/Mysteryhandlung in diesem Buch sollte wirklich niemanden vom Lesen abhalten: Es hat einfach Spaß gemacht, mitzuraten und die Versatzstücke zusammenzufügen. Nie wird die Story zu komplex, aber auch nie langweilig, und natürlich gibt es einen anständigen Showdown.

Mit ihren Chemiekenntnissen, ihrer Cleverness und ihren verborgenen Schwächen hat mich Flavia von der ersten Seite an begeistert und ist nun eine meine liebsten Protagonistinnen überhaupt. Wann liest man schon mal von einem Mädchen, dem Selbstzweifel fremd sind, das sich keine Gedanken darüber macht, wie andere sie wahrnehmen?

Das Setting – die englische Provinz der Nachkriegsjahre und ein langsam vor sich hin gammelnder großer Familiensitz – ist eine eher seltene Kombination in meiner Lesehistorie, aber da mich alles Englische interessiert, hat mich das Buch wie eine Zeitmaschine sofort in diese Zeit versetzt, auch wenn die Informationen nicht überbordend wie in einem historischen Roman waren, was mich eh gestört hätte. Wie gesagt: Es war ein perfektes Leseerlebnis.

Die elfjährige Flavia und ihre verkorkste Familie will ich unbedingt noch besser kennenlernen und werde mir sobald als möglich Band zwei aus der Bibliothek meines Vertrauens besorgen. Erst mal möchte ich aber noch ratzfatz ein dickes Stefan Zweig Buch einschieben 😉


Alan Bradley: The Sweetness at the Bottom of the Pie. Delacorte Press 2009. ISBN 9780385342308
deutsch: Mord im Gurkenbeet. Penhaligon 2009. ISBN 9783764530273