I try all things; I achieve what I can. Moby-Dick Leselog 07

Moby-Dick Leselog{Kapitel 71-87}

Gleich sieben Kapitel zu äußerlichen Eigenschaften von Pottwalen konnte ich diesmal lesen. Besonders beschäftigt Ishmael die platte Front des Wales, die jegliches Sinnesorgane entbehrt. Außerdem spekuliert er ewig, was der Wal eigentlich versprüht: Ist es Wasser, Nebel oder vielleicht sogar sein eigener Atem?! Auch der Schwanz des Wals bekommt ein eigenes Kapitel (Spoiler: Er ist enorm).

Weitere Fakten und Thesen rund um den Walfang / Ishmaels Cetologie werden erörtert: So gibt es ein Kapitel zum „Heidelberger Fass“ – den Teil des Walkopfs, in dem der vermeintliche „Sperm“ lagert – und zwei „Bonuskapitel“ zu St. Georg und Jonah und den Wal. Den musste die Geschichte ja auch schon mindestens die letzten 20 Kapitel entbehren. St. Georg, der Drachentöter, dagegen ist neu. Es könne auch sein, dass er stattdessen einen Wal erlegt habe und ein Seepferd ritt. Sehr schönes Seemannsgarn, Herr Ishmael. Da hat wohl einer zu viel Grog genossen.

Die restlichen Kapitel erzählen anekdotenhaft von Geschehnissen an Deck der Pequod. Einmal zum Beispiel fällt ein Harpunier in das Heidelberger Fass, was lebensgefährlich ist. Ein zweiter stürzt beim Versuch der Rettung hinterher. Doch wie immer ist Queequeg zur Stelle und rettet beide. Auch in einer Art Anekdote erfährt man von dem Gerücht, Ahab habe einen Pakt mit dem Teufel gemacht. Der Anführer seiner privat angeheuerten Mannschaft, Fedallah, soll dieser Teufel sein. An einer Stelle scheint er keinen Schatten zu haben, ein schön gruseliges Bild.

Zwei Treffen mit anderen Walfängern werden geschildert: Zuerst begegnet die Pequod der Jeroboam, auf der eine Epidemie ausgebrochen ist. Die abergläubische Mannschaft wird inzwischen nicht mehr vom Captain, sondern einem scheinbar wahnsinnigen Seemann geführt. Der hält sich für den Erzengel Gabriel. Dabei schien er noch beim Anheuern ganz normal. Nun glaubt die Crew, er schütze sie vor der Krankheit. Der Prophet bescheinigt Ahab wortreich das baldige Verderben und ist allgemein nicht sehr feinfühlig.

Das andere Treffen ist auch nicht erfreulicher: Der deutsche Walfänger „Jungfrau“ erweist sich als jungfräulich im Walfang – kein Tropfen Öl ist an Bord. Als eine Walschule kreuzt, stürzen sich sowohl die Deutschen als auch die Nantucketer darauf. Es gibt ein Riesengemenge im Wasser und ein alter Pottwal kommt grausam zu Tode. Zu Ishmaels Verteidigung sei gesagt, dass er bei der Jagd auch (aber nicht ausschließlich) Mitleid mit dem großen Wesen empfand.

In dem letzten Kapitel wird die Pequod von Piraten gejagt und jagt danach selbst Wale – die jeweils Verfolgten entkommen. Ob das wohl eine Art Rechtfertigung sein soll? So nach dem Motto: Die Walfänger haben auch kein leichtes Spiel?

Insgesamt frage ich mich langsam, ob es überhaupt noch mehr Hintergrund zu irgendjemandem geben wird, vor allem natürlich zu Ahab. Da hatte ich mir definitiv mehr zu vorgestellt. Andererseits ist der Erzählton meistens heiter-unbeschwert, wodurch sich viel unterschwellige Ironie ergibt. Soviel zum Ausgleich.

Random Quote

Midwifery should be taught in the same course with fencing and boxing, riding and rowing.

Ishmaels Kommentar zu Queequegs so erfolgreicher Rettungsaktion der beiden Harpuniere aus dem glitschigen Walschädel. Was für ein charmanter Vergleich.

