The Intimidating TBR ❁ Der furchterregende SuB

Dieses Tag hat sich in die deutschsprachige Buchblogs geschlichen und auch ich finde die Fragen ganz interessant, um einen neuen Blickwinkel auf den eigenen SuB einzunehmen.

1. Ein Buch, das du nicht beendet hast: Don Quijote

Cervantes Don QuijoteDas erste von zwei Büchern habe ich gelesen und damals wegen Unistress abgebrochen. Das Problem: Die zweite Hälfte, so heißt es, ist eine ungefähre Spiegelung der ersten; und schon in der ersten Hälfte gab es genug Wiederholungen, um mich abzuschrecken. Irgendwann habe ich den Mut, noch mal da ranzugehen.

2. Ein Buch für das du einfach noch keine Zeit hattest: Herr der Krähen

Ngugi wa Thiongo Herr der KrähenDieses Buch habe ich auch schon ewig und freue mich wie ein Idiot darauf, es zu lesen. Magischer Realismus aus Afrika ist für mich neues Terrain und ich kann nicht erwarten, es zu betreten. Trotzdem ist das Buch echt lang und kürzere Bücher schieben sich dazwischen.

3. Ein Buch, dass du nicht gelesen hast, weil es sich um eine Fortsetzung handelt: Der Riva Kodex

David Eddings Belgarath der Zauberer, Polgara die Zauberin und Der Riva-KodexDrei dicke, dicke Bücher warten schon seit Jahren auf mich, weil ich erst die ursprünglichen 10 Bücher (!) noch mal lesen wollte, bevor ich zum ersten Mal die Prequel-Reihe zur Hand nehme nehme. Tja, der Reread ist zeitlich leicht aus dem Rahmen gefallen (*hust*) und der Riva Kodex immer noch Teil des SuBs.

4. Ein Buch, dass du nicht gelesen hat, weil es brandneu ist: Die Jahre des Schwarzen Todes von Connie Willis

Connie Willis Die Jahre des schwarzen TodesDas Buch habe ich endlich bestellt, nachdem ich tagelang das Bett hüten msste und dabei mit wachsender Enttäuschung A Disocvery Of Witches angehört habe. Der Zusammenhang? Beide spielen in Oxford, einer meiner Lieblingsorte! Vielleicht wird mir dieser Zeitreiseroman ja besser gefallen.

5. Ein Buch von einem Autor, von dem du schon etwas gelesen hast, das du nicht wirklich mochtest: Verschiedenes von Paul Auster

paul-auster-miscIn der Schule hat mich Moon Palace von Paul Auster voll umgehauen. Statt das einfach wieder zu lesen, habe ich neue Bücher von ihm angehäuft. Bisher konnte mich noch keines so treffen wie meine erste Begegnung mit ihm. Da ich Optimist bin, liegen noch 3 seiner Werke auf meinem ungelesenen Bücherstapel. Eins davon geht sogar Richtung SciFi, darauf bin ich besonders gespannt.

6. Ein Buch, für das du einfach nicht in der richtigen Stimmung bist: The Winter People

Jennifer McMahon The Winter PeopleDas Buch klingt nicht nur spannend, es fühlt sich auch in der Hand göttlich weich an. Anfang des 20. Jahrhunderts wird die kleine Gertie ermordet. Ihre Mutter kann sie aber dank eines alten Spruchs für sieben Tage von den Toten zurückholen. Natürlich kommt für eine Wintergeschichte nur der Winter als Lesezeit in Frage. Und in genau dieser Zeitspanne dann Lust und Zeit auf den englischsprachigen Roman zu haben, ist gar nicht so einfach, wie es klingt.

7. Ein Buch, das du noch gelesen hast, weil es ENORM ist: Vom Winde verweht

Margaret Mitchell Vom Winde verweht DetailEin ziemlicher Wälzer mit dem Ruf, dank der Protagonistin frustrierend und allgemein rassistisch zu sein. Trotzdem steht es auf meiner Sommerleseliste (*I can do this*) und ich bin sehr gespannt, da ich einige begeisterte Leser kenne.

8. Ein Buch, das du wegen des Covers gekauft hast: Little Women

Louisa May Alcott Little WomenLittle Women hätte ich auch locker aus der Bibliothek leihen können. Wäre da nicht diese Puffin Classic Ausgabe, die so schnuckelig war, dass ich beim Auspacken tatsächlich laut gequietscht habe. Ich habe auch schon ein wenig in den Roman reingelesen, bin aber noch nicht zum Rest gekommen.

