Weltall, Wolkenkratzer und Züge: Neuzugänge II/2017

Obwohl ich so selten dazu komme, meine neuen Bücher direkt zu lesen, mag ich sie in hier im Blog vorstellen. Wer erzählt nicht gerne von seinen neuesten Errungenschaften? Von meinen 8 neuen Büchern habe ich bereits zwei gelesen und ein drittes gekauft, das ich schon vor Jahren gelesen habe. Das freut den SuB!

 

Sachbücher: The Grand Design | Getrude & Alice

Neuzugänge 2017 Teil 2 Sachbuch
Standen nebeneinander im Büchertauschregal

Wie genial ist das denn?! Eine illustrierte Einführung in Quantenphysik von Stephen Hawking und Leonard Mlodimow und eine Biographie über Gertrude Stein und Alice Toklas habe ich Seite an Seite praktisch vor meiner Haustür gefunden.
The Grand Design ist recht kurz und mit vielen Illustrationen gespickt. Wohl genau richtig, um eingerostetes astronomisches Wissen wieder aufzufrischen. Leonard Mlodimows Euclid’s Window hat mir vor einigen Jahren zum ersten Mal meine Liebe zur Astrophysik offenbart, die in der Zwischenzeit immer weiter gewachsen ist. Aber noch mal ein Rundumschlag zu den Basics kann doch nicht schaden.

Gertrude and Alice: Gertrude Steins Leben im Paris der 20er Jahre und ihre Rolle als Einflussnehmerin auf Persönlichkeiten der Literatur und Kunst ist faszinierend. Ihre Schriften interessieren mich aber nicht so sehr wie einfach ihr Leben mit ihrer Lebensgefährten Alice. Daher habe ich bei dieser Biographie direkt zugegriffen.

 

Alte Klassiker: Much Ado About Nothing | Zwei Fremde im Zug

Neuzugänge 2017 Teil 2 Klassiker
Die Prachtausgabe und … das funktionale Taschenbuch

Much Ado About Nothing von Shakespeare kenne ich zwar schon vom Selberlesen und diversen Adaptionen, doch bei dieser mit herrlichen Scherenschnitten ausgestatteten Hardcover-Edition konnte ich nicht wiederstehen. Runtergesetzt war sie auch noch! Und bei den zahlreichen Annotationen werde ich sicher noch etwas lernen können.

Mit Zwei Fremde im Zug zieht ein weiteres Buch aus einem Büchertauschregal bei mir ein. Patricia Highsmith hat mich ja schon mit anderen Werken begeistert; vor allem natürlich mit Der talentierte Mr. Ripley, aber auch Ediths Tagebuch hat mir gut gefallen. Nun möchte ich die Vorlage für den Hitchcock-Film auch einmal anlesen.

 

Und nun SciFi: High-Rise | Freie Geister

Neuzugänge 2017 Teil 2 SciFi
Oder Gesellschaftsromane?

Durch die Verfilmung drauf aufmerksam geworden und beschlossen, erst mal das Buch zu lesen: High-Rise. Geschichten um Mikrokosmen finde ich immer interessant. Dieser Roman dreht sich ganz um das Leben in einem ultramodernen Hochhaus. Wenn ich es richtig verstehe, wird es sehr schnell sehr düster.

Einen modernen Klassiker habe ich mir mit der neu Übersetzung von The Dispossessed von Ursula K. Le Guin gegönnt, das nun Freie Geister heißt. Das Buch habe ich zwischenzeitlich schon gelesen, denn es war ein Titel für meinen Leseclub. Es wurde einstimmig für gut befunden 🙂

 

Es war einmal der Hype: Der lange Weg zu einem kleinen zornigen Planeten | The Gracekeepers

Neuzugänge 2017 Teil 2 Hype
Endlich auch in meinem Regal 🙂

Oft notiere ich mir interessante Bücher für Gelegenheitskäufe. Wenn die Gelegenheit dann kommt, ist der Hype meist schon drei Blocks weiter gezogen. Aber das soll mich nicht stören! Der Kuschel-SciFi Der lange Weg zu einem kleinen zornigen Planeten war Buchtitel 2 für unseren Leseclub; so kann ich hierzu freudig vermelden, mich ebenso wie fast alle anderen Hals über Kopf verliebt zu haben.