The full awfullness of the sea. Moby-Dick Leselog 06

Moby-Dick Leselog

{Kapitel 54-70}

Ich dachte, ich teile an dieser Stelle mal meine Notizen zum Buch. Damit ich den Überblick behalte, mache ich mir nach jedem beendeten Kapitel eine kurze Notiz zum Inhalt desselben. Am Anfang des Buchs war das noch schwierig, weil Dinge passiert sind. Inzwischen … sehe ich das locker.

  • 54 ellenlange Story in der Moby-Dick einen Seemann verspeist
  • 55  alle falschen Darstellungen von Walen
  • 56 Darstellungen von Walen in Büchern
  • 57 noch mehr Waldarstellungen!
  • 58 die gefährliche See (Athmo!)
  • 59 nächtliches Treffen auf den Squid
  • 60 Exkurs Walfangleine
  • 61 Stubb fängt einen Wal
  • 62 Harpuniere sollten nicht rudern müssen
  • 63 Teil an dem die Harpune festgemacht sind
  • 64 Stubb will Walsteak; der unfähige Koch wird gescholten
  • 65 über das Essen von Walen und warum es nicht schlechter ist als andere Steaks
  • 66 nachts Walleiche vor Haien schützen
  • 67 Beginn der Verarbeitung des Wals
  • 68 Walhaut (groß! Und ekelig)
  • 69 Was vom Wale übrig blieb
  • 70 Ahab versucht, dem toten Wal sein Geheimnis zu entlocken (k.A. was)

Moby-Dick wird weiterhin als menschenfressender Wal dargestellt, sodass ein Sinn von Suspense entsteht, ohne dass es einen Kriminalfall dazu gäbe. Echt interessant, das. Dafür schieben sich immer wieder eher zähe Exkurse zu Einzelheiten an einem Walfängerschiff dazwischen oder Vorgehensweisen bei der Jagd. Die ganzen Details zur Verarbeitung des Wals waren für mich als Vegetarier wirklich abstoßend und ich habe nicht so genau aufgepasst wie sonst. Im Grunde wollte ich nur, dass das Thema endlich zu einem Ende kommt.

Sowohl Queequeg als auch Ahab tauchen nur am Rande auf und selbst der Erzähler Ishmael tritt meist in den Hintergrund, wenn er von dem Leben auf See berichtet. Das sorgt für zusätzliche Längen, denn meistens sind die Kapitel ohne Dialog. Eine schöne Ausnahme war die Unterhaltung zwischen Stubb und dem Koch. Stubb hat gerade einen Wal gefangen und verlangt nun (mitten in der Nacht) ein Stück davon als Steak. Dem Koch gelingt es nicht und Stubb gibt ihm auf seine humorvolle Art zu verstehen, dass er wohl kaum ein Koch sei, wenn das vor ihm ein Steak sein solle. Sein Rezept:

Hold the steak in one hand, and show a live coal to it with the other; that done, dish it; d’ye hear?

Am seltsamsten aber war das 54. Kapitel, „The Town-Ho’s Story“. Es ist eine Geschichte in einer Geschichte in einer Geschichte: Ursprünglich haben Walfänger der Town-Ho die Geschichte im Vertrauen an einen Harpunier der Pequod weitergegeben. Der hat aber im Schlaf geredet und musste dann später wach die Lücken füllen. Das Kapitel ist aber als Protokoll einer Unterhaltung zwischen Ishmael und Seemännern in Lima geschrieben, denen er die Story zwei Jahre nach seiner fatalen Reise erzählt.

Durch ein mysteriöses Leck muss die Town-Ho den nächsten Hafen aufsuchen. Durch viele, viele Wirren hinweg gibt es ein direktes Treffen auf Moby-Dick, der einen der Anteilseigner verschlingt. Ich weiß einfach nicht, was mir dieses Kapitel sagen will, denn jede Figur, die hier auftaucht, hat Dreck am Stecken. Der Wal als eine Art göttliche Rachefigur fällt also raus, weil jeder ein Täter ist, aber nur einer getötet wird. Puuh, da fällt mir einfach nix zu ein.

Random Quote

(über den abgetrennten Walkopf von Stubbs Fang): The head looks a sort of reproachfully at him, with an „Et tu Brute!“ expression.