9. Das ehrfurchtgebietendste Buch auf deinem SuB: 2666

Roberto Bolano 26661000 Seiten unentwirrbarer Plot, der „Unendliche Spaß“ Lateinamerikas. Viele Meinungen zu 2666 sorgten für meine Faszination und meine Ehrfurcht vor diesem Buch. Dazu kommt, dass meine Taschenbuchausgabe gebraucht ist und auch so aussieht. Ein bisschen Angst, dass mir das Teil einfach zerfällt, ist irgendwie auch dabei.

 

Kennt ihr diese Bücher? Könnt ihr mir ein wenig Motivation einimpfen? Oder eine Warnung aussprechen?
Wenn ihr diesen Tag ebenfalls gemacht habt, lasst mir doch einen Link auf euren Beitrag da 🙂

Fremde Welten, liebeskranke Hexen und verzweifelte Hausfrauen: Gelesenes im Juli, Teil 1

Oh witch, please! und einige andere Podcasts, die ich momentan non-stop höre, nehmen mir die Zeit zu lesen. Muss auch mal sein 😉
Das sind die Bücher, die ich trotzdem in den letzten Wochen gelesen habe:

Tonke Dragt: Meere von Zeit. Auf der anderen Seite der Tür

Tonke Dragt Meere von ZeitTonke Dragt war eine Heldin meiner Kinderjahre: Geboren in einem nicht mehr existierendem Land, war sie nicht nur die Autorin meiner Lieblingsbücher, sondern selbst eine faszinierende Persönlichkeit. Doch mit der bis heute unvollendeten „Meere von Zeit“-Reihe bin ich von Anfang an schlecht klargekommen. Die Figuren sprechen seltsam ruppig und eigentlich hat man bis zum Ende höchstens eine wage Vorstellung, was überhaupt los ist. Dazu frustrierte mich Hauptfigur Otto durch sein grundloses Schweigen, wann immer neugieriges Nachfragen angebracht gewesen wäre. Eine faule Masche ist das, um Hintergrundwissen vor dem Leser zu verbergen. Außer ein paar Physik- und Science Fiction-Anspielungen konnte ich aus diesem Jugendroman leider nichts gewinnen.

Deborah Harkness: A Discovery of Witches

Noch ein herber Reinfall war der Auftakt zur All Souls-Trilogie. Dabei fing alles so gut an: Eine junge Wissenschaftlerin stößt in Oxford auf ein verhextes Manuskript und plötzlich haben es sämtliche Zauberwesen auf sie abgesehen. Die Beschreibungen der Stadt und der Bodleian Bibliothek machten mich richtig nostalgisch; auch die Ruderszenen sprachen mir aus der Seele (das Meditative an diesem Sport habe ich noch nirgendwo so treffend beschrieben gesehen). Doch plötzlich verwandelte sich der Roman in eine unsägliche Schnulze. Unfassbar langweilige und so gar nicht romantische Passagen folgten. Am Ende stellte sich sogar heraus, dass der gesamte Band als Prolog für den Rest der Serie zu verstehen ist. Ach ja, und Logik sucht man hier ebenso vergebens wie Spannung. Eine herbe Enttäuschung.

Patricia Highsmith: Ediths Tagebuch

Familie, Haus in den Suburbs, Garten, Freunde: Edith lebt das perfekte amerikanische Leben. Doch die Fassade bröckelt und mit ihr Ediths Psyche.
Patricia Highsmith ist unbestritten die Königin des psychologischen Thrillers. Ihre Beobachtungen sind so präzise wie schockierend. Dabei ist dieser Roman eher bedrückend als spannend. Meine Begeisterung für The talented Mr. Ripley ist immer noch ungeschlagen. Wenn man aber bedenkt, dass Ediths Tagebuch in der amerikanischen Vorstadtidylle derFünziger und Sechziger spielt, passt der gemächlichere Ton vollkommen. Ein „langsamer“ Schocker.

Das Leben: ein Fest, ein Kampf, und immer wieder überraschend. Gelesenes

Leider lag ich eine Woche krank im Bett und habe darum in der zweiten Junihälfte nicht viel gelesen. Ich kann mich einfach nicht genug konzentrieren, wenn ich Fieber und Kopfschmerzen habe, leider.

Ernest Hemingway: Paris. Ein Fest fürs Leben

Hemingway ParisHemingway und ich – keine Lovestory. Gescheitert sind wir schon des Öfteren, so richtig per du waren wir nie. In seinen Memoiren über die Zwanzigerjahre in Paris weckten in mir aber neue Hoffnung. Ich meine, was gibt es Spannenderes als einen Insider-Bericht über diese Epoche: Midnight in Paris, nur real? Ich hatte tatsächlich viel Freude an dem Buch; doch auch diesmal bleibt die Kritik nicht weit. Meine Rezension „Paris: Ein Fest fürs Leben“ hier.