Tja, und dann noch The Gracekeepers, eine Art postapokalyptischer Roman, in dem die Welt fast komplett überschwemmt ist und ein Mädchen mit einem Bären in einem Wanderzirkus von Insel zu Insel zieht. Falls sich einer wundert: Meine Ausgabe ist ein frühes Rezensionsexemplar.

Über alte Schweden, Hempels Sofa und heilige Strohsäcke: Lars Ruppel

„Lyrik, gähn!“, höre ich oft, wenn ich von meinen eigenen seltenen Ausflügen in diese Textsorte berichte. „Damit kann ich nichts anfangen.“ Wer das sagt hat vielleicht einfach noch nicht die richtige Sorte Lyrik für sich entdeckt. Denn es gibt so viele davon: Es gibt SciFi-Poesie, es gibt moderne Versromane – und es gibt Lars Ruppel.

Lars Ruppel Slam-Poetry über RedensartenDer Vollzeit-Poetry-Slammer hat auf zwei CDs seine Gedichte über Redensarten eingelesen. Inspiriert von Ausrufen wie „Mensch Meier“ oder die „grüne Neune“ lässt er seiner Fantasie freien Lauf, erfindet abstruse Geschichten mit unerwarteten Wendungen. Dabei hört man immer deutlich den Slammer heraus. Ein bisschen Ironie, ein paar Pop-Referenzen, „was für’s Publikum“. Ruppel provoziert zu Reaktionen, seine Lyrik kann man prima mit anderen gemeinsam anhören.

Zu einem richtigen Lars Ruppel Gedicht gehört auch ein guter Schuss Gesellschaftskritik. Da gibt es ein Gedicht, in dem die Katzen der Stadt die Macht übernehmen und die Menschen unterdrücken. Sogar Angela Merkel tritt im politischen Kampf gegen Schmidts Katze an, wird aber besiegt. So haben die Gedichte nicht viel mit ihren ursprünglichen Redensarten zu tun, sind dadurch aber auch nicht berechenbar.

In der Doppel-CD „Mein lieber Herr Gesangsverein, die Waldfee holt die Kuh vom Eis“ findet man die komplette erste Hörbuchausgabe wieder sowie einen Stoß neuer Gedichte. Der Bruch zwischen diesen war für mich deutlich erkennbar; die erste Hörfassung von Ruppels Gedichten und damit CD 1 dieser Zusammenstellung kannte ich bereits. Während die erste Hälfte noch leichtfüßig und wild daherkommt (wie obiges Gedicht „Schmidts Katze“), überwiegen in den späteren Gedichten die nachdenklichen Töne. Auch lustige Gedichte enden da schon mal in einem plötzlichen Tonwechsel nach Moll.

Die Mischung aus Humor und Nachdenklichkeit funktioniert gut auf kurzen Strecken. Doch beim Durchhören beider CDs gefriert einem das Lächeln auf den Lippen und Ruppels erhobener Zeigefinger versperrt die Sicht auf die schönen Sprachverzwirbelungen, die eigentlich so viel Spaß machen. Darum empfehle ich, sich täglich nur eine kleine Dosis Ruppel zu gönnen, denn so hat man am meisten von ihm. Aber eigentlich gilt das ja auch für alle Lyrik.

Mein Lieblingsgedicht auf „Mein lieber Herr Gesangsverein, die Waldfee holt die Kuh vom Eis“ ist und bleibt das wunderbare „Volker Racho“, auch aus dem älteren Teil des Albums. Beim ersten Hören lag ich praktisch lachend am Küchenboden. Anders als bei den meisten anderen Gedichten geht es hier nur um die Freude am Nonsens.

Volker muss Geschirr abwaschen, schluckt nen Spülmaschinentab
trinkt ein Schlückchen Selterswasser und leckt dann die Teller ab.

Ein toller Einstieg in Lyrik und die Kur für alle, die aus der Schulzeit noch traumatisiert sind.

So schmeckt der Sommer: Sommerwünsche 2017

Sommerwünsche bei Buchflimmern

Diesen Tag habe ich bei der lieben Neyasha gesehen und spontan auch eine Liste gemacht 🙂 Es ist eine zehnteilige Liste mit Dingen, ich in diesem Sommer tun möchte. Viele Punkte sind für mich allgemein Highlights jedes Sommers. Vielleicht findet ihr ja noch Inspration für euren Sommer.