I tell you, the sperm whale will stand no nonsense. Moby-Dick Leselog 05

Moby-Dick Leselog{Kapitel 42-53}

In diesem Abschnitt philosophiert Ishmael über die Farbe Moby-Dicks (Quintessenz: weiß ist böse. Jedenfalls immer dann, wenn es gerade passt). Da kommen dann doch sehr unschöne Ansichten zu Menschen mit Albinismus durch. Und wieder ein schöner Patzer: weiß wird als Absenz der Farben beschrieben – einer von vielen Näherungsversuchen, warum weiß so abstoßend sei. Aber auch da hat Ishmael einen Knick in der Optik (Wortspiel mit bestem Wissen und Gewissen beabsichtigt).

Aber genug davon. Im Grunde wechseln sich hier zwei Handlungsstränge ab, wenn man so will. Der eine ist eine Introspektive zu Walen, Walfang und Ahabs Gemüt. Alles sehr weitschweifig und etwas finster. Sowohl die Wale als auch Ahab kommen aber im Grunde zu kurz; es wird nur spekuliert und angedeutet, zum Beispiel scheinen Ahab Alpträume zu plagen, da man nachts seine Schreie hört. Aber wirklich zu Greifen bekommt man diesen seltsamen Käpt’n nicht.

Was ich noch nicht erwähnte: Ich hatte ja schon mal gesagt, dass mir Behinderungen als Mittel, um Sünden an Figuren sichtbar zu machen, immer unangenehm auffallen. Auch bei Ahab mit seiner Narbe und dem Elfenbeinbein (stimmt so) ist das so. Aber immer wieder redet die Crew über dieses Bein und dass es irgendwie nicht weniger, sondern mehr aus Ahab macht. Es ist sozusagen keine Behinderung, sondern so was wie ein Ritterschlag. Eine interessante Art, Ahabs Figur zu vertiefen – wenn auch wieder nur durch die Sicht anderer.

Aber zur Action: Während dem Wachdienst hört ein Crewmitglied Geräusche unter Deck. Keiner glaubt ihm, dass er dort Menschen gehört hat. Als die erste Waljagd losgeht, löst sich das Rätsel: Ahab hat fünf bisher versteckte Besatzungsmitglieder aus eigener Tasche angeheuert, um bei der Jagd live dabei sein zu können. Die Schiffsanteileigner waren nämlich, wegen des Beins, dagegen, dass Ahab sich selbst beteiligt. Doch mit seinen eigenen Leuten lässt er ein Boot zu Wasser und macht auf eigene Verantwortung mit. Skandal an Bord der Pequod!
Nach diesem Erlebnis – dem Chaos, den „wilden Bestien“, der Lebensbedrohung – macht Ishmael sein Testament. An so kleinen Dingen merkt man Ishmaels Naivität: Er ist nicht so erfahren, wie er vorgibt. Durch später erworbene Expertise peppt er die Geschichte auf, kann sein Unwissen aber nicht ganz verdecken.

Zuletzt wird noch ein Treffen mit einem anderen Walfänger beschrieben und wie die Kommunikation komplett scheitert beim Versuch, sich über Neuigkeiten auszutauschen. Ishmael berichtet über die Gepflogenheiten in so einem Fall und Ahabs Weigerung, ihnen Folge zu leisten. Wer im Wahn einen Wal jagt, der hat keine Zeit für Höflichkeiten.

Random Quotes

It was the whiteness of the whale that above all things appalled me.

Das hier mag ich: Though in many of its aspects this visible world seems formed in love, the invisible spheres were formed in fright.

Ahab, der Besessene: Therefore, the tormented spirit that glared out of bodily eyes, when what seemed Ahab rushed from his room, was for the time but a vacated thing, a formless somnambulistic being, a ray of living light, to be sure, but without an object to colour, and therefore a blankness in itself.

Ein weiser Rat Ishmaels an alle Kerzenliebhaber: For God’s sake, be economical with your lamps and candles! not a gallon you burn, but at least one drop of man’s blood was spilled for it.

Nach der ersten Jagd: Now then, thought I, unconsciously rolling up the sleeves of my frock, here goes for a cool, collected dive at death and destruction, and the devil fetch the hindmost.

Diskussion um Ahabs Bein: “If his leg were off at the hip, now, it would be a different thing. That would disable him; but he has one knee, and good part of the other left, you know.” – “I don’t know that, my little man; I never yet saw him kneel.”