Sara Gruen: Wasser für die Elefanten

Nach Binewskis mein zweiter Zirkusroman des Jahres, aber der Unterschied könnte nicht größer sein. Hier erzählt ein alter Mann aus dem Altenheim von seinen Erinnerungen als Tierarzt in einem der letzten großen Zirken der USA am Ende einer Ära. Die Rahmengeschichte hätte nicht sein müssen und war teils am Rande des Kitsch. Die Teile über den Zirkus haben mir gut gefallen, doch das Genre ist mir letztendlich doch in die Quere gekommen: Die Liebesgeschichte hat mich genervt, weil sie mehr und mehr Platz in der ansonsten flüssigen Erzählung eingenommen hat. Am Ende bleibt ein nur lauwarmes Gefühl zurück. Als Love Story mit schönen Add-ons kann ich Wasser für die Elefanten aber empfehlen.

Andrew Kaufman: Alle meine Freunde sind Superhelden

Andrew Kaufman: Alle meine Freunde sind SuperheldenTom ist umgeben von Superhelden: Selbst seine Frau, die Perfektionistin, ist „anders“. Auf ihrer Hochzeit hat ein Verflossener sie hypnotisiert, sodass Tom nun für sie tatsächlich unsichtbar ist.
Dieses sehr kurze Büchlein versammelt neben Toms Geschichte auch eine Horde abstruser Superheldenfiguren, die mit einer kurzen Beschreibung als hors d’heuvre eingestreut sind. Während dem Lesen war ich gut unterhalten, aber leider waren es eher die höchst originellen Begabungen, die Kaufman sich hat einfallen lassen, die mich gefesselt haben. Die eigentliche Geschichte war eher so là là und mir zu knapp. Knapp umrissene Figuren sind nicht mein Fall, da halfen auch nicht die wunderbar surrealen Situationen und Ideen, die Kaufman hier eingebaut hat.

Erich Maria Remarque: Im Westen nichts Neues

Jahrelang bin ich Remarque ausgewichen – Kriegsgeschichten sind meine Sache nicht. Nachdem ich aber in den letzten Jahren immer wieder begeisterte Stimmen zu dem Roman gehört habe, lieh ich das Buch doch aus. Der Krieg ist hier als menschliche Katastrophe stets präsent, doch geht es ausschließlich darum, wie der Protagonist und seine Kameraden mit der Tatsache umgehen, Teil dieses Krieges zu sein. Mit weiten Gedankengängen zur Menschlichkeit und Unmenschlichkeit des Krieges und teils herzzerreißend schöner Prosa hat mich Remarques Text gewonnen.

Alina Bronsky: Baba Dunjas letzte Liebe

Die Geschichte um Baba Dunjas Leben zwischen verstrahlten Tomaten, ehrfürchtigen Nachbarn und einer fernen Familie in Deutschland hat mir erstaunlich gut gefallen. Eine volle Rezension zu Bronskys Roman habe ich auch geschrieben.

Ernest Hemingway: Paris. Ein Fest fürs Leben

Hemingway ParisIch bin hin und hergerissen, was Hemingway betrifft: Seine Prosa war mir zu spröde, während seine Geschichten mich immer faszinierten. Seine Frauenfiguren waren unausgegoren und allzu klischiert, doch die Protagonisten Mikrokosmen der Komplexität.
Obwohl Paris: Ein Fest fürs Leben als Erinnerungstext nicht dieselben Probleme für mich bereithielt, war es doch wieder mal ein typisches Hemingway-Leseerlebnis.

Die Liste der Dinge, die bezaubernd und spannend fand, ist lang: Seine exzellenten Beobachtungen über die Parser Jahreszeiten; wie er sich an ein Thema nähert und den Leser teilhaben lässt; sein unverhohlener Abscheu gegenüber einigen Autoren war einfach köstlich fies; seine Verwunderung über die eigene Loyalität zu F. Scott Fitzgerald; die Schilderungen über die literarischen Cafés und Bekanntschaften mit anderen Literaten der Zeit; Reminiszenzen an Hungertage, an denen er den Hunger zu einer Inspirationsquelle erhebt, um ihm einen Sinn zu geben.

Dieses Buch liest sich auch viel leichter als Hemingways Romane. Er erzählt leichtfüßig und transportiert so ein Lebensgefühl, das vielleicht konstruiert ist, aber so gut zu unserem Bild von Paris zu dieser Zeit passt. Denn es ist ganz eindeutig, dass Hemingway sich hier äußerst positiv darzustellen versucht und unangenehme Themen umgeht. Da fallen eigene Unzulänglichkeiten unter den Tisch. Was genau zwischen ihm und Stein zu Unfrieden führte? Natürlich Frau Steins Wankelmut und ihre Überheblichkeit.
Auch schildert Hemingway nonchalant, dass er sein Kind von der Katze bewachen lässt, um ausgehen zu können. Zuguterletzt beschreibt er seinen Ehebruch, als wäre er ohne sein Zutun geschehen und unausweichlich gewesen. Ja klar, Hemingway, Ehebrecher wider Willen, du konntest nicht nein sagen, du warst das Opfer gnadenloser Verführung … So konstruiert Hemingway, sehr clever allerdings, so nahtlos, als habe er sich diese Geschichte so auch immer selbst erzählt, ein Bild des jungen, unbescholtenen Schriftstellers mit hohen Ambitionen und klaren Vorstellungen.