 

Viel Zeit auf dem Balkon verbringen

Im letzten Jahr hatten wir nicht viel von unserem großen, zum Südwesten gelegenen Balkon. Denn die Sonne knallt da ab 13 Uhr bis zum späten Abend hin, es wird leicht heiß und das Licht blendet auch noch. Die Lösung war naheliegend, musste aber auf sich warten lassen: Sonnenschirme. Wir haben nun zwei Stück, sodass man das schöne Wetter vor allem am Abend nach der Arbeit wunderbar genießen kann.

 

Unser Schwimmbad besuchen

Viel zu lange war ich schon nicht mehr richtig schwimmen! Da es nicht allzu weit von unserer Wohnung ein kleines Stadtbad gibt, habe ich eigentlich keine Ausreden. Sogar ein kleines Außenbecken soll es da geben. Als olle Wasserratte fehlt mir das Schwimmen schon. Auch mein Rücken würde sich über das Training freuen!

 

Ein Buch in der Sonne genießen

Als ich Trier verließ, hatte ich die Vermutung, dass damit auch die Sommer mit StadtLesen zu Ende wären, denn in meine neue Heimat Köln war die Draußen-Lesen-Veranstaltung noch nicht gekommen. Schön, dass man für dieses Jahr den kölschen Roncalliplatz ansteuert! Hoffentlich wird die Atmosphäre dort genauso schön wie vorm Trierer Dom. Falls das Wetter mitmacht! Allgemein mehr draußen zu lesen ist auch mein Wunsch. In den letzten paar Wochen habe ich das zwar auch schon getan, aber das heißt ja noch lange nicht, dass ich genug davon hätte!

 

Flugstunde mit Familie

Mein Bruder hat vor einiger Zeit eine Flugstunde von meiner Ma und mir geschenkt bekommen. Da es mit dem Wunsch, Pilot zu werden, nichts geworden ist, freue ich mich schon auf den Familienausflug zum Flugplatz, wo er sich mal austoben kann.

 

London!

Im August werde ich einige Tage in London verbringen und meiner besten Freundin meine Lieblingsplätze zeigen. Ich freue mich schon, mit ihr zusammen neue zu entdecken!

 

Livemusik endlich ohne Frostbeulen

Mein letzter Konzertbesuch war noch in der Frühjahrskälte – es macht schon mehr Spaß, im Sommer vor der Halle zu warten oder nach dem Konzert noch was trinken zu gehen. In diesem Sommer habe ich bisher ein Konzert (The Devine Comedy) und einen Festivalbesuch (Green Juice in Bonn) geplant. Hoffentlich kommt noch der ein oder andere Spontanbesuch auf Minikonzerten dazu.

 

Vegan grillen: Satt in den Sonnenuntergang

Zum Geburtstag habe ich ein phänomenales veganes Grillbuch bekommen. Was ich davon bisher getestet habe, war spitze. Aber es gibt noch viel mehr, was ich testen will. Balkon und Grill sind bereits vorhanden!

 

Kino und Mitternachtseis

Ich liebe es, nach einem Kinobesuch in einer milden Sommernacht nach Hause zu spazieren und noch ein Eis zu essen. Ein einfaches Rezept, das immer wieder glücklich macht. Wenn man dann noch den hoffentlich guten Film bequatschen kann, ist es perfekt.

 

KölnTag: Abends im Museum

Für Kölner gibt es am ersten Donnerstag jeden Monats den KölnTag. Da kommt man kostenfrei in viele Kölner Museen. Diese tolle Möglichkeit nutze ich durch den Job viel zu selten. Besonders gerne möchte ich noch diese besuchen: Das Museum für Angewandte Kunst, wo es abgefahrene Designgegenstände zu sehen gibt, das in einer Kirche beheimatete Museum Schnütgen mit seinen mittelalterlichen Schätzen sowie das hiesige NS Dokumentationszentrum.