Deweys 24 Hour Readathon April 2017

Dewey 24 hour readathon April 2017So … in wenigen Minuten geht es los! Ich habe schon meine Leseecke vorbereitet, den Bücherstapel und Snacks griffbereit und warte jetzt nur noch auf den „Gong“. Um 14 Uhr startet für mich der erste 24-Stunden-Lesemarathon meines Lebens 🙂

Ich werde im Verlauf des Lesemarathons hier und auf Twitter über meinen Stand berichten. Allen Teilnehmern wünsche ich viele schöne Lesestunden!

Samstag, 17 Uhr: Buch eins beendet!

Gerade bin ich mit Die Seltsamen von Stefan Bachmann fertig geworden. Mein Eindruck während dem Lesen hat sich bestätigt: Kein Lesehighlight für mich, aber ein paar schöne Ideen und Wendungen.

Zwischendurch habe ich auch etwas auf dem Balkon gesessen. Jetzt möchte ich, mit einem Hörbuch bewaffnet, einen kleinen Spaziergang machen, denn das Wetter ist doch noch schön geworden. Ich werde Further Chronicles of Avonlea von L.M. Montgomery hören. Die erste Geschichte habe ich gestern schon gehört und es ist wieder der typische Montgomery-Ton, den ich so gemütlich finde und auf den ich mich freue. Zwischendurch habe ich auch ein wenig in Han Kangs Die Vegetarierin gehört, ein wuchtiges Buch.

Übrigens kann ich im Moment zwei weitere Teilnehmer im deutschsprachigen Raum ausmachen: Natürlich Neyasha und dann noch Taaya.

Samstag, 20:30 Uhr

Deweys Readathon WetterIn der Zwischenzeit bin ich mit meinen Hörbüchern weitergekommen, die mir beide gut gefallen, und habe einen Comic über die jüdische Gemeinde in Rendsburg gelesen und beendet. Vor allem Montgomery’s Kurzgeschichten reißen mich gerade mit. Die bekannten Namen und wiederkehrenden Themen sind zwar nicht originell, aber es ist ein bisschen wie nach Hause kommen, weil ich alles schon so gut kenne, ohne exakt diese Geschichten bereits gelesen zu haben.

Als nächstes nehme ich mir doch mal Die Schule der Rätselmeister vor.

Samstag, 23:00 Uhr

Ich habe mich jetzt in mein Bett verkrochen und bin inzwischen fast halb fertig mit Die Schule der Rätselmeister. Beim zweiten Anlauf ist es doch viel unterhaltsamer, auch wenn der Einstieg mit all den Namen und Orten echt schwierig war. Ich werde noch ein wenig weiterlesen und mich dann aufs Ohr hauen. Daher melde ich mich erst wieder morgen früh. Gute Nacht!

Sonntag, 09:00 Uhr

Frühstück und Patricia McKillip!

Deweys readathon Frühstück

Sonntag, 12:00 Uhr

Ich bin gerade fertig geworden mit Die Schule der Rätselmeister und es hat mir wirklich gut gefallen! Nachdem ich den etwas schwierigen Anfang überwunden hatte und eigentlich nicht viel erwartete, entfaltete sich eine immer komplexer werdende Geschichte. Das Buch ließ sich nicht so schnell lesen, wie für einen Lesemarathon passend wäre, aber ich bin trotzdem froh, es jetzt und in einem Rutsch gelesen zu haben.

Als nächstes will ich Further Chronicles of Avonlea beenden, womit ich in der Zwischenzeit schon zu zwei Dritteln durch bin. Und dann lese ich entweder noch etwas in Rejected Princesses oder Moby-Dick oder ich fange doch noch mit Maus an – im Moment kann ich mich nicht entscheiden!

Sonntag, 14:00 Uhr

Und schon ist der Readathon zu Ende! Leider bin ich nicht mehr ganz fertig geworden mit Further Chronicles of Avonlea, mir bleiben noch an die 40 Minuten. Beim Hören habe ich das Wohnzimmer auf Vordermann gebracht und so noch etwas Nützliches geschafft 🙂

Während Dewey’s habe ich insgesamt gelesen:

Die Seltsamen (vor Dewey’s begonnen, beendet): 184 Seiten
Die Schule der Rätselmeister (beendet): 246 Seiten
Rendsberg Prinzessinstraße (beendet): 54 Seiten
Die Vegetarierin (vor Dewey’s begonnen): 21-58/108 = 1:48 h
Further Chronicles of Avonlea (vor Dewey’s begonnen): 3-26/30 = 5:35 h

Insgesamt 484 Seiten und 7 Stunden und 13 Minuten Hörbuch habe ich in dieser Zeit verschlungen. Ich war wohl etwas über 17 Stunden aktiv dabei.