Als Portrait von Paris und der literarischen Szene dort in den Zwanzigern ist das Buch weit mehr geeignet als als Portrait Hemingways. Schön zu lesen war es aber unbedingt. Ich bin froh, das nun endlich getan zu haben.

Alina Bronsky: Baba Dunjas letzte Liebe

Baba Dunjas letzte LiebeIch hatte keine Ahnung, worauf ich mich mit Alina Bronskys Roman einlassen würde. Ich hatte nur Gutes darüber gehört, also lieh ich es bei Gelegenheit als Hörbuch, gelesen von Sophie Rois, aus.

Baba Dunja ist die erste, die nach dem Reaktorunglück in ihr Heimatdorf Tschernowo zurückkehrt. Bald folgen andere, doch aus Baba Dunja wird eine Berühmtheit über die Todeszone hinaus. Die resolute Alte hat mit Ruhm aber nichts am Hut, sondern nimmt an, was ihr das Leben bietet: Ein kleiner Garten, verkorkste Nachbarn und vor allem eine Enkelin in Deutschland, die sie noch nie gesehen hat.

Außerdem begleiten Baba Dunja die Geister ihrer Vergangenheit: Mit ihrem verstorbenen Ehemann spricht sie ebenso wie mit dem dahingeschiedenen Hahn der Nachbarin.

Bis heute wundere ich mich jeden Tag darüber, dass ich noch da bin. Jeden zweiten frage ich mich, ob ich vielleicht eine von den Toten bin, die umhergeistern und nicht zur Kenntnis nehmen wollen, dass ihr Name bereits auf einem Grabstein steht. Einer müsste es ihnen sagen, aber wer ist schon so dreist.

Alina Bronsky zeichnet hier ein warmherziges Portrait einer „unrussischen“ (Bronskys Worte in einem Interview) Seniorin, die ihr altes Leben komplett hinter sich gelassen hat und sich keine Vorschriften machen lässt. Die Reaktorkatastrophe spielt in ihrem Leben kaum eine Rolle. Nur, wenn sie mit einem Pinsel ihre Tomaten selbst bestäuben muss oder wenn sie, um in die Stadt zu gelangen, zwei Stunden zur nächsten Bushaltestelle laufen muss. Aber die paar Unannehmlichkeiten sind kaum der Rede wert, denn dafür muss Baba Dunja nicht in einer Mietwohnung in der Stadt leben und bleibt ihr eigener Chef.

Baba Dunja war mir sofort sympathisch, sie kommt gut allein zurecht. Ihr weicher Kern ist gut verborgen, tritt aber doch im Verlauf der Geschichte zutage. Auf der Hälfte des Buches nimmt die Geschichte eine wahrhaft unvorhergesehene Wendung, an die ich mich nicht ganz gewöhnen konnte. Doch auch weiterhin blieb sich Baba Dunja treu. Sophie Rois liest mit schnodderiger, knarziger Stimme und erweckt die alte ‚Grande Dame wider Willen‘ zum Leben.

Von Rotsichtigen, Immigranten und anderen Menschen auf der Suche

Zukunftsvisionen und Bebildertes sind der rote Faden dieser Rückschau. So richtig in Leselaune bin ich nicht gewesen, daher habe ich einige Bücher aus der Comicabteilung geliehen.
Leider kann ich im Moment keine Fotos machen, weil meine Kamera nicht zuhause ist 🙂 Nächstes Mal dann wieder mit Bild.

Jasper Fforde: Grau

„Grau“ ist der erste Band in der Eddie Russett-Reihe von Jasper Fforde. Seine verrückten Ideen kannte ich bereits aus „Der Fall Jane Eyre“, doch in dieser Science Fiction hat er sich selbst übertroffen. In der Zukunft ordnet sich die Gesellschaft in Kasten, die auf Farbsicht basieren. Eddie, nicht besonders intelligent, führungstreu und mit exzellenter Rotsicht, kommt in die Randgebiete als Strafe für ein minderes Vergehen. Und von da an entfaltet sich das Chaos. Genial. Leider existiert bis heute keine Fortsetzung, die weitere Fragen des Romans aufklären könnte. Es sind aber weitere Bände in Planung.