 

Und jetzt en Français: Französisch aufbessern

Eine Fremdsprache möchte ich schon lange auffrischen, bisher konnte ich mich nicht zwischen Spanisch und Französisch entscheiden. Doch letztere habe ich schon viel länger nicht gesprochen und es ist auch wahrscheinlicher, dass ich diese Kenntnisse mal für die Arbeit brauche. Falls irgendwer französischsprachige Websites empfehlen kann oder Tipps zum Lernen hat, bitte melden!

Straight White Whale: Moby-Dick Leselog Rückblick

Nach dem Urlaub hat es doch länger als gedacht gedauert, wieder voll da zu sein (hallo, da bin ich wieder :-)). Nachdem ich aber wieder im Alltag angekommen bin, hier endlich mein Fazit zu Moby-Dick:Quelle: Freshwater and Marine Image Bank

Was für ein Kampf! Das kann man ruhig in jedem Sinn des Satzes verstehen. Denn der epische Kampf im Roman (Ahab gegen Wal ebenso wie Moral gegen Natur oder Glaube gegen Schicksal) ähnelte nicht selten meinem eigenen Kampf mit dem Buch selbst. Ohne den Leselog hätte ich sicher nicht bis zum Ende durchgehalten. Denn inzwischen ist meine Toleranzschwelle hier sehr niedrig.

Trotzdem: Ich bin froh, das Buch als Ganzes kennengelernt zu haben. Viele Szenen waren wirklich großartig und gesprenkelt mit schönen und auch witzigen Beschreibungen. Ishmael st, sofern er vorhanden ist, ein angenehmer Erzähler. Die vielen Anekdoten haben zwar abgelenkt, aber das Buch auch bereichert. Als Ganzes ist der Funke dennoch nicht auf mich übergegangen – warum Moby-Dick als einer der wichtigsten amerikanischen Romane gilt, ist mir wenigstens nicht glasklar geworden. Mir kam das Mammutwerk dazu sehr ungeschliffen und fast schon chaotisch vor. Aus anderen dicken Wälzern der Weltliteratur wie dem Ulysses oder der Suche nach der verlorenen Zeit konnte ich da mehr gewinnen. Nun ist Melville aber auch schon älter, eine andere Generation. Und das merkt man halt.

Wie gesagt hat mir das Leselog beim Entlanghangeln des Wals sehr geholfen. Mein Fehler war hier sicher, den gesamten Schmöker in wenigen Wochen durchzuackern. Das liegt natürlich teils daran, dass ich euch nicht ewig mit Leselogs zuschütten wollte. Für so ein langes Buch wären aber kleinere Abschnitte angebracht gewesen. Am Leselog als „Format“ halte ich dennoch fest. Das hat Spaß gemacht. Vielleicht nehme ich mir als nächstes einen alten Liebling vor oder halt ein schmales Büchlein. Das könnte ich mir auch gut vorstellen.

The drama’s done. Moby-Dick Leselog 10

Moby-Dick Leselog{123-135; Ende} Diesmal etwas verfrüht wegen Urlaub 🙂

Ich habe es geschafft! Der Wal ist bezwungen (der Arme) und alle sind tot. Alle? Nein! Ein unbeugsamer Seemann namens Ishmael – hört nun auch auf, dem Leser seine Kassette ins Ohr zu drücken.

Auf dem Höhepunkt der Handlung erreicht auch Ahabs Wahn den Höhepunkt. Übrigens hat er einen neuen Kompass gebaut. Auch die Crew wird vom Jagdfieber angesteckt, was richtig unheimlich ist: Plötzlich sind alle ganz scharf darauf, den unbekannten Wal zu töten (aber gut, ihnen wurde ja auch Gold versprochen). Aber ich greife voraus.

Ahab freundet sich mit dem geistig verwirrten Pip an und lässt ihn in seiner Kabine schlafen. Auch das passt ja perfekt, eigentlich ist es eher seltsam, dass die zwei sich erst jetzt anfreunden. Später entfernt sich Ahab aber auch wieder von Pip, der anhänglich wird. Seine naive Loyalität lässt Ahab an seinem Racheplan zweifeln, darum kann er nicht zu viel Zeit mit Pip verbringen.