Es hat mir viel Spaß gemacht, mich mal in aller Ruhe allein aufs Lesen zu konzentrieren. So kam ich auch zu Titeln, die ich ein wenig vor mir hergeschoben habe; siehe McKillip. Ich habe immer noch keine Ahnung,m wie es einige Teilnehmer schaffenm, 24 Stunden ohne Schlaf auszukommen und noch zu kapieren, was sie da lesen und werde es wohl nie selber probieren, aber ich bin hoffentlich beim nächsten Mal im Oktober wieder mit dabei 🙂

So, und jetzt höre ich noch mein Hörbuch zu Ende und wer weiß, vielleicht lese ich dann einfach auf dem Balkon weiter!

There’s the insanity of life! Moby-Dick Leselog 04

Moby-Dick Leselog{Kapitel 30-41}

Und zum erstem Mal langweile ich mich ein klein wenig. Dabei entwickelt sich das Buch immer mehr zu einem Acid Trip. Es ist, als hätte Ishmael genug von seinem konventionellen Erzählton: Jetzt fängt er an, zu halluzinieren und seinen Mitmenschen Worte in den Mund zu legen.

Da gibt es innere Monologe von Crewmitgliedern, Kapitel nach Stil eines Dramas und dann natürlich die Kapitel über Wale.
Auf dem Höhepunkt dieses Abschnitts in Kapitel 37 eröffnet Ahab die Jagd auf seinen Erzfeind und verspricht dem, der ihn tötet, spanisches Gold. Klingt nach einem Deal mit dem Teufel, würde ich mal sagen.
Auf dem Schiff herrscht weiter eine seltsame Stimmung. In diesen Kapiteln wird hervorgehoben, welche seltsame Mischung an Nationalitäten und Gesinnungen hier zusammen gekommen ist. Ishmael mit seinem Weltschmerz ist da eher ein Außenseiter, es gibt kein Kapitel, in dem er mit anderen der Crew interagiert. Es gibt auch ein Kapitel zum Essverhalten in der Kapitänskajüte unter Ahab und den Maats (still, stark hierarchisiert) und dem der Harpuniere (laut und ungezügelt, inklusive bedrohlicher Kaugeräusche).

Der Finsterling Starbuck hat Skrupel, sich an der Jagd auf Moby-Dick zu beteiligen, während der fröhliche Stubb im Traum lernt, Ahab zu achten. Immer wieder wird Ahab in die Nähe des Göttlichen gerückt, ob nun durch andere und deren Wahrnehmung oder durch ihn selbst in seinem Wahn.

Nach all diesen bizarren Kapiteln bekomme ich eine Ahnung, wie das Buch auf die erste Generation an Lesern gewirkt haben muss. Kein Wunder, dass es im großen Stil floppte. Das längste und kurioseste Kapitel hier war aber wohl das, in dem Ishmael Wale klassifiziert. Und zwar in Bücher, nach Größe in Folios, Octavos und Duodecimos. In dem ganzen Kapitel wird der Zusammnehang von Meer und Literatur bemüht: „I have swam through libraries and sailed through oceans“ sagt Ishmael zum Beispiel, ein schönes Bild finde ich. Sonst steht viel Blödsinn in diesem Kapitel, sowohl aus wissenschaftlicher Sicht als auch literarisch. Es gibt bizarre Zitate aus der Fachliteratur* und ein zweits Leitmotiv, das ich allerdings null verstehe, ist England. Ständig heißt es: „das ist wie damals am Trafalgar Square“ oder ähnliches. Ich meine, warum England?

Aber gut, gemessen an den Kapitelüberschriften des nächsten Abschnitts steht mir die erste Begegnung mit der Titelfigur bevor! Yay. Und gerade zufällig entdeckt: Scheinbar stammen viele der Crew-Namen von geografischen Namen ab: Es gibt beim Berg Fedallah (der in einer der Kapitelüberschriften vorkommt) wohl ein Pip-Kliff und ein Flask-Gletscher. Erwischt, Melville! Mal schauen, was es mit diesem Fedallah noch auf sich hat. Aber dazu dann nächste Woche!