Shaun Tan: Ein neues Land

Dieses wortlose Comic von Shaun Tan schafft es in wundervollen Bildern, einem die Hilfosigkeit zu vermitteln, die Immigranten empfinden, wenn sie ein neues Land zu ihrem Zuhause machen. Die Hauptfigur lässt Frau und Kind zurück und reist in ein fernes, seltsames Land, wo er versucht, sich den Gegebenheiten anzupassen und Arbeit zu finden. Er begegnet anderen Einwanderern, die von ihren Erlebnissen berichten. Eine wunderbare Geschichte, die mich zu Tränen gerührt und mein Verständnis für Exilanten vermehrt hat.

Marjane Satrapi: Huhn mit Pflaumen

Nachdem ich Persepolis so toll fand, wollte ich unbedingt mehr von Marjane Satrapi lesen. „Huhn mit Pflaumen“ ist ebenfalls autobiographisch angehaucht: Erzählt wird die Geschichte von Nasser Ali, einem entfernten Verwandten Marjanes, der eines Tages beschließt, zu sterben. Die Gründe dafür scheinen auf der Hand zu liegen, doch die Wahrheit erfährt man erst ganz am Ende. Der Aufbau der Geschichte und die Dramatik haben für mich leider nicht wirklich funktioniert, unter anderem weil ich Nasser Ali von Anfang an nicht ausstehen konnte und die Auflösung der Geschichte zu konventionell fand. Nur ein Aspekt ging mir wirklich nahe: Dass Nasser Ali die Liebe seines ihm so unähnlichen Sohnes zu ihm ganz falsch einschätzt (mehr zu sagen wäre ein Spoiler).

Emily St. John Mandel: Das Licht der letzten Tage

Ich denke, ich bin mal wieder die letzte, die dieses Buch noch nicht kannte. Wirklich schönes, eher ruhiges Buch über das Leben nach dem Ende der Zivilisation. Es geht um die Sehnsucht nach dem Unwiederbringlichen und um versteckte Verbindungen zwischen Menschen. Und lasst euch nicht in die Irre führen, weil der Roman von vielen als SciFi beschrieben wird: Das ist er nicht. Und auch ohne umfangreiche Shakespeare-Kenntnisse kommt man auf seine Kosten.

Brian Selznick: Die Entdeckung des Hugo Cabret

In diesem Fall ist die Wirklichkeit magischer als die Fiktion. Die schönsten Dinge an diesem Roman sind die, die tatsächlich existieren: Georges Méliès, das Wunder des Films und der Maillard-Automat (der Schreibautomat). Die Zeichnungen und Figuren dagegen fand ich nicht so ansprechend.

Sarah Kuttner: Mängelexemplar

Sarah Kuttner: MängelexemplarMeine beste Freundin hat mir dieses Buch mit unerwarteter Begeisterung in die Hand gedrückt. Ich: Kurzer Blick auf die Dicke des Buchs, Größe der Schrift – keine allzu großer Zeitfresser. „Na gut, ich werde es lesen.“ – Ich habe nicht gerade Luftsprünge gemacht. Üüberraschend habe ich das Buch dann in einem Rutsch gelesen.

Die Hauptfigur und Erzählerin in diesem Roman ist Karo, die mir nichts, dir nichts in eine Depression schlittert. Sie schildert, was die Depression ausgelöst hat und ihren Kampf mit Panikattacken, Suizidgedanken und Antriebslosigkeit. Karo ist eine bissige Type mit großer Klappe und liefert so den Humor, der das Thema Depression nicht nur erträglich macht, sondern in einen unterhaltsamen Ton wickelt. Zum Glück macht Kuttner aus der Kombination Krankheit und Humor keine Depri-Comedy (wie die Verfilmung andeutet).

Allerdings hat mich die zweite Hälfte dann etwas enttäuscht: denn da fällt der Roman leider ins typische Frauenroman-Schema, das im Buch selbst in seiner besseren Hälfte veräppelt wird – Eigentor, Frau Kuttner. Plötzlich geht es viel mehr darum, Karo an den Mann zu bringen, da Frau scheinbar ohne Mann nicht glücklich sein kann. Ah ja.

Also, vielleicht bin ich da überkritisch, aber die Moral „Frau ohne Mann = komplettes Chaos. Frau mit Mann = Erfolg“ gefällt mir so überhaupt nicht.

Insgesamt hat mir das Buch trotzdem gefallen. Karo war als Figur schwierig, aber trotzdem liebenswert und damit gerade komplex genug für die rund 260 Seiten. Und das Thema Depression wird einfach viel zu selten aufgegriffen, wenn man mal bedenkt, wie viele Menschen an verschiedenen Varianten leiden. Da ich selbst nicht unter einer Depression leide, aber liebe Menschen in meinem Umfeld, finde ich jeden Annäherungsversuch an das Thema wertvoll. Auch wenn Sarah Kuttner die Depression nur aus Beobachtungen an anderen schildert. Und wenn das dann auch noch nicht in diesem pseudoverständnisvollen Mitleidston geschieht, sondern als unterhaltsame, kurzweilige Geschichte, dann ist das wenigstens nicht verkehrt.