Derweil häufen sich die bösen Omen: Bei der ersten Wache in Moby-Dicks Gebiet geht ein Mann über Bord und kann auch mit dem Rettungsring nicht gerettet werden. Und was macht man da? Der Mann ist verloren, aber der Ring kann ersetzt werden: Aus Queequegs Sarg soll ein neuer Rettungsring entstehen. (Queequeg war ja zuvor todeskrank gewesen, bis er plötzlich gesundete.) Ein Habicht stiehlt Ahabs Hut und versenkt ihn im Meer. Der Habicht gilt als Symbol für drohende Gefahr.
Außerdem trifft die Pequod auf die Rachel, die Moby-Dick gesehen und gejagt hat und dabei ein Boot verlor, auf dem auch der junge Sohn des Kapitäns war. Doch Ahab verweigert jegliche Hilfe (auch wenn es ihm sichtlich schwer fällt), da er keine Zeit verlieren will. Ahab wird immer deutlicher als innerlich zerrissener Mann dargestellt. Schade, dass das erst jetzt verdeutlicht wird. Er vergießt sogar scheinbar eine Träne am letzten Morgen vor der Jagd: Es ist ein ruhiger, wunderschöner Tag. Er unterhält sich mit Starbuck über die Familie, die daheim auf ihn wartet. Jap, Ahab ist verheiratet. Doch auch jetzt kann ihn Starbuck nicht von seinem Plan abhalten. Doch er wirkt verzweifelt. Er versteht nicht, warum er Moby-Dick töten muss, aber er kann nicht abbrechen.

Ahab scheint nicht mehr zu schlafen, sondern hält nun Tag und Nacht Ausschau. Bald kann er Moby-Dick riechen und korrigiert den Kurs seiner Nase folgend. Ein weiteres Zeichen seines Wahns? Oder seines Genies?

Und dann: der Wal ist in Sicht! Ishmael beschreibt Wasser und Wal als schön und friedlich. Doch sobald die Pequod Interesse bekundet, greift Moby-Dick an und ist sehr geschickt darin, nicht nur den Harpunen auszuweichen, sondern die Waffen der Menschen auch gegen sie einzusetzen. Er verwirrt die Fangleinen so, dass die Boote sich rammen und kippen. Er taucht und stößt Ahabs Boot in die Höhe, was Ahabs Bein entzwei bricht. So liefern sie sich ein Gefecht, dass drei Tage dauert. Zwischendurch entkommt der Wal immer wieder.

Am zweiten Tag geht Fedallah verloren. Ahab erinnert sich an Fedallahs Vorhersage, dass er nochmal auftauchen wird, bevor Ahab stirbt.
Am dritten Tag hat die Pequod den Wal in der Nacht überholt, sodass er nun sie jagt. Ahab ahnt das Ende: Er verabschiedet sich von Starbuck und besteigt sein Boot. Da erblickt er Fedallahs Leiche: Sie ist in einer der Fangleinen an Moby-Dicks Leib verfangen. Da nur noch Ahab ein Boot hat, jagt er den Wal allein mit wenigen Männern. Moby-Dick rammt das Boot. Drei Mann gehen über Bord, zwei können sich retten. Die Männer an Deck sind zu Salzsäulen erstarrt. Ein weiterer Habicht taucht auf und reißt die Schiffsflagge der Pequod ab. Ahabs letzter Befehl ist das Anschlagen einer neuen Flagge. Ahab betrauert, nicht mit seinem Schiff untergehen zu können, und wirft voll Hass die Harpune auf Moby-Dick. Er trifft, doch die Leine schlingt sich um Ahabs Hals. Er geht mit dem Wal unter. Zack und weg. Tashtego nagelt einen (oder denselben) Habicht dabei mit an den Hauptmast. Die gesamte Crew verbleibt zu Salzsäulen erstarrt auf dem sinkenden Schiff und verschwindet so schweigend.

Und wo war Ishmael die ganze Zeit? Stellt sich heraus: Er ist der dritte Mann, der aus Ahabs Boote geworfen wurde und nicht mehr hinein kam. An Queequegs Sarg geklammert, überlebt er. Die Rachel, immer noch auf der Suche nach dem Sohn des Kapitäns, findet ihn. Dieser Epilog soll in der Erstausgabe von Moby-Dick gefehlt haben. Ob Melville den Logikfehler erst danach bemerkte oder ob er Ishmaels Rettungsstory im Unklaren lassen wollte, bleibt wohl ein Rätsel.