*Das Zitat stammt von Carl von Linné (ich habs überprüft, schockierenderweise ist es kein Fake): „On account of their warm bilocular heart, their lungs, their movable eyelids, their hollow ears, penem intrantem feminam mammis lactantem […] ex lege naturae jure meritoque.“ Linné hat natürlich alles auf Lateinisch geschrieben; Ishmael übersetzt den unsittlichen Teil aber hier nicht. Gott bewahre, käme das Wort „Penis“ in seinem Bericht vor! (Oder sind es die weiblichen Brüste, die ihm Sorge bereiten?) Ishmael berichtet im selben Absatz, er und seine Kameraden hielten diese Argumente, den Wal nicht zu den Fischen zu zählen, für Humbug. Was doppelt lustig ist, einerseits wegen des unschicklichen Lateins, wegen dem man nicht ohne Weiteres versteht, worum es geht, andererseits weil Wale nun mal keine Fische sind. Sorry, Ishmael!

Random Quotes

„Far above of al hunted whales, his [des Pottwals] is an unwritten life.“
„Philologically considered, it is absurd.“ Das lasse ich mal so stehen 🙂
Ishmael zu seiner Wal-Taxonomie: „God keep me from ever completing anything.“
Ahab wandert rastlos über Deck und hinterlässt „footprints of his one unsleeping, ever-pacing thought.“
Ahab: „I’d strike the sun if it insulted me.“ Mehr Ahab: „Is, then, the crown to heavy that I wear?“ Noch mehr Ahab: „Damned in the midst of paradise!“

Is he mad? Anyway, there’s something on his mind. Moby-Dick Leselog 03

Moby-Dick Leselog

{Kapitel 14-29}

In diesem Abschnitt kommen Queequeg und Ishmael erst in einem Nantucketer Inn und dann auf ihrem Schicksalsschiff, der Pequod, unter. Während der Vorbereitungen zum Auslaufen zieht Weihnachten an den Schiffsleuten unbemerkt vorbei. Zuletzt, nachdem die Pequod schon einige Zeit auf dem Meer ist, lässt sich Kapitän Ahab endlich blicken.

Unheilsboten

Biblische Anleihen mehren sich, unter anderem taucht ein Seemann auf, der Ishmael und Queequeg verfolgt und praktisch über Ahab lästert. Aber natürlich nicht so, dass man irgendwas verstehen könnte, sondern schön praktisch in Andeutungen. Da ist es doch einfacher, sich auf die Bibel zu berufen, denn der Kerl heißt Elijah. Also der Prophet, der König Ahab einen göttlichen Shitstorm voraussagt, weil der (ich glaube durch die Hochzeit mit der Baal-Anbeterin Isebel) praktisch zum religiösen Nestbeschmutzer wurde. Alles sehr ominös also.

Die Wahl des Schiffs dagegen ist glasklar verständlich.

Es stehen drei Schiffe zur Wahl: die Pequod (Name eines ausgerotteten Indianerstammes), die Devil-Dam („Mutter des Teufels“) und die Titbit („Leckerbissen“). Man sieht deutlich, was Melville getan hat: Ishmael als gottesfürchtiger Mann kann die Debildam nicht besteigen, und einem Schiff, dass sich Leckerbissen nennt, sollte wohl niemand vertrauen. Er wählt sozusagen das geringste Übel.
Doch die Pequod gehört vielen Anteilhabern und hat neben Ahab, der sich nicht blicken lässt, zwei Kapitäne: Bildad und Peleg, der eine belesener Quäker, der andere mehr zupackend und gesprächig. Die beiden kümmern sich um die Angelegenheiten des Schiffes bis zum Auslauf, wenn Ahab das Kommando übernimmt. Ishmael lässt sich viel Zeit, die wichtigsten Personen der Mannschaft kurz zu umreißen. Die drei Maats (der finstere Starbuck, der lustige Stubb, der rachsüchtige Flask) und die Harpuniere (Queequeg, Tashtego, der edle Indianer, und Daggoo, ein wild wirkender Afrikaner). Die Stimmung an Deck vereint demnach viele Facetten zwischen wild und „zivilisiert“, zwischen Abenteuerlust und Rachsucht; von Ahab habe ich noch nicht viel gesehen, aber es ist fast,  als seien es alles abgespaltene Persönlichkeiten seiner selbst.