Fazit: Ich spreche eine halbe Leseempfehlung aus, für die erste Hälfte. Den Umbruch merkt man deutlich; mir scheint es fast, als hätte Kuttner ursprünglich diesen Text eingereicht und hat diesen dann um die zweite Hälfte ergänzen müssen, weil sich Novellen so schlecht verkaufen ….

Gelesen im Mai Teil 2

Schon wieder ein Monat um 😯

Gelesen im Mai Teil 2

Marcel Proust: Der Weg nach Guermantes

Der dritte Teil Auf der Suche nach der verlorenen Zeit hatte viel Salon-Konversation und Bebachtungen über diese Abendgesellschaften zu bieten. Das war einerseits amüsant, weil viele soziale Ungereimtheiten bloßgestellt wurden, andererseits war es auch verwirrend, mit all den Charakteren Schritt zu halten. Vor allem, weil Proust immer mehr anzudeuten beginnt. Zum Beispiel berichtet er von einer Begebenheit und kündigt dann an, man würde diese erst im Folgeband verstehen, wenn die Gründe für das Ereignis enthüllt werden.

Rebecca Gablé: Der König der purpurnen Stadt

Jubel! Endlich kann ich diesen Wälzer von meiner Liste streichen. Nicht, dass mich die Gablé gelangweilt hätte. Ihren Schreibstil und die Gablé-typischen Kniffe und Plots finde ich einfach „gemütlich“, weil sie mir inzwischen so vertraut sind. Zwar finde ich dieses Buch weniger gelungen als die ersten beiden Warringham-Bände, aber meinen Spaß hatte ich trotzdem. Hauptfigur Jonah war mir leider nicht wirklich sympathisch, was meine gemütliche Leserei etwas störte (sonst habe ich ja nichts gegen schwierige Charaktere). Ein teils knallharter Geschäftsmann und oft rücksichtslos als Mann, eine Figur, die ich bei der Autorin nicht erwartet hatte. Das älteste Buch auf meinem SuB, endlich steht es bei den anderen Gablés!

Sarah Kuttner: Mängelexemplar

Dass Mngelexemplar gerade (?) im Kino läuft, ist totaler Zufall, denn dieses Buch hat mir eine Freundin in die Hand gedrückt. Trotz einiger Schwächen hat mir das Buch ganz gut gefallen, sodass eine Vollwert-Rezension folgt.

Ransom Riggs: Die Insel der besonderen Kinder

Nachdem so langsam die ersten Trailer für den Film auftauchen, habe ich das Buch schnell noch gelesen, bevor meine Vorstellung von Eva Green und Konsorten blockiert wird. Der 16-jährige Erzähler der Geschichte sorgte allerdings für einen Erzählton, der nicht wirklich zu der nebligen walisischen Insel passen wollte. Auch einige Aspekte der Geschichte haben absolut keinen Sinn ergeben, sodass ich am Ende nicht überzeugt war.

Der Seidenspinner

Der zweite Teil der Cormoran Strike Krimis hat meine Erwartungen voll erfüllt. Die Hauptcharaktere, die mir ans Herz gewachsen waren, haben auch diesmal nicht enttäuscht. Die Handlung war deutlich direkter als im ersten Band (sowohl die Tat ist blutrünstiger als auch die satirische Darstellung der Schriftstellerszene bissiger) und genauso spannend. Auch in Teil zwei wartet Galbraith/Rowling wieder mit ihr typischen Klischees und Genderrollen auf, nimmt diese aber auch zum Teil aufs Korn. Wie gesagt, ich bekam was ich wollte, und freue mich, irgendwann auch Band drei zu lesen.

Und jetzt?

Ich höre als nächstes Grau von Jasper Fforde, von dem unter anderem Pat Rothfuss seit Jahren schwärmt. Außerdem lese ich (Trommelwirbel) den finalen Band der Malloreon-Saga von David Eddings, die ich 2011 in Großbritannien gekauft habe. Gerade rechtzeitig, den dieses Jahr geht es wieder auf die Insel und ich werde Bücher kaufen, so viel steht fest. Aber das ist ein anderes Thema …

Gelesen im Mai Teil 1

Es ist mal wieder Zeit für eine Veränderung, wenn auch eine kleine: Ich komme ja viel zu selten dazu, Rezensionen zu schreiben. Und dann denke ich noch monatelang: „Aber wenigstens kurz erwähnen hättest du das Buch doch können.“ Wie ärgerlich.