Viel ist in diesem letzten Teil passiert, darum will ich mein Fazit in einen eigenen Post packen. Den schreibe ich nach meinem Urlaub in zwei Wochen. Bis dann!

Science! Curse thee, thou vain toy. Moby-Dick Leselog 09

Moby-Dick Leselog{102-123}

Wir segeln geradewegs auf den Höhepunkt zu! Ich gebe es zu: Es wird auch Zeit. In diesem Abschnitt war aber echt mal was los. Der Konflikt baut sich auf, Spannungen zwischen Ahab und Starbuck und der Crew und Ahab nehmen zu und die Pequod wird von einem Typhoon erfasst! So viel war im ganzen Buch noch nicht los.

Mein Highlight war ein Kapitel, in dem Starbuck in Ahabs Kabine tritt, wo der Kapitän schläft. Er erblickt Ahabs Musketen und erwägt kurz Mord, um alle vor Ahabs Wahn zu retten. Ein echter interner Konflikt! Starbuck wäre ein wirklich interessanter Protagonist gewesen.

Ansonsten dreht Ahab langsam echt durch. So verliert er die Geduld mit seinem Quadranten, da dieser ihm ja doch nicht Moby-Dicks Standort nennen kann. Also zerstört er das Instrument. Immer eine gute Idee auf dem offenen Meer. Vor allem weil das Meer sich direkt im Folgekapitel zu rächen scheint:
Ein Typhoon überrascht das Schiff, der Sturm reißt die Segel los, der Kompass spielt verrückt (notabene: damit kann Ahab erst mal nicht mehr Moby-Dick jagen) und die Blitze um das Schiff lösen eine sagen wir mal leichte Panik der Crew aus. Doch nichts ist so bedrohlich wie Ahab, der alle an ihren Eid erinnert, den Weißen Wal zu töten. Zur Bekräftigung pustet er eine kleine Flamme am Ende seiner Harpune aus. Ja, alles ist bedeutungsschwer in diesem Abschnitt. Die Harpune müsste die sein, die er wenige Kapitel zuvor mit dem Schmied angefertigt hatte – und nicht im Namen des Vaters, sondern im Namen des Teufels segnete!

Das Schöne dabei: Es gibt trotzdem zwischendurch kleine lustige Einschnitte. Zum Beispiel gibt es ein Minikapitel mitten im Typhoon, in dem Tashtego in gebrochenem Englisch das Ende des Donnerns und stattdessen eine Flasche Rum fordert. Und dann trifft die Pequod wieder mal ein anderes Schiff: Auf der Bachelor ist man gut gelaunt und gesellig, nachdem man erfolgreich Wale gejagt hat. Ahabs Reaktion war einfach zu schön! So nach dem Motto „Macht bloß, dass ihr wegkommt“ 🙂 So viel Frohsinn ist nicht seins.

Was sonst so geschah: Ahab bekommt ein neues Bein. Queequeg wird krank und denkt er stirbt. Dann erinnert er sich einer ausstehenden Erledigung und ist prompt wieder fit. Es gibt auch ein schön atmosphärisches Kapitel, in dem Ahab und Fedallah nachts einen verendeten Wal bewachen und über den Tod sprechen. Dabei macht Fedallah viele Andeutungen zu Ahabs Ende. Der Boss der von Ahab angeheuerten Meute wird aus irgendeinem Grund nur noch „der Parse“ genannt. Ist wohl mysteriöser.

Ich wünschte, in dem Stil wäre das ganze Buch gehalten! Also mehr Abenteuer und meinetwegen auch düstere Vorausdeutungen. Und weniger Quatsch über Walfang. Wofür diese Kapitel gut sein sollen ist mir immer noch nicht klar. Es wäre ein viel besseres Leseerlebnis für mich geworden. Und ich denke, ich hatte auch eher mehr Abenteuer erwartet. Aber wir sind ja noch am Ende angekommen. Das kommt in der nächsten Woche. Darauf bin ich erst mal zwei Wochen in Irland, abder danach will ich noch mal ein „Fazit“ des Leselogs schreiben.

Random Quotes

  • „To produce a mighty book, you must choose a mighty theme.“ – Ishmael, natürlich.
  • „There is one God that is Lord over the earth, and one Captain that is lord over the Pequod.“ – Ahab, logischerweise.
  • „Top-heavy was the ship as a dinnerless student with all Aristotle in his head.“ Keine Ahnung, wrr das gesagt hat, aber es ist allemal ein lustiger Vergleich.