Ahab ist bislang wortkarg.

Sein Ersatzbein besteht aus Elfenbein (?), auf dem Schiffsdeck gibt es eine Kerbe im Boden, in der er das Ende dieses Beins festhaken kann, um an Deck standhaft zu bleiben. Eine weiße Narbe verläuft quer über seinen Körper, vom Scheitel zur Sohle scheinbar. Die Metaphorik hier ist klar, auch wenn aus heutiger Sicht nicht gerade die feine englische Art. (Eins meiner verhasstesten Klischees: Körperliche Anomalien als Audruck seelischer Anomalien. Na toll, aber mal sehen, wohin uns das hier führt.)

Kleines Schmankerl zum Schluss:

Auf der Pequod muss Queequeg die Stellvertreterkapitäne erst von seinem Können überzeugen (was ihm keine Mühe bereitet), bevor er einen Vertrag unterschreiben darf. Peleg erwartet nicht, dass Queequeg schreiben kann und sagt, er solle einfach sein Zeichen unter den Vertrag setzen. Ironischerweise kann er Queequegs Namen nicht aussprechen und nennt ihn Quohog (was eine Muschelart bezeichnet). Rozfrech (und vollkommen gerechtfertigt) unterzeichnet Queequeg mit „Quohog. his X mark.“ Loved it!

Lesemarathon für Fortgeschrittene: Dewey’s

Banner des Dewey 24 hour readathonSeit Jahren umschleiche ich den wohl härtesten Lesemarathon: Dewey’s 24-Stunden-Lesemarathon. Er findet zweimal jährlich statt und dauert, ihr habt es erfasst, 24 Stunden. Jetzt ist der Zeitpunkt günstig, den Schritt zu wagen, denn die nächste Runde findet von 29.-30. April statt. Mit anderen Worten: Man kann sich am ersten Mai von den Strapazen des Dauerlesens erholen.

Natürlich habe ich nicht vor, 24 Stunden ohne Pause zu lesen. Ich möchte die Zeit einfach bewusst mit Büchern verbringen, zwischendurch ein paar Blogs abklappern, twittern und dabei möglichst viel lesen. Essen und Schlafen sind absolut erwünscht, denn ohne werde ich ganz schnell zu einer äußerst unbequemen Person 😀

Der Plan

Der Start hängt von der Zeitzone ab, und für mich heißt das einen Startschuss um 14 Uhr. Perfekt, um vorher noch ein paar Snacks zu besorgen und alles vorzubereiten. Außerdem endet der Readathon so nicht während ich schlafe, sondern ich erlebe den Schluss live mit. Es gibt auch sogenannte Mini-Challenges; mal sehen, ob und inwiefern ich da mitmache.

Als Lektüre habe ich mehrere Bücher ins Auge gefasst:

  • Maus: Diese Graphic Novel wollte ich schon sehr lange lesen und habe sie jetzt endlich zur Hand. Keine leichte Lektüre, aber trotzdem guter Puffer zwischen dickeren Büchern.
  • Apropos dick: Moby-Dick. Natürlich will ich die Gelegenheit nutzen, mit Ishmaels Story weiter zu kommen.
  • Der Pfad im Schnee: Den zweiten Band der Otori-Reihe habe ich mir als Hörbuch ausgeliehen. Der perfekte Lückenfüller für einen Spaziergang oder als Begleitung beim Kochen.
  • Erdzauber: Drei kurze Fantasy-Bücher, die man schnell wegliest. So hoffe ich. Zumindest ein Band sollte drin sein.

Andere Möglichkeiten vom heimischen Bücherstapel (je nach Laune)

  • Versform: Die Edda
  • Kurzgeschichten: Roboter-Geschichten (Isaac Asimov)
  • Spannend: I am Legend, Piraten!
  • Hauptsache kurz: Schlafes Bruder, Im Land der letzten Dinge, Lieber Frühling komm doch bald
  • Kleine Häppchen: Rejected Princesses

… mh, ich brauche eher einen 72 Stunden-Lesemarathon 🙂