Also werde ich kurzerhand meine Leselisten durch Gelesenlisten ersetzen. In den  Leseliste-Posts nehme ich mir eh meist zuviel vor, da ist es doch besser, einfach zu zeigen, was ich tatsächlich gelesen habe. Da ich für einen Post zuviel lese, teile ich die Gelesen-Beiträge auf zwei Posts auf, alle 2 Wochen einen.

Hier also meine Leserei im Mai, Teil 1:Gelesen im Mai, Teil 1

Corporate Language: Wie Sprache über Erfolg oder Misserfolg von Marken und Unternehmen entscheidet (Armin Reins)

Corporate Language ist wirklich faszienierend für Sprachbegeisterte wie mich: Dabei geht es um das Prägen einer markeneigenen Sprache. Im besten Fall erkennt man die Marke dann an ihrer Wortwahl, dem Tonfall. Da das Thema aber noch relativ frisch ist, gibt es in dem dicken Buch noch nicht soviel Bahnbrechendes zu berichten. Interessant ist es allemal und viel viel Bildmaterial verdeutlicht die angesprochenen Punkte.

Ein Mann in einer fremden Welt (Robert A. Heinlein)

Wie versprochen habe ich diesen Klassiker ausprobiert – und bin wie erwartet ein wenig enttäuscht. In dem Roman (den ich nicht so sehr als SF, sondern mehr als zeitgenössischen Roman bezeichnen würde) geht es um die Verwicklungen die entstehen, nachdem ein Mensch auf dem Mars geboren wurde und dort unter Marsianern aufwuchs. Zurück auf der Erde, wird er von einer Kuriosität zu einem Propheten. Die Prämisse bleibt dabei im Grunde austauschbar; der Protagonist hätte genausogut aus dem Urwald oder einer Höhle kommen können, denn die Marsianer selbst spielen im Buch keine Rolle.

Drifter Volume 1: Crash (Ivan Brandon & Nic Klein)

Vollkommen spontan und unter Zeitdruck habe ich den Comicband Drifter aus der Bib ausgeliehen. Die farbenfrphen Panels und die SciFi-Story haben mich dazu verleitet, s einfach zu probieren. Leider habe ich auch nach Beenden des ersten Bandes in der Reihe keinen Schimmer, worum es überhaupt geht. Ein Kerl namens Abram Pollux stürzt mit seinem Schiff auf einem Planeten ab. Es gibt eine seltsame Zeitverschiebung, die niemand erklären kann und nur Pollux wahrnimmt. Es gibt seltsame Charaktere und Monster, aber nichts davon ergibt einen Sinn. Dazu kommt noch der poeske Erzählton, vollkommen kryptisch und finster. Unnötig zu erwähnen, dass für mich nach Band 1 Schluss ist mit Drifter.

Sorceress of Darshiva (David Eddings)

Der vorletzte Band der Malloreonsaga hielt wieder mehr Action bereit. Allerdings haben mich auch ein paar neue Enthüllungen etwas genervt, da sie eigentlich das gesamte Romankonzept durcheinander werfen. An diesen Stellen spürt man deutlich die „Faulheit“ des Autors. Dennoch freue ich mich auf den finalen Band der Reihe – ich kann mic hnämlich an nichts mehr davon erinnern.

Warren the 13th & the All-Seeing Eye (Tania del Rio, Will Staehle)

Wundervoll illustriertes Kinderbuch um die Geheimnisse eines alten Anwesens. Die kleine Mystery-Geschichte mit ihren komischen bis bizarren Figuren lässt dem Leser keine Verschnaufpausen, ständig passiert noch mehr. Das Buch hat mir Spaß gemacht; als Kind hätte ich die stellenweise etwas gruselige Story geliebt!

Update: 101 Fantasy Projekt (40/101)

Und wieder habe ich zehn Titel des Fantasy Leseprojekts abgearbeitet. Trotzdem werdet ihr nach einzelnen Rezensionen vergeblich suchen. Ich hatte zwar Besserung gelobt, aber unter diesen zehn waren nicht nur wieder einige Fortsetzungen, sondern auch faule Eier. Doch lest selbst in den Kurzeindrücken:101 fantasy leseprojekt Banner

LYNCH, Scott: Die Lügen des Locke Lamora ★ 3/5

Über dieses Buch muss ich wohl nicht viel sagen. Da ich einige Probleme mit dem Gewaltlevel hatte, war ich insgesamt leider nicht so begeistert von dem Renaissance-Venedig-Science-Fantasy-Mix. Ich werde Teil 2 lesen, denn die guten Eindrücke haben deutlich überwogen und für nächstes Mal bin ich jetzt auch besser auf den Stil vorbereitet.