An allegorical meaning may lurk here. Moby-Dick Leselog 08

Moby-Dick Leselog 08

{Kapitel 88-101}

Endlich erkenne ich mal den Sinn eines Exkurses! Es wird erklärt, wie Walfänger das Vorrecht auf einen Wal regeln. Hat eine Crew den Wal schon festgemacht, gehört er ihr (Fast-Fish). Schwimmt er noch, ist er Freiwild (Loose-Fish). Easy.

Und dieses Wissen braucht man, um eins der folgenden Kapitel voll zu vestehen. Das sich als besondes unterhaltsam herausstellte. In dem trifft die Pequod auf einen französischen Walfänger, den man zehn Meilen gegen den Wind riechen kann, denn ein verendeter Wal befindet sich im Schlepptau. Ironischerweise heißt das Schiff „Rosebud“. Stubb (der erste Maat) spricht mit dem einzig englisch sprechenden Matrosen an Bord, der den Kapitän holt. Stubb wirft ihm wüste Beschimpfungen an den Kopf und der Matrose tut so, als übersetze er; man solle den Wal bloß losmachen, sonst würde die Crew bald tödlich krank. Der Kapitän tut wie ihm geraten. Kaum ist das Schiff weg, macht sich Stubb über den nun Loose-Fish her, denn im Inneren von kranken Walen findet sich ein wertvoller Stoff: ambergris.

Weitere Anekdoten dieses Abschnitts beinhalten die Story, wie Pip seinen Verstand verlor (diese Geschichte wurde bereits in den ersten Kapiteln vorausgedeutet); wie Ahab und dann der Rest der Crew nacheinander die magischen Symbole auf der Dublone zu entziffern versucht, die auf den Weißen Wal ausgesetzt sind; und eine weitere Begegnung mit einem Schiff. Dabei trifft Ahab auf einen weiteren Moby-Dick-Veteran; dieser ist leicht an einem Walbein-Arm zu erkennen. Doch Ahab und der andere ergeben kein dynamisches Duo, der andere fragt sogar den düsteren Fedallah, ob Ahab verrückt sei. Der legt zur Antwort nur einen Finger vor seinen Mund. Sehr subtil.

Also jede Menge Andeutungen und scheinbar metaphorische Geschichten – tatsächlich mochte ich diesen Abschnitt insgesamt wieder mehr. Doch einen Part habe ich noch verschwiegen. Zwei Kapitel sind nämlich doch recht deftig, wenn man es darauf anlegt. Bei der Verarbeitung des Wals muss die Crew mit den Händen den Wal-Blubber kneten, damit er nicht zu fest wird. Das Ganze gerät zu einer transzendentalen Massenorgie, wenn man Ishmaels Worten glauben kann:

Squeeze! squeeze! squeeze! all the morning long; I squeezed that sperm till I myself almost melted into it; I squeezed that sperm till a strange sort of insanity came over me; and I found myself unwittingly squeezing my co-laborers’ hands in it, mistaking their hands for the gentle globules. Such an abounding, affectionate, friendly, loving feeling did this avocation beget; that at last I was continually squeezing their hands, and looking up into their eyes sentimentally; as much as to say,—Oh! my dear fellow beings, why should we longer cherish any social acerbities, or know the slightest ill-humor or envy! Come; let us squeeze hands all round; nay, let us all squeeze ourselves into each other; let us squeeze ourselves universally into the very milk and sperm of kindness.

Ich lasse das mal unkommentiert, denn das direkt folgende, sehr kurze Kapitel musste ich in der Tat zweimal lesen, um einen Fehler meinerseits auszuschließen: Darin wird der tote Wal um seinen Penis erleichtert, der gehäutet wird und dessen Haut danach zu einem (Achtung) Umhang verarbeitet wird! Ein Penisfrack. Welche Drogen hatten die eigentlich zu Melvilles Lebzeiten?! Oder ist das am Ende noch historisch? Ich glaube, ich will es gar nicht wissen. (Mit den Walschlachtungskapiteln steht es mir jedenfalls bis hier.)