David Eddings Malloreon Buch 2 und 3EDDINGS, David: King of the Murgos & Demon Lord of Karanda, (Malloreon 2-3) ★ 3/5

Leider merke ich, wie mich die Lust auf den Rest der Reihe etwas verlässt. Die Schwächen treten immer deutlicher zutage und stören mein Leseerlebnis zusehends. Ich bin allerdings zu der Überzeugung gelangt, dass das Lesen dieser Bücher in meinen Teeniejahren meine sarkastische Ader gefördert hat.

WEIS, Margaret & HICKMAN, Tracy:
Drachenzwielicht & Drachenjäger ★ 1/5

Oje. Ojeojeoje. Die Eröffnungsszene hatte mir richtig gut gefallen (ein Pub, eine Schlägerei, vermummte Typen, Magie). Doch von da an ging es so steil bergab, dass ich mich schon arg gequält habe. Diese Serie sollte das Pen and Paper Spiel Dragonlance bewerben und das spürt man. Sehr oberflächliche Charaktere irren hier episodenhaft durch eine sehr einfach gehaltene Fantasywelt.

L’ENGLE, Madeleine: Die Zeitfalte ★ 2/5

Die ZeitfalteFest entschlossen war ich, für diesen hierzulande nicht so bekannten Kinderbuchklassiker eine Rezension zu schreiben. Bis ich ihn las. Die Hauptfiguren bleiben einem seltsam fern und die ganze Reise zur Errettung des verschollenen Forscherdaddies kommt irgendwie willkürlich zustande. Das Gelingen beruht weiterhin darauf, dass die Kinder angestachelt von drei Feen, die ich eher creepy fand, Hass gegen ein ihnen fremdes Wesen entwickeln, ohne selbst zu reflektieren oder eine Meinung zu bilden. Kurz: Ich war kein Fan.

THOMPSON WALKER, Karen: Ein Jahr voller Wunder ♥ 3/5

Viel mehr hatte ich von diesem Roman erwartet. Die Prämisse klingt genau nach meiner Art Buch: Die Erdrotation verlangsamt sich immer weiter. Durch die Augen eines Teenagers wird geschildert, welche Auswirkungen das auf das Leben und die Gesellschaft hat. So weit, so großartig. Am Ende driftete die Geschichte aber doch etwas zu sehr in YA-Romance-Gefilde ab, weshalb es mir nicht ganz so gut in Erinnerung bleiben wird.

ATWOOD, Margaret: Der Report der Magd ★ 3/5

Margaret Atwood Der Report der MagdDass Margaret Atwood sich mit Oryx und Crake sofort in mein Herz geschrieben hat, hatte ich hier bereits mehrfach erwähnt. Auch dieses Buch ist ungemein clever, schockierend und politisch aufgeladen. Die Textsorte (die zu erörtern allein schon ein Spoiler wäre) machte aber einen Erzählton notwendig, der es mir unmöglich machte, eine Verbindung zur Protagonistin aufzubauen. So hat mich Der Report der Magd auf seltsame Weise kalt gelassen.

BUTCHER, Jim: Sturmnacht #1 ★ 4/5

Harry Dresden SturmnachtWirklich großen Spaß hatte ich mit dem Serienauftakt der Dunklen Fälle des Harry Dresden. Antiheld Harry bringt mit seiner knarzigen Art und den vielen ungelösten Erzählsträngen frischen Wind in ein Subgenre, dass ich schon aufgegeben hatte. Da Magie hier sehr naturwissenschaftlich angegangen wird, hat sie sich besser in das urbane Setting eingefügt als in anderen Urban Fantasies, die ich kenne. Mit den Folgebänden rechne ich damit, mich ernsthaft in Harry und die anderen Figuren zu vernarren.

ZIMMER BRADLEY, Marion: Die Nebel von Avalon ★ 2/5

Die Nebel von AvalonMehr Verbotene Liebe als feministisches Manifest war mir diese langwierige Artusversion. Was an und für sich nicht schlecht ist, nur über 1100 Seiten etwas lästig. Vor allem, wenn sich immer wieder vorsintflutliche Gendertypen in den Text schleichen. Eins kann ich aber nun sicher sagen: Ich liebe die Artuslegende. Ich sollte mehr Adaptionen ausprobieren.


Eine sehr durchmischte Runde also mit Harry Dresden als Highlight. Darum habe ich auch direkt Band 2 gekauft.
Weitere Neuzugänge für das Projekt sind Barry Hugharts Die Brücke der Vögel, Silbermantel von Guy Gavriel Kay und Der Fluss der Seelen von Diana Wynne Jones. Alle habe ich in öffentlichen Bücherregalen gefunden und dafür auch ein wenig an der Leseliste getüftelt (zum Beispiel ist nun doch für’s Erste Chaucer rausgeflogen). So befinden sich im Moment 22 der noch zu lesenden Titel in meinem Besitz. Bis zum nächsten Update bin ich also immer noch gut versorgt 